mini|Alter Markt, Blick nach Norden (2013) mini|Alter Markt von oben, Nord-Süd-Ausrichtung (2020)
Der Alter Markt (Kölsch Alder Maat) ist ein geschichtsträchtiger Platz im Kölner Stadtteil Altstadt-Nord. Der Name wird in der Regel nicht flektiert und wie ein zusammengesetztes Substantiv auf der ersten Silbe betont (so etwa „der Altermarkt“, „auf dem Altermarkt“ usw.).
Ein Karnevalslied aus dem Jahr 1938 von Gerhard Jussenhoven und Jupp Schlösser, Die Hüsjer bunt om Aldermaat („Die Häuschen bunt auf dem Altermarkt“), beschreibt die noch heute erhaltene altertümlich anmutende Szenerie dieses Kölner Platzes.
Lage Der 265 Meter lange Alter Markt liegt in der Kölner Altstadt-Nord und ist mit einer Fläche von 5.460 m² neben dem Heumarkt der größte Kölner Altstadtplatz. Er beginnt im Süden an der Lintgasse und endet im Norden an der Mühlengasse. Dieser Abschnitt ist für den Straßenverkehr gesperrt. Zum Alter Markt führt nur das Brigittengässchen. Er ist erreichbar mit der Stadtbahn Köln durch den U-Bahnhof Rathaus.
Alter Markt und Heumarkt Ursprünglich wurden der Kölner Alter Markt und der Kölner Heumarkt als ein zusammenhängendes Areal mit Marktfunktion betrachtet – beide Plätze zusammen bildeten den Alter Markt (lateinisch: vetos forum, deutsch auch: Virnemarkt).Friedrich Lintz: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. Band 20, 1901, S. 26 Um 1250 kam für den Südteil die Bezeichnung forum feni, also Heumarkt, auf, doch bis um 1400 hielt sich daneben noch die alte Bezeichnung des gesamten Areals als Alter Markt.Wilhelm Janssen, Margret Wensky: Mitteleuropäisches Städtewesen in Mittelalter und Frühneuzeit. 1999, S. 74 Auf der Kölner Stadtansicht von 1570 sind beide Plätze bereits durch Häuser getrennt und, wie noch heute, durch die Gasse Unter Käster verbunden.Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter. Band I, 1910, S. 114
Geschichte Der Alter Markt ist der traditionsreichste Kölner Platz. Im Gegensatz zum Neumarkt heißt er Alter Markt, weil er etwa 150 Jahre früher erwähnt wurde.
Römerzeit mini|Arnold Mercator – Rathausplatz und Alter Markt (1570)
Im Bereich von Alter Markt und Heumarkt lag während der Römerzeit etwa 13 Meter unter der heutigen Platzoberfläche die Sohle eines Rheinarms, so dass sich der Bereich östlich davon auf einer etwa 1000 Meter langen Rheininsel befand. Ein Fund während des Baus der Nord-Süd-Stadtbahn brachte im Dezember 2007 aus zwölf Meter Tiefe ein Transportschiff (Prahm) aus der Römerzeit zwischen den Jahren 50 und 100 hervor. Es transportierte Steine, die man zum Bau der Stadt benötigte.
Der römische Hafen befand sich während der Römerzeit etwa in Höhe des heutigen Rathauses. An der Ecke Mühlengasse/Alter Markt fand man zwei römische Großgewichte aus Basalt, die zum Wiegen der Schiffsladungen dienten. Das größere der beiden Gewichte wog 40,93 kg und entsprach 125 römischen Pfund oder 1 ½ attischen Talenten. Durch die Verbreiterung des Rheinarms nach Osten gelang es den Römern, den Gewässerabschnitt ausreichend als Hafen zu sichern und eine Wasserfläche von etwa 60000 m² als Anlegestelle für 200 Schiffe zu nutzen.Römisch-Germanisches Museum (Hrsg.): Kölner Römer-Illustrierte. Band 1 und 2, 1974, S. 33
Der ausgebaute Hafen erstreckte sich etwa vom heutigen Holzmarkt bis zum Breslauer Platz, wo sich der Rheinarm wieder mit dem Hauptfluss vereinte.Matthias Riedel: Köln – ein römisches Wirtschaftszentrum. 1982, S. 110 Die Ostmauer der römischen Stadtmauer verlief westlich von Heumarkt und Alter Markt am Fuß des heute noch erkennbaren Hügels, auf dem sich das Praetorium befand und heute das Kölner Rathaus steht.
