Die Rittersporne (Delphinium) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Die 300 bis über 500 Arten sind in der Holarktis weitverbreitet. 2015 wurden die Rittersporne Giftpflanze des Jahres.

Beschreibung mini|links|Delphinium cheilanthum aus The Botanical Register, 1820, Tafel 473, illustriert von Sydenham Edwards mini|Delphinium ceratophorum: Blüte von der Seite, deutlich zu erkennen ist der Sporn. mini|Früchte und Samen von Delphinium verdunense

Vegetative Merkmale Rittersporn-Arten wachsen selten als ein- bis zweijährige, meist als ausdauernde krautige Pflanzen. Die Laubblätter sind dreiteilig, handförmig gelappt bis stark zerteilt.

Generative Merkmale In traubigen oder schirmtraubigen Blütenständen stehen viele Blüten zusammen mit Tragblättern; selten stehen die Blüten einzeln.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph, gespornt und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf freien, kronblattartigen Kelchblätter sind ungleich, es gibt zwei ventrale (obere), zwei seitliche und den Sporn. Von den vier freien Kronblättern sind die beiden oberen gespornt und enthalten Nektar; die beiden unteren sind ungespornt. Diese beiden Sporne der Krone sind vom Sporn des Kelchs umgeben. Die beiden seitlichen Kronblätter sind in einen schmalen Nagel und eine breite Zunge gegliedert. Von den ursprünglich fünf Kronblattanlagen entwickelt sich also eine nicht. Falls die einzige Art der Gattung Pseudodelphinium in der Gattung Delphinium s l. enthalten ist, dann wäre das die einzige Art der Gattung mit einer radiärsymmetrischen Blüte.

Die vielen Staubblätter sind in acht Kreisen angeordnet. Es sind meist drei, seltener vier bis fünf freie Fruchtblätter vorhanden mit vielen Samenanlagen. Der Griffel besitzt eine deutlich erkennbare Narbe.

Es werden schmale Balgfrüchte gebildet. Die Samen besitzen schmale Flügel.

Inhaltsstoffe Ausgehend von Quellen über einzelne Arten folgert man, dass die Rittersporn-Arten in allen Pflanzenteilen, besonders aber in den Samen, giftige Alkaloide, hauptsächlich Elatin enthalten.Datenblatt von Delphinium elatum bei giftpflanzen.com. Ausgehend von Quellen über einzelne Arten folgert man, dass diese Rittersporn-Arten auch Delphinin, Methyllycaconitin, Delphisin, Delphinoidin, Delcosin, Delsonin und Lycoctonin enthalten. Einige Arten wurden aufgrund der Inhaltsstoffe schon im Altertum als Arzneipflanzen genutzt.

Die Vergiftungserscheinungen sind Magenreizungen mit Durchfall, Bewegungsstörungen und nervöse Symptome. Die Giftstoffe greifen auch die Herzmuskulatur an und erzeugen Hautreizungen. Die höchsten Giftgehalte weisen der Gartenrittersporn und der Hohe Rittersporn auf.

Als akute Sofortmaßnahme empfiehlt sich die Einnahme von Aktivkohle-Tabletten. Die Haut sollte nach Kontakt umgehend abgewaschen werden.

mini|Illustration aus dem Wiener Dioskurides 6. Jahrhundert: „Delphinion“ mini|Illustration aus C. Clusius: Rariorum plantarum historia 1601 von zwei Formen des Garten-Feldrittersporn (Delphinium ajacis), dort als Delphinium elatius bezeichnet mini|Illustration des Roten Rittersporn (Delphinium cardinale) mini|Illustration des Großblütigen Rittersporn (Delphinium grandiflorum) mini|Illustration aus Curtis's Botanical Magazine, Tafel 8170 von Delphinium leroyi mini|Illustration des Nacktstängligen Rittersporn (Delphinium nudicaule) mini|Illustration von Delphinium pylzowii mini|Roter Rittersporn (Delphinium cardinale) mini|Hoher Rittersporn (Delphinium elatum) mini|Schlitzblättriger Rittersporn (Delphinium fissum) mini|Delphinium glareosum mini|Blütenstand mit zygomorphen Blüten von Delphinium leucophaeum mini|Blütenstand von Delphinium lineapetalum im Habitat mini|Delphinium luteum mini|Delphinium maackianum mini|Blütenstand von Delphinium macrostachyum mini|Delphinium menziesii mini|Delphinium montanum mini|Nacktstängliger Rittersporn (Delphinium nudicaule) mini|Delphinium nuttallianum mini|Gestielte, zygomorphen Blüte im Detail von Delphinium nuttallianum mini|Karpaten-Rittersporn (Delphinium oxysepalum) mini|Blütenstände von Delphinium parishii im Habitat mini|Balgfrüchte von Delphinium parishii im Habitat mini|Blütenstand mit zygomorphen Blüten von Delphinium parryi mini|Blütenstand mit zygomorphen Blüten von Delphinium pavonaceum mini|Blütenstand mit zygomorphen Blüten von Delphinium pentagynum mini|Blütenstände mit zygomorphen Blüten von Delphinium peregrinum mini|Zygomorphe Blüten von Delphinium polycladon mini|Blütenstände mit zygomorphen Blüten von Delphinium puniceum mini|Zygomorphe Blüte von Delphinium recurvatum mini|Delphinium requienii mini|Delphinium retropilosum mini|Delphinium scaposum im Habitat mini|Delphinium semibarbatum im Habitat mini|Zygomorphe Blüten von Delphinium tatsienense mini|Blütenstand mit zygomorphen Blüten und Blütenknospe von Delphinium tricorne mini|Blütenstand mit zygomorphen Blüten von Delphinium trisectum mini|Delphinium trolliifolium mini|Zygomorphe Blüte von Delphinium variegatum mini|Delphinium wootonii im Habitat mini|Delphinium xantholeucum im Habitat

