mini|250px|Logo der AVE
AVE [] ( [] ‚Spanische Hochgeschwindigkeit‘, abgekürzt: für ‚Vogel‘) oder Renfe AVE ist ein Markenname der spanischen Eisenbahngesellschaft Renfe für viele ihrer Hochgeschwindigkeitszüge. Auf den LAV-Strecken verkehren seit Anfang der 2020er Jahre auch Züge anderer Betreiber.
Ende 2023 erreichte das spanische Schnellfahrstreckennetz eine Gesamtlänge von 3900 km und ist damit das längste Hochgeschwindigkeitsbahnnetz Europas und das zweitlängste der Welt nach China.Inauguration de ligne de grande vitesse Madrid-Valence
Geschichte
mini|400px|Aktuelles Hochgeschwindigkeitsnetz (Stand: Nov. 2023) mini|400px|Entwicklung des Netzes seit 1992 Die Expo 1992 in Sevilla war der Anlass für Spaniens Einstieg in den Eisenbahnhochgeschwindigkeitsverkehr. Die spanische Eisenbahngesellschaft Renfe wollte eine schnelle Anbindung der Hauptstadt Madrid an die Expo-Stadt Sevilla. Die alte Strecke über Linares-Baeza ist 574 Kilometer lang und in großen Teilen eingleisig, die schnellste Verbindung benötigte nahezu sechs Stunden. Rechtzeitig zum Beginn der Expo konnte die Renfe die Schnellfahrstrecke Madrid–Sevilla am 19. April 1992 in Betrieb nehmen. Sie war die erste spanische Eisenbahnmagistrale, die in europäischer Regel- statt der in Spanien bis dahin üblichen iberischen Breitspur gebaut wurde. Die Schnellfahrstrecke ist mit 471 Kilometern gegenüber der bisherigen über hundert Kilometer kürzer. Züge ohne Unterwegshalt fahren diese Distanz in 2 Stunden 20 Minuten (Stand 2016).
José María Aznar, spanischer Regierungschef (Partido Popular, Mai 1995 – März 2004) kündigte im Jahr 2000 an, alle 47 Provinzhauptstädte des Landes an das AVE-Netz anzuschließen. Sein Nachfolger José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE, 2004 – Dezember 2011) ging noch weiter; er forderte, kein Spanier dürfe weiter als eine halbe Stunde von einer Schnellzugstation wohnen.Spanien steckt Milliarden in unnütze Züge. Mit Milliarden aus Brüssel und Krediten hat sich Spanien das zweitgrößte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt aufgebaut. Doch jetzt kann sich das klamme Land den Betrieb kaum mehr leisten. welt.de, 25. Juni 2013
Im Jahr 2005 ging als zweiter Ast die Neubaustrecke Madrid–Barcelona, zunächst nur bis Saragossa und ab 2008 bis in die katalanische Hauptstadt in Betrieb. Die 620,9 Kilometer zwischen den zwei größten Städten Spaniens werden in zwei Stunden und 30 Minuten zurückgelegt, die Reisegeschwindigkeit beträgt 248,4 km/h. Der Generaldirektor der Fluggesellschaft Iberia kündigte an, ab Eröffnung der Strecke zwischen Madrid und Barcelona kleinere Flugzeuge einzusetzen.
Im Dezember 2007 gingen als dritter Ast von Madrid die Neubaustrecke Madrid–Valladolid und im Süden der Abschnitt Antequera–Málaga, der letzte noch ausstehende der Schnellfahrstrecke Córdoba–Málaga, in Betrieb.
Seit 2005 wurde die Weiterführung des zweiten Korridors Barcelona–Figueres–Perpignan/Perpinyà (F) gebaut, inklusive eines acht Kilometer langen Tunnels bei Le Perthus. Zunächst ging der nördliche Streckenabschnitt Figueras–Perpignan/Perpinyà nach mehreren Verzögerungen im Dezember 2010 in Betrieb, wodurch die spanischen Regelspurstrecken vorerst durch das Einlegen einer dritten Schiene in das Streckengleis Girona–Viamalla der Bestandsstrecke Barcelona–Cerbère mit dem europäischen Netz verbunden wurden. Der endgültige Lückenschluss erfolgte am 7. Januar 2013. eurailpress.de, 7. Januar 2013 Eine Schnellfahrstrecke zwischen Perpignan und Montpellier und damit die Anbindung an das französische Hochgeschwindigkeitsnetz ohne Nutzung des Bestandsnetzes wird erst 2025 fertiggestellt werdenSchnellfahrstrecke Montpellier-Perpignan structurae.net, 1. Juli 2021.
