mini|Frida Kahlo, porträtiert von ihrem Vater Guillermo Kahlo, 1932 rahmenlos|zentriert|class=notpageimage skin-invert-image|Frida Kahlos Unterschrift

Frida Kahlo de Rivera (* 6. Juli 1907 als Magdalena Carmen Frieda Kahlo y Calderón in Coyoacán, Mexiko-Stadt; † 13. Juli 1954 ebenda) war eine mexikanische Malerin. Sie gilt als die bekannteste Künstlerin des Landes und eine bedeutende Vertreterin einer volkstümlichen Entfaltung des Surrealismus, deren Werk bisweilen Elemente der Neuen Sachlichkeit zeigt. Ihr Selbstbildnis El sueño (La cama) wurde 2025 für rund 48 Millionen Euro versteigert und ist damit das teuerste je bei einer Auktion verkaufte Werk einer Frau.

Leben Familie mini|hochkant|Selbstporträt des Vaters, 1920 mini|hochkant|Matilde Kahlo, fotografiert von Guillermo Kahlo, 1897 mini|Matilde (links oben), Adriana (Mitte), Frida (rechts) und Cristina Kahlo (links unten), 1916 mini|Frida Kahlo im Alter von 12 Jahren, 1919 mini|Frida Kahlo, 1926

Frida Kahlos Vater, Carl Wilhelm Kahlo (1871–1941), entstammte einer bürgerlichen Familie aus Pforzheim. Frida Kahlo behauptete, die väterliche Familie sei ungarisch-jüdischer Abstammung gewesen. Eine neuere Biografie belegt jedoch, dass der Vater einer lutherisch-deutschen Familie mit Wurzeln in Pforzheim und Frankfurt am Main entstammte.Gaby Franger, Rainer Huhle: Fridas Vater: Der Fotograf Guillermo Kahlo. Von Pforzheim bis Mexiko. 2. Auflage. Schirmer/Mosel Verlag, Dezember 2009, ISBN 3-8296-0197-2.Michael Wuliger: Die eingebildete Semitin. In: Jüdische Allgemeine. 15. Juli 2010.

Wilhelm Kahlos Mutter starb bei der Geburt des vierten Kindes und sein Vater heiratete erneut. Da Wilhelm sich mit seiner Stiefmutter nicht verstand, wanderte er am 12. Mai 1890 als 18-Jähriger nach Mexiko aus. Er ließ sich als Fotograf in Mexiko-Stadt nieder und heiratete die Mexikanerin María Cárdena, mit der er zwei Kinder hatte. Nach vier Jahren ließ er sich einbürgern und hieß fortan Guillermo Kahlo (spanisch für Wilhelm). Als María 1897 starb, heiratete er Matilde Calderón y Gonzalez aus Oaxaca.

Kindheit und Jugend Frida Kahlo wurde 1907 als drittes Kind von Matilde und Guillermo Kahlo geboren (damals noch als „Frieda“); sie änderte später ihr Geburtsjahr auf 1910, das Jahr der Mexikanischen Revolution.Hayden Herrera: Frida. Biographie de Frida Kahlo. Editions Anne Carrière, Paris 1996, S. 20. Sie befand es für wichtig hervorzuheben, dass ihr Leben mit dem neuen Mexiko begonnen habe. Die Revolution stürzte die Familie in große finanzielle Schwierigkeiten, so dass sie das Haus mit einer Hypothek belasten und einen Teil des französischen Mobiliars verkaufen musste.Hayden Herrera: Frida. Biographie de Frida Kahlo. Paris 1996, S. 29.

Frida Kahlos Mutter war Analphabetin. Sie brachte Frida und ihren Schwestern früh das Nähen und Sticken sowie das Erledigen der Hausarbeit bei. Zudem bestand sie auf dem täglichen Besuch der Kirche. Frida und ihre jüngere Schwester Cristina lehnten sich jedoch gegen das Weltbild der Mutter auf.Hayden Herrera: Frida. Biographie de Frida Kahlo. Paris 1996, S. 30. Als Frida sieben Jahre alt war, lief ihre älteste Schwester Matilde von zu Hause weg, um mit ihrem Freund zu leben. Auch als einige Jahre später der Kontakt zur Schwester wieder hergestellt war, verzieh ihr die Mutter nicht. Die Familie versöhnte sich erst 1927.Hayden Herrera: Frida. Biographie de Frida Kahlo. Paris 1996, S. 31–32. Fridas Vater, der neben seinem Beruf wenig Zeit mit seinen sechs Töchtern verbrachte, drei Schwestern und zwei Halbschwestern von Frida, erkor sie zu seinem Lieblingskind und führte sie bald an die Kunst des Fotografierens heran. Frida lernte von ihm das genaue Beobachten der Natur und das fotografische Handwerk, also den Umgang mit den Fotoapparaten und dem fotografischen Material, das Entwickeln der Platten und Herstellen von Fotografien sowie die Technik des Retouchierens.Hayden Herrera: Frida. Biographie de Frida Kahlo. Paris 1996, S. 39–40.

