Die Puhdys waren eine deutsche Rockband. Als Gründungsjahr gibt die Band 1969 an. Bereits zuvor gab es die Puhdys in ähnlicher Besetzung, die sogenannten „Ur-Puhdys“. Die Puhdys zählen zu den bekanntesten Rockbands der DDR. Nach der Bekanntgabe ihrer Auflösung im Februar 2014 gab die Band Anfang 2016 in Berlin ihr letztes Konzert.

Die letzte Besetzung bestand aus Dieter „Maschine“ Birr, Peter „Eingehängt“ Meyer, Dieter „Quaster“ Hertrampf, Peter „Bimbo“ Rasym und Klaus Scharfschwerdt.

Bandgeschichte Vor der Wende Vorläufer der Gruppe war die 1965 gegründete Udo-Wendel-Combo, der neben Sänger und Gitarrist Udo Wendel Peter Meyer (Keyboard), Harry Jeske (E-Bass) und Udo Jacob (Schlagzeug) angehörten. Nach Wendels Weggang im selben Jahr vervollständigte Dieter Hertrampf (Gitarre, Gesang) die Formation, die sich fortan nach den Anfangsbuchstaben der Vornamen – P, U, H und D – Puhdy-QuartettBandgeschichte bei rock-and-drum.de, abgerufen am 6. Oktober 2016 bzw. ab 1966 Puhdys nannte. Anfangs spielte man Tanzmusik.Zum Tod von Udo Jacob (Puhdys, Panta Rhei): Vom Wirken des kleinen „u“. deutsche-mugge.de, 1. Februar 2013; abgerufen am 6. Oktober 2016 Hertrampf begann 1966 eine Musikerausbildung und schloss sich später dem Teisco-Quartett – wo er auf Schlagzeuger Gunther Wosylus traf – und anderen Bands an. Meyer leistete von 1966 bis 1968 seinen Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee ab und spielte währenddessen im Musikkorps Eggesin. Die Besetzung der Puhdys wechselte häufig; so gehörten kurzzeitig auch Herbert DreilichInterview mit Dreilich. deutsche-mugge.de; abgerufen am 7. Oktober 2016 und – als Vertretung für Meyer – Reinhard LakomyPorträt Lakomys. deutsche-mugge.de; abgerufen am 7. Oktober 2016 zur Gruppe, die rückwirkend häufig als „Ur-Puhdys“ bezeichnet wird.Beispielhaft: Porträt Dieter Hertrampfs. deutsche-mugge.de; abgerufen am 7. Oktober 2016 Udo Jacob verließ die Band im Mai 1969 und schloss sich später Panta Rhei an. Nach Jacobs Weggang traten Meyer und Jeske zusammen mit Dreilich sowie Henry und Jutta Kotowski als Mitglieder des Henry Kotowski Quintetts auf, das aus dem Henry Kotowski Sextett hervorgegangen war.

1969 kehrten Peter Meyer und Dieter Hertrampf zurück; Dieter Birr (Gesang, Gitarre) und Gunther Wosylus (Schlagzeug) kamen ebenfalls hinzu. Den Namen behielten sie bei. Der erste Auftritt unter altem Namen in der neuen Besetzung am 19. November 1969 im Tivoli in FreibergTorsten Hampel: Die Endlosband In: Der Tagesspiegel vom 3. Januar 2009 galt fortan als Gründungstag der Puhdys. In diesem Konzert spielten sie ausschließlich englischsprachige Coversongs.

1970 erhielt die Band ein Auftrittsverbot im Bezirk Karl-Marx-Stadt: Zwei Kulturbeauftragte hatten bemängelt, dass alle Texte auf Englisch gesungen worden seien und die Leistung der Musikanlage mit 200 Watt mehr als die üblichen 70 bis 80 betragen hätte. Auch habe es „die Kapelle“ nicht verstanden, den Ablauf so zu gestalten, dass „jedwede Hektik unter den jugendlichen Tänzern hätte vermieden werden können“. In der Folge kam es zu einer Aussprache mit den Behörden. Daraufhin schrieben die Puhdys eigene Lieder auf Deutsch, und das Verbot wurde aufgehoben.

