Die Eurostar Continental Route Services sind ein europäisches Hochgeschwindigkeitszugangebot zwischen Paris und Amsterdam sowie zwischen Paris und Dortmund, das bis 2023 als Thalys (im deutschen Sprachgebrauch []) vermarktet wurde. Kernstrecke ist die nahezu halbstündlich ohne Zwischenhalt bediente Verbindung zwischen Paris und Brüssel, die am dichtesten getaktete und schnellste Direktverbindung zweier europäischer Hauptstädte. Die 314 Kilometer wurden 2024 in 82 Minuten zurückgelegt, die mittlere Reisegeschwindigkeit betrug damit 230 km/h.
Die Züge von Paris nach Brüssel fahren an Werktagen nahezu stündlich weiter über Antwerpen und Rotterdam nach Amsterdam sowie fünfmal täglich über Lüttich und Aachen nach Köln, zumeist weiter über Düsseldorf und Duisburg nach Essen oder Dortmund. Alle Züge verkehren auch in Gegenrichtung nach Paris.
Betreiber der Züge ist das belgische Unternehmen THI Factory, seit 2022 ein Tochterunternehmen der Eurostar Group, dessen Haupteigentümer die französische Bahngesellschaft SNCF ist. Ebenfalls als Eurostar vermarktet werden die Züge des Schwesterunternehmens Eurostar International.
Betreiber
Nach der Entscheidung von 1987, einen grenzüberschreitenden Hochgeschwindigkeitszug auf die Strecke zu bringen, der Paris, Brüssel, Amsterdam und Köln verbinden soll, wurde 1995 die Westrail International gegründet, die erst im Mai 1999 den Namen der Züge annahm und seitdem Thalys International hieß. Sie war eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung belgischen Rechts (société coopérative à responsabilité limitée). Bis 2007 hielt die NMBS/SNCB 30 %, die SNCF 70 % der Kapitalanteile. Zum 16. Juni 2007 beteiligte sich die Deutsche Bahn mit zehn Prozent am Stammkapital der Gesellschaft. Die weiteren Anteile hielten die SNCF mit 62 sowie die NMBS/SNCB mit 28 Prozent.Deutsche Bahn übernimmt Anteil bei Thalys International. Pressemitteilung der Deutschen Bahn vom 19. Juni 2007 (offline) Der Begriff Thalys ist keine Abkürzung, sondern ein 1996 von einer niederländischen Namensagentur als Markenname erdachtes Kunstwort,, globrands.com, abgerufen am 22. August 2015 ein Logatom, das in allen Sprachräumen, in denen die Züge verkehren, gleichermaßen gut auszusprechen ist.
Die Deutsche Bahn gab 2011 an, ihre Beteiligung an Thalys beenden zu wollen.Keith Fender: DB unveils plans for London services. In: Modern Railways. Band 67, Nr. 747, 2010, , S. 68 f. Im Januar 2012 erwarben die SNCF und die NMBS/SNCB die Anteile der Deutschen Bahn. Ab Ende März 2012 galten im Thalys zwischen Aachen und Köln, mit Ausnahme der Bahncard 100 und ICE-Streckenzeitkarten, keine DB-Fahrkarten mehr.Die Bahn steigt beim Thalys aus. In: Aachener Nachrichten. 4. Februar 2012, abgerufen am 2. April 2012. Ab Dezember 2015 galten auch die Bahncard 100 und ICE-Streckenzeitkarten nicht mehr im Thalys.
Am 31. März 2015 wurde der Bahnbetrieb in Frankreich und Belgien von den jeweiligen Staatsbahnen auf das neu gegründete Bahnunternehmen THI Factory NV/SA übertragen, dessen Anteile zu 60 Prozent von SNCF Mobilités ÉPIC und zu 40 Prozent von SNCB/NMBS gehalten werden. Seitdem wird der Bahnhof Ostende nicht mehr vom Thalys angefahren. In den Niederlanden wird der Betrieb von NS Reizigers durchgeführt. Dagegen hat sich die DB Fernverkehr Ende 2016 aus dem Betrieb des deutschen Streckenabschnitts zurückgezogen. Dieser wurde von der, aus einer Eurobahn-Gesellschaft umfirmierten, SNCF Voyages Deutschland GmbH als ausführender Beförderer übernommen. Thalys International blieb parallel bestehen und übernahm weiterhin die Vermarktung der Züge.
