mini|240px|Bahnsteige und Gleise des Wiener Hauptbahnhofs mini|Internationale Endbahnhöfe ab Wien Hauptbahnhof: Wien Hauptbahnhof ist ein im 10. Gemeindebezirk Wiens beim Südtiroler Platz gelegener Bahnhof, der die Süd-, Ost- und Laaer Ostbahn auf dem Areal des ehemaligen Südbahnhofs verknüpft. Da die Westbahn über den Lainzer Tunnel angebunden ist und Züge der Nordbahn über die Laaer Ostbahn zum Hauptbahnhof geführt werden können, kann der Bahnhof den Fernverkehr in alle Richtungen abwickeln.
Die Inbetriebnahme erfolgte, dem Baufortschritt entsprechend, in mehreren Etappen. Der erste Teil wurde am 9. Dezember 2012 eröffnet. Mit Fahrplanwechsel Dezember 2013 und Dezember 2014 wurden jeweils zusätzliche Verbindungen zum Hauptbahnhof geführt. Die offizielle Eröffnung des Hauptbahnhofes und der BahnhofCity erfolgte am 10. Oktober 2014.derStandard.at – Shoppen und Reisen: Wiener Hauptbahnhof wurde offiziell eröffnet. Artikel vom 10. Oktober 2014, abgerufen am 10. Oktober 2014.
Seit der Vollinbetriebnahme am 13. Dezember 2015 fahren alle durch Wien verkehrenden ÖBB-Fernverkehrszüge den Hauptbahnhof an; sämtliche Funktionen des Bahnhofs sind in Betrieb. Wien erhielt damit zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt einen Hauptbahnhof.
Täglich wird der Wiener Hauptbahnhof von rund 1.070 Zügen angefahren und von 268.000 Fahrgästen genützt. Damit ist er der meistfrequentierte Fernbahnhof Österreichs.
Geschichte
Planung Überlegungen für einen Zentralbahnhof in Wien gehen bis in die 1870er Jahre zurück, meist mit den Planungen für die Wiener Stadtbahn verbunden. Weitergehende Projekte aus den Jahren 1960 bis 1990 wurden verworfen. Mit der Zeit kristallisierte sich der Standort des Südbahnhofs als Standort für einen Hauptbahnhof heraus.
Das konkrete Vorhaben wurde im Juni 1995 von Planungsstadtrat Hannes Swoboda und ÖBB-Generaldirektor Helmut Draxler der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein Schweizer Architekturbüro hatte zuvor den Gestaltungswettbewerb gewonnen. Das Konzept sah eine unterirdische Nahverkehrsetage mit vier Bahnsteigkanten und einen oberirdischen Bereich mit sechs Bahnsteigkanten für den Fernverkehr vor.
Als erste Baustufe war für drei Milliarden Schilling (etwa 210 Millionen Euro) ein unterirdischer viergleisiger Durchgangsbahnhof für die S-Bahn vorgesehen. Für weitere 2,5 Milliarden Schilling (etwa 180 Millionen Euro) sollte darüber später ein sechsgleisiger oberirdischer Fernbahnhof entstehen. Daneben wurden verschiedene ergänzende Maßnahmen im Eisenbahnknoten Wien als notwendig erachtet, deren Kosten nicht beziffert wurden.
1995 wurde ein Expertenverfahren für einen neuen Zentralbahnhof eingeleitet. Das Siegerprojekt des Architekten Theo Hotz scheiterte zunächst unter anderem an hohen Kosten.Karl-Johann Hartig: Hauptbahnhof Wien – ein Jahrhundertprojekt entsteht. In: Eisenbahntechnische Rundschau, Heft September 2008, S. 570–573.
2003 unterzeichneten Bund, Stadt Wien und ÖBB eine Absichtserklärung, das Projekt Durchgangsbahnhof Wien gemeinsam zu realisieren. Zur Gestaltung des geplanten neuen Stadtteils wurde 2004 ein internationales Expertenverfahren für den Masterplan Stadtteil Wien Südbahnhof ausgeschrieben. Der daraus hervorgehende Masterplan Bahnhof Wien – Europa Mitte (zeitweise trug das Projekt diesen Namen) wurde vom Wiener Gemeinderat einstimmig beschlossen. Er sah ein Bauvolumen von rund einer Million Quadratmeter Bruttogeschoßfläche vor, darunter 550.000 m² Büroflächen. 5.000 Wohnungen für 13.000 Menschen sollten ebenso entstehen wie 8 Hektar Park.„Masterplan für Wien“ auch für den Eisenbahnverkehr. In: Eisenbahn Österreich, 4/2004, S. 152 f, .
Das Projekt war als Vorhaben 8/9 in dem im Oktober 2003 vorgelegten Masterplan Verkehr 2003 der Stadt Wien enthalten. Die Realisierung war bis 2011 vorgesehen. Die damalige Planung war gegenüber vorherigen Planungen reduziert worden und sah noch zehn Bahnsteiggleise vor, davon zwei für den Stadtschnellbahnverkehr, sowie zwei bahnsteiglose Durchfahrgleise.
Dem ÖBB-Aufsichtsrat wurde das Projekt bei seiner Sitzung vom 12. Oktober 2006 zur Beschlussfassung vorgelegt. Die veranschlagten Gesamtkosten wurden dabei von zuvor 420 auf 660 Millionen Euro angehoben. Da das Finanzierungskonzept für die Mehrkosten fehlte, wurde keine Entscheidung getroffen. Da andererseits auch kein Beschluss gegen das Projekt gefasst wurde, sah der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums, Martin Huber, die grundsätzliche Befürwortung seitens des Gremiums gegeben und ließ die Bauarbeiten beginnen. Die Stadt Wien schätzte die Gesamtkosten Ende 2006 auf 850 Millionen Euro.Hauptbahnhof Wien behindert Ausbau der ÖBB. In: Eisenbahn Österreich, 1 / 2007, S. 50
Ende 2007 wurden für das gesamte Projekt die notwendigen behördlichen Genehmigungen beantragt. 2008 waren alle Genehmigungsverfahren abgeschlossen.
Von 2005 bis 2017 war Judith Engel Bauingenieurin und Projektleiterin für Planung und Bau vom Hauptbahnhof Wien (inklusive High-Tech-Stützpunkt Matzleinsdorf und S-Bahn-Stationen).
Konzept mini|Lage des Hauptbahnhofs im Eisenbahnnetz von Wien Anstelle der zwei durch ein gemeinsames Aufnahmsgebäude verbundenen, annähernd rechtwinklig zueinander stehenden Kopfbahnhöfe des so bis 2009 betriebenen Süd- und Ostbahnhofs wurde ein in der Diagonale der beiden Hauptstrecken situierter Durchgangsbahnhof gebaut. Somit können Fernzüge von der Westbahn nach Ungarn und zum Flughafen Wien weitergeführt werden, ebenso wie Züge von der Südbahn nach Tschechien und in die Slowakei.
Dadurch sollte Reisenden eine Reisezeitverkürzung von rund 40 Minuten ermöglicht werden.Judith Engel: Die Weichen sind gestellt. Hauptbahnhof Wien – die zentrale Verkehrs-Drehscheibe. In: Eisenbahntechnische Rundschau, Heft September 2008, S. 574–577 Im für den Richtungsbetrieb ausgelegten Hauptbahnhof sollten alle Fernverkehrszüge sowie die Regionalzüge – außer jener der Westbahn und der Franz-Josefs-Bahn – zusammengeführt werden.
Der Bahnhof soll als Taktknoten für Österreich dienen, wobei Fernzüge zur vollen und halben Stunde Anschlüsse in den Achsen Nord-Süd, West-Ost und zum Flughafen bieten. Das Wenden von Zügen sollte entfallen, Leerfahrten reduziert werden. Durch die Reduktion von Fahrstraßenkonflikten und die Verkürzung von Fahrzeiten sollte die Kapazität gegenüber den bisherigen Anlagen erhöht und der Flächenbedarf reduziert werden. Für internationale Fernzüge war eine Haltezeit von drei Minuten vorgesehen.
Die zehn Bahnsteigkanten des oberirdischen Teils des Hauptbahnhofs ersetzten 18 Bahnsteigkanten des letzten Südbahnhofs. Die Wartungs- und Serviceeinrichtungen wurden an einem Standort konzentriert. Die Gesamtlänge der Gleise sowie die Anzahl der Weichen für die gesamte Anlage (einschließlich Wartungsareal) ging um etwa 30 Prozent zurück.
Mit Vollinbetriebnahme sollten auf den Gleisen 3 bis 12 insgesamt 309 täglich verkehrende Planzüge verkehren, weitere rund 200 nur an bestimmten Tagen oder saisonal. Daneben waren Leerzug-, Lokomotiv- und Güterzugfahrten durch den Hauptbahnhof vorgesehen. Im Jahr 2024 nutzten 124.146 Menschen in 1.128 Zügen pro Tag den Bahnhof.ÖBB Kompakt 2024/25. vom 9. April 2025 Für das Jahr 2025 wurden, laut einer Prognose aus 2008, pro Tag etwa 150.000 Fahrgäste und Besucher erwartet.Dietmar Zierl: Neugestaltung von historisch gewachsenen Eisenbahnknoten am Beispiel von Wien und Salzburg. In: Eisenbahntechnische Rundschau, Nr. 12, Dezember 2008, S. 837–841
Bau Insgesamt fielen seit 2009 rund 1.020.000 m³ Aushub- und 830.000 m³ Schüttmaterial an. Auf 20.000 Laufmetern Bohrpfählen wurde 370.000 m² Schalung aufgebaut, in die 285.000 m³ Beton gefüllt und mit 38.000 Tonnen Bewehrungsstahl verarbeitet wurden. S. 7, abgerufen am 7. Juni 2014
Vorarbeiten mini|Die provisorische Station Südbahnhof (Ost) war von Dezember 2009 bis Dezember 2012 in Betrieb und wurde danach abgetragen Der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan für das laufende Projekt mit einer Gesamtfläche von 109 Hektar wurde 2006 vom Wiener Gemeinderat im Einvernehmen mit den Österreichischen Bundesbahnen als Bauherr des Bahnhofes und Grundbesitzer beschlossen. Weiters startete 2006 die Einreichphase und die strategische Umweltprüfung. Der Spatenstich für die Vorarbeiten sowie für den Umbau der bestehenden großteils unterirdischen Verkehrsstation Südtiroler Platz erfolgte 2007.orf.at: Bau für Hauptbahnhof Wien hat begonnen, abgerufen am 17. April 2022
Der 12. Dezember 2009 war der letzte Betriebstag des Südbahnhofs für die Südbahn, am 13. Dezember 2009 wurden die alte Aufnahmshalle sowie die Bahnsteig- und Gleisanlagen des Südbahnhofes geschlossen und anschließend abgetragen. Züge der Südbahn verkehrten dann nur bis zum Bahnhof Wien Meidling. Die Bahnsteige der Ostseite wurden um ca. 150 Meter verkürzt, und auf Höhe der Schweizer-Garten-Straße wurde ein (inzwischen wieder entfernter) provisorischer Bahnhof mit dem Namen Wien Südbahnhof (Ostbahn) errichtet. Nahverkehrszüge der Ostbahn fuhren bis 8. Dezember 2012 dieses Provisorium an, Fernverkehrszüge wurden mit Halt in Meidling zum Westbahnhof geführt oder nach Wiener Neustadt (Südbahn) verlängert. Die unterirdische S-Bahn-Haltestelle Wien Südbahnhof blieb in Betrieb; sie erhielt statt der Zugänge aus dem Südbahnhof neue Zugänge aus dem Schweizergarten, Ecke Arsenalstraße, und wurde am 9. Dezember 2012 in Wien Quartier Belvedere umbenannt. Auch die Haltestellen der Straßenbahnlinien O und 18 wurden dorthin verlegt.
Hauptbauphase mini|hochkant=0.5|Das von 2010 bis 2014 für Besucher zugängliche Bahnorama beherbergte auch eine Ausstellung zum Projekt Die Hauptbauphase des Bahnhofs begann im Frühjahr 2010. Möglichkeit zur Information über das Projekt Hauptbahnhof Wien, über den aktuellen Baufortschritt und den Überblick über das gesamte zu bebauende Areal bot das Infozentrum Bahnorama, ein 66,72 Meter hoher, 150 Tonnen schwerer Aussichtsturm, errichtet aus 160 Kubikmeter österreichischem Fichtenholz. Ab 19. August 2010 bis zur Schließung per Ende 2014 war das Infozentrum öffentlich zugänglich (10., Favoritenstraße 51). Von der Turmplattform in 40 Meter Höhe konnten der neue Bahnhof, die beiderseits des Bahnhofs in Bau befindlichen neuen Stadtteile und die bestehenden Begrenzungen des Areals (Wiedner Gürtel, Schweizergarten, Arsenal, Gudrunstraße und Sonnwendgasse) betrachtet werden. Das Bahnorama wurde von mehr als 300.000 Besuchern frequentiert. Die Holzturmkonstruktion sollte ursprünglich 2015 vom neuen Eigentümer abgetragen und an anderer Stelle wieder errichtet werden, musste letztlich jedoch im Jahr 2016 von der Stadt Wien nach mehreren erfolglosen Abrissbescheiden zwangsweise abgerissen werden.Spatenstich für Bahnorama"bahnorama" steht vor Abriss. Artikel auf wien.ORF.at vom 25. Juni 2016.
2011 wurden die Tragwerke der ersten Sektion der Bahnsteigüberdachung errichtet und die Gleisbauarbeiten begonnen. Die rund 25.000 Quadratmeter große rautenförmige Dachkonstruktion überdeckt die Bahnsteige 3 bis 12. Im Frühjahr 2012 wurden die ersten drei Gleise fertiggestellt, die ab dem 6. August 2012 die zuvor eingerichtete provisorische Baustellendurchfahrt ersetzen. Am 9. Dezember 2012 erfolgte die Teilinbetriebnahme der oberirdischen Anlagen. Zeitgerecht wurde dafür der an die Sonnwendgasse anschließende südliche Bahnhofsvorplatz (der Am Hauptbahnhof benannt wurde) fertiggestellt.Der Fahrplan für den Wiener Hauptbahnhof vom 15. April 2012.
Im Anschluss begannen die Arbeiten an sechs weiteren Bahnsteiggleisen, der Haupthalle nördlich der Gleise (beim Südtiroler Platz) und an den neuen Gleisanlagen samt Brücken im Bereich östlich des Hauptbahnhofes. Durch das aus betrieblichen Gründen bis Dezember 2012 nötig gewesene Bahnhofsprovisorium Südbahnhof (Ost) konnte erst nach dessen Abriss mit den Bauarbeiten begonnen werden. Ein wichtiges Projekt an der Ostseite stellte das Unterwerfungsbauwerk von der Südseite des Hauptbahnhofes zur Marchegger Ostbahn dar.
Fertigstellung