Leonding ist mit Einwohnern die viertgrößte Stadt in Oberösterreich. Im Norden grenzt sie mit der Donau an Puchenau, im Osten an Linz, im Süden an Traun und im Westen an Pasching und Wilhering. Leonding gehört zum politischen Bezirk Linz-Land, der zuständige Gerichtsbezirk ist der Gerichtsbezirk Traun.
Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts mit etwa 5000 Einwohnern weitgehend ländlich geprägt, führte ein bis heute anhaltendes starkes Bevölkerungswachstum zu einem großen Aufschwung. 1975 wurde Leonding zur Stadt erhoben, seit 2011 ist es die einwohnerreichste Stadt des Bezirks.
Bekannt ist die Stadt heute vor allem als Sitz einiger großer Industrieunternehmen sowie als grünes, teilweise durchaus noch ländliches Wohngebiet am Rande der Großstadt Linz. Gemeinsam mit seinen Nachbargemeinden gehört Leonding zum zweitgrößten Ballungsraum der Republik Österreich.Eurostat Urban Audit: Metropolregionen (Larger Urban Zone) (abgerufen am 19. März 2014)
Während der Name der Stadt in Leonding meist auf der ersten Silbe betont wird ([]), liegt die Betonung im Rest Österreichs üblicherweise auf dem o ([]).
Geografie Leonding liegt auf 287 Metern Höhe im Zentralraum. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 5,8 Kilometer, von West nach Ost 7,4 Kilometer. Die Gesamtfläche beträgt 24,1 Quadratkilometer. 8,7 Prozent der Fläche sind bewaldet, 59,8 Prozent sind landwirtschaftlich genutzt. Das größte zusammenhängende Waldgebiet ist der Kürnberger Wald. Der höchste Punkt befindet sich in Rufling mit einer Höhe von circa 435 Metern.
Nachbargemeinden
Stadtgliederung mini|Lage der Ortschaften Leondings
Leonding gliedert sich in drei Katastralgemeinden und insgesamt 22 Ortschaften. Die einzelnen Ortschaften unterscheiden sich dabei sowohl strukturell als auch landschaftlich stark. Der hügelige Norden um Holzheim ist genauso wie der landwirtschaftlich geprägte Westen und Südwesten, um Staudach, Rufling und Jetzing eher dünn besiedelt. Relativ dicht besiedelt ist das Zentrum selbst sowie die südlichen Stadtteile Haag, Hart und Doppl.
Katastralgemeinde Ortschaft EinwohnerLeondingAlhartingBuchbergDopplFellingGaumbergHaagHartImbergLeonding-ZentrumReithSankt IsidorUntergaumbergHolzheimAichbergBergFrieseneggHolzheimZaubertalKG RuflingBerghamEnzenwinklJetzingRuflingStaudach
Klima Das Klima im Raum Leonding ist sowohl subozeanisch als auch subkontinental geprägt. Die Temperatur schwankt im langjährigen Monatsmittel zwischen −0,7 °C im Jänner und 19,9 °C im Juli. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt rund 50 mm in den Monaten September bis April und steigt bis zu rund 110 mm in den Sommermonaten Juni, Juli und August an. Die Jahresniederschlagsmenge beträgt im Durchschnitt rund 870 mm.
Seit 2003 ist Leonding Klimabündnis-Partnerstadt.
Geschichte Vorchristliche Zeit Ein aus der Zeit 5000 v. Chr. (Jungsteinzeit) stammender Siedlungsplatz mit 34 Gruben aus mindestens zwei verschiedenen Phasen mit Linearbandkeramik aus der älteren Jungsteinzeit und Tongefäßen sowie Gefäßscherben aus der mittleren Jungsteinzeit (Paschinger Straße) wurde gefunden. Weiters wurde ein über 6.300 Jahre altes Körpergrab (Leondine) aus der mittleren Jungsteinzeit mit vier schönen Tongefäßen und anderen Beigaben entdeckt.
Streufunde (Altfunde) aus dem Bereich mehrerer Leondinger Altortschaften, viele davon auf Anhöhen und im Kürnberger Wald werden auf die Jungsteinzeit datiert.
Verschiedene Funde aus der Bronzezeit wurden in mehreren Leondinger Altortschaften gemacht, besonders ergiebig waren sie in Berg, Alharting und Gaumberg sowie in der „Reingrub“ im Kürnberger Wald (Hügelgräberfeld). Ein Depotfund wurde im Dörnbacher Wald gemacht, es gibt außerdem Hinweise auf eine teilweise Besiedelung des Kürnberges.
