Ladbergen (plattdeutsch Ladbiärgen) ist eine Gemeinde in der Region Tecklenburger Land (Kreis Steinfurt) im nördlichen Teil von Nordrhein-Westfalen.
Mit 6911 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2023) ist Ladbergen eine der kleinsten Gemeinden im Kreisgebiet. Etwa 700 weitere Personen haben hier – im Wesentlichen bedingt durch die Campinganlagen – ihren Zweitwohnsitz gemeldet.
Geografie mini|Mühlenbach Die Gemeinde Ladbergen befindet sich im Tecklenburger Land mittig zwischen den beiden Großstädten Münster und Osnabrück, die jeweils zirka 25 Kilometer entfernt sind. Durch das Gemeindegebiet führen die Autobahn 1 mit der Anschlussstelle Ladbergen und die Bundesstraße 475. Die westliche Gemeindegrenze ist der Dortmund-Ems-Kanal mit dem Kanalhafen Ladbergen. In direkter Grenzlage befindet sich der internationale Verkehrsflughafen Münster/Osnabrück (FMO) in Greven-Hüttrup. Anders als der Namensteil „-bergen“ vermuten lässt, weist der Ort keine ausgewiesenen Erhebungen aus, sondern liegt auf einem relativ einheitlichen Niveau ca. 50 m über NN. Durchflossen wird Ladbergen von der Ladbergener Aa, die in den Ladberger Mühlenbach mündet.
Nachbargemeinden Das Gemeindegebiet grenzt an insgesamt sechs Städte und Gemeinden. Die nordöstlich gelegenen Tecklenburger Landgemeinden sind Tecklenburg, Lengerich und Lienen. Bereits im Münsterland befinden sich die südlichen und westlichen Nachbargemeinden Saerbeck, Greven und Ostbevern (Kreis Warendorf).
Geschichte mini|1000-Jahr-Stein mini|Skulptur Afrouper von Anne Daubenspeck-Focke Ladbergen wird im Jahr 950 in einer Urkunde des Klosters Freckenhorst erstmals (als „Hlacbergon“) urkundlich erwähnt. Aufgrund von Gräberfunden wird jedoch angenommen, dass das Gebiet der Gemeinde Ladbergen bereits in der Bronzezeit besiedelt war.
Im Jahr 1149 wurde die Gemeinde ein selbstständiges Kirchspiel, das zunächst dem Bistum Münster, später dem Bistum Osnabrück zugeordnet war. Politisch war das Kirchspiel Teil der Grafschaft Tecklenburg.
1246 wurde in Ladbergen von Vertretern der Städte Münster, Osnabrück, Minden, Coesfeld und Herford der Ladbergener Städtebund gegründet. Dieser war ein Vorläufer anderer Städtebünde und der Hanse in Westfalen.Jürgen Karl W. Berns: Propter communem utilitatem. Studien zur Bündnispolitik der westfälischen Städte im Spätmittelalter. Düsseldorf 1991, S. 24–28. (= Studia humaniora. Band 16)
Um 1400 gingen die westlichen Teile der Gemeinde an das Bistum Münster verloren. Um 1533 wurde durch Graf Konrad von Tecklenburg die Reformation eingeführt. In der Folge war die Bevölkerung von Ladbergen bis nach dem Zweiten Weltkrieg praktisch ausschließlich evangelischer Konfession.
Da geografisch zwischen Münster und Osnabrück gelegen, dürfte Ladbergen beim Abschluss des Westfälischen Friedens 1648 eine gewisse Rolle als Durchreisestation der Unterhändler gehabt haben.
