mini|Francisco Guterres (2017) rechts|200px

Francisco Guterres (* 7. September 1954 in Ossu, Gemeinde Viqueque, Portugiesisch-Timor; † 21. Juni 2026 in Kuala Lumpur, Malaysia),Biografie von Francisco Guterres Kampfname Lú-Olo (deutsch für Taube),Sea Globe: , abgerufen am 20. Mai 2017. war ein osttimoresischer Politiker. Von 2001 bis 2012 war er Mitglied des Nationalparlaments. Am 20. Mai 2017 wurde Guterres um Mitternacht zum neuen Staatspräsidenten Osttimors vereidigt. Er hatte das Amt bis zum 20. Mai 2022 inne.

Werdegang Guterres besuchte von 1963 bis 1969 die St. Terezinha Schule der Salesianer Don Boscos in Ossu. 1969 wechselte er an das Gymnasium von Dili. 1973 kam er für ein Jahr zurück nach Ossu als Betreuer seiner ehemaligen Schule. 1974 setzte er sein Studium in Dili fort.

mini|Guterres bei einem Wahlkampfauftritt 2007

Guterres trat 1974 der Unabhängigkeitsbewegung Associação Social Democrática Timorense ASDT, der späteren FRETILIN bei. Als die Indonesier im Dezember desselben Jahres in Osttimor einmarschierten, schloss sich Guterres dem bewaffneten Widerstand an und kämpfte in der FALINTIL zunächst in Ossu unter dem Kommando von Lino Olokassa. Bis 1999 übernahm Guterres verschiedene Posten und Kommandos für die FRETILIN und deren militärischen Arm FALINTIL. Im Juni 1976 wurde er zunächst stellvertretender Parteisekretär in Ossu, nach der Gefangennahme von Francisco da Silva sein Nachfolger als FRETILIN-Sekretär für die östliche Küstenregion in Matebian und später stellvertretender Sekretär der Region Ponte Leste. 1978 erhielt Guterres die Ernennung zum delegierten Kommissar für die Region Ponte Leste und 1984 zum Nationalen Politkommissar.

1987 verließ der Parteivorsitzende Xanana Gusmão die FRETILIN, um politisch neutral den Vorsitz der neuen Dachorganisation aller Unabhängigkeitsparteien Osttimors zu übernehmen, des Conselho Nacional de Resistência Maubere CNRM, dem späteren CNRT. Die FALINTIL wurde dem CNRM unterstellt und die Führung in der FRETILIN übernahm 1988 ein Direktivkomitee. Guterres wurde einer von drei Stellvertretern von Ma'huno Bulerek Karathayano, dem Sekretär des Direktivkomitees der FRETILIN (CDF). Im selben Jahr wurde Guterres in die Region Cruzeiros (bestehend aus Manufahi, West-Manatuto, Aileu und Ost-Dili) versetzt.

Nach dem Tod von Nino Konis Santana 1998 übernahm Guterres den Sekretärsposten im CDF und hatte so die politische Führung innerhalb des bewaffneten Widerstandes inne. Nach dem Rücktritt des indonesischen Diktators Suharto bestimmte ein FRETILIN-Kongress in Sydney im August Guterres zum Generalkoordinator des Präsidialrates der FRETILIN, der den CDF ersetzte. Guterres hatte nun das höchste Amt in der Partei inne. Im CNRT übernahm Guterres 1998 die Ämter als Sekretär für politische Angelegenheiten und Mitglied im Nationalen Politischen Rat (CPN) und Politisch-Militärischen Rat. Anfang 1999 versteckte sich Guterres in einem Haus der FRETILIN in Dili. Da die indonesische Armee sehr aktiv war, ging er dann aber nach Uai-Mori. Nach dem Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999, bei dem Guterres in Liaruca seine Stimme abgab, ging er in das Sammellager für FALINTIL-Kämpfer erst in Remexio, dann in Aileu, wo er bis zum Abzug der Indonesier blieb. Guterres war einer von nur vier FRETILIN-Kommandeuren, die im Busch den Krieg überlebt haben.

mini|Mit traditionellem Kopfschmuck (2020)

