mini|Eine typische digitale Spiegelreflexkamera. Da das Objektiv abgenommen ist, sieht man den beim Auslösen hochklappenden Spiegel. mini|Zwei Spiegelreflexkameras (SLRs) für Kleinbildfilm aus den späten 1970er Jahren: Leica R4 und Minolta XD7. Als Spiegelreflexkamera oder verkürzt SR-Kamera bezeichnet man einen Fotoapparat, bei dem das Bild des Objektivs von einem Spiegel auf die in der Regel horizontal oberhalb liegende Mattscheibe reflektiert wird. Bei älteren Kameras wird es dort von oben blickend entweder direkt oder mit Hilfe einer Lupe (Lichtschachtsucher) betrachtet, wobei es seitenverkehrt erscheint. Später kamen Prismensucher in Gebrauch, mit deren Hilfe das Bild seitenrichtig und horizontal, parallel zur optischen Achse der Kamera, durch ein Okular blickend sichtbar ist.

Die meisten Spiegelreflexkameras sind sogenannte einäugige, abgekürzt SLR