Produktkonfiguratoren sind Computerprogramme, mit denen die Spezifikation von Produkten kundenindividuell für Angebote oder Bestellungen und Aufträge (Konsumgüter oder Investitionsgüter) erzeugt werden kann. Die Begriffe Konfigurator und Variantenkonfigurator werden hier oft synonym benutzt.
Definition Der Begriff Produktkonfigurator ist nicht einheitlich definiert. Die Bandbreite reicht von der Auswahl einfacher Produkteigenschaften, wie z. B. beim Kauf einer DVD, bis zu Systemen die automatisch alle Produktdaten wie 3D-CAD-Daten, Zeichnungen, Stücklisten, Angebote und Grafiken erzeugen.
Beispiele für Definitionen:
Einsatzgründe Produktkonfiguratoren können gerade im Internet als entscheidender Wettbewerbsvorteil von produzierenden Unternehmen und Handel angesehen werden. Durch die Vorteile eines Produktkonfigurators (fehlerfreie Angebote, kurze Reaktionszeiten, Minimierung der Reklamationsrate, Steigerung der Kundenzufriedenheit) werden Produktivitätssteigerungen im gesamten Unternehmen erzielt.
Die Forderung der Märkte nach der Individualisierung von Produkten erfordert von produzierenden Unternehmen die Entwicklung und Produktion von Produkten, die auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind und die sich jeder Kunde nach seinen Wünschen individuell konfigurieren und bestellen kann. Die Lösung dieser Aufgabe ist für viele Unternehmen im Rahmen der Globalisierung überlebenswichtig, insbesondere, um Marktposition, Alleinstellungsmerkmale und nicht zuletzt ihr Preisniveau im internationalen Wettbewerb behaupten zu können. Die Beherrschung der Produktkomplexität und Variantenvielfalt, sowohl während der Auftragsgewinnung als auch in der Auftragserfüllung, sind dabei von entscheidender Bedeutung.
Die bisherige Möglichkeit, ein bestimmtes Produkt aus einer Vielzahl von Produktvarianten auszuwählen, ist heute oft nicht mehr ausreichend. Der Kunde (eine Privatperson oder ein Unternehmen) möchte über das Standardangebot an Varianten hinaus „sein“ maßgeschneidertes Produkt oder „seine“ individuelle Systemlösungen bestellen. Dabei wird er nur geringe Einbußen hinsichtlich Preis und Lieferzeit hinnehmen. Qualität und Service müssen mit den herkömmlichen massenproduzierten Produkten übereinstimmen. Anbieter müssen individuell auf Kundenanfragen reagieren und dabei in der Lage sein, technisch geklärte Angebote schnellstmöglich zu kalkulieren, bei denen sichergestellt ist, dass diese kosten- und qualitätskonform gefertigt und termintreu geliefert werden können.
Dieser Marktforderung nach Individualisierung (hohe äußere Varianz) steht aber auch der unternehmensinterne Zwang zur Standardisierung (geringe interne Varianz) entgegen. Der Zielkonflikt kann mit Methoden und Automatisierungslösungen zur Realisierung von Individualisierter Massenfertigung () und kundenindividueller Serienfertigung gelöst werden. Dazu zählen unter anderem sinnvoll strukturierte und modularisierte Produkte die in Baukästen oder Plattformen organisiert sind. Produktordnungssysteme erlauben das schnelle Auffinden und Verwenden von Produktdaten. Abteilungsübergreifendes Produkt-Wissensmanagement macht konstruktives Know-how zum Beispiel im Vertriebsprozess verfügbar. Interaktive Konfigurationssysteme erfassen regelbasiert die Spezifika/Merkmale von Produkten. In der Automobilindustrie ergeben sich durch die Vielzahl der Ausstattungsmöglichkeiten bis zu einer Quintillion Produktvarianten. Eine konsistente Variantenbildung kann durch eine boolesche Produktdefinition unterstützt und extrem vereinfacht werden.
Mit diesen Maßnahmen lässt sich eine optimale Varianz und Individualität für den Markt erzielen und dennoch die innerbetriebliche Varianz und Teilevielzahl reduzieren. Eine Individualisierung wird so ohne Minderung der Produktivität möglich. Ziel ist es, dem Kunden extrem schnell eine kostengünstige, qualitätsoptimierte, individuelle Lösung anzubieten, die intern im Wesentlichen „aus der Schublade gezogen“ wird.
