mini|Lage des Wracks Im Azorian-Projekt (auch bekannt als Teil des Jennifer-ProjektsDas Azorian-Projekt – Bergung von U-Boot K129. Mehrteilige Dokumentation von 2014, zdf_info-Sendung vom 4. Januar 2015.) versuchte die Central Intelligence Agency (CIA) unter strikter Geheimhaltung das gesunkene sowjetische U-Boot K-129 (sowjetische Bezeichnung: PL-574The Shocking Story of How the Navy Snatched A Dead Russian Submarine From the Bottom Of the Ocean In: The National Interest 27. Dezember 2018. Abgerufen am 7. Februar 2021.) vom Meeresgrund zu bergen. Bereits kurz nach dem Untergang 1968 begann die CIA mit ersten Planungen, der Bergungsversuch fand 1974 statt.

Das K-129 sank im März 1968 aus unbekannter Ursache im Nordpazifik. Die sowjetische Marine begann eine intensive Suche, nachdem die routinemäßigen Funkmeldungen des U-Bootes an das Hauptquartier der sowjetischen Pazifikflotte ausgeblieben waren, konnte das Boot jedoch nicht finden. Die Vereinigten Staaten hingegen konnten durch das Unterwasser-Lauschsystem SOSUS die Unglücksstelle lokalisieren. Daraufhin begann die CIA mit der Planung, wie das Wrack zu heben sei, um so nähere Informationen über die sowjetischen Nuklearkapazitäten zu erhalten. Als Tarnung sprang der Milliardär Howard Hughes ein, der vorgeblich zum unterseeischen Abbau von Erz ein Schiff, die Hughes Glomar Explorer, bauen ließ. Tatsächlich finanzierte die US-Regierung das Schiff, welches das Wrack in 5000 Metern Tiefe mit einem Greifarm umschließen und an die Wasseroberfläche bringen sollte. 1974 nahm die Glomar Explorer Kurs auf die Unglücksstelle und schaffte es wie geplant, das Wrack zu greifen. Dieses zerbrach jedoch während des Anhebens, so dass nur ein Teil des Bugs geborgen werden konnte.

Bis dahin blieb die gesamte Operation vor der Öffentlichkeit verborgen, erst 1975 gab es erste Zeitungs- und Fernsehberichte. Im März 1975 deckte die New York Times in einem Bericht des Pulitzer-Preisträgers Seymour Hersh schließlich große Teile des Azorian-Projekts auf. Die CIA selbst gab erstmals 2010 umfangreiche Unterlagen über die Operation frei.

Die letzte Fahrt der K-129 mini|Ein Schwesterschiff der K-129, Projekt 629 (Golf-II-Klasse) Das K-129 war ein dieselelektrisch angetriebenes U-Boot mit ballistischen Raketen des Projekts 629, die Länge betrug rund 100 Meter, und die Besatzung bestand aus rund 80 Mann. Die Hauptbewaffnung bestand aus drei ballistischen Raketen vom Typ SS-N-5 Serb mit jeweils einem nuklearen Sprengkopf mit einer Sprengkraft von rund einer Megatonne TNT-Äquivalent und einer Reichweite von bis zu 1500 Kilometern. Um die Batterien, die den Elektromotor antrieben, aufzuladen, musste das U-Boot in regelmäßigen Abständen einen Dieselgenerator laufen lassen. Dabei musste es dicht unter die Wasseroberfläche steigen, um über einen Schnorchel Frischluft für den Verbrennungsmotor anzusaugen und die Abgase ablassen zu können.

Aufgabe der K-129 und ihrer Schwesterschiffe war es, im Rahmen der nuklearen Abschreckung mit ihren Raketen im Pazifischen Ozean zu patrouillieren und dabei die Raketen in Reichweite der amerikanischen Westküste zu halten.