Stilistisch lehnte man sich zunächst an Hard-Rock-Vorbilder wie Deep Purple, Uriah Heep und Led Zeppelin an. Mit Eigenkompositionen und Texten von Wolfgang Tilgner und Burkhard R. Lasch entwickelte sich die Formation zur erfolgreichsten DDR-Rockgruppe der 1970er Jahre. Größere Bekanntheit erlangten die Puhdys 1971 durch die Sendungen Basar und Die Notenbank im Fernsehen der DDR. Initiiert durch einen Aufruf von 150 Berufsschülern aus Gardelegen wurde dort der spätere Hit Türen öffnen sich zur Stadt gezeigt.Sensationelle Entdeckung: Puhdys: Urknall einer Legende, Berliner Kurier, 29. August 2013 Im Folgejahr wurde Geh dem Wind nicht aus dem Wege der „Schlager des Jahres“.

mini|links|Konzert 1992 in Eberswalde Im Jahr 1973 spielten die Puhdys die von Peter Gotthardt und Ulrich Plenzdorf geschriebenen Lieder Wenn ein Mensch lebt und Geh zu ihr als Filmmusik zu Die Legende von Paul und Paula (Regie Heiner Carow) ein. Dabei wurden die angedachten Titel Spicks and Specks von den Bee Gees und Look Wot You Dun von Slade wegen Devisenmangels durch Eigenproduktionen ersetzt, denen die starke Ähnlichkeit zum Original anzuhören ist. Im selben Jahr waren sie in dem Film Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow mit drei Titeln zu sehen.

Ebenfalls 1973 hatten sie auf den X. (10.) Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Ost-Berlin ihren ersten Großauftritt. 1976 traten sie beim Internationalen Liederfestival in Sopot auf. Sie waren eine der wenigen DDR-Bands, die Konzerte im westlichen Ausland geben durften.

Ihre ersten Auftritte in Westdeutschland hatte die Gruppe am 24. April 1976Sächsische Zeitung, 18./19. April 2026, Seite 12 beim Festival der Jugend in der Dortmunder Westfalenhalle und am 9. November 1976 in der Hamburger Fabrik, hinzu kamen Auftritte in West-Berlin. 1977 traten sie als erste DDR-Band im Musikladen von Radio Bremen mit Wenn ein Mensch lebt und Reise zum Mittelpunkt der Erde (aus Puhdys 1) auf. Bis 1977 erzielten die ersten beiden Alben Auflagen von über 400.000.H. P. Hofmann: Beat Lexikon. Interpreten, Autoren, Sachbegriffe. VEB Lied der Zeit, Berlin 1977, S. 144. 1977 wurde Rock ’n’ Roll Music, das erste englischsprachige Puhdys-Album, veröffentlicht. Es enthielt ausschließlich Coverversionen anglo-amerikanischer Künstler. 1979 erschien das Lied Doch die Gitter schweigen, ein Auftragswerk des DDR-Fernsehens zum Polizeiruf-110-Film Die letzte Chance. Im selben Jahr verließ Drummer Gunther Wosylus die Band, um einige Jahre später in den Westen zu gehen. Für ihn kam Klaus Scharfschwerdt (ex-Prinzip). In London nahmen die Puhdys 1980 ihr zweites englischsprachiges Album auf – diesmal mit eigenen Songs wie Far From Home. 1981 gaben die Puhdys ein Konzert in der Waldbühne in West-Berlin vor 12.000 Besuchern und unternahmen eine Promotion-Tour durch die USA.

1982 erhielten sie als erste DDR-Rockband den Nationalpreis der DDR (Nationalpreis der DDR II. Klasse für Kunst und Literatur).

mini|Konzert am 2. September 2005 im Familiengarten Eberswalde 1984 erschien auf der LP Das Buch mit dem Titel Ich will nicht vergessen ein Lied, das gezielt das Thema Deutsche Teilung und insbesondere das Wort „Deutschland“ enthielt, das im offiziellen DDR-Sprachgebrauch praktisch tabu war. Dieses Lied durfte nicht im Radio oder Fernsehen der DDR gespielt werden, wurde aber schnell unter dem alternativen Titel Denke ich an Deutschland als eine „heimliche Hymne“ der DDR bekannt. Durch die bundesweite Übertragung des Konzertes im hessischen Niedernhausen vom 21. August 1987 durch RTL Plus und Tele-F.A.Z. im Kabelfernsehen gelangte die Band auch in der Bundesrepublik zu immer mehr Popularität. Zu ihrer 1989 erschienenen LP Neue Helden steuerte Kurt Demmler vorsichtig vorweggenommene Wende-Lyrik bei.

Die Puhdys wurden von den Lesern der DDR-Jugendzeitschrift Neues Leben zwölf Mal zur beliebtesten Rockband der DDR gewählt.Offizielle Website, abgerufen am 8. Februar 2010

Einige Alben wurden in nennenswerten Auflagen auch in der Bundesrepublik Deutschland und anderen westlichen Ländern verkauft und brachten der DDR beachtliche Devisen ein. Weltweit verkauften die Puhdys bis zur Wende fast 20 Millionen Alben, so viel wie keine andere DDR-Rockband.