Die Reste einer Frühsiedlung wurden auch im Ortszentrum von Leonding (spätbronzezeitliche/frühhallstattzeitliche Fundkeramik) aufgedeckt, die auf 1300 bis 800 v. Chr. datiert wird.
Mittelalter Im Jahr 1013 wird Leonding zum ersten Mal als Liutmuntinga urkundlich erwähnt. Der Name ist auf den Personennamen Liutmunt zurückzuführen. In den folgenden Jahrhunderten kam es immer wieder zu Lautverschiebungen: So wurde aus Liutmuntinga zuerst Leuwentingen, dann Leuntingen und Lantyng. 1667 war schließlich das erste Mal von Londing zu lesen.leonding.at
Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte der Ort seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. Seit 1490 wird er dem Fürstentum Österreich ob der Enns zugerechnet. In den folgenden Jahrhunderten war Leonding bzw. der Kürnberger Wald immer wieder Schauplatz großer Jagden, beispielsweise von Maximilian I ab dem Jahr 1500. Im Jahr 1686 veranstaltete Kaiser Leopold I. mit dem Grafen Khevenhüller unter Anwesenheit von mehr als 1000 Personen eine Hirschjagd im Kürnberger Wald.
Neuzeit Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt. Unter anderem besetzten im Jahr 1800 1.500 Franzosen den Ort und forderten jahrelang Verpflegung und Quartier.
mini|Einer der erhaltenen Türme der Turmbefestigung Linz Die Erfahrungen in den Koalitionskriegen gaben den Anlass zum Bau einer Befestigungsanlage, deren Bau ab 1831 als Turmbefestigung Linz begonnen wurde. Neun der ursprünglich 27 Türme befanden sich auf Leondinger Gemeindegebiet. Heute sind noch vier der Leondinger Türme erhalten und dienen als Wohn- und Arbeitsraum.
1850 konstituierte sich die erste Leondinger Gemeindeverwaltung. Die ersten Bürgermeister waren fast ausnahmslos angesehene Bauern und Gutshofbesitzer.
Ab 1858 wurde die Kaiserin-Elisabeth-Bahn, die heutige Westbahn, durch Leonding gebaut, eine Haltestelle wurde in Leonding aber erst 1881 eingerichtet. 1911 folgte die Linzer Lokalbahn.
1898 bis 1905 wohnte Adolf Hitler als Kind mit seinen Eltern in Leonding, sein Elternhaus existiert noch heute und beherbergt momentan das städtische Bestattungsunternehmen. Die Eltern, die 1903 bzw. 1907 starben, liegen im Leondinger Friedhof begraben. Das Grab wurde allerdings 2012 aufgelassen, da es immer mehr zu einem Treffpunkt von Neonazis wurde.Welt.de: Österreich löst Grab von Hitlers Eltern auf
Erste Republik Die Gründung der 1. Republik und die Schaffung demokratischer Verhältnisse bedeutete für Leonding einen großen Umbruch. Kamen zwischen 1850 und 1919 mit einer Ausnahme sämtliche Bürgermeister aus dem Bauernstand, so brachten die Wahlen 1919 große Veränderungen mit sich: Die Arbeiterschaft stellte eine Mehrheit im Gemeinderat und ein sozialdemokratischer Eisenbahner wurde zum Bürgermeister gewählt.
Die folgenden Jahre waren geprägt von Spannungen und politischen Kämpfen zwischen den beiden Lagern. 1922 verbündeten sich Christlich-Soziale, Großdeutsche und Freiheits- und Ordnungspartei und erzwangen Neuwahlen, wo sie stimmenmäßig zwar als Bürgerliche Einheitsliste den Sozialdemokraten unterlegen waren, jedoch gleich viele Mandate im Gemeinderat erreichen konnten. Das Los entschied, dass Alfons Wagenhofer, damaliger Besitzer des Schloss Rufling, neuer Bürgermeister wurde. 1924 wiederholte sich die Situation, wieder lagen die Sozialdemokraten vor der Einheitsliste. Wieder entschied das Los für den bürgerlichen Bürgermeister. 1926 entspannte sich die Situation, man einigte sich auf Karl Schrattenholzer, einem gemäßigten Sozialdemokraten, als neuen Bürgermeister, der dann 1929 bei den letzten freien Gemeinderatswahlen der 1. Republik einen klaren Sieg erringen konnte.
Austrofaschismus Durch die Stadtrandlage zu Linz spielte auch Leonding im österreichischen Bürgerkrieg eine gewisse Rolle. Während in Linz am 12. Februar 1934 heftige Kämpfe tobten, machten sich in Leonding Hunderte Schutzbündler bereit, in die Kämpfe einzugreifen. Geplant war, gemeinsam mit anderen Kämpfern aus Traun und Nettingsdorf, die Munitionsdepots in Hart und im 13er-Turm anzugreifen. Durch die schnelle Niederschlagung der Kämpfe in Linz kam es in Leonding kaum zu Kämpfen, jedoch wurden 37 Sozialdemokraten verhaftet.