Systematik, botanische Geschichte und Verbreitung Botanische Geschichte Der erste Nachweis des Namens ‘Delphinium’ wurde in Dioskorides Werk De Materia Medica gefunden. Von diesem Werk hat man Kenntnis durch arabische, griechische und lateinische Übersetzungen. Dort wurde dieser Name für Pflanzen mit langen, dünnen, fiederteiligen Laubblättern verwendet, die aussehen wie Delfine, schon dort wurde das altgriechische Wort δελφίνιον delphinion verwendet. Das erstaunt, weil schon zu der Zeit vegetative und generative Merkmale separat beschrieben wurden. Jüngere Übersetzungen schreiben die Ähnlichkeiten der Blüten mit Delfinen zu.

Im 16. Jahrhundert wurde „Rittersporn“ in der deutschsprachigen Literatur verwendet, es bezog sich auf Consolida-Arten, die ja seit 2011/2012 auch in Delphinium enthalten sind. Im 17. Jahrhundert wurde über Delphinium geschrieben, es waren meist auch Consolida-Arten.

In der wissenschaftlich gültigen Erstveröffentlichung von Delphinium durch Carl von Linné waren sechs Arten gelistet: Delphinium consolida , Delphinium ajacis , Delphinium peregrinum , Delphinium grandiflorum , Delphinium elatum , Delphinium staphisagria Linné legte keine Typusart fest, dies führte im 20. Jahrhundert zu taxonomischen Kontroversen. 1818 erstellte de Candolle eine infragenerische Klassification für Delphinium in der diese Gattung in vier Sektionen gegliedert wurde; eine davon war sect. Consolida Drei Jahre später bekam durch Gray 1821 diese Sektion den Rang einer Gattung Consolida . Dagegen blieb Spach 1839 bei dem größeren Umfang der Gattung Delphinium . Aber Spach 1839 stellte Delphinium aconitii in eine neue monospezifische Gattung Aconitella . Huth gliederte 1895 die Gattung Delphinium in die zwei Untergattungen: subg. Consolida und subg. Eudelphinium .

Bisher gab er drei Versuche einer Typifikation Delphinium : Zuerst wurde im American Code, durch Britton und Brown 1913 die Art die als erstes im Protolog gelistet ist Delphinium consolida mit dem Typusmaterial LINN 694.1,LINN 694.1 Delphinium consolida (Herb Linn), auf linnean-online.org Fig. 1A ausgewählt. Aber 1914 verwendete Nieuwland als neuen Lectotypus das Typusmaterial von Delphinium peregrinum Durch die Aufteilung der Gattung Delphinium s l. war für Gattung Delphinium s str. ein neuer Lectotypus erforderlich und Warnock 1993 entschied Typusmaterial von Delphinium elatum zu verwenden. Da der Umfang der Gattung seit 2011/2012 wieder größer wurde scheint 2021 die Typifikation noch nicht abschließend geklärt zu sein.

Morphologische Untersuchungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führten zu unterschiedlichen Gliederungen der Gattung Delphinium und unterschiedlichen Umfang der Gattungen innerhalb der Tribus Delphinieae. Molekulargenetische Untersuchungen führen zu Veränderungen von Umfang der Subtaxa der Tribus Delphinieae.