Während der Römerzeit lag der Alter Markt außerhalb der Rheinmauer, denn Ende des 1. Jahrhunderts entstand hier die Stadtmauer, ein mächtiges Bauwerk von bis zu drei Meter Stärke und acht Metern Höhe. Zum Festland hin begrenzte die rheinseitige Stadtmauer den Rheinarm. Im 3. Jahrhundert hatte sich eine Sandbank im Rhein bis an die Stadtmauer ausgebreitet, so dass man den Hafen aufgab. Die beiden Plätze entstanden, nachdem dieser Rheinarm verlandete und sich der Boden für eine Bebauung als zu nachgiebig erwies.
Mittelalter und frühe Neuzeit mini|Johann Toussyn/Abraham Aubry: Cölnischer Alden Marckt (Aquarell, 1648) mini|Alter Markt (ca. 1900)
Der Alter Markt ist erstmals seit 922 als Mercatus coloniae (Kölner Markt) urkundlich belegt. Um 950 erfolgte eine Erweiterung Kölns um die Rheinvorstadt auf dem Gebiet der ehemaligen Rheinarm-Insel. Ab 988 ist er als Forum (Markt) registriert, erst 1076 taucht der Neumarkt urkundlich auf. Bis zum späten Mittelalter lässt sich der Alter Markt als ein bevorzugtes Wohnquartier der städtischen Führungsschicht bestimmen, auch wegen der Lage als topografisches Zentrum der Stadt.
Bauwerke Erzbischof Pilgrim von Köln errichtete nach 1024 mitten auf dem Alter Markt die erzbischöfliche Münzprägeanstalt südlich vom Bezirk Unterlan (zwischen Heumarkt und Alter Markt; Unter Käster, im Mittelalter Under Leydersnederen). In ihrer Säulenhalle hing eine Glocke, die das Originalmarkgewicht symbolisierte; diese kölnische Urmark ist seit der Franzosenzeit verschwunden. Seit Pilgrim gab es das erzbischöfliche Münzrecht in Köln,Walter Hävernick: Der Kölner Pfennig im 12. und 13. Jahrhundert. 1930, S. 58 denn um 1027 begann das Münzregal als weitere bischöfliche Amtsbefugnis.
Der hier geprägte „Kölner Pfennig“ entwickelte sich zu einer der führenden Währungen des Reiches.Carl Dietmar, Gérald Chaix: Chronik Köln. 1997, S. 57 Das Hospital von St. Brigida entstand 1142 neben der Mühlengasse und wechselte mehrfach seinen Namen, zeitweise hieß es auch Hospital St. Martin. Ab 1197 stand auf dem Alter Markt eine Brothalle, die bis 1230 dem Verkauf von Backwaren diente. Die Stadt erwarb das zweigeschossige Anwesen 1289, ließ es abreißen und verkaufte die parzellierten Grundstücke. Die dort errichteten Wohnhäuser zerstörte 1503 ein Stadtbrand.
mini|Alter Markt – Ostseite mini|Alter Markt 20 – Brauhaus Gaffel mini|Alter Markt 36–42 – Wohn- und Geschäftshäuser mini|Alter Markt – Steinerne Pumpe Das älteste Wohnhaus am „Aldenmarte“ entstand 1213 in (heutiger) Nr. 20–22. Da vor dem Haus in jener Zeit Äpfel gehandelt wurden, nannte man es „zur Britzele am Apfelmarkt“ (oder „zur Bretzel“), denn Hausnummern gab es noch nicht. Das Haus „zur Brezel“ fungierte anfangs als Bäckerzunfthaus. Das heutige, durch den Steinmetzmeister Benedikt von Schwelm 1580 errichtete Doppelhaus (mit dem Haus „zum Dorn“) im Stil der Spätrenaissance besitzt zwei Volutengiebel und ist das einzige original erhaltene Bauwerk des Platzes.
Um 1230 entstand das Haus „zur Ehrenpforte“ in Nr. 46–48, das Areal befand sich seit 1197 im Besitz des Theoderich (Dietrich) de Erenporcen.Paul Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 1, S. 154 f. Es geht 1248 an Gottfried de Erenporcen über, wird 1297 geteilt und gelangt 1333 als Doppelhaus in den Besitz der Abtei Groß St. Martin. Das dreigeschossige Doppelhaus mit Stufengiebeln und Rundbogenfenstern ist nicht mehr erhalten, denn sein südlicher Teil wird 1841 abgetragen und der Rest im Zweiten Weltkrieg am 29. Juni 1943 zerstört.