Zeit der Wende bis heute Von 1988 bis 1989 verabschiedete sich die Band mit einer großen Good-Bye-Tour durch die DDR und die Bundesrepublik Deutschland, auf der sie teilweise von den Lords begleitet wurden. Als Manager wurde Jörg Stempel engagiert. 1992 kam es zur Wiedervereinigung: Ihre ersten Auftritte hatten die Puhdys auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld und in Paderborn. Sie waren eine der wenigen etablierten Ostrockbands, die auch in dieser Zeit erfolgreich blieben.

Der letzte DDR-Innenminister und Präsident von Hansa Rostock, Peter-Michael Diestel, bat die Puhdys 1994, eine Vereinshymne zu produzieren. FC Hansa – Wir lieben Dich total wurde zum Start der Fußball-Bundesligasaison 1994/95 im Ostseestadion aufgeführt.Andreas Baingo: FC Hansa Rostock. Wir lieben Dich total! Sportverlag Berlin, Berlin 1995, ISBN 3-328-00692-3, S. 120. Ein weiteres Lied für einen Sportverein erschien 1997 mit Hey, wir woll’n die Eisbär’n sehn! für den Berliner Eishockey-Verein Eisbären.

1997 verließ der Bassist Harry Jeske aus Gesundheitsgründen die Band und wurde durch Peter „Bimbo“ Rasym (ex-Stern Meißen, ex-Datzu) ersetzt. Am 19. Juni 1999 wurden die Puhdys im 30. Jubiläumsjahr bei ihrem 3000. Konzert in der ausverkauften Berliner Waldbühne von 22.000 Fans bejubelt. Außerdem wirkten Dieter Birr, Dieter Hertrampf und Peter Meyer 1999 in dem Film Comeback für Freddy Baker mit Mario Adorf mit.

Dem Berliner Fußballclub 1. FC Union wurde 2000 der Song Eisern Union 2000 gewidmet. Zudem schrieben sie für den SC Paderborn 07 noch die Vereinshymne Helden geben nie auf!. Die Puhdys publizierten während ihrer Karriere auch Werbesongs. Im August 2000 öffnete der EuroSpeedway Lausitz seine Pforten. An diesem Tag wurde dort von den Puhdys das Lied Speed Kings offiziell uraufgeführt. Partner waren und sind unter anderen Berliner Pilsner (Was gut ist, setzt sich durch) und EWE (Was braucht man), für die die Puhdys Werbesongs schrieben und spielten. Mittlerweile sind einige Kinder der Puhdys bei Bell, Book & Candle und Stamping Feet erfolgreich musikalisch tätig.

Bei dem 2000er Lied Wut will nicht sterben wirkte der Rammstein-Sänger Till Lindemann mit. Da aber das Management von Rammstein gegen diese „Hilfeleistung“ war, wurde das Lied zuerst mit Lindemann als Single (rotes Cover) und dann ohne ihn als Single (blaues Cover) veröffentlicht. Die Single mit Till Lindemann ist inzwischen sehr rar.

Im Jahr 2004 feierte die Band ihr 35-jähriges Bestehen. Ein Jahr später erschien das Studioalbum Alles hat seine Zeit. Am 6. November 2006 wurde das zweite Weihnachtsalbum, Dezembernächte, veröffentlicht, das wie schon seinerzeit Dezembertage nur über einen Sondervertriebsweg und nicht im normalen Plattenhandel erhältlich war. Das Album konnte bundesweit nur in Filialen der Telekom sowie der Telekommunikationskette _dug erworben werden. Inzwischen kann man das Album auch im normalen Handel beziehen.

Im Juli 2006 nahmen die Puhdys am „East Rock Classic“ auf dem Berliner Gendarmenmarkt teil. Sie spielten neben anderen Ostrockstars wie City, Karat, Dirk Michaelis, Werther Lohse und Ute Freudenberg ihre Titel in den ursprünglichen Versionen. Aufgrund vieler Nachfragen fanden 2007 weitere sechs Ostrock-in-Klassik-Konzerte – diesmal mit Silly, Karat, Veronika Fischer, Werther Lohse und Ute Freudenberg – in Hohenfelden, Schwarzenberg, Dresden, Hannover, Rammenau, Rostock und Berlin statt. Die Fortsetzung dieser Ostrock-Klassik-Konzerte gab es im Sommer 2008. Außerdem gingen die Puhdys im Frühjahr 2008 erstmals auf „Unplugged“-Tour durch einige Städte in Niedersachsen.