Aufgaben Die von einem Produktkonfigurator bearbeiteten Aufgaben werden durch folgende Faktoren beeinflusst:
Geschäftsprozesse Benutzertypen Problemklasse bzw. Fertigungsansatz Zusätzliche IT-Funktionen Integration in die bestehende Systemlandschaft Vitalität des Produkts
Geschäftsprozesse Prinzipiell ist ein Produktkonfigurator geeignet, Geschäftsprozesse vollständig und ohne weiteren Benutzereingriff zu automatisieren. Hier stehen folgende Geschäftsprozesse im Vordergrund:
Auftragsgewinnungsprozess (Produktvermarktung, Vertrieb, Verkauf, Akquisition, Kundengewinnung, …) Auftragserfüllungsprozess (Auftragsabwicklung, Konstruktion, Arbeitsvorbereitung, …).
Auftragsgewinnungsprozess Bei der Produktfindung wird ausgehend von den Anforderungen des Kunden das geeignete Produkt oder die geeignete Produktgruppe bestimmt. Bei dieser Aufgabe kommen typischerweise elektronische Produktkataloge mit Suchmöglichkeiten und sogenannte „Produktratgeber“ oder „Produktfinder“ zum Einsatz. Die Unterstützung in der Produktfindung ist besonders für Nicht-Produktexperten wie neue Vertriebsmitarbeiter oder Endkunden von Interesse. Im vertrieblichen Einsatz reduziert eine gute Produktfindung die Einarbeitungszeit neuer Mitarbeiter und ebenso die Markteinführungszeit für neue Produkte.
Ergebnis der vertrieblichen Produktkonfiguration ist ein Angebotsdokument, das an den Kunden geschickt werden kann. Inhaltlich müssen dazu folgende Aufgaben bearbeitet werden:
technisch korrekte und vollständige Produktspezifikation, kaufmännische Angebotskalkulation, Angebotsdokumenterstellung, Technische Dokumentation, Produktvisualisierung.
Der Einsatz der vertrieblichen Produktkonfiguration wirkt sich primär auf die Performanz des Vertriebs (geringere Bearbeitungszeit, höherer Durchsatz) und die Fehlerreduktion (technisch korrekte und vollständige Spezifikation, mit richtigem Preis) aus.
Auftragserfüllungsprozess Die fertigungsorientierte Produktkonfiguration unterstützt bei der Auftragserfassung und der Auftragsabwicklung. Wird diese losgelöst vom Vertrieb betrieben, so übernimmt diese auch die Aufgabe der Auftragsklärung, bei einer Kopplung wird diese Aufgabe von der vertrieblichen Produktkonfiguration bereits bearbeitet. Ergebnis der fertigungsorientierten Produktkonfiguration sind alle fertigungsrelevanten Informationen. Die Fehlervermeidung durch den Einsatz eines Produktkonfigurators zur Erzeugung der fertigungsrelevanten Informationen kann die Auftragsbearbeitungszeit deutlich reduzieren, da zeitraubende Rückfragen beim Kunden im Vorfeld vermieden werden können.
Der Einsatz der fertigungsorientierten Produktkonfiguration wirkt sich primär auf die Performanz der Konstruktion und Arbeitsvorbereitung (geringere Bearbeitungszeit, höherer Durchsatz) und die Fehlerreduktion (technisch korrekte und vollständige Produktionsdaten) aus.
Eine besondere Bedeutung hat die nahtlose Verbindung beider Prozesse. Im Internet konfiguriert z. B. ein Geschäftskunde ein maßgeschneidertes Produkt und nach dessen Bestellung laufen alle Geschäftsprozesse bis zur Produktion und Auslieferung ohne jeden Medienbruch vollautomatisch ab. Eine zentrale Anwendung orchestriert dabei alle beteiligten DV-Systeme. In diesem Zusammenhang spricht man auch von 3D-basierten Geschäftsprozessen, wenn das Produkt in allen Phasen objektorientiert und interaktiv in 3D visualisiert und bearbeitet wird.
Benutzertypen Wichtig ist ebenfalls, welche Benutzertypen mit dem Produktkonfigurator arbeiten sollen. Hierbei kann man unterscheiden zwischen
Kunden und Interessenten, Vertrieb (Vertriebspartner, Vertriebsaußendienst, Vertriebsinnendienst, Handelspartner, …), Technik (Projektierung, Konstruktion, technisches Büro, Arbeitsvorbereitung, …).
