mini|hochkant|Frederic von Rosenberg, 1918

Frederic Hans von Rosenberg (* 26. Dezember 1874 in Berlin; † 30. Juli 1937 in Fürstenzell) war ein deutscher Diplomat und Politiker. Er war 1922/23 Reichsaußenminister unter Reichskanzler Wilhelm Cuno.

Familie Rosenberg entstammte einer 1648 nobilitierten, in der brandenburgischen Neumark ansässigen Familie. Er war der älteste Sohn des preußischen Generalmajors Johann von Rosenberg (1844–1913) und dessen zweiter Ehefrau Amy Emmeline Brook (1849–1904), einer Kaufmannstochter aus dem englischen Huddersfield (Yorkshire). Der Vater stand vormals beim Großherzoglich Mecklenburgisches Füsilier-Regiment „Kaiser Wilhelm“ Nr. 90 in Garnison,Paul von Wrochem, Oskar Haevernick, Maximilian von Below: Geschichte des Großherzoglich Mecklenburgischen Füsilier-Regiments Nr. 90. (1788–1906). 2. Auflage, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1907, S. 375. war dann Kommandeur des Infanterie-Regiments Kaiser-Wilhelm (2. Großherzoglich Hessischen) Nr. 116 und EhrenritterC. Herrlich: Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. 35. Jahrgang, Nr. 27, Julius Sittenfeld, Carl Heymanns Verlag, Berlin, den 4. Juli 1894, S. 157. des Johanniterordens. Der preußische Generalmajor Ernst von Rosenberg war sein Großvater, der Generalleutnant Karl von Rosenberg sein Onkel.

Frederic von Rosenberg hatte sechs jüngere Geschwister, von denen ein Bruder als Kleinkind und drei Brüder als junge Soldaten starben. Der Bruder Richard von Rosenberg starb 1904 als Leutnant der Kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) beim „Eingeborenen-Aufstand“Alexis von Schoenermarck: Helden-Gedenkmappe des Deutsches Adels. Verlag W. Petri, Stuttgart 1921, S. 269., dessen Niederschlagung zum Völkermord an den Herero und Nama führte. Sein Bruder Kurt (Curt) von Rosenberg hatte mit Molkenberg bei Berlin kurzzeitig Gutsbesitz und fiel 1917 als Hauptmann im Krieg, der jüngste Bruder Joachim Georg von Rosenberg zuvor 1915 als Leutnant. Die Schwester Mary von Rosenberg (1879–1945), verwitwete von Eschwege, wurde 1921 die zweite Ehefrau des Generalmajors z. V. Georg Graf Stillfried von Rattonitz (1867–1941).Vgl. Hans Friedrich von Ehrenkrook: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. A (Uradel). 1955. Band II, Band 10 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1955, S. 427 f.

Er heiratete am 5. November 1900 in Kassel Marie Luise Henriette Theremin (1880–1958), eine Tochter der aus der Schweiz stammenden Adele Binet (1845–1884) und des Generalleutnants Charles Philipp Theremin. Das Paar hatte einen Sohn und vier Töchter.

Ausbildung hochkant|mini|Frederic v. Rosenberg als Bonner Preuße Fredric von Rosenberg besuchte das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Berlin, die Stadtschule in Wismar, das Großherzogliche Gymnasium Carolinum in Neustrelitz und das Königliche Wilhelms-Gymnasium in Königsberg. Nach dem Abitur begann er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Rechts- und Kameralwissenschaften zu studieren. 1894 wurde er im Corps Borussia Bonn recipiert,Otto Gerlach (Hrsg.): Kösener Corpslisten 1960. C. L. Mettcker & Söhne-Jever-Selbstverlag des Verbandes Alter Corpsstudenten, Kassel 1961, 9 (Corps) / (Lfd. Nr. dort) 772. u. a. mit Siegfried von Brünneck und Hans Heinrich XVI. Graf von Hochberg. Als Inaktiver wechselte er an die Universität Genf und die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Bei Eduard Rosenthal an der Universität Jena wurde Rosenberg 1897 zum Dr. iur. promoviert, absolvierte das Referendariat im preußischen Justizdienst und bestand 1903 das Assessorexamen.