Eines der ansehnlichsten Häuser war das um 1360 entstandene Haus „zum Granen“ (Nr. 64) mit Staffelgiebel und einer Front mit Spitzbogenblende und Figurenschmuck. Es gehörte seit 1245 dem Kölner Patrizier Franco Birklin vom Horne und befand sich um 1360 im Besitz des Bruno Scherfgin (am 29. Juni 1943 zerstört). Sein „Haus Scherfgin“ (Nr. 50–52) erwähnen die Schreinsbücher erstmals 1363, doch wird schon vor 1220 sein Vorfahr Henrich Scherfgin als Besitzer genannt.Anton Fahne von Roland: Geschichte der Kölnischen, Jülischen und Bergischen Geschlechter. 1848, S. 385
In Nr. 29–31 kommt in den Schreinsbüchern erstmals 1269 das Haus „zum Blasbalg“ mit Renaissancefassade und Pfeilergliederung vor, das ein Hinterhaus zum Rathausplatz besitzt, 1305 durch eine Mauer vom Vorderhaus am Alter Markt abgetrennt und 1407 von der Stadt erworben;Paul Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 1, S. 157 an seiner Stelle entstand kurz darauf der Rathausturm. Das mit dreiteiligem Giebel versehene „Haus Birklin“ oder „zum Horn“ (Nr. 35) war das Stammhaus der Patrizierfamilie Birklin/vom Horn, das für Versammlungen von Kaufleuten diente.
In Nr. 19–21 stand seit 1301 das „Haus Hirtz“, ein Doppelhaus einer weiteren Kölner Patrizierfamilie, die dieses Haus als Leinen- und Garnkaufhaus nutzte. Der Stadtrat erwarb 1355 das „Haus Hirtz“, um darin ein Kaufhaus für Luxus- und Gebrauchsgüter einzurichten.Hermann M. Wollschläger: Hansestadt Köln: Die Geschichte einer europäischen Handelsmetropole. 1988, s. 68 In diesem Gebäude wurde eine Gerichtsstelle eingerichtet, welche als Gericht in der Hallen bezeichnet wurde. Das Gericht griff ein, sobald „eynigh gast of coufman, de sich beclagede van eyncher scholt of gebreche in dem coufhuyse...“ eine richterliche Entscheidung erforderlich wurde.
Unter den sonst üblichen Stufengiebeln gab es auch Häuser, die Zinnenkränze um die steilen Dächer besaßen wie im „roten Haus“ („rode Haus“) in Nr. 48.Hans Vogts: Das Kölner Wohnhaus bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. 1914, S. 69 Es entstand aus der Teilung des Hauses „zur Ehrenpforte“ (46–48) im Jahre 1297. Wegen der hohen Bodenpreise baute man besonders im Rhein- und Marktviertel sehr schmale, mehrgeschossige Häuser.Carl Dietmar: Das mittelalterliche Köln. 2006, S. 67
Eine 1374 installierte Tränke weist darauf hin, dass es auf dem Alter Markt auch einen Viehmarkt gab. Am 5. Februar 1498 berichtete die Koelhoffsche Chronik, wie „Blinden sloigen ein verken up dem Aldemarkt“ (Wie Blinde ein Ferkel auf dem Alter Markt erschlugen).Wolfgang Herborn: Die Geschichte der Kölner Fastnacht von den Anfängen bis 1600. 2009, S. 53 Die Gewandschneider verkauften ihre Ware in der auf dem Alter Markt gelegenen „Fremdenhalle“. Auf dem Heumarkt und Alter Markt versorgten sich die Kölner mit dem, was sie nicht selbst herstellten.Yvonne Leiverkus: Köln: Bilder einer spätmittelalterlichen Stadt. 2005, S. 111
In wirtschaftlicher Hinsicht ist der Neumarkt nicht annähernd so bedeutend wie Heumarkt oder Alter Markt.Yvonne Leiverkus: Köln: Bilder einer spätmittelalterlichen Stadt. 2005, S. 115 Nördlich des Hauses „zum Hirtz“ lagen drei Häuser, die sich eine Zeitlang im Besitz der Stadt befanden und von dieser vermietet wurden. Dazu gehörten seit 1409 die Häuser „zum Regenbogen“, „zur Duven“ und „zum Kreuz“. In der Kölner Stadtansicht von 1570 heißt der Alter Markt bei Arnold Mercator „Alde Marckt“, den Heumarkt visualisiert er als „Hewmarckt“.
Das Bürgermeistergericht am Kornmarkt befasste sich mit Streitigkeiten, die aus dem Kauf oder Verkauf von Körnerfrüchten entstanden. Es befand sich auf dem Alter Markt vor dem Hospital von St. Brigida und ab 1492 vor dem Hause „zum Regenbogen“. Der Alter Markt war nach dem Schafott bei Melaten der gefragteste Schauplatz für die öffentliche Vollstreckung von Gerichtsstrafen.Irene Franken: Frauen in Köln. 2008, S. 142 Spätestens seit 1284 gab es auf dem Platz einen städtischen Pranger, als ein gewisser Tile Kolup sich in Köln als – der längst verstorbene – Stauferkaiser Friedrich II. ausgab, dafür an den Pranger kam und mit schmutzigem Gemüse gekrönt wurde.Dieter Breuers: Colonia im Mittelalter: Über das Leben in der Stadt. 2011, S. 92