mini|Wappen Bischofswerder, abgebildet bei Siebmacher Von Bischofswerder (bis Ende des 15. Jahrhunderts von Bischofswerde, seit Anfang des 15. Jahrhunderts nachweisbar auf Ebersbach) hieß eine unter anderem in Görlitz ansässige Bürgerfamilie, die, seitdem sie um 1400 Landgüter erwarb, dem Landadel angehörte.

Herkunft Die seit Beginn des 14. Jahrhunderts in Görlitz ansässige Familie von Bischofswerde wählte ihren Namen nach ihrem ursprünglichen Wohnort Bischofswerda in Bautzen.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 81–83.Hermann Knothe: Geschichte des Oberlausitzer Adels und seiner Güter: Vom XIII. bis gegen Ende des XVI. Jahrhunderts, Leipzig 1879, S. 127. Eine Verwandtschaft mit der seit dem 13. Jahrhundert in Bautzen ansässigen gleichnamigen Patrizierfamilie, deren Wappen aus zwei gekreuzten Bischofsstäben bestand, ist nicht anzunehmen, da in damaliger Zeit der Familienname gewöhnlich nach dem Herkunftsort gebildet wurde.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 81. Um sich von der Patrizierfamilie „von Bischofswerde“ zu unterscheiden, schrieb sich die gleichnamige Bürgerfamilie seit Ende des 15. Jahrhunderts „von Bischofswerder“.

Geschichte Im ältesten Görlitzer Stadtbuch, das im Jahr 1305 angelegt wurde, ist Rüdiger von Bischofswerde („Rudeger von Bishoswerde“) auf Seite 4, also wohl um das Jahr 1305, neben Walter Rindescoph und Hannus Senfteleben ein Zeuge.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 83. Als seine Frau wird an späterer Stelle Margarethe („... siner husvrouwe Margareten...“) genannt.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 83–84.

Um das Jahr 1320 wurde berichtet, dass Gunzel von Bischofswerde (auch Guncele, Gunczil; † nach 1365), ein Verwandter Rüdigers, von „Johannes, Heinriches Berngeres son“ einen Teil von Kunstinsdorf („eine halbe Hufe, gelegen zu Kunstinsdorph“) erwarb.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 84. Im ungefähren Zeitraum von 1325 bis 1337 erscheint er insgesamt fünfmal als Zeuge und ist um 1325 sowie von 1337 bis 1340 als Görlitzer Schöppe aufgeführt. In erster Ehe heiratete er eine Tochter des Apetzko Bernger, eines wahrscheinlich wohlhabendem Görlitzer Bürgers. Ihre Kinder hießen Frenzel (auch Frenczil), Clara und Else.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 85.Hermann Knothe: Geschichte des Oberlausitzer Adels und seiner Güter, S. 128. Von seinen Schwagern erwarb Rüdiger mehrfach Ackergrundstücke, wobei es mit Niclawes und Johannes Bernger („Beringer“) wohl zum Streit und um 1330 zur Versöhnung kam, auch weil Johannes Bernger und seine Frau Else auf ihren Teil („sines teyles“) der „hovereyten des vorwerkes“ verzichteten. Es ist belegt, dass Rüdiger um 1325 einem Eymut eine Hypothek auf den Kuttelhof gab, 1337 eine Fleischbank in Görlitz kaufte und dem Stadtschreiber Peter Wernher 1359 ein Viertel seines Vorwerks verkaufte. Vor 1346 heiratete er in zweiter Ehe Margarethe („...Margarethen, syner husvrouwen...“). Die Namen ihrer Kinder, die es wohl gegeben hat, sind nicht überliefert. Margarethe einigte sich mit ihren drei Stiefkinder darauf, dass sie das Vorwerk erhält, Hof und Kaufkammer an sie abtrat, aber „sechzig Mark voraus“ haben soll.

Frenzel erhielt von seinen Geschwistern den väterlichen Hof und verkaufte ihn auch gleich im Jahr 1347 an Vigil Kromer.

Rulo Bishoviswerd, ein Görlitzer Schöppe 1344, ist nach Boetticher „sicherlich ein naher Verwandter Gunzels“.

Henricus Bischofswerde („Bischoffwerder“) war im Jahr 1369 Hypothekengläubiger und wurde gleichen Jahres im liber vocationum erwähnt. Am 25. August 1391 leistete Mats „Bischoffwerde“ ein Zahlungsgelöbnis an Rotehuczel aus Löbau („de Lobau“).