Nachdem der Weg zur Unabhängigkeit frei war, organisierte Guterres den Wiederaufbau der FRETILIN zu einer demokratischen Partei. Im Mai 2000 übernahm er den Vorsitz der Nationalkonferenz der FRETILIN und am 15. Juli 2001 wurde er mit 89 % zum Vorsitzenden der Partei gewählt (Wiederwahl Mai 2006 und 20. August 2011), zwei Monate später, zum Vorsitzenden der Verfassungsgebenden Versammlung Osttimors. Nach der endgültigen Unabhängigkeit des Landes am 20. Mai 2002, bei der um Mitternacht Guterres die Deklaration der Wiederherstellung der Demokratischen Republik Osttimor verlas, wandelte sich die Versammlung in das Nationalparlament um, und Guterres wurde zum Parlamentspräsidenten gewählt. Dieses Amt hatte er bis zur ersten Sitzung des neuen Parlaments nach den Wahlen vom 30. Juni 2007 inne. Sein Nachfolger wurde Fernando de Araújo von der Partido Democrático. 2007 und 2012 kandidierte Guterres erneut für das Nationalparlament Osttimors auf dem ersten Listenplatz der FRETILIN. Trotz seines Einzugs in das Parlament, trat er den Abgeordnetensitz nicht an.

Bei den Wahlen zum Staatspräsidenten am 9. April 2007 trat Guterres für die FRETILIN an. Beim ersten Wahlgang konnte er mit 27,89 % die meisten Stimmen auf sich vereinen. Bei der Stichwahl am 9. Mai verlor er jedoch gegen den bisherigen Premierminister José Ramos-Horta mit 31 % gegen 69 % der Stimmen. Bei den Präsidentschaftswahlen 2012 am 17. März trat Guterres erneut als Kandidat der FRETILIN an und belegte erneut den ersten Platz, ohne mit 28,76 % die absolute Mehrheit zu erreichen. In der Stichwahl trat Guterres am 16. April gegen den zweitplatzierten Taur Matan Ruak an, verlor diese aber deutlich.

Ab 2005 studierte Guterres Jura im Rahmen eines Programms der Stiftung der portugiesischen Universitäten (FUP) und an der Universidade Nasionál Timór Lorosa’e (UNTL). Seine Zulassung als Rechtsanwalt erhielt er am 24. April 2012.ANTIL: , abgerufen am 19. März 2017.

mini|Amtsübergabe von Francisco Guterres an José Ramos-Horta (2022)

2017 trat Guterres zum dritten Mal zu den Präsidentschaftswahlen an. Diesmal war er erfolgreich. Gleich in der ersten Runde am 20. März gewann er mit 57,08 % die absolute Mehrheit der Stimmen.STAE: Vorläufige Ergebnisse, abgerufen am 22. März 2017. Am 20. Mai 2017 löste er Taur Matan Ruak als Präsident Osttimors ab.RTP: Francisco Guterres é o novo presidente de Timor-Leste, 20. März 2017, abgerufen am 19. März 2017 (MEZ). Als die FRETILIN mit ihrer 2017 gebildeten Minderheitsregierung beim Versuch einen Haushalt durch das Parlament zu bringen scheiterte, löste Guterres 2018 das Parlament auf und rief vorgezogene Neuwahlen aus. Das Oppositionsbündnis Aliança da Maioria Parlamentar (, AMP) erhielt dabei die Mehrheit im Parlament. Der AMP gehörten Congresso Nacional da Reconstrução Timorense (CNRT), Partidu Libertasaun Popular (PLP) und KHUNTO an. Die PLP stellte mit Taur Matan Ruak den neuen Premierminister, während Xanana Gusmão, als Führer der stärksten Partei im Bündnis, sich mit einem Ministeramt begnügen wollte. Als aber Guterres mehrere Ministeranwärter des CNRT ablehnte, kam es in der Koalition zum Bruch. Gusmãos Versuch eine Koalition ohne die PLP zu schmieden scheiterte. Stattdessen bildeten PLP und KHUNTO nun mit der FRETILIN ein neues Bündnis. Bei den Präsidentschaftswahlen 2022 stellte der CNRT José Ramos-Horta als Kandidaten auf. In der zweiten Runde unterstützten zwar alle drei Parteien des Bündnis Guterres, doch hatte er auch innerhalb seiner FRETILIN Unterstützung verloren. In der ersten Runde hatte Lere Anan Timur ihm aus seiner Wählerschaft große Teile abgenommen. In Lautém wurde Lere Anan Timur sogar stärkster Kandidat. Ramos-Horta gewann schließlich die Stichwahl mit 62,1 % und wurde zu seiner zweiten Amtszeit am 20. Mai 2022 vereidigt.

