Sykophanten (von , ) wurden im antiken Athen Bürger genannt, die sich ein Gewerbe daraus machten, anderen, meist begüterten Bürgern in erpresserischer Absicht anzudrohen, sie durch falsche Angaben und Verleumdungen in Misskredit zu bringen.
Begriff Plutarch deutete aus dem altgriechischen Begriff für Feige, „“, es habe sich ursprünglich um Bürger gehandelt, die andere wegen verbotener Ausfuhr von Feigen denunzierten. Diese Deutung ist jedoch sehr wahrscheinlich falsch, weil ein Verbot des Feigenexports nirgendwo sonst belegt ist. Über den Sinn des „Feigenanzeigers“ herrschte schon in der Antike Uneinigkeit.Robert Hanulak: Sykophant und Sykophantie im klassischen Athen. GRIN Verlag, 2007, ISBN 978-3-638-77684-4;
Verallgemeinerung Der Begriff wurde schon im Altertum im übertragenen Sinne für alle Denunzianten gebraucht. Im modernen Recht gehen Geldstrafen meist an den Staat oder gemeinnützige Organisationen. Im attischen Rechtswesen ging die Zahlung an den Ankläger; klageberechtigt war jeder freie Bürger. So konnten die Sykophanten gewerbsmäßig andere Bürger anklagen.
404 v. Chr. wurden unter der Herrschaft der Dreißig mehrere so genannte Sykophanten hingerichtet. Nach der Wiederherstellung der Demokratie blühte jedoch auch das Sykophantenwesen erneut auf.
Adaptionen Im Englischen steht sycophant heute für „Kriecher“, „Speichellecker“, „Schleimer“.
Mehrere Musikgruppen haben Titel mit diesem Begriff veröffentlicht: Fall of the Sycophants ist ein Song der Metal-Band Soulfly. Die Band Exodus hat einen Song namens March Of The Sycophants. Von der Punk-Band NOFX stammt der Titel My Sycophant Others.
Literatur Matthew R. Christ: Ostracism, Sycophancy, and Deception of the Demos: [Arist.] Ath. Pol. 43.5. In: The Classical Quarterly, New Series, 1992, Band 42, Nr. 2, S. 336–346; , doi:10.1017/S0009838800015974. John Oscar Lofberg: Sycophancy in Athens. Dissertation, The University of Chicago Libraries, Chicago IL 1917.
Einzelnachweise
Kategorie:Attisches Recht Kategorie:Athen in der Antike