Am gleichen Tag wie die Eröffnung der grenzüberschreitenden Strecke in Katalonien wurde auch die vierte von Madrid ausgehende Strecke, an die Mittelmeerküste, in einem ersten Bauabschnitt eröffnet. Die 438 km lange Strecke verbindet die spanische Landeshauptstadt mit Valencia sowie mit Albacete. Die Fahrzeit auf den 391 Kilometern zwischen Madrid und der drittgrößten Stadt des Landes, Valencia, reduziert sich von knapp vier Stunden auf 95 Minuten. Am 18. Juni 2013 wurde der 171,5 km lange Abschnitt von Albacete bis zur Mittelmeerstadt Alicante eröffnet. Die Fahrzeit von Madrid nach Alicante verringert sich damit auf vorerst zwei Stunden und zwanzig Minuten. Die dritte Provinzhauptstadt der Valencianischen Gemeinschaft, Castellón, soll bis 2015 an die Schnellfahrstrecke angebunden werden. Die Züge verkehren mit 300 km/h Höchstgeschwindigkeit, können aber in Zukunft bis zu 350 km/h erreichen.
Im Juni 2013, nach der Eröffnung des 171 km langen Abschnittes Albacete–Alicante auf der Schnellfahrstrecke Madrid–Levante, erreichte das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz eine Gesamtlänge von 2447 km (Stand 1. November 2013: 2515 km). Damit liegt man europaweit an der ersten Stelle vor Frankreich (2036 km) und Deutschland (1334 km). Darüber hinaus befanden sich 1308 km in Bau und 1702 km in Planung.
Im Jahr 1997 erwirtschaftete das AVE-System erstmals einen Gewinn (etwa zwei Millionen US-Dollar).Spanish To Build More High-Speed Lines. In: International Railway Journal, September 1999.
Nach dem Platzen seiner Immobilienblase begann in Spanien eine Rezession, die bis heute (2013) anhält. Spanien kann nicht mehr so leicht wie früher seine Staatsschulden erhöhen; seit 2009 (Beginn der Eurokrise) wurde auch bekannt, dass Spaniens Banken in einer Krise sind. Spanien hat unter anderem 2012 vom SEM 100 Mrd. Euro erhalten. Die AVE-Ticketpreise sind hoch; die Nachfrage nach diesen relativ teuren Fahrten ist gering. So wurde die Strecke Madrid–Valencia, die 2010 in Betrieb ging, für 3,6 Millionen Reisende im Jahr geplant. Im ersten Jahr lag das Reisendenaufkommen bei nur 50 Prozent. Die EU-Kommission hat im Mai 2013 die spanische Regierung aufgefordert, bei den Schnellfahrstrecken auf die Kosten-Nutzen-Relation zu achten („Das spanische Reformpaket 2013 enthält einige widersprüchliche Zielvorgaben in der Transportpolitik. So sollen die Betriebskosten gesenkt werden, und gleichzeitig sollen neue Hochgeschwindigkeitsstrecken gebaut werden“).
Im Februar 2013 wurde ein neues Preissystem eingeführt, welches sich stärker an der Nachfrage orientiert. Dabei sank der mittlere Fahrpreis in der „Turista“-Klasse um 27,5 %. Ebenso wurde eine „Kundenbindungskarte“ für junge Reisende mit 30 % Ermäßigung eingeführt. Das Handy-Ticket wurde eingeführt und die Nutzung der Buchung über das Internet nahm stark zu. Die marktorientierten Tarife führten zu einer Steigerung der Fahrgastzahlen um 23,5 %, die Zugauslastung stieg von 65 % auf 73 %. Die absoluten Fahrgastzahlen stiegen von 12 auf 14,9 Mio. Fahrgäste im Februar 2014.New fares boost high speed traffic Railway Gazette, abgerufen am 28. März 2013
An das Hochgeschwindigkeitsnetz angebundene große Städte
Folgende Städte werden angebunden: Richtungab MadridStreckenteilLängeEröffnungAngeschlosseneStadtEinwohnerEntfernungvon MadridSüdwestMadrid–Sevilla472 km1992Madrid3 166 000 ---Ciudad Real74 000171 kmCórdoba327 000345 kmSevilla691 000461 kmAbzweig nach Toledo21 km2005Toledo83 00075 kmAbzweig nach Antequera97 km2006Antequera41 000455 kmVerlängerung nach Málaga58 km2007Málaga569 000513 km Abzweig nach Granada125,7 km2019Granada233 600418 kmNordostMadrid–Saragossa307 km2002Guadalajara84 00064 kmSaragossa661 000307 kmAbzweig Saragossa–Huesca79 km2003Huesca52 000386 kmSaragossa–Lleida135 km2003Lleida138 000442 kmLleida–Tarragona79 km2003Tarragona131 000521 kmTarragona–Barcelona100 km2008Barcelona1 609 000621 kmBarcelona–Figueres131 km2013Girona98 000Figueres46 000754 kmFigueres–Französische Grenze20 km2010(Grenze) ---774 kmNordMadrid–Valladolid180 km2007Segovia52 00068 kmValladolid302 000180 kmVerlängerung nach León165 km2015Palencia79 000230 kmLeón 126 000345 kmVerlängerung nach Burgos2022Burgos175 000Verlängerung nach Ourense Auf www.lok-report.de am 23. Oktober 20152021Zamora63 000232 kmOurense104 000SüdostMadrid–Valencia391 km2010Cuenca55 000195 kmValencia790 000391 kmAbzweig nach Albacete80 km2010Albacete172 000320 kmVerlängerung nach Murcia2022Alicante331 000486 kmMurcia474 000
Die angegebenen Kilometer zählen ab dem Bahnhof Madrid Atocha, mit Ausnahme in Richtung Norden jedoch ab dem Bahnhof Madrid Chamartín. Beide Bahnhöfe und damit die beiden regelspurigen Teilnetze werden durch die dritte Röhre des Túnel de la risa verbunden. Dieser war seit 2010 in Bau und wurde am 1. Juli 2022 eröffnet.Madrid: Tunnel zwischen Atocha und Chamartín ab 1. Juli in Betrieb auf www.eurailpress.de am 1. Juli 2022
In Richtung Westen wurde die grenzüberschreitende Schnellfahrstrecke Lissabon–Madrid über Badajoz (150 000 Einwohner) geplant, einzelne kurze Abschnitte sind sogar schon gebaut. Das Projekt wurde jedoch zurückgestellt, nachdem Portugal den Bau gestoppt hatte.
