Der Skiclub 1906 Oberstdorf e. V. ist ein Wintersportverein aus Oberstdorf im bayerischen Landkreis Oberallgäu. Er bildet hauptsächlich Sporttreibende im Ski Alpin und Ski Nordisch aus, hat allerdings auch Unterabteilungen im Telemark, Snowboard und Freestyle-Skiing. Darüber hinaus ist der Skiclub für die regelmäßige Organisation und Durchführung nationaler wie internationaler Sportgroßveranstaltungen bekannt. Der im Jahr 1906 gegründete Verein entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Adressen im deutschen Wintersport. Bisher vertraten 31 Athletinnen und Athleten des Skiclubs Oberstdorf die deutschen Farben bei Olympischen Winterspielen.

Vereinsaufbau Das beschlussfassende Organ des Skiclubs ist die Jahreshauptversammlung, welche alljährlich im ersten Halbjahr stattfindet.Organe des Skiclubs Oberstdorf. In: skiclub-oberstdorf.de. Abgerufen am 16. Oktober 2020. Daneben besteht der Vereinsausschuss aus den Mitgliedern des Vorstandes sowie den Referenten der verschiedenen Disziplinen. Dem Vorstand stand zum Jahresende 2022 Georg Geiger vor, der von zwei stellvertretenden Vorsitzenden unterstützt wurde. Der Skiclub ist in die Abteilungen Ski Alpin, Skilanglauf, Skispringen und Breitensport gegliedert. Die Ski-Alpin-Abteilung besteht zudem aus den Unterabteilungen Telemark, Snowboard und Freestyle-Skiing. Die Nordischen Kombinierer trainieren in den Abteilungen Skilanglauf und Skispringen mit.

Geschichte Die ersten Jahre: Vom Skilauf-Verein zum Skiclub 1906 Oberstdorf Der Skiclub wurde am 9. Dezember 1906 als „Skilauf-Verein Oberstdorf/Allgäu“ gegründet, doch trug sich der Verein erst im Jahr 1910 als „Ski-Club Oberstdorf“ in das Vereinsregister ein. Als erster Vorsitzende fungierte Anton Merz, der einer der neun Gründungsmitglieder war. Nur wenige Monate nach der Gründung trat der Verein dem deutschen Skiverband bei und führte bereits 1909 im Schrattenwanggebiet die ersten allgemeinen Skiwettläufe durch. Nachdem die Vereinsgründer schon 1909 eine große und eine kleine Schanze an den Halden (nahe der Hofmannsruhe) errichteten, wurde 1925 die erste Schanze im Schattenbergskistadion aufgebaut, welche ein Jahr später in Betrieb genommen wurde.Schanze auf den Halden Oberstdorf. In: skisprungschanzen.com. Abgerufen am 15. Oktober 2020.Vom Skispringen zum Skifliegen in Oberstdorf. In: oberstdorf-lexikon.de. Abgerufen am 15. Oktober 2020. Des Weiteren wurden in diesen Jahren die Karatsbichl-Karatsbichl-Schanze Oberstdorf. In: skisprungschanzen.com. Abgerufen am 15. Oktober 2020. und KühbergschanzeOberstdorfer Skigeschichten: Jugendskilauf. In: verschoenerungsverein-oberstdorf.de. Abgerufen am 15. Oktober 2020. zur Ausbildung der Jugend eingeweiht. Die ersten Skiabfahrten wurden 1927 im Fellhorngebiet abgehalten, doch war die Eröffnung der Nebelhornbahn 1929 für den Wintersportstandort Oberstdorf von noch größerer Bedeutung, da hier die berühmten Abfahrtsrennen am Lauberhorn und Hahnenkamm ihren Anfang nahmen. Zudem erleichterte die Nebelhornbahn den Schneetransport in einem schneearmen Winter im Jahr 1930, als der Skiclub erstmals die deutschen nordischen Skimeisterschaften ausrichtete. Ein weiterer Meilenstein wurde mit der Teilnahme Franz Thannheimers an den Olympischen Winterspielen 1928 in St. Moritz erreicht. Diese grundlegende Phase fiel in eine Zeit großer interner Unstimmigkeiten, die 1912 zur Spaltung geführt hatten, sodass fortan neben dem Skiclub noch der „Skiverein II“ existierte. In den folgenden Jahren scheiterten einige Versöhnungsversuche, ehe am 29. September 1931 ein Zusammenschluss erwirkt wurde und man sich von nun an „Skiclub 1906 Oberstdorf“ nannte. Im Jahr 1942 wurde durch den Reichssportführer der gesamte Skisportbetrieb eingestellt.