1707 gelangte Ladbergen zusammen mit der gesamten Grafschaft Tecklenburg an das Königreich Preußen, bildete seit 1816 eine Bürgermeisterei im Landkreis Münster und wurde 1832 dem Kreis Tecklenburg zugeordnet.Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Münster 1831, S. 401 Im Rahmen der Einführung der Landgemeindeordnung für die Provinz Westfalen wurde 1844 aus der Bürgermeisterei Ladbergen das Amt Ladbergen gebildet, das nur aus der Gemeinde Ladbergen bestand. 1937 wurde die Gemeinde Ladbergen in das Amt Tecklenburg eingegliedert.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde besonders stark aus der Luft bombardiert. Es wurde nachgewiesen, dass in Ladbergen die meisten Bomben pro Quadratmeter im damaligen Deutschen Reich fielen.Willi Riegert: Heimat unter Bomben: Der Luftkrieg im Raum Steinfurt und in Münster und Osnabrück 1939–1945. Laumann Druck, 2003, ISBN 3-89960-235-8. Ziel war es, den westlich vom Ort gelegenen Dortmund-Ems-Kanal an den beiden Glane-Durchlässen unter der Alten und 2. Fahrt zu zerstören, um den für die deutsche Kriegswirtschaft wichtigen Schiffstransport zwischen Nordsee und Ruhrgebiet zu unterbinden. Die ersten Angriffe im Juli und September 1940 verursachten nur unbedeutende Schäden am Kanal, die den Schiffsverkehr nicht behinderten. Bei der Operation Garlic im September 1943, in der schwere Lancaster-Bomber im Tiefflug den Kanal angriffen, gingen 5 von 8 Bombern mit ihren Besatzungen verloren, ohne dass die Durchlässe wegen schlechter Sicht zerstört werden konnten. Erst beim Angriff in der Nacht vom 4. auf den 5. November 1944 konnte die Alte Fahrt und deren Durchlass vollständig zerstört werden. Die Alte Fahrt wurde nicht wieder instandgesetzt. Weitere Angriffe mit bis zu 212 Lancaster-Bombern und 11 Mosquito-Mehrzweckkampfflugzeugen alle drei bis vier Wochen sorgten dafür, dass die 2. Fahrt bis zum Kriegsende – von sehr kurzen Unterbrechungen abgesehen – für den Schiffsverkehr gesperrt werden musste. Die beim Angriff vom 3. auf den 4. März 1945 verursachten Schäden am Durchlass waren dermaßen groß, dass der Schiffsverkehr bis über das Kriegsende hinaus ausgesetzt werden musste.
Das 1. Canadian Parachute Battalion nahm im Rahmen der Operation Plunder Ladbergen von Greven kommend am 1. April 1945 ein. Weitere Angriffe auf Ladbergen und den Kanal erfolgten danach nicht mehr.
Obwohl der Ort nicht das Angriffsziel war, gab es aufgrund der Luftangriffe in 1944 und 1945 in der Zivilbevölkerung 28 Todesopfer in Ladbergen, 52 in Leeden und 1 in Nordhorn zu beklagen. Bei den Luftangriffen von 1943 bis 1945 starben unmittelbar 193 australische, britische, irische, kanadische, neuseeländische und südafrikanische Besatzungsmitglieder von abgestürzten Lancaster-Bombern, 3 starben später an ihren Verletzungen und 15 werden vermisst.
Ein Bericht des Rüstungsministers Albert Speer an Adolf Hitler vom 11. November 1944, der bei Kriegsende erbeutet wurde, besagt: 'Die Luftangriffe auf den Dortmund-Ems-Kanal und das Eisenbahnnetz haben der deutschen Kriegsindustrie zu dieser Zeit schwerwiegendere Rückschläge zugefügt als jede andere Art von Bombardement.'
Die ersten Instandsetzungsarbeiten der 2. Fahrt des Dortmund-Ems-Kanals nach dem Zweiten Weltkrieg begannen im Juli 1945. Eine englische Baupioniereinheit übernahm einen Teil des Bauvorhabens. Im Februar/März 1946 erfolgte die Kanalfüllung und die Wiederaufnahme der Schifffahrt.
Mit Wirkung vom 1. Oktober 1949 schied Ladbergen wieder aus dem Amt Tecklenburg aus und bildete eine amtsfreie Gemeinde mit eigener Verwaltung.
Am 1. Januar 1975 wurde Ladbergen um Gebietsteile von Saerbeck und Greven vergrößert und aus dem aufgelösten Kreis Tecklenburg in den neu gegründeten Kreis Steinfurt umgegliedert.
Wappen Blasonierung: „Unter einem roten Schildhaupt mit zwei goldenen Bienen, im silbernen Feld drei (2 : 1) rote Seerosenblätter.“
Die beiden Bienen weisen auf die Lage Ladbergens in einer Heide- und Moorlandschaft hin, in der jahrhundertelange Bienenzucht weit verbreitet war. Nach einer Urkunde mussten schon im Jahre 950 Ladberger Bauern Honig an das Kloster Freckenhorst als Abgabe entrichten. Die drei Seerosenblätter symbolisieren, dass Ladbergen einst Teil der Grafschaft Tecklenburg war. Sie stammen aus dem ehemaligen Tecklenburger Grafschaftswappen.
