Bernhard Maria Joseph Benno Hyacint Graf Matuschka (31. Mai 1886 in Arnsdorf – 16. Juni 1966 in Grafing bei München) stammte aus einem alten, ursprünglich böhmisch-mährischen Adelsgeschlecht. Er war Kavallerieoffizier, dann „Pflanzer“ in der Kolonie Deutsch-Ostafrika, Offizier bei der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, Wünschelrutengänger, Okkultist und Schriftsteller.
Leben Elternhaus Bernhard Maria Joseph Benno Hyacint Graf Matuschka wurde am 31. Mai 1886 in ArnsdorfDort hatte die Familie von Matuschka, vertreten durch seinen Bruder Graf Theodor, ein Schloss besessen. (jetzt polnisch Miłków) im Riesengebirge geboren. Seine Eltern waren Bernhard Graf von Matuschka, Freiherr von Toppolezan und Spaetgen (1857–1895) und dessen zweite Ehefrau Brunislawa Gräfin Strachwitz von Groß Zauche und Camminetz (1863–1922), Tochter der Luise Gräfin Strachwitz und des Hyacinth Graf Strachwitz. Der Vater war Gutsherr auf Arnsdorf in Schlesien und Ehrenritter des Souv. Malteser-Orden.
Offizier und Pflanzer Bernhard wurde Kavallerist („Husarenleutnant“). Angeregt durch einen Bekannten, der eine Plantage in Deutsch-Ostafrika besaß, zog er 1908 ebenfalls dorthin und wurde dort „Pflanzer“ (also kolonialer Landwirt), zuerst als Volontär, dann als Pächter eines Gutes von beträchtlicher Größe. Dort wurden hauptsächlich Kautschukbäume und Sisal angebaut.
Matuschka lernte einen „alten Afrikaner“ kennen, der sich aus Europa eine Wünschelrute hatte kommen lassen, mit der er aber nichts bewirken konnte. Matuschka jedoch hatte Erfolg mit dieser Wünschelrute: Er hatte offenbar die Gabe, damit umzugehen. Er gewann eine Ruf als Rutengänger, so dass die Schwarzen ihm den Beinamen „Mungu ja Madji“ (der Wassergott) gaben.
Während des Ersten Weltkriegs wurde Matuschka Offizier in der „Schutztruppe“ für Deutsch-Ostafrika. Er wurde auch zur Wasserversorgung der Truppe herangezogen, unter anderem in Taveta. Dazu schrieb er selbstAlle Zitate nach Matuschka sind aus seinem Buch „Ein Pflanzerleben in Deutsch-Ostafrika“. Dieses Buch enthält viele ausführliche Zitate aus dem Tagebuch seiner Frau, Maria geb. Gräfin Strachwitz-Bertelsdorf.:
Paul von Lettow-Vorbeck, der Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, schrieb dazu in seinen ErinnerungenPaul von Lettow-Vorbeck: Meine Erinnerungen aus Ostafrika. Koehler, Leipzig 1920; hier insbes. S. 73.; Siehe: Gutenberg.org oder bei Archive.org:
Matuschka fuhr fort:
Später (nach der Zeit bei Lettows Stab) wurde Matuschka als Kompanieführer in die Massaisteppe kommandiert, wo er wieder Anlass hatte, die Rutentätigkeit aufzunehmen. Im Jahr 1916 erkrankte er und musste ein Lazarett aufsuchen, das von englischen Truppen eingenommen wurde; dadurch war er für den Rest des Krieges Gefangener (längere Zeit in Malta).
Autor In seinem Buch rühmte Matuschka die Treue der schwarzen Landarbeiter, „Boys“ und Askaris.Die Bundesrepublik Deutschland, als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches, zahlte den Askaris Pensionen bis zum Tode des letzten Askari in den 1990er Jahren. mini|Matuschka-Wappen Schloss Arnsdorf. Wohnsitz in den 1940er Jahren. Nach dem Ersten Weltkrieg versuchte Matuschka, den „kolonialen Gedanken“ durch Vorträge, besonders für die Jugend, aufrechtzuerhalten und neu zu wecken. Weiter wirkte er als Schriftsteller. 1921 lebte der Graf auf der ostafrikanischen Plantage Neu-Branitz.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 1922. Fünfundneunzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1921, S. 604.
