Der Altstädter Ring (tschechisch: ) ist ein Platz im Zentrum der Prager Altstadt. Der älteste und bedeutendste Platz in Prag ist umgeben von historischen Gebäuden unterschiedlicher Baustile, wie dem Altstädter Rathaus mit der weltberühmten astronomischen Uhr, der gotischen Teynkirche, der barocken Nikolauskirche und dem Rokoko-Palais Golz-Kinsky. In der Mitte erhebt sich das monumentale Denkmal des böhmischen Reformators Jan Hus. Über den Altstädter Ring führt der Königsweg, der historische Krönungsweg der böhmischen Könige.

Geschichte mini|hochkant|Altstädter Ring im 19. Jahrhundert. Teynkirche, davor die Mariensäule mini|Ostportal des Altstädter Rathauses im 19. Jahrhundert.

Die ersten kaufmännischen Niederlassungen am rechten Moldauufer, auf dem Gebiet der heutigen Prager Altstadt, errichteten deutsche und jüdische Kaufleute sowie einheimische Handwerker im 10. und 11. Jahrhundert. Ein wesentlicher Grund dafür war die günstige Lage an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen und die Existenz einer Furt, auf der der Fluss überschritten werden konnte. Die Furt befand sich in der Nähe der heutigen Karlsbrücke. Die Niederlassungen entwickelten sich im Schutz der beiden Burgen – der Vyšehrad auf der rechten und die Prager Burg auf der linken Moldauseite. Vom arabisch-jüdischen Kaufmann Ibrahim Ibn Jakob stammt ein Reisebericht aus dem Jahr 965, in dem Prag als eine Stadt beschrieben wird, wo man günstig Geflügel und Korn kaufen und auch seine Lasttiere gut versorgen kann. Von der Stadt heißt es, sie sei aus Stein und Kalk gebaut und sei der größte Handelsplatz in den slawischen Ländern. Es werden hier Pelze, Sättel, Zäume, Schilde, aber auch Sklaven, Gold, Silber und Pferde feilgeboten.Friedrich Wigger: Bericht des Ibrahîm ibn Jakûb über die Slawen aus dem Jahre 973. In: lbmv.de. Abgerufen am 15. November 2019.

Der böhmische Geschichtsschreiber Cosmas von Prag erwähnte im Jahr 1100 die Existenz eines Marktplatzes. Dieser befand sich bereits am Ende des 11. Jahrhunderts auf dem Gebiet des heutigen Altstädter Ringes. Im 11. Jahrhundert entstand hier auch der fürstliche Zollhof (Ungelt), in dem fremde Kaufleute unter dem Schutz des böhmischen Herrschers nach ihrer langen Wanderung gute Unterkünfte und Rast fanden und für ihre eingeführten Waren Zoll errichten mussten. Angrenzend an den Zollhof wurden im 12. Jahrhundert ein Spital und eine Kirche (die Vorläuferin der Teynkirche) gebaut.

Eine erste Blütezeit erlebte die Siedlung im 12. und 13. Jahrhundert. Die neue steinerne Judithbrücke verbesserte die Verbindung beider Moldauufer und im Jahr 1230 begann unter König Wenzel I. der Bau einer Stadtmauer. Im gleichen Jahr erhob Wenzel I. die Altstadt zur freien Königsstadt, sie ist die älteste der später vier selbstständigen Prager Städte. Die Prager Unterburg (podhradí) entwickelte sich in der Folgezeit zu einer prosperierenden mittelalterlichen Großstadt. Ihre Bevölkerung wuchs und der rege Handel führte zu einem wachsenden Reichtum der Bewohner und zu vermehrter Bautätigkeit. Die neue Bebauung konzentrierte sich um den großen Marktplatz und auf das Gebiet zwischen dem Marktplatz und der Moldaubrücke.

Die romanischen und frühgotischen Häuser standen zwei bis drei Meter unter dem Niveau der heutigen Straßen in einem ständig von Hochwasser bedrohten Gelände. Schon am Ende des 13. Jahrhunderts begann man mit künstlichen Aufschüttungen und das Straßenniveau wurde fortschreitend angehoben. Die romanischen Erdgeschosse verwandelten sich so zu Kellerräumen gotischer Bürgerhäuser. Reste der ältesten Baudenkmäler findet man deshalb heute in den Kellerräumen der späteren Häuser.