Taxonomie Die Gattung Delphinium wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 530 aufgestellt. Der botanische Gattungsname Delphinium leitet sich her vom griechischen delphínion für „Delphinpflanze“, denn die Knospe der Blüte soll einem Delphin ähnlich sehen. Synonyme für Delphinium (Stand 2012) sind: Aconitella , Aconitopsis , Calcatrippa , Ceratostanthus , Chienia , Consolida , Delphidium , Delphinastrum , Diedropetala , Phledinium , Phtirium , Plectrornis , Pseudodelphinium , Staphysagria .

Äußere Systematik ab 2011 In der Tribus Delphinieae gibt es bei Jabbour und Renner 2012 drei Gattungen: Staphisagria (drei Arten), Aconitum (etwa 300 Arten) und Delphinium (etwa 350 Arten). Der Umfang der Gattungen der Tribus Delphinieae wird im 21. Jahrhundert kontrovers diskutiert.

Innere Systematik ab 2011 Die Rittersporne (Delphinium) sind den Feldritterspornen (Consolida) ähnlich und mit ihnen nahe verwandt. Vor allem in der älteren Literatur werden die Consolida auch in die Gattung Delphinium eingeordnet. Neueste molekulargenetische Ergebnisse zeigen, dass Consolida (inklusive Aconitella) in den phylogenetischen Baum von Delphinium eingebettet ist. Es ist noch offen, ob Consolida deshalb in Delphinium eingegliedert werden müssen oder ob Delphinium in mehrere kleinere Gattungen aufgeteilt wird. Die Angelegenheit wird dadurch verkompliziert, dass in dieser Veröffentlichung Delphinium auch in Hinblick auf die Gattung Eisenhut (Aconitum) paraphyletisch erscheint. Weil aber eurasiatische ausdauernde Rittersporne in der Studie nur in sehr geringer Zahl untersucht worden sind, sind die Ergebnisse in dieser Beziehung nur als vorläufig zu betrachten. Die Verwandtschaftsverhältnisse nach dieser Arbeit Jabbour und Renner 2011 werden noch durch das folgende Kladogramm dargestellt (das ändert sich schon wenige Monate später):

Die je nach Stand der Wissenschaft 300 bis über 500 Delphinium-Arten sind hauptsächlich in den gemäßigten Gebieten Eurasiens und Nordamerikas (Holarktis) verbreitet. Außerdem kommen wenige Arten in den Gebirgsregionen Zentralafrikas vor. Allein in China kommen 173 Arten vor, davon 150 nur dort. 61 Arten sind in Nordamerika beheimatet.

Zur Untergattung Delphinium subgen. Delphinium gehören etwa 250 Arten. Zur Untergattung Delphinium subgen. Lycoctonum gehören etwa 50 Arten.

Arten und ihre Verbreitung Arten und ihre Verbreitung (Auswahl): Delphinium aconiti (Syn.: Aconitella aconiti , Aconitella delphinioides , Aconitopsis aconiti , Aconitum monogynum , Consolida aconiti ): Sie kommt in der europäischen und asiatischen Türkei vor. Delphinium acutidentatum Delphinium aemulans : Sie kommt in Kasachstan und im nordwestlichen Xinjiang vor. Delphinium afghanicum (Syn.: Delphinium aktoense , Delphinium kaschgaricum , Delphinium kunlunshanicum , Delphinium wuqiaense , Delphinium zhangii ): 2019 wurden fünf Namen als Synonyme zu dieser Art gestellt. Sie kommt nur im Gebiet des östlichen Pamir und westlichen Kunlun Shan im westlichen Xinjiang vor. Garten-Feldrittersporn (Delphinium ajacis , Syn.: Ceratostanthus ajacis , Consolida ajacis , Consolida orientalis , Delphinium addendum , Delphinium ambiguum non , Delphinium azureum , Delphinium candelabrum , Delphinium orientale , Delphinium ornatum , Delphinium pauciflorum , Delphinium simplex ) Delphinium alabamicum : Diese gefährdete Art gedeiht in Höhenlagen von 100 bis 300 Metern im US-Bundesstaat Alabama und es ist in Georgia nur ein Fundort bekannt, der nicht gesichert ursprünglich ist. Delphinium albocoeruleum : Es gibt etwa zwei Varietäten: Delphinium albocoeruleum var. albocoeruleum: Sie gedeiht in Juniperus-Wäldern und an Grashängen in Höhenlagen von 3600 bis 4900 Metern im nordöstlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen Gansu, östliches Qinghai sowie nordwestliches Sichuan. Delphinium albocoeruleum var. przewalskii : Dieser Endemit gedeiht an Hängen in Höhenlagen von 1500 bis 2000 Metern nur im Helan Shan im nördlichen Ningxia. Delphinium albomarginatum