2019 gab die Mehrheitseigentümerin an Thalys, die französische Staatsbahn SNCF bekannt, dass sie ihre beiden Tochterunternehmen Thalys und Eurostar International fusionieren möchte. Die für 2021 geplante Fusion wurde aufgeschoben, nachdem bei beiden Tochterunternehmen finanzielle Probleme entstanden waren, ausgelöst durch Verkehrseinschränkungen aufgrund der COVID-19-Pandemie. Im Februar 2022 wurde Thalys International auf THI Factory verschmolzen. Im April 2022 wurde eine Holdinggesellschaft unter dem Namen Eurostar Group mit Sitz in Brüssel gegründet, an der SNCF Voyageurs (55,75 %), CDPQ (19,31 %), SNCB (18,5 %) und von Federated Hermes Infrastructure über Patina Rail verwaltete Fonds (6,44 %) beteiligt sind. Die Eurostar Group hält 100 % der Anteile an Eurostar International Limited und THI Factory SA. Seit Oktober 2023 treten die Züge beider Unternehmen einheitlich unter der Marke Eurostar auf. Für den gemeinsamen Auftritt wurde ein neues Logo geschaffen.
Eingesetzte Züge
Der Thalys wurde für den länderübergreifenden Verkehr zwischen Belgien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden gebaut und ist deshalb mehrsystemfähig. Es existieren zwei Varianten der Züge: der Thalys PBA (Paris–Brüssel–Amsterdam) und der Thalys PBKA (Paris–Brüssel–Köln–Amsterdam).
Von den Thalys PBA existieren zehn Einheiten, die baugleich mit den französischen TGV Réseau sind. Sie fahren mit 25-Kilovolt-50-Hertz-Wechselspannung. Außerdem sind sie mit einigen Zugbeeinflussungssystemen der drei Länder ausgestattet. Die Züge haben bei 25 Kilovolt eine Dauerleistung von 8800 Kilowatt und erreichen damit zwischen Paris und Brüssel sowie zwischen Antwerpen und Flughafen Amsterdam Schiphol 300 km/h. Die 17 vorhandenen Thalys PBKA sind zusätzlich in der Lage, im deutschen Netz mit 15-Kilovolt-16,7-Hertz-Wechselspannung bei einer Leistung von 4460 Kilowatt zu fahren. Das Design ihrer Triebköpfe lehnt sich an den TGV Duplex an. Sie bedienen seit Dezember 1997 Köln. Bis 2006 galt Köln Messe/Deutz als Ziel- und Abgangsbahnhof, zeitweise fuhr ein Zugpaar ab/bis Düsseldorf. Im August 2011 erweiterte Thalys dieses Angebot wieder auf die Abfahrtsbahnhöfe Essen, Duisburg und Düsseldorf.Thalys fährt ab August von Düsseldorf nach Paris, rp-online.de, 25. Dezember 2010 Seit März 2016 fahren einige Züge bis/ab Dortmund und halten teilweise auch am Düsseldorfer Flughafen. Von den 17 Einheiten befinden sich sieben im Eigentum der NMBS/SNCB, sechs gehören der SNCF, je zwei der Nederlandse Spoorwegen und der Deutschen Bahn.Brian Perren: High-speed rail gains from air. In: Modern Railways. Bd. 65, Nr. 719, 2008, , S. 58 f. Die beiden PBKA-Einheiten Nr. 4321 und 4322 der Deutschen Bahn werden dort intern, wie alle Thalys-PBKA-Triebzüge, als Baureihe 409 eingeordnet. Sie sind Bestandteil des Fahrzeugparks der Belgischen Staatsbahn.
Das Unternehmen plant die 2024 eingesetzten Einheiten vom Typ PBA und PBKA ab 2030 durch bis zu 50 neue Einheiten zu ersetzen, die auf sämtlichen bestehenden Eurostar-Verbindungen sowie auf neuen Verbindungen eingesetzt werden sollen.
Verkehrsangebot mini|Karte der Thalys-Verbindungen mit Endpunkten, Strecken, die nur saisonal bedient werden, sind gestrichelt dargestellt (2010) mini|Thalys-Liniennetz (März 2016) Die Züge verbinden länderübergreifend folgende Städte: Dortmund Hbf – Essen Hbf – Duisburg Hbf – Düsseldorf Flughafen – Düsseldorf Hbf – Köln Hbf – Aachen Hbf – Lüttich-Guillemins – Brüssel Süd – Paris Nord (5 Zugpaare nach/von Essen, Reisezeit von Köln 3:14 Stunden, ein weiteres Zugpaar ab Lüttich, dreimal täglich nach/von Dortmund; ein Zugpaar verkehrt seit der Fertigstellung des Diabolo-Projekts zwischen dem Flughafen Brüssel und Paris Nord) seit 13. Dezember 2009 innerhalb Ostbelgiens über die HSL 3 statt zuvor durch das Wesertal. Amsterdam – Schiphol Airport – Rotterdam – Antwerpen – Brüssel – Paris (10 Zugpaare) seit 13. Dezember 2009 über die HSL Zuid mit einer Fahrtzeit von 3:18 Stunden; Den Haag wird seitdem nicht mehr bedient. Brüssel – Disneyland Paris (fünf Zugpaare, bis März 2007, verkehrt wieder im Fahrplanjahr 2024.). Diese Relation wurde, mit vier Zugpaaren, zum 28. November 1999 aufgenommen.Meldung Neues Thalys-Angebot. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 2/2000, , S. 81 Im Sommer verkehrt zusätzlich ein Zugpaar zwischen Amsterdam und Marseille, im Winter von Amsterdam nach Bourg-Saint-Maurice in den französischen Alpen.