Besonderheiten Auch aufgrund der geologischen Spezifika (u. a. landwirtschaftlich schlecht nutzbarer Boden) und der geschichtlichen Entwicklung als evangelische Randgemeinde im Tecklenburger Land (die Einwohner der drei münsterländischen Nachbargemeinden Ostbevern, Greven und Saerbeck waren ursprünglich fast ausnahmslos katholisch, die Bevölkerung der anderen drei Nachbargemeinden Tecklenburg, Lengerich und Lienen bekannte sich zusammen mit den Ladbergern seit dem 16. Jahrhundert wegen der Zugehörigkeit zur Grafschaft Tecklenburg nahezu vollständig zum evangelischen Glauben) ergeben sich einige Ladberger Besonderheiten: Ladbergen hatte die größte Auswanderungsquote in Deutschland des 19. Jahrhunderts: etwa 37 % der Bevölkerung des Ortes sind im 19. Jahrhundert ausgewandert. Viele ursprüngliche Ladberger Familien tragen Namen, die es nur in Ladbergen gab oder auch noch gibt – hierzu gehören Rahmeier, Wiethölter, Schoppenhorst, Wibbeler und andere. In Ladbergen wurde bis in die 1930er Jahre fast ausschließlich „Ladberger Platt“, eine Variante des niederdeutschen Platts, gesprochen. Heute verstehen die meisten Einwohner noch diesen ursprünglichen Dialekt, sprechen können ihn aber überwiegend nur noch die Älteren. Seit der Gründung der Bundesrepublik und seiner gemeindlich-kommunalen Selbstständigkeit im Jahr 1949 ist Ladbergen eine der „Hochburgen“ des politischen Liberalismus der Münsterlandkreise und in ganz Deutschland.
Religion mini|Evangelische Kirche in Ladbergen mini|Auferstehungskapelle, Friedhof am Rott mini|Christophorus-Statue im Innenhof der St.-Christophorus-Kirche in Ladbergen, geschaffen ca. 1979 vom Arzt und Bildhauer Egon Lichte aus Coesfeld Evangelische Kirche
Die Kirche der evangelischen Kirchengemeinde wurde 1853 errichtet.Stefan Eismann: Kirchenbaugeld für Glocke „verschwendet“. Ladbergener erregten 1842 den Zorn des Freiherrn von Vincke. In: Unser Kreis. Jahrbuch für den Kreis Steinfurt, Jg. 24. (2011), S. 148–151, hier S. 151. Sie liegt im Zentrum des Ortes am Marktplatz. Das Taufbecken in der evangelischen Kirche von Ladbergen (eine große Muschel) wurde der Kirchengemeinde Ladbergen von dem Missionar Heinrich Sundermann geschenkt.
Katholische Kirche Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen durch Vertriebene aus Schlesien wieder Katholiken nach Ladbergen. Zunächst waren sie mit ihren Gottesdiensten Gäste im Evangelischen Gemeindehaus, dann entstand 1961 eine Behelfskirche aus Holz, bevor 1980 die neu erbaute St.-Christophorus-Kirche mit Gemeindezentrum (und dem zuvor erbauten Christophorus-Kindergarten) an der Waldseestraße eingeweiht wurde. Zum Kirchweihjubiläum im Oktober 2005 kamen zur vorhandenen Glocke zwei weitere neu gegossene Glocken hinzu. Zu diesem Zeitpunkt erschien ein Buch über die Geschichte der Gemeinde mit dem Titel „Nicht aus Steinen, sondern aus Menschen gebaut“. Fast die gesamte künstlerische Ausstattung der St.-Christophorus-Kirche wurde von dem Arzt und Bildhauer Egon Lichte aus Coesfeld geschaffen. Heute bildet die St.-Christophorus-Gemeinde zusammen mit den katholischen Gemeinden in Lengerich, Lienen und Tecklenburg die Pfarrei Seliger Niels Stensen.
Konfessionszugehörigkeit Religionszugehörigkeit der Einwohner Ladbergens
Friedrich Saatkamp: Ladbergen. Aus Geschichte und Gegenwart des 1000-jährigen westfälischen Dorfes. 3. Auflage. Ladbergen 1989, S. 333. (1975, ) Zensus 2011, Bevölkerung nach Geschlecht/Nationalität und Religionszugehörigkeit - Stichtag 09.05.2011 Zensus 2022, Bevölkerung nach Geschlecht/Nationalität und Religionszugehörigkeit - Stichtag 15.05.2022Jahr Einwohner evangelisch römisch-katholisch sonstige 1895 2064 2060 4 - 1931 2507 2498 9 - 1939 2762 2715 35 12 1950 3607 3256 325 26 1958 3622 3302 282 38 1970 4278 3744 477 57 1974 5265 4085 1058 122 1980 6295 4507 1559 229 1988 6175 4291 1538 346 2011 6372 3861 1466 1045 2022 6765 3327 1505 1934 Die Tabelle verdeutlicht die geografische Lage Ladbergens im größtenteils evangelisch geprägten Tecklenburger Land, gegenüber dem katholischen Münsterland. Heute ist etwa die Hälfte der Bevölkerung Ladbergens evangelisch und weniger als ein Viertel katholisch.
Politik
Gemeinderat
Nach den Kommunalwahlen seit 2009 verteilten sich die Sitze des Gemeinderats folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: +Partei/Gruppierung2025Wahlergebnisse der Gemeinde202020142009CDU8887FDP4235SPD7777GRÜNE3543Gesamt222222 Zusätzlich gehört der Bürgermeister dem Rat an.
Bürgermeister