K-129 wurde um 1960 in Dienst gestellt, ihre dritte und letzte Patrouillenfahrt begann um den 24. Februar 1968 von ihrem Heimathafen in Petropawlowsk-Kamtschatski aus. Ziel war eine Seeregion nordöstlich von Hawaii.Anon: Project Azorian: The Story of the Hughes Glomar Explorer (PDF-Datei; 3 MB). In Studies in Intelligence, 1985. An Bord befanden sich 86 Mann. Während der Tauchfahrt Richtung Patrouillengebiet meldete sich die K-129 jeweils während des Schnorchelns noch einige Male routinemäßig bei ihrem Hauptquartier auf Kamtschatka. Ab März 1968 blieben die Meldungen jedoch aus. In den folgenden Wochen führte die sowjetische Marine eine großangelegte Suche entlang des vorgesehenen Kurses der K-129 durch, konnte das Boot jedoch nicht orten. Die United States Navy jedoch hatte die Ozeane partiell mit festen Lauschstationen durchsetzt, diese bildeten das sogenannte Sound Surveillance System (SOSUS). Mehrere Stationen hatten am 8. März eine Unterwasserexplosion aufgezeichnet, die auf einen Punkt rund 1500 Meilen nordwestlich von Hawaii in der Gegend um bestimmt wurde. Der Meeresgrund befindet sich dort rund 5000 Meter unter der Wasseroberfläche. In Kombination mit dem Wissen über die Suche der sowjetischen Flotte schloss die US Navy, dass die Sowjetunion ein U-Boot verloren haben musste. Der Grund der Havarie ist bis heute unbekannt.

Verlauf des Azorian-Projekts Vorbereitungen Planungen Die USA hatten einen Vorteil: Sie kannten den Ort, an dem das Wrack des sowjetischen U-Bootes lag, während die Sowjetunion ihre Suche erfolglos beenden musste. Im Verteidigungsministerium und bei der CIA begannen daraufhin Überlegungen, ob es möglich wäre, Teile des Wracks zu heben, um so einen Einblick in den Stand der sowjetischen Marine- und Waffentechnologie zu erhalten. Die erst kurz zuvor zu einem Spionage-U-Boot umgerüstete USS Halibut, ausgerüstet mit Kameras und Unterwasserscheinwerfern, die an Kabeln in die Tiefe herabgelassen werden konnten, wurde zum Ort des Unglücks geschickt.The New York Times: Navy Has Long Had Secret Subs For Deep-Sea Spying, Experts Say 7. Februar 1995 (engl.). Tatsächlich konnte die Halibut das Wrack lokalisieren und soll bis zu 22.000 Fotos gemacht haben, die bisher nicht veröffentlicht wurden.

Der stellvertretende Verteidigungsminister David Packard kontaktierte daraufhin den Director of Central Intelligence, Richard Helms, und beauftragte die CIA mit der Bildung einer Arbeitsgruppe, die einen Plan zur Bergung des Wracks entwickeln sollte. In der CIA wurden John Foster, Director of Defense Research and Engineering, und Carl Duckett, Deputy Director for Science and Technology, als Koordinatoren eingesetzt. Die operative Leitung der Operation lag bei John Parangosky.

Diese Arbeitsgruppe erarbeitete drei Möglichkeiten, wie das Wrack zu heben sei. Es wurde überlegt, schwere Seilwinden zu benutzen, die das Wrack direkt anheben können. In einem zweiten Szenario sollten schwimmfähige Materialien mit Ballast auf den Meeresgrund gebracht und dort am Wrack befestigt werden. Nachdem der Ballast ausgeklinkt worden wäre, wäre das Wrack wesentlich leichter zu heben. Drittens überlegten die Geheimdienstler, etwa durch Elektrolyse leichte Gase im Wrack zu erzeugen, und so den Auftrieb zu vergrößern. 1970 entschied die CIA sich für den direkten Ansatz, bei dem das Wrack ohne zusätzlichen Auftrieb von einem Schiff an der Wasseroberfläche angehoben werden sollte. Als Tarnung sollte verbreitet werden, dass das Schiff nach Manganerzen suchen und diese vom Meeresgrund abbauen wolle. Ein Executive Committee (ExCom) mit hochrangigen Mitgliedern aus Regierung, Militär und Geheimdiensten genehmigte Ende 1970, mit der Umsetzung dieser Option zu beginnen. Die Mitglieder schätzten die Erfolgschancen der Operation auf 90 %.

Politische Diskussion 1971 stand das Azorian-Projekt kurz vor dem Abbruch, als die geplanten Kosten in immer neue Höhen schnellten und verstärkt Unsicherheit aufkam, ob das Konzept funktionieren könne. Zwischen dem ursprünglichen Vorschlag 1970 und August 1971 waren die Kosten um 50 % angestiegen; wie viel Geld veranschlagt wurde, ist nicht bekannt. Medienberichten zufolge sollen die Gesamtkosten 1974 bei rund 500 bis 550Norman Polmar: Naval Institute Guide to the Ships and Aircraft of the U.S. Fleet. US Naval Institute Press, Annapolis 2005, ISBN 978-1-59114-685-8. S. 251. Millionen US-Dollar gelegen haben. Laut anderen Angaben lagen die geschätzten Kosten bei 300 Millionen Dollar, erreichten aber zuletzt ein Budget von 800 Millionen Dollar bei Abschluss. Letztlich wurde der Bau des Schiffes aber noch 1971 freigegeben, da der potentielle Informationsgewinn das Kostenrisiko überwog.