Zwischen Brüssel und Paris fahren die Züge nahezu halbstündlich, einige davon in Doppeltraktion, die in Brüssel nach Amsterdam bzw. Köln geflügelt werden. In Brüssel besteht Anschluss an den Eurostar nach London St Pancras International. Seit April 2007 sollten die Züge die neue Schnellfahrstrecke HSL Zuid (Schnellfahrstrecke Schiphol–Antwerpen) benutzen, deren Inbetriebnahme sich bis Dezember 2009 verzögert hat; auch fehlte den Thalys PBA noch das für die HSL Zuid nötige Zugsicherungssystem ETCS; Tests mit der ETCS-Softwareversion 2.3.0 fanden Anfang November 2007 in Belgien und den Niederlanden statt., Pressemitteilung von HSL Zuid vom 9. November 2007 Aus dem gleichen Grund wird die HSL 3 zwischen Aachen und Lüttich erst seit 13. Dezember 2009 befahren.
Mit bis zu 25 Zügen pro Tag und Richtung betreibt das Unternehmen zwischen Paris Nord und Brüssel Midi ein dichtes Zugangebot. Die Züge erreichten 2009 eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 213 km/h und 2024 von 230 km/h. Infolgedessen wurden die meisten kommerziellen Flugverbindungen zwischen diesen Städten eingestellt.Brian Perren: Thalys metamorphosis. In: Modern Railways. Bd. 66, Nr. 726, 2009, , S. 64 f. Es werden täglich fünf internationale Zugpaare zwischen Köln (bzw. Essen oder Dortmund) und Paris angeboten, auf dem Teilabschnitt Köln–Brüssel ergänzt um vier ICE-Zugpaare der Linie ICE 79 Frankfurt–Brüssel. 2006 nutzten 6,5 Millionen Reisende die Züge, seit Gründung der Gesellschaft bis 2007 mehr als 55 Millionen.
Ehemalige Verbindungen Ostende – Brügge – Gent – Brüssel – Paris (ein Zugpaar bis 31. März 2015) Amsterdam – Rotterdam – Antwerpen – Brüssel – Lille (2014–2019), Thalys-Pressemitteilung vom 27. September 2013, abgerufen am 16. Januar 2014Thalys.com, 1. März 2018: (PDF; 131 KiB)
Entwicklung mini|Thalys-Zug in Bourg-Saint-Maurice (französische Alpen) 1992 bestellten die Bahnen von Deutschland, Frankreich, Belgien und der Niederlande 37 Hochgeschwindigkeitszüge bei einer französischen Firmengruppe unter Führung von GEC-Alsthom (heute Alstom) im Gesamtwert von rund 1,4 Milliarden Deutsche Mark. Die Deutsche Bundesbahn beteiligte sich mit einem Investitionsvolumen, das drei dieser Züge entsprach. Ende 1995 wurde der erste Mittelwagen der neuen Züge fertiggestellt.Thaly (sic!): Erster Wagen fertiggestellt. In: Eisenbahntechnische Rundschau. Hamburg 45.1996, Nr. 1/2, S. 5.
Der Betrieb zwischen Paris und Brüssel wurde im Juni 1996 aufgenommen, mit einer Reisezeit von 2 Stunden und 7 Minuten. Der Thalys löste den vorherigen Fernzug Étoile du Nord/„Nordstern“ ab, der mindestens zweieinhalb Stunden benötigte. Erst mit der Inbetriebnahme der belgischen Hochgeschwindigkeitsstrecke 1997 verkürzte sich die Reisezeit auf 1:25 Stunden.Laurent Vermeersch: Bruxelles, Petit Paris. Bruzz Ausgabe 1525 vom 2. Juni 2016, Seiten 7–8 Im ersten Betriebsjahr (1996) nutzten 1,6 Millionen Fahrgäste den Thalys. 1997 fuhren drei Millionen, 1998 bereits 4,7 Millionen Fahrgäste mit den Zügen. Am 25. März 1999 wurde der zehnmillionste Thalys-Fahrgast gefeiert. Rund 14.000 Menschen nutzten pro Tag diesen Zug. Zwischen Brüssel und Paris lag die Auslastung zu dieser Zeit bei 65 Prozent, zwischen Brüssel und Köln bei 50 Prozent.Thalys: 10 Millionen Passagiere. In: Eisenbahntechnische Rundschau. Hamburg 48.1999, Nr. 6, S. 399 f. . Lag der Marktanteil der Schiene zwischen Paris und Brüssel 1994 bei 24 Prozent, lag er um 2000 bei 48 Prozent.Grußwort. In: Zum Thema, , Ausgabe 3/2001, Juni 2001, S. 3.