Die Skiflugwoche und das Nebelhornrennen als Erfolgsgeschichten Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus nahm der Skiclub als erster Allgäuer Verein den Sportbetrieb wieder auf. Besonders die Skispringer um Heini Klopfer, Toni Brutscher und Sepp Weiler belebten als nationale Spitzenathleten das Vereinsleben und waren mit dafür verantwortlich, dass die Schattenbergschanze bereits im Januar 1946 wieder in Betrieb genommen und in den folgenden Jahren zur Großschanze ausgebaut werden konnte. Zudem setzte das Trio das Projekt einer Flugschanze um, auf der der Skiclub seit 1950 die Oberstdorfer Skiflugwoche veranstaltete. Bereits bei der ersten Austragung waren rund 100.000 Besucher an der neuen Skiflugschanze im Stillachtal zu Gast und wurden Augenzeugen von drei neuen Weltrekorden.Skiflugschanze Oberstdorf. In: skisprungschanzen.com. Abgerufen am 15. Oktober 2020. In den folgenden Jahren zog die vom Skiclub im Auftrag des deutschen SkiverbandsOberstdorfer Skiflugwoche. In: Passauer Neue Presse, 8. Februar 1955, S. 5. durchgeführten Skiflugwoche weiterhin internationale Spitzensportler nach Oberstdorf. Im Rahmen dieser Wettkampfwoche kam es 1958 zu einem Novum, als der internationale Skiverband mit der sogenannten „S-Wertung“ erstmals eine Punktewertung bei einer Großveranstaltung anwandte.Weltmeister startet bei Skiflugwoche. In: Passauer Neue Presse, 18. März 1958. Darüber hinaus etablierte sich der Skisprungstandort Oberstdorf im internationalen Wettkampfkalender im Besonderen durch die Vierschanzentournee, die 1953 erstmals ausgetragen wurde. Veranstaltete der Skiclub bei der ersten Austragung noch das zweite Springen, wird seit der Vierschanzentournee 1953/54 jene meistens in Oberstdorf eröffnet. Die Tournee entwickelte sich zum prestigeträchtigsten Skisprungwettbewerb und zieht bis heute zehntausende Zuschauer an die Schanzen. Besonders im Gedächtnis blieb der Gesamtsieg des Oberstdorfer Max Bolkart bei der Vierschanzentournee 1959/60, der bis heute der einzige Athlet des Skiclubs ist, dem dieser Erfolg gelang. Nicht nur im Skispringen machte sich der Skiclub als Ausrichter auf sich aufmerksam, sondern auch im alpinen Skirennsport. So führte der Skiclub bereits am Wochenende des 19. und 20. März 1955 zum ersten Mal das internationale FIS-Nebelhornrennen durch, welches schon bei der dritten Austragung 1957 aufgrund einer positiv bewerteten Organisation von der FIS in die höchste Kategorie eingestuft wurde.Internationales Nebelhornrennen in Oberstdorf. In: Passauer Neue Presse, 14. März 1957.