1971 verließ Packard, eine treibende Kraft der Operation, das Verteidigungsministerium, im ExCom wurde er von dem designierten stellvertretenden Verteidigungsminister und ab 1972 als Vizeaußenminister amtierenden Kenneth Rush ersetzt. Dieser stand der Operation weit kritischer gegenüber als sein Vorgänger. Befeuert wurde diese Einschätzung durch Stellungnahmen vom Chief of Naval Operations, Elmo R. Zumwalt, Dr. Hall aus dem Verteidigungsministerium und dem Direktor der Defense Intelligence Agency, Vizeadmiral Vincent P. de Poix. Diese schätzten den geheimdienstlichen Wert des Wracks als weit niedriger ein als dem ExCom zuvor dargelegt. Admiral Thomas H. Moorer, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff, schloss sich dem an.

Daraufhin setzte Rush ein Gremium ein, das neutral eine Wertung über Wert und fiskalische wie operative Risiken der Operation abgeben sollte. Nach einer grundsätzlich positiven Einschätzung entschied Präsident Richard Nixon, das Azorian-Projekt fortzuführen.

Hughes Glomar Explorer mini|Hughes Glomar Explorer Um die Geheimhaltung des Azorian-Projekts zu wahren, war die CIA an Howard Hughes herangetreten, dessen Firma Global Marine bereits Schiffe zum Abbau unterseeischer Ressourcen betrieb. Die CIA bat Hughes, als Eigner der geplanten Plattform für die Bergung von K-129 aufzutreten. Hughes willigte ein.

Im April 1971 gab Global Marine bekannt, ein Arbeitsschiff namens Hughes Glomar Explorer bauen zu wollen, um Manganknollen vom Meeresgrund zu sammeln. Bauwerft wurde Sun Shipbuilding in Chester, Pennsylvania. Hauptmerkmal war eine Ladebucht im Schiffsboden, aus der ein rund 50 Meter langer Greifarm zum Meeresgrund hinuntergelassen werden konnte. Er wurde von Gestängen in Position gehalten, die über einen rund 80 Meter hohen Förderturm eingefädelt werden mussten. An Bord befanden sich 600 rund neun Meter lange Teile des Gestänges. Die beiden neben dem Förderturm stehenden Gittertürme hielten den Greifarm unter dem Schiff fest. Die Seilwinden waren dafür ausgelegt, die rund 7000 Tonnen des Gewichts von K-129, der Gestänge und des Greifarms zu heben. Über fünf Strahlruder konnte ein Computer das gesamte Schiff exakt über auf dem Meeresgrund ausgesetzten Sonartranspondern halten. (engl.). Allein die Glomar Explorer soll nach Schätzungen 350 Millionen Dollar gekostet haben. Die Besatzung bestand aus rund 170 Mann.

Am 9. November 1972 lief das Schiff vom Stapel, nach Erprobungsfahrten verließ die Glomar Explorer die Werft im April 1973. In der zivilen Werft war die Klaue zur U-Boot-Bergung noch nicht eingerüstet worden. Der Greifarm in seiner Größe hätte unmöglich für die Bergung von Manganknollen verwendet werden können und hätte so die Tarnung gefährdet. Nach weiteren Tests vor den Bermudas begann im August die Fahrt in den Pazifik. An Bord befanden sich 96 Mann, davon gehörten 47 zur regulären Besatzung, die auch für die spätere Operation vorgesehen war. Die restlichen 49 waren Angestellte von Global Marine und waren nur für die Überführung an Bord. Die Glomar Explorer durchquerte die Magellanstraße und erreichte den Pazifik, wo sie in einem 60-Knoten-Sturm Wellen bis zu acht Metern abreiten musste. Zur Versorgung ankerte die Glomar Explorer am 12. September in Valparaíso, Chile. So lag das Schiff während des Putsches in Chile dort im Hafen, konnte aber am 13. September bereits wieder ablegen. Am 30. September erreichte es Long Beach, Kalifornien.