Wahrscheinlich schon im 14. Jahrhundert, aber mit „Vraw Else Bischoffwerdyne und Hans, ir son zu ebirspach“ nachweisbar erst um das Jahr 1402, hatte das Geschlecht Ebersbach erworben und gehörte damit vollständig zum Adel.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 86. Wahrscheinlich ist Else von Bischofswerder 1407, 1410 und 1412 mit „Bysschoffwerdynne de Ebirsbach“, „Bischoffswerderin, frau von Ebersbach“ und „Bischoffswerdin von Eberspach“ gemeint.

Ihr Sohn Hans wird 1448 als „früherer ‚erbherre zu holtendorf‘“ bezeichnet.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 88. Er erscheint beispielsweise 1408 als Görlitzer Schöppe.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 87. 1432 ist er es wohl, der mit „Hanus Bischoffwerde“ im Nikolaiviertel als einer der Hauptleute der Verteidigungsordnung während der Hussitengefahr gemeint ist sowie am 18. November 1439 den Tod König Albrechts († 28. Oktober in Langendorf) von Prag per Brief nach Görlitz meldete. Sein Schwager Caspar Etzel ist 1406 und 1407 erwähnt. Seine Geschwister waren Nickel und Margreth.

Margreth heiratete spätestens 1415 Hans von Maxen („Hans Maxin“, auch Hannos von Maxin).

verweis=Spezial:Dateipfad/Nickel_von_Bischofswerder.jpeg|mini|Epitaph für Nickel Bischofswerde in der Ebersbacher Kirche. Errichtet 1458 von seinem Sohn Hans. Mindestens 1412 und 1413 war Nickel Schöppe.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 87–88. Streitigkeiten in Vermögensangelegenheiten mit Schwager Hans von Maxen wurden 1415 durch Unterweisung („Hannos von Maxin ist undirweist von seinen frundin ... “) beendet. Nickel heiratete spätestens 1417 „Seyfried Teichenitz‘ Tochter“ und war schon 1413 verheiratet.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 88–89. Im August 1428 organisierte er ein aus zahlreichen Adligen bestehendes Militärbündnis gegen die Hussiten. 1439 ist er als, wahrscheinlich stellvertretender, Hofrichter erwähnt. Um 1441 machte er Geschäfte mit Caspar von Gersdorff auf Tauchritz. Er starb wahrscheinlich 1443, spätestens aber wohl 1448. Seine Kinder hießen Anna, Hans, Christoph und vermutlich Nikol II.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 89, 91.

Anna heiratete Benisch („Benis“) von Sor, wahrscheinlich aus Sohra nördlich von Görlitz.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 89. Der schloss sich 1428 dem Militärbündnis gegen die Hussiten an. Vor 1448 gab es wohl gemeinschaftlich mit ihrem Ehemann Streit mit Bruder bzw. Schwager Hans ums väterliche Erbe.

Hans, wohlhabender und angesehener Erbherr auf Ebersbach, besaß spätestens seit 1449 Leschwitz.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 89–90. Von 1444 ist eine Gerichtsverhandlung mit Martin Schleife überliefert, der später als Anhänger Georgs von Podiebrad (1466–1468) Teilnehmer der Görlitzer Pulververschwörung gewesen ist.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 90. Hans verhandelte 1449 mit Nikol von Gersdorff zu Königshain, 1453 gemeinsam mit „Franczko Oppel von der Diehsa“ mit Friedrich von der Heyde und bürgte 1452 in einer Urkunde des Landvogts Hans von Colditz. Am 19. Dezember 1464 gehörte Hans zu den neun „Edelleuten“, zu denen auch Bürgermeister und Ratsherren der Sechstädte gehörten, die dem Bischof zu Meißen hundert Mark Silber zu zahlen gelobten. Hans, der wohl nicht im Einvernehmen mit dem Pfarrer lebte, soll Anteil am Erweiterungsbau der Ebersbacher Kirche gehabt haben. Kinder hat er anscheinend nicht hinterlassen. Er starb nach 1468.

Christoph wurde nach Johann G. Kliembt ein Dienstmann des deutschen Ordens, ist aber in von Mülverstedts Aufsatz „Der oberlaus. Adel [...] und unter den Rittern des deutschen Ordens in Preußen“ nicht mit aufgeführt.