Die Gestaltung der Oberfläche wird für den Kunden anders ausfallen als für den Innendienstmitarbeiter, der Kunde benötigt eine ansprechende Oberfläche mit der Möglichkeit, Erklärungen anzufordern, während der Innendienstmitarbeiter Wert auf effiziente Bedienbarkeit legt. Der Vertriebsmitarbeiter sieht andere kaufmännische Informationen als der Vertriebspartner. Dem einen werden Herstellungskosten angezeigt, während der andere lediglich Listenpreise zu sehen bekommt. Unterschiede können auch in der Funktionalität liegen, der Innendienstmitarbeiter kann gegenüber dem Vertriebsmitarbeiter eine erweiterte Menge von Komponenten zur Auswahl haben. Für Kunden werden zunehmend auch Online-Produktkonfiguratoren geschaffen, in denen die Kunden ihr persönliches Produkt zusammenstellen und beim Anbieter direkt bestellen können.
600x600px|mini|alt=|Fertigungsansätze und Produktkonfiguration: Wie ist der Vorfertigungsgrad, gibt es einen modularen Baukasten, werden Komponenten wiederholt verwendet, entstehen neue Komponenten, sind Produktmerkmale nicht vorhersehbar? – Welche Objektarten kommen in der Fertigungsansätzen vor?
Problemklasse bzw. Fertigungsansatz Die Schwierigkeit bei Konfigurationsproblemen liegt darin, dass die einzelnen Komponenten nicht unabhängig voneinander gewählt werden können, sondern in vielfältigen Abhängigkeiten zueinander stehen. Zur Charakterisierung der Komplexität der Aufgabe werden gerne die folgenden Klassifikationen (von Fertigungsansätzen) zur Hilfe genommen.
„Pick-to-order“ (PTO) Die einzelnen Komponenten des Produkts (Angebots) werden unabhängig voneinander, ohne Unterstützung durch den Produktkonfigurator, ausgewählt. Eventuelle Abhängigkeiten zwischen den Komponenten werden durch den Benutzer berücksichtigt. Es ist kein konstruktiver Aufwand notwendig. „Configure-to-order“ (CTO) Ab CTO handelt es sich um „richtige“ Konfigurationsprobleme. Bei der Berücksichtigung der Abhängigkeiten ist ein Software-Werkzeug äußerst hilfreich. Es ist kein konstruktiver Aufwand notwendig. „Assemble-to-order“ (ATO) Spezialfall einer CTO-Aufgabe. Die Komponenten des Produkts können nicht unabhängig voneinander gewählt werden, Abhängigkeiten sind zu berücksichtigen. Die möglichen Komponenten sind festgelegt, sie liegen beispielsweise vorgefertigt auf Lager. Eine neue Anordnung bestehender Komponenten (neue Baugruppe) erfordert einen geringen konstruktiven Aufwand. „Make-to-order“ (MTO) Ebenfalls Spezialfall einer CTO-Aufgabe bei der Abhängigkeiten zu berücksichtigen sind. Die Komponenten können jedoch noch parametriert und/oder in der Baustruktur verändert werden. Neue, regelbasiert entstandene Komponenten und neue Anordnungen aus neuen und bestehenden Komponenten erfordern einen höheren konstruktiven Aufwand. „Engineer-to-order“ (ETO) Die zum Einsatz kommenden Komponenten sind nicht notwendigerweise alle vorher bekannt. Aufgrund der Abhängigkeiten können ihre charakterisierenden Eigenschaften bestimmt werden, so dass sie im Auftragsfall konstruiert werden können. Neue, regelbasiert entstandene Komponenten und neue Anordnungen aus neuen und bestehenden Komponenten, sowie komplette Neukonstruktionen erfordern einen sehr hohen konstruktiven Aufwand.
Zusätzliche IT-Funktionen Für den Einsatz werden neben der „reinen“ Produktkonfiguration weitere IT-Funktionen benötigt.
Ein Produktkatalog („Repository“) kann bei der Zusammenstellung der Angebotspositionen unterstützen. Bei einer PTO-Aufgabenstellung kann sogar der Produktkonfigurator ganz entfallen; es wird dem Nutzer überlassen, welche Positionen er zusammenstellt. Häufig findet man auch eine enge Kopplung zwischen Katalog-Funktionen und Konfigurator-Funktionen. Der Katalog hilft bei der Bestimmung einer Produktgruppe, die durch einen Konfigurator spezifiziert ist. Die Konfiguration wird aus dem Katalog aufgerufen. Umgekehrt kann auch der Katalog aus der Konfiguration aufgerufen werden, um dem Nutzer einen Teilbereich zur Auswahl anzubieten.
Das Ergebnis kann zum Beispiel in einem Kalkulationsmodul („Warenkorb“) abgelegt werden. Dort kann die inhaltliche Zusammenstellung und die kaufmännische Kalkulation erfolgen, sofern sie nicht schon parallel zur Konfiguration erfolgt ist.