In den 1940er Jahren lebte er mit seiner Frau Maria auf Schloss Arnsdorf, das seinem älteren Bruder Theodor Graf Matuschka (1885–1930), Landesältester, und dann dessen Ehefrau Ferdinande Gräfin Schmettow-Pommerzig gehörte.
Nach 1945 lebte Matuschka als Lektor in Potsdam und später in Grafing bei München. Die Ehe blieb kinderlos.
Matuschka bemühte sich, seine okkulten Methoden auch für ganz andere Probleme nutzbar zu machen, zum Beispiel beim „Mordfall Gaggenau“. Dabei ging es um die Auffindung der Leiche einer Ermordeten. Uwe Schellinger schreibt dazuUwe Schellinger: „Kriminaltelepathie“ und „okkulte Detektive“, In: Anna Lux, Sylvia Paletschek (Hrsg.): Okkultismus im Gehäuse. Auflage Online-Ressource, In: Okkulte Moderne. 3; Walter de Gruyter-De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2016, ISBN 978-3-11-046451-1, insbes. S. 330.:
Um die Mitte der 1960er Jahre versuchte Matuschka, für die Malerin Magdalene Klett deren Vater, der ihr nicht bekannt war, ausfindig zu machen und sogar eine Zusammenkunft herbeizuführen. Unterdessen starb Matuschka jedoch (am 16. Juni 1966); die Folge war eine schwere Lebenskrise der Künstlerin.
Veröffentlichungen, die im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek enthalten sind Die Wünschelrute, 1913 Wasser für Taveta, 1941 („Eine Wünschelrute bringt Rettung in höchster Gefahr / Tatsachenbericht“) Jagdsafari in Deutsch-Ostafrika, 1942 Ein Pflanzerleben in Deutsch-Ostafrika, 1943 (Die Darstellung seines Lebens von 1908–1919; Vorwort: Paul von Lettow-Vorbeck). Simba, 1948 („Ein Löwenschicksal in Afrika“, auch als Hörbuch, 2 CDs, 2008; gelesen von Tommi Piper) Mungu ja madji (Der Gott des Wassers. „Aus den Afrika-Erlebnissen eines Wünschelrutengängers“), 1953 Der Ruf der Wildnis, 1957 Erlebtes Afrika, 1959.
Andere Veröffentlichungen In den Jahren 1940–42 trug Matuschka zu der „Heftroman-Serie“ Kolonialbücherei bei – mit „Wasser für Taveta“ und „Jagdsafari in Deutsch-Ostafrika“.
Beiträge in der Zeitschrift „Okkulte Stimme“ Erdstrahlen, im 4. Jahrgang (1953). Das alles kann der Rutengänger, im 6. Jahrgang (1955).
Genealogie Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1941. Jg. 114, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 310. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Johann Georg von Rappard, u. a.: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. B (Briefadel). 1953. Band I, Band 6 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1953, S. 281, S. 421.
Weblinks Portal Deutsche Nationalbibliothek. Personen in Deutsch-Ostafrika: Graf Bernhard Matuschka. Literaturport Berlin-Brandenburg: Hinweis auf die Lektor-Tätigkeit. Genealogy Bohemia/Stand 23rd January 2009: Genealogie der Familie von Matuschka.
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Autor Kategorie:Okkultist Kategorie:Person (Deutsch-Ostafrika) Kategorie:Militärperson (Kaiserliche Schutztruppe) Kategorie:Kolonialliteratur Kategorie:Geboren 1886 Kategorie:Gestorben 1966 Kategorie:Mann