Als Sechsjährige erkrankte Kahlo an Kinderlähmung, durch das lange Krankenlager blieb ihr rechtes Bein dünner und etwas kürzer. Trotz des fortan notwendigen Tragens einer Ferseneinlage trieb sie als Kind viel Sport (Schwimmen, Radfahren).Hayden Herrera: Frida. Biographie de Frida Kahlo. Paris 1996, S. 34.

Ab 1922 besuchte Kahlo die Escuela Nacional Preparatoria, eine der besten mexikanischen Schulen.Hayden Herrera: Frida. Biographie de Frida Kahlo. Paris 1996, S. 43. Dort lernte sie unter anderem Xavier Villaurrutia und Jorge Cuesta kennen.Hayden Herrera: Frida. Biographie de Frida Kahlo. Paris 1996, S. 50.

Am 17. September 1925 wurde Frida Kahlo Opfer eines Busunglücks, bei dem sich eine Stahlstange durch ihr Becken bohrte, so dass sie ihren Alltag fortan immer wieder liegend und in einem Ganzkörpergips oder Stahlkorsett verbringen musste. Zum Zeitvertreib begann sie, im Bett zu malen.

Leben und künstlerische Karriere mini|Porträt von Frida Kahlo und Diego Rivera, 1932 mini|Fotografie Kahlos von Toni Frissell für Vogue (1937) mini|In diesem Doppelhaus, geplant 1930, in San Ángel (Mexiko-Stadt) lebten Rivera und Kahlo von 1934 bis 1940. (2004) mini|Selbstbildnis mit Dornenhalsband und Kolibri, 1940

Im September 1926, mit 19 Jahren, malte sie ihr erstes Selbstporträt, das Selbstbildnis mit Samtkleid. Als Grund für ihre Selbstporträts nannte sie: „Ich male mich, weil ich sehr viel Zeit allein verbringe und weil ich das Motiv bin, das ich am besten kenne.“ Entgegen allen medizinischen Prognosen lernte Frida Kahlo wieder gehen, gleichwohl litt sie ihr ganzes Leben unter den Folgen des schweren Unfalls. Das Malen wurde zum Ausdruck ihrer seelischen und körperlichen Qualen. Infolge des Unfalls konnte sie keine Kinder bekommen. Mehrere Fehlgeburten verarbeitete sie in Bildern wie Meine Geburt; über den Schmerz hinwegtrösten konnten sie sie jedoch nicht. Frida Kahlo heiratete am 21. August 1929 den fast 21 Jahre älteren mexikanischen Maler Diego Rivera, der aufgrund seiner riesigen politisch-revolutionären Wandbilder (Murales) bereits weltberühmt war. Rivera wurde 1929 aus der Partido Comunista Mexicano ausgeschlossen, auch Kahlo verließ daraufhin die Partei. Kahlo beklagte die häufige Untreue ihres Gatten, die sie ebenfalls in ihren gefühlsbetonten Bildern verarbeitete. Am 6. November 1939 ließ sie sich von ihm scheiden und flüchtete sich in Alkohol, Affären und ihre Malerei. Doch trotz der Schwierigkeiten blieb Rivera immer ein wichtiger Mann in ihrem Leben.Vgl. Dir sende ich mein ganzes Herz. Liebesbriefe. Mit einem Vorwort von Raquel Tibol. Aus dem Spanischen und Englischen von Lisa Grüneisen und Jochen Staebel. SchirmerGraf, München 2007. Am 8. Dezember 1940 heiratete sie ihn ein zweites Mal.

In den 1930er Jahren unterstützte sie zusammen mit Rivera den russischen Revolutionär und einst wichtigsten Mann in der jungen Sowjetunion neben Lenin, Leo Trotzki, 1937 schenkte sie ihm ein Haus in Coyoacán. 1938 lernten André Breton und seine Frau Jacqueline Lamba auf einer Vortragsreise in Mexiko das Künstlerehepaar kennen; mit Lamba verband sie eine enge Freundschaft. Frida hatte noch mehrere Liebesaffären, außer mit Trotzki auch mit dem Fotografen Nickolas Muray, der costa-ricanischen Sängerin Chavela Vargas, Dolores del Río und dem Deutschen Heinz Berggruen, der später ein bedeutender Kunstsammler wurde. Mit 39 Jahren lernte sie den katalanischen Künstler José Bartoli in New York kennen, mit dem sie später ebenfalls eine Affäre hatte. Gegen Ende ihres Lebens verehrte sie Trotzkis Gegenspieler Josef Stalin; im Museo Frida Kahlo befinden sich zwei Porträts, die sie von Stalin anfertigte.

1934 bezogen Kahlo und Rivera nach ihrer Rückkehr nach Mexiko das von Juan O’Gorman 1931–1932 entworfene funktionalistische Haus-Atelier-Ensemble in San Ángel, bestehend aus zwei getrennten mehrfarbigen Wohn- und Atelierhäusern, die über eine Brücke verbunden sind; dort lebten und arbeiteten sie bis 1940.