Serie großer Veranstaltungen in Oberstdorf Nachdem bereits einige Athleten des Skiclubs an Olympischen Winterspielen und Skiweltmeisterschaften teilnahmen, gelang es dem alpinen Skirennläufer Franz Vogler, bei den alpinen Skiweltmeisterschaften 1966 im chilenischem Portillo als Dritter eine Medaille zu erringen. Daraufhin wurde ihm gemeinsam mit der zweiten Oberstdorfer WM-Teilnehmerin Margret Hafen ein feierlicher Empfang bereitet. Obwohl der Skiclub neben Vogler und Hafen auch in den darauffolgenden Jahrzehnten immer wieder erfolgreiche Sporttreibende in den Nationalkader entsenden konnte, blieb die Phase von den 1970er Jahren bis hin zum ersten Jahrzehnts im neuen Jahrtausend besonders wegen der Serie großer und erfolgreicher Veranstaltungen in Erinnerung. So kam dem Wintersportverein die Ehre zu, bereits die zweite Austragung einer Skiflug-Weltmeisterschaft im Jahr 1973 zu veranstalten. Hierfür gründete der Verein ein eigenes Organisationskomitee, welches das Großereignis erfolgreich zur Durchführung verhalf. Daraufhin trug Oberstdorf auch in den Jahren 1981, 1988 und 1998 die Skiflug-Weltmeisterschaft aus und ist Teil des Rotationsprinzips für die WM-Vergabe. Eine wichtige Erweiterung der Schanzenanlage war der Neubau der Mattenschanze Anfang der 1970er Jahre, da durch sie Wettkämpfe im Sommer ermöglicht wurden, was im Rahmen der ersten Sommerveranstaltung 1974 auch mit großem Erfolg geschah. Neben den Springen in der Vierschanzentournee, die spätestens seit 1968 als größte Skisprungveranstaltung galt, veranstaltete der Skiclub auch eine ganze Reihe von deutschen nordischen Skimeisterschaften sowie alpinen Skirennen auf der Höllwies am Söllereck sowie im Nebelhorn- und Fellhorngelände. Von den Veranstaltungen auf nationaler Ebene ist besonders die Organisation der ersten gesamtdeutschen nordischen Skimeisterschaften 1991 zu nennen. Als Höhepunkt galt aber die Organisation der nordischen Skiweltmeisterschaften 1987, welche zu einer weiteren Steigerung des Ansehens Oberstdorf in der Welt beitrug und der mehr als 370.000 Zuschauer beiwohnten.Auf Rang 1: Schweden. In: Neue Zeit, 23. Februar 1987; zefys.staatsbibliothek-berlin.de Zur Freude des Skiclubs gewann dabei mit Thomas Müller ein Athlet aus den eigenen Reihen den Weltmeistertitel mit der Staffel in der Nordischen Kombination, welchen er bereits 1985 mit dem Team holen konnte. Müller wurde zudem bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary der erste Olympiasieger des Vereins, als er gemeinsam mit Hans-Peter Pohl und Hubert Schwarz das Schweizer Team knapp schlagen konnte. Der Skiclub erwies sich immer wieder auch für Innovationen gerüstet, sodass die Umstellung auf die Video-Weitenmessung bei der Vierschanzentournee 1990/91 gut umgesetzt werden konnte. Vor dem Hintergrund dieser Erfolge und einer Mitgliederzahl von 1.400 (1992) ließ der Skiclub auch die umliegenden Gemeinden und Skivereine im Oberallgäuer Bereich daran teilhaben und unterstützte diese personell und finanziell im Skilanglauf und Skispringen. Nachdem sich der Skiclub erfolglos um die Austragung der nordischen Skiweltmeisterschaften 2001 und 2003 bemühte, erhielt er den Zuschlag für die WM 2005. Vom 16. bis zum 27. Februar 2005 richtete der Skiclub schließlich zum zweiten Mal die nordischen Skiweltmeisterschaften aus. Mit der Silbermedaille Georg Späths beim Teamspringen gab es erneut ein Medaillengewinner aus den eigenen Reihen. Bei den Olympischen Winterspielen 2006 vertrat mit David Speiser erstmals ein Snowboarder den Skiclub bei Olympia. Wenige Monate später feierte der Skiclub am 29. Juli 2006 sein hundertjähriges Bestehen mit einer Jubiläumsveranstaltung am Fuße des Schattenberges. Im Jahr 2008 führte der SC bereits zum fünften Mal die Skiflug-Weltmeisterschaft durch.

Die großen Erfolge Oberstdorfer Sporttreibender