Diplomatische Karriere Anschließend trat er in die Konsulatslaufbahn des Auswärtigen Amts. Er wurde 1905 als Vizekonsul nach Antwerpen entsandt, zwei Jahre später kehrte er als „Hilfsarbeiter“ in der Rechtsabteilung unter Johannes Kriege in die Zentrale des Auswärtigen Amts nach Berlin zurück. Rosenberg übernahm 1910 die Leitung des „kleinen Orientreferats“, das für die Beziehungen zum Osmanischen Reich, Griechenland und Bulgarien zuständig war. Er wurde 1912 zum Wirklichen Legationsrat ernannt. Während des Ersten Weltkriegs war er vom Kriegsdienst freigestellt und arbeitete am 1915 geschlossenen Freundschaftsvertrag mit Bulgarien mit, durch den das Land den Mittelmächten beitrat. Als Orientreferent protestierte er am 1. Oktober 1915 bei der türkischen Botschaft gegen die Verfolgung der Armenier im Osmanischen Reich. Ebenso wie Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg schreckte er aber vor einer härteren Reaktion auf den Völkermord zurück, um nicht das Bündnis mit dem Osmanischen Reich zu gefährden.

Nach der Oktoberrevolution 1917 in Russland und den ersten Waffenstillstandsgesuchen der Bolschewiki entsandte ihn Staatssekretär Richard von Kühlmann im Dezember als Delegationsleiter zu Vorverhandlungen nach Brest-Litowsk, wo er den drei Monate später geschlossenen Friedensvertrag mit unterzeichnete. Auch an dem im Mai 1918 zwischen den Mittelmächten und Rumänien geschlossenen Frieden von Bukarest wirkte Rosenberg mit. In der letzten Kriegsphase sprach sich Rosenberg für die Bildung einer Regierung auf breiter nationaler Grundlage unter Einschluss der Sozialdemokraten und ein Friedensersuchen an den US-Präsidenten Woodrow Wilson aus. Nach dem Ende des Kaiserreichs und der Ausrufung der Republik blieb Rosenberg im Auswärtigen Amt und wurde 1919 Leiter der politische Abteilung. Ab Januar 1920 war er zunächst Geschäftsträger, dann deutscher Botschafter in Wien und 1922 Gesandter in Kopenhagen.

hochkant|mini|Wilhelm Cuno (vorne) und Frederic von Rosenberg im Juni 1923. Am 22. November 1922 wurde der parteilose Diplomat zum Reichsminister des Auswärtigen in das Kabinett Cuno berufen. In einer Rede vor dem Reichstag signalisierte er am 16. April 1923 die deutsche Bereitschaft zur Wiederaufnahme der wegen der Ruhrbesetzung eingestellten Reparationen. Mit dem Rücktritt des Kabinetts schied er im August 1923 aus der Reichsregierung aus. 1924 wurde er Gesandter in Stockholm, wo er neun Jahre lang blieb. Von 1933 bis 1935 war er Botschafter in Ankara.Bundesarchiv.de / Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik online (Hrsg.): Rosenberg, Frederic (Hans) von.

Literatur G. G. Winkel: Biographisches Corpsalbum der Borussia zu Bonn 1821–1928. Wailand AG-Selbstverlag, Aschaffenburg 1928, S. 229, Nr. 772. Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Degeners Wer ist’s?. X. Ausgabe, Selbstverlag, Berlin 1935, S. 1325. Stephan Taylor: Who’s Who in Central and East-Europe 1933/34. A Biographical Dictionary. Band 2, The Central European Times Publishishing Co. Ltd., Carl Gerold’s Sohn, Wien/Zürich 1935, S. 830. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1938. Jg. 30, Justus Perthes, Gotha 1937, S. 451 f. Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1989. Band XVIII, Band 95 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1989, S. 352–355. Maria Keipert (Red.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Hrsg. Auswärtiges Amt, Historischer Dienst. Band 3: Gerhard Keiper, Martin Kröger: L–R. Schöningh, Paderborn u. a. 2008, ISBN 978-3-506-71842-6. Winfried Becker (Hrsg.): Frederic von Rosenberg. Korrespondenzen und Akten des deutschen Diplomaten und Außenministers 1913–1937. Hrsg.: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, durch Klaus Hildebrand und Gerrit Walther. In: Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts. Band 66; Oldenbourg Verlag, München 2011, ISBN 978-3-486-70103-6. Winfried Becker: Frederic von Rosenberg (1874–1937). Diplomat vom späten Kaiserreich bis zum Dritten Reich, Außenminister der Weimarer Republik. In: Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Band 83, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011. ISBN 978-3-525-36076-7. als E-Book: ISBN 978-3-647-36076-8.

Weblinks

Bundesarchiv (BArch) (Hrsg.): N 2250.

HiKo München (Hrsg.): Weitere Literatur-Angaben zu F. v. Rosenberg-oben fehlend H-Soz-Kult (Hrsg.): Frederic von Rosenberg-Rezension m. nochmals weit. bis dato nicht erw. Literatur

Einzelnachweise

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