Gemeinsam mit ihrem Mann zählte sie 1943 zu den ersten Lehrkräften an der nationalen Kunstschule „La Esmeralda“.

Erst 1953 wurden ihre Werke erstmals auch in ihrer Heimat Mexiko in einer Einzelausstellung gezeigt, eine Anerkennung, die sie sich schon lange gewünscht hatte. Zu dieser Zeit bereits bettlägerig, ließ sie sich darin zur Vernissage tragen.Hayden Herrera: Frida. Biographie de Frida Kahlo. Paris 1996, S. 9. Wenig später wurde ihr rechter Unterschenkel (vom Knie abwärts) amputiert.Hayden Herrera: A Biography of Frida Kahlo. HarperCollins, New York 1983, ISBN 0-06-008589-4.

Frida Kahlo starb am 13. Juli 1954 im Alter von 47 Jahren an einer Lungenembolie. Einige ihrer Freunde schlossen auch einen Selbstmord nicht aus, da die Malerin schon früher versucht haben soll, sich das Leben zu nehmen. Beweise dafür gibt es nicht, zumal Diego Rivera die Obduktion ihrer Leiche ablehnte.

mini|Altar am Tag der Toten, Frida Kahlo auf dem städtischen Friedhof von Orizaba gewidmetIm Juni 2019 veröffentlichte die mexikanische Nationale Phonothek eine knapp zweiminütige Tonaufnahme mit einem mutmaßlichen Radiobeitrag Frida Kahlos aus den 1950er Jahren, die als bisher einzige Tonaufnahme Kahlos gelten soll. Es wird allerdings auch angezweifelt, dass es sich tatsächlich um Frida Kahlos Stimme handelt, da die auf der Aufnahme zu hörende Stimme nicht den Beschreibungen der Stimme der Malerin durch Zeitgenossen entspricht.Der Klang Frida Kahlos. In: Tagesschau. 15. Juni 2019, abgerufen am 15. Juni 2019.

Werk und Bedeutung Frida Kahlo ist die mit Abstand bekannteste Malerin Mexikos, wenn nicht sogar Lateinamerikas. Ihre Bilder wurden von der mexikanischen Regierung offiziell zum „nationalen Kulturgut“ erklärt. Ihr Ganzkörper-Selbstbildnis Raíces erzielte im Mai 2006 einen Versteigerungserlös von 5,6 Millionen US-Dollar und galt damals als das bislang teuerste Bild eines lateinamerikanischen Künstlers. (Zu weiteren Versteigerungen mit höheren Erlösen siehe den Abschnitt „Kunstmarkt“ unten.)

Zu ihrem Mythos trug ihr bewegtes Leben bei: ihre Krankheit, ihre Leiden, ihre Ehe mit Diego Rivera, dessen Untreue und ihre Affären. Hinzu kommen ihr revolutionärer Eifer und ein leidenschaftlicher Patriotismus. Kahlo zeigte sich gern in traditioneller Tracht; die Frisur hochgesteckt nach Art der Frauen aus Oaxaca und angetan mit deren traditionellem Schmuck. Damit betonte sie ihre indigenen Wurzeln bewusst öffentlich. Dies war zu jener Zeit ungewöhnlich, zumal rassistische Kriterien für die Stellung in der stark hierarchisch gegliederten mexikanischen Gesellschaft maßgeblich waren.

Als Künstlerin bearbeitete Frida Kahlo in ihren Bildern ihr Leiden – insbesondere ihre chronische Krankheit –, aber auch ihre Eheprobleme. Unter ihren 143 Bildern sind 55 Selbstbildnisse. Nach unzähligen Operationen an Wirbeln und der Amputation ihres rechten Fußes blieb von Kahlos Lebensfreude in ihrer Kunst kaum etwas übrig. Sie wirkt in all ihren Bildern ernst, wobei die Ernsthaftigkeit aber meistens von hellen Farben kontrastiert wird. Ihr Damenschnurrbart und die zusammengewachsenen Augenbrauen in ihren Selbstporträts wurden zu ihrem „Markenzeichen“. Oft wurden sie von ihr viel markanter dargestellt, als sie in Wirklichkeit waren. Oft weisen kleine Symbole in ihren Bildern auf seelische und körperliche Wunden hin. Kahlos Werke zeigen surrealistische Einflüsse, doch lehnte sie selbst diese Zuschreibung ab.

Diego Rivera will Kahlo nie künstlerisch beeinflusst haben, vielmehr soll er ihre Eigenart und Selbstständigkeit stets voll akzeptiert haben. Einem Kritiker schrieb er: „Ich empfehle sie Ihnen nicht, weil ich ihr Ehemann bin, sondern weil ich ein fanatischer Bewunderer ihres Werkes bin.“Raquel Tibol: Frida Kahlo. Ein offenes Leben. S. 88. Nach ihrem Tod bekannte er, sie sei das Wichtigste in seinem Leben gewesen. Frida Kahlo notierte in ihren Tagebüchern, sie hätte ohne Diegos Liebe das qualvolle Dasein nicht ertragen können.