In der Folge wurden der demokratisch gewählte Gemeinderat und der sozialdemokratische Bürgermeister abgesetzt. An die Stelle des Gemeinderats trat ein sogenannter ständischer Gemeindetag, dem Gewerbetreibende, Bauern, Lehrer und auch der Pfarrer angehörten. Bürgermeister der Vaterländischen Front wurde der Leondinger Bauer Franz Bäck.
Zeit des Nationalsozialismus mini|Das Haus, in dem Hitler ab 1900 wohnte
Bereits am Tag nach dem Anschluss Österreichs besuchte Hitler Leonding, das Grab seiner Eltern und sein ehemaliges Wohnhaus. Kurz darauf wurde der Dorfplatz in Adolf-Hitler-Platz umbenannt. In den folgenden Monaten wurde die Eingemeindung von Leonding, gemeinsam mit anderen Gemeinden wie Traun und Pasching, in ein neues Groß-Linz intensiv vorbereitet. Die Umsetzung wurde dann allerdings kriegsbedingt aufgeschoben, lediglich der 1,5 Quadratkilometer große Stadtteil Keferfeld wurde am 1. Oktober 1939 eingemeindet.nachrichten.at Während des Krieges fielen bei 22 US-amerikanisch/englischen Luftangriffen rund 700 Bomben auf Leonding. Noch am 5. Mai 1945, drei Tage vor dem Ende des Krieges, wurde in Leonding gekämpft: US-amerikanische Panzer, die am Tag zuvor den Flughafen Hörsching eingenommen hatten, wurden von Geschützen, die am Buchberg und am Freinberg postiert waren, aufgehalten. Die Wochen nach dem Krieg waren geprägt von einer Unzahl an Flüchtlingen, unorganisierten Wehrmachtssoldaten und ehemaligen KZ-Häftlingen, die durch Linz und Leonding zogen. Auf der Suche nach Nahrung kam es immer wieder zu Plünderungen und Diebstählen.
Nachkriegszeit Während zwischen 1938 und 1945 in Leonding striktes Bauverbot herrschte – man geht davon aus, dass Leonding eine „unverfälschte“ Hitler-Wallfahrtstätte bleiben sollte – wurde nach dem Krieg dringend Wohnfläche benötigt. Alleine die Bevölkerung im Stadtteil Doppl-Hart stieg zwischen 1945 und 1958 von 500 auf 3.000 Personen, die Situation in anderen Stadtteilen war ähnlich. Die Gesamtbevölkerung Leondings stieg alleine zwischen 1951 und 1957 um ein Drittel.
In den folgenden Jahrzehnten wurde Leonding von den Linzer Stadtentwicklungsplänen immer wieder miteinbezogen. Leonding wurde Linzer Ergänzungsgebiet und Stadteinflusszone genannt, eine Eingemeindung wurde im damals wirtschaftlich schwachen und finanziell schlecht gestellten Leonding allerdings strikt abgelehnt. In den 1960er Jahren lockte Leonding mit billigem Baugrund und laschen Bauvorschriften, wodurch sich viele Betriebe aus Linz in Leonding ansiedelten. Spätestens seit der Stadterhebung 1975 gibt es seitens der Linzer Stadtpolitik keine ernsthaften Pläne mehr zur Eingemeindung Leondings.
mini|Hochhäuser am Harter Plateau am Tag vor der Sprengung Anfang der 1970er Jahre begann die GIWOG, die VOEST-eigene Wohngenossenschaft, im damals dünn besiedelten Stadtteil Hart die Planung und den Bau mehrerer großer Wohnprojekte. Ein komplett neuer Stadtteil mit Wohnraum für 20.000 bis 30.000 Menschen sollte entstehen. Durch heftige Kritik, teilweise auch durch Fehlplanung – es fehlte zum Beispiel an Geschäften und einer Straßenbahnanbindung – und nicht zuletzt durch die internationale Stahlkrise 1985, fehlte letztendlich der Wille und die finanziellen Mittel für einen Weiterbau. Im Jahr 2003 wurden die beiden von 1972 bis 1974 gebauten und zuletzt stark heruntergekommenen Hochhäuser am Harter Plateau unter großem Interesse der Bevölkerung und der Medien gesprengt.nextroom.at Nach der Sprengung entstanden am ehemaligen Ort der Hochhäuser neue, niedrigere Wohnanlagen.