Beim Parteikongress im September 2022 forderte eine Gruppe Guterres und Generalsekretär Marí Alkatiri als Parteiführer heraus. José Agostinho Sequeira Somotxo trat für das Amt des Parteipräsidenten an und Rui Maria de Araújo wollte neuer Generalsekretär werden. Doch Guterres und Alkatiri lehnten eine Direktwahl durch die Parteimitglieder als zu kostspielig ab und ließen den Kongress abstimmen, nachdem die Prüfungskommission die alternative Liste von Araújo und Somotxo disqualifiziert hatte. Beiden wurde eine zu große Nähe zu Xanana Gusmão vorgeworfen. Die Herausforderer scheiterten und mussten ihre Plätze im Zentralkomitee der Fretilin räumen.RTP (Lusa): Oposição na Fretilin quer demissão de liderança após derrota "humilhante", 23. Mai 2023, abgerufen am 23. Mai 2023.

Bei den Parlamentswahlen 2023 erhielt die FRETILIN mit nur 25,75 % der Stimmen das bisher schlechteste Ergebnis in ihrer Geschichte.CNE: Apuramento Eleisaun Parlamentar 2023, Offizielles Endergebnis, abgerufen am 27. Mai 2023. Die parteiinterne Opposition forderte daraufhin nach dieser „demütigenden“ Niederlage erneut den Rücktritt von Guterres und Alkatiri. Guterres gewann auf Listenplatz 2 hinter Alkatiri einen Sitz im Nationalparlament.La’o Hamutuk: Liste der gewählten Kandidaten. Gleich in der ersten Sitzung verzichtete Guterres wieder auf seinen Sitz im Parlament.Lusa: Presidente do parlamento timorense pede esforços conjuntos aos líderes políticos, 22. Juni 2023.

Guterres starb am 21. Juni 2026 im Prince Court Hospital in Kuala Lumpur (Malaysia).

Familie mini|Guterres mit seiner Frau Cidália zu Besuch in Viqueque (2019)

Francisco Guterres war das sechste von acht Kindern von Felix Guterres und Elda da Costa Guterres. Francisco hat drei Brüder und vier Schwestern.

Guterres erste Frau Clotilde Maria de Fatima (Lou Tik) wurde am 15. November 1981 am Builo durch die Indonesier getötet. Erst nach der Unabhängigkeit Osttimors heiratete Guterres am 4. Mai 2002 in zweiter Ehe Cidália Lopes Nobre Mouzinho Guterres, mit der er drei Söhne und eine Tochter hatte: Francisco Cidalino, Eldino Nobre, Felezito Samora Guterres und Dália Luliana Nobre Guterres.

Sonstiges Guterres sprach fließend Portugiesisch, Makasae und Tetum.

Mit dem präsidialen Dekret 56/2006 erhielt Guterres den Ordem da Guerrilha und mit der Verordnung 20/2009 und dem präsidialen Dekret 25/2009 den Ordem de Timor-Leste (Collar). Dem folgte 2012 die Verdienstmedaille des Präsidenten. Am 19. Mai 2022 überreichte Portugals Präsident Guterres das Großkreuz des Orden des Infanten Dom Henrique.Präsident Osttimors: PREZIDENTE REPÚBLIKA LÚ OLO SIMU KONDEKORASAUN GRANDE-COLAR DA ORDEM DO INFANTE DOM HENRIQUE HUSI PORTUGAL, 19. Mai 2022, abgerufen am 21. Mai 2022.

Siehe auch Geschichte Osttimors

Weblinks

East Timor Birth of a nation, Lu Olo's Story

Einzelnachweise

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