Nikol II. († 1497) soll Nikol III., Wenzel, Peter und vielleicht auch Siegmund als Söhne gehabt haben. Der „wohltuchtige Nicol“ (Nikol II. oder sein Sohn Nikol III.) machte im Jahr 1480, als er auch als Görlitzer Lehnszeuge erwähnt ist, mit dem Görlitzer Altaristen Caspar Seliger Geschäfte auf Kosten der Äcker und Güter seines „armen [...] Untersassen“ Hans Schwarz.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 90–91.

Wenzel († 1509) soll mit Margarethe († vor 1533) verheiratet gewesen sein.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 91. Margarethes Kinder waren Margaretha, Brigitta, Hans, Caspar und Siegmund. Margarethe war mit dem Görlitzer Baumeister Albrecht Stieglitzer und seit der ersten Jahreshälfte 1419 mit dessen Nachfolger als Görlitzer Stadtbaumeister Wendel Roskopf verheiratet.

Nikol III. soll ein gewalttätiger Mann gewesen sein: „wegen Frevels, den er an seinem Vetter Wenzel begangen, wurde er von diesem Jahre 1490 ‚der erbar Nickel Bischwerde zu Ebirschbach‘ geheischen“.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 92. Nikol und sein Sohn Hans hätten es „mit gespanneter armbrosten eingelouffen“. Er besaß Ebersbach und Holtendorf. Am 4. März 1494 ist er „neben anderen [...] Edelleuten“ Teil einer Belehnung gewesen, am 18. März 1495 unterzeichnete er mit „den Städten“ ein die Erbhuldigung betreffendes „Bittgesuch“ an König Wladislaus. Sein Sohn hieß Hans.

Hans erbte Ebersbach und Holtendorf. Im Jahr 1509 verkaufte er „Bauern zu Holtendorf an Niklas Steinberg“. 1511 bat er, gemeinsam mit seinem Vater den Rat vergeblich darum, Bier nach Ebersbach führen zu dürfen. 1512 und 1514 war er Schöppe des Görlitzer Hofgerichts, ein Ehrenamt ausschließlich für Edelleute aus Görlitz, 1514 Zeuge in einer Urkunde des Landvogts Christoph von Wartenberg, 1520 stellvertretender Schöppe und 1529 stellvertretender Hauptmann (anstelle Matthes von Salza). Am 13. oder 14. Februar („quinta post Apollonie “) 1528 erwarb er, „damals schon ein bejahrter Mann“, von den Brüdern Franz und Nickel (wohnhaft in Leippe und Zittau) und seinen Vettern, den Brüdern Hans und Caspar (wohnhaft in Görlitz), alle vier von Bischofswerder, das Gut Ebersbach vollständig.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 93; Hinweis: „quinta post Apollonie“ ist eigentlich der 14. Februar, Boetticher gibt in Klammern aber den 13. Februar an. Seine Tochter hieß Katharina (⚭ Christoph von Rothkirch und Panthen), die Brüder Hans, Erasmus, Franz, Rudolph und Siegmund waren seine Söhne.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 93, 95.

Siegmund wurde vor 130 Altarist in Ebersbach.

Franz, 1531 für „Anthonius von Gyrsdorff zur Horcke“ stellvertretender Schöppe, heiratete vor 1537 Anna von Gersdorff.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 94. 1545 kaufte er Holtendorf. Anfang der 1550er Jahre erhielt er, möglicherweise nur stellvertretend, von König Ferdinand die Verwaltung von Radmeritz, das von den Bernts an Böhmen zurückgefallen war. Mindestens 1554 war er Schöppe.

Hans heiratete vor 1546 Katharina von Uechtritz.Walter von Boetticher: Die von Bischofswerder in Görlitz und auf Ebersbach, S. 95. Er wurde von König Ferdinand zum Verweser Ober-Leubas ernannt. Görlitz hatte die Stadt zuvor im Pönfall verloren. Er starb vor 1568, wie sein Bruder Erasmus kinderlos.

Hans und Franz hatten mit dem Görlitzer Rat einen Streit wegen einer Brücke zu Girbigsdorf und wurden nach Prag zu König Ferdinand zitiert, wo sie am 26. Januar „Mittwoch nach Pauli Bekehrung“ 1547 verklagt wurden, woraufhin eine „gegenseitige Auflassung und Abtretung“ stattfand. 1560 verbrannten ihre Höfe in Ebersbach.