Die größten noch nicht angeschlossenen Städte waren 2025 Bilbao, Gijón, Logroño, Oviedo, Pamplona, Santander und Vitoria-Gasteiz.
Internationale Verbindungen Seit Dezember 2013 verkehren AVE-Züge auch auf Strecken nach Frankreich. Sie bedienen die Linien Barcelona – Lyon und Madrid – Marseille. Bis Dezember 2022 wurden diese Linien von Elipsos, einem Gemeinschaftsunternehmen von Renfe und SNCF betrieben. Seit Juni 2023 betreibt Renfe die beiden genannten Verbindungen selbstständig und plant weitere Verbindungen ins Ausland.
Reisekomfort Der AVE bietet den höchsten Komfort auf dem spanischen Hochgeschwindigkeitsnetz der Renfe. Nahezu alle Sitzplätze sind drehbar und werden vor der Fahrt in Fahrtrichtung gedreht. Daher stehen die Züge im Abgangsbahnhof häufig schon lange vor der Abfahrt am Bahnsteig. Die Bahnsteige sind abgesperrt und nur Fahrgästen mit gültiger Fahrkarte zugänglich, es werden Gepäckkontrollen durchgeführt. In neueren Bahnhöfen gibt es eine zentrale Sicherheitskontrolle für alle Fernbahnsteige, in älteren Bahnhöfen sind sie teilweise dezentral auf jedem Gleiszugang vorhanden. Auf den Ausgangsbahnhöfen wird das Einsteigen in der Regel 30 Minuten vor Abfahrt freigegeben. Vor Betreten des Bahnsteigs wird die Fahrkarte kontrolliert, im Zug finden im Normalfall keine Kontrollen mehr statt. Um eine pünktliche Abfahrt zu gewährleisten, schließen die Bahnsteigzugänge bereits zwei Minuten vor Abfahrt. Nicht selten kommt es daher vor, dass Züge den Bahnhof sogar zu früh verlassen. Nachteilig ist für die Reisenden allerdings, dass wegen der erneut zu passierenden Kontrollen keine Korrespondenzanschlüsse möglich sind. Beim Umsteigen in einen Hochgeschwindigkeitszug ist insbesondere in hochbelasteten Knotenbahnhöfen eine Mindestübergangszeit von etwa 30 Minuten erforderlich.
Je nach Strecke bietet der AVE zwei oder drei Wagenklassen an. In allen Klassen gibt es Steckdosen an den Sitzen, über Deckenbildschirme werden Filme oder TV-Sendungen, sowie Informationen über die Fahrstrecke angezeigt. Im Zug gibt es einen Cafeteriawagen mit Speisen und Getränken zum Verkauf. Zusätzlich wird auf einigen Strecken auch eine »Bar móvil« angeboten. So können die Fahrgäste kleine Snacks und Getränke auch am Platz kaufen. In der Klasse Preferente sind die Speisen und Getränke am Platz je nach Tageszeit im Fahrpreis enthalten.
Turista Die Klasse Turista ist die günstigste. Fahrgäste sitzen in der üblichen 2+2-Anordnung. Den Fahrgästen steht das Unterhaltungsprogramm über Ohrhörer zur Verfügung, diese werden vom Personal während der Fahrt kostenlos verteilt.
Turista Plus Ehemalige Preferente-Wagen wurden zu Turista Plus umfunktioniert. Die Sitze sind im 2+1-Schema angeordnet und haben gegenüber der Klasse Turista einen vergrößerten Sitzabstand.
Preferente