Im Jahr 1338 erwirkten die Bürger der Altstadt von König Johann von Luxemburg das Recht, ein eigenes Rathaus zu bauen. Es wurde am Altstädter Ring anstelle mehrerer älterer Bürgerhäuser errichtet und später durch Zukauf weiterer Nachbarhäuser erweitert. Die städtische Selbstverwaltung wurde so gestärkt und der Altstädter Ring entwickelte sich zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Altstadt. Die Bedeutung der Altstadt wuchs unter Kaiser Karl IV., als Prag zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches wurde. Daran erinnert die Aufschrift praga caput regni (Prag, Hauptstadt des Königreiches) über dem Renaissancefenster des Hauses Kříž, das seit dem 14. Jahrhundert ein Teil des Rathauses ist.

mini|Weihnachtsmarkt auf dem Altstädter Ring (2015) Nach dem Zusammenschluss der vier selbstständigen Prager Städte zu einer Verwaltungseinheit im Jahr 1784 wurde die Prager Stadtverwaltung im Altstädter Rathaus konzentriert. Der Altstädter Ring wurde so zum Mittelpunkt der ganzen Stadt. Große Auswirkungen hatte die radikale Modernisierung der Stadt (genannt pražská asanace) an der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts. Die historischen Häuser im nördlichen Teil des Platzes wurden abgerissen und durch moderne Wohnhäuser ersetzt, und es entstand die neue Straße Pařížská mit direktem Blick auf die Anhöhe Letná auf der gegenüberliegenden Moldauseite.

Seit den 1960er Jahren führt keine Straßenbahn oder Buslinie mehr über den Platz. Das gesamte Areal ist seit 1962 als Nationales Kulturdenkmal geschützt. Der Altstädter Ring ist heute eine Fußgängerzone und ein Hauptanziehungspunkt für Touristen. In den letzten Jahren wurde die Tradition der Weihnachts- und Ostermärkte wieder belebt.

Historische Ereignisse mini|Öffentliche Hinrichtungen des 21. Juni 1621 Der Altstädter Ring war seit dem Mittelalter Schauplatz bedeutender Ereignisse der tschechischen Geschichte: Im 14. Jahrhundert wirkten in der Nikolauskirche am Altstädter Ring die böhmischen Reformprediger und Vorläufer der Hussiten Jan Milíč z Kroměříže, Konrad von Waldhausen und Matthias von Janov. Im 15. Jahrhundert war die Altstadt ein Zentrum der hussitischen Bewegung in Prag. Wichtige Beratungen der hussitischen Stände fanden im Altstädter Rathaus statt. Die Teynkirche war Hauptkirche der böhmischen Utraquisten. Hier wirkte der Prager hussitische Erzbischof Jan Rokycana. Am 9. März 1422 wurde Jan Želivský, Anführer der radikalen Hussiten, am Altstädter Ring hingerichtet. Er führte die Erstürmung des Neustädter Rathauses an, die mit dem Ersten Prager Fenstersturz endete. Am 27. Februar 1458 wurde im Altstädter Rathaus der hussitische König Georg von Podiebrad gewählt. Am 21. Juni 1621 wurden 27 Anführer des Böhmischen Ständeaufstandes gegen die Habsburger vor dem Altstädter Rathaus öffentlich hingerichtet. Daran erinnert ein im Boden eingelassenes Denkmal mit 27 Kreuzen. Abgerufen am 11. November 2019. Im Oktober 1918 fanden hier Demonstrationen für eine unabhängige Tschechoslowakei statt. Im Mai 1945 war Altstädter Ring das Zentrum des Prager Aufstandes gegen die deutsche Besatzung. Bei den Kämpfen wurde das Rathaus stark beschädigt.Pražské povstání 5.–9. května 1945. In: Archiv hl. města Prahy (tschechisch), abgerufen am 15. November 2019.

Bedeutende Gebäude

Altstädter Rathaus mit astronomischer Uhr mini|hochkant|Astronomische Uhr am Rathaus

An der südwestlichen Ecke des Altstädter Rings befindet sich das Altstädter Rathaus (Staroměstská radnice) mit seinem 70 Meter hohen Turm. Bemerkenswert ist neben der astronomischen Rathausuhr (Staroměstský orloj) aus dem Jahr 1410, die zu Prags größten Touristenattraktionen zählt, auch die gotische Erkerkapelle. Der neogotische Anbau an der Nordseite musste aufgrund von starken Brandschäden nach dem Zweiten Weltkrieg abgebrochen werden. An seiner Stelle liegt heute ein kleiner Park mit einer Gedenkstätte für die Gefallenen des Prager Aufstandes von 1945.

Von der Aussichtsgalerie im Rathausturm hat man einen wunderschönen Blick über die Dächer der Altstadt.

Haus Zur Minute

Das Haus Zur Minute (Dům U Minuty) steht links neben dem Altstädter Rathaus. Auffallend sind die Sgraffito-Verzierungen der Fassade aus den 17. Jahrhundert. Sie zeigen biblische Episoden, Motive der antiken Mythologie und Szenen aus dem Leben in der Zeit der Renaissance.

Haus Zum roten Fuchs mini|Haus Zum roten Fuchs Das Haus Zum roten Fuchs (U Červené lišky) gegenüber dem Altstädter Rathaus, Nr. 480/24 erstreckt sich mit seinem hinteren Flügel in die Kožná-Straße (Nr. 9). Ursprünglich im romanischen Stil erbaut, wurde das Gebäude mehrmals im gotischen Stil umgestaltet. Das heutige Aussehen des zweigeschossigen Hauses mit dem Dachpavillon stammt aus dem Frühbarock und wird Jean Baptiste Mathey zugeschrieben. Im 19. und 20. Jahrhundert erfuhr das Haus einige moderne Umgestaltungen, wobei unter anderem das ursprüngliche barocke Treppenhaus zerstört wurde. Die Fassade zur Kožná-Straße ist modern, der Eingang im Barockstil. Das ursprüngliche Hauszeichen an der Fassade ist verschwunden, an seiner Stelle befindet sich ein vergoldetes Relief der Jungfrau Maria.

Von 2018 bis 2021 beherbergte das Gebäude das Illusion Art Museum Prague. Seit 2021 ist das Haus im Besitz einer Investorengruppe, die in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz eine umfassende Rekonstruktion des gesamten Gebäudes durchführt. Im Erdgeschoss befindet sich ein Restaurant.

Haus Zum weißen Einhorn (Zum steinernen Lamm) mini|Hauszeichen am Haus Zum weißen Einhorn

Auf der Südseite, an der Einmündung der Straße Celetná, steht das Haus Zum weißen Einhorn (U Bílého jednorožce), früher auch Haus Zum steinernen Lamm (U Kamenného beránka) genannt, Haus Nr. 17/551. Es soll zu Prags ältesten Häusern gehören, im Keller findet man noch Mauerreste des ursprünglichen romanischen Gebäudes und ein gotisches Gewölbe. Im 19. Jahrhundert befand sich hier die Apotheke Zum weißen Einhorn, die ihren Namen nach dem Hauszeichen aus dem 16. Jahrhundert trug – Lamm mit einem Horn. An der Ostseite des Altstädter Rings steht ein weiteres Haus mit dem Namen U Bílého jednorožce, das Haus Nr. 603/15.

Im frühen 20. Jahrhundert gehörte das Haus dem Ehepaar Berta und Max Fanta. Der Apotheker Max Fanta erfand hier die nach ihm benannte Fantaschale. Ehefrau Berta führte im ersten Stockwerk einen literarischen Salon, in dem sich viele bekannte Prager Intellektuelle zu Diskussionen trafen. Zu den Besuchern gehörten unter anderem Franz Kafka, Samuel Hugo Bergmann, Franz Werfel und Max Brod. Auch ein Besuch von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, ist belegt. Zu den Gästen gehörte auch Albert Einstein, der in den Jahren 1911 und 1912 theoretische Physik an der Prager Universität lehrte. An ihn erinnert eine Büste neben dem Hauseingang.Der Salon der Berta Fanta. Philosophie und Esoterik. In: Portal PragToGo, abgerufen am 11. Februar 2023.

Storch-Haus mini|Das Storch-Haus

An der Einmündung der Straße Celetná, neben dem Haus Zum weißen Einhorn, steht das reich verzierte Storch-Haus (Štorchův dům), Haus Nr. 552/16. Es wurde 1896–1897 an der Stelle eines älteren Hauses aus dem 15. Jahrhundert für den Buchhändler Alexander Štorch gebaut. Das bemerkenswerteste Bild an der Fassade ist die drei Meter hohe Reiterfigur des heiligen Wenzel, ein Werk des Malers Mikoláš Aleš. Über den Fenstern des zweiten Stockwerks sind in großen Lettern die Worte des St.-Wenzels-Chorals zu lesen: Svatý Václave, vévodo České země, pros za nás (Heiliger Wenzel, Herzog des böhmischen Landes, bitte für uns). Das Haus ist als Kulturdenkmal der Tschechischen Republik geschützt.

Teynkirche

Die gotische Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn (Kostel Panny Marie před Týnem) entstand zusammen mit dem Teynhof (Ungelt) als Hospitalkirche für fremde Kaufleute. Mit ihren zwei 80 Meter hohen Türmen ist sie eines der Wahrzeichen der Hauptstadt. Das Westportal zum Altstädter Ring ist umbaut mit vorgelagerten Häusern und ist zugänglich durch das Gebäude der Teynschule. Im 15. Jahrhundert war die Teynkirche eine Hauptkirche der Hussiten, hier predigte der hussitische Erzbischof Jan Rokycana. Heute gehört sie der katholischen Kirche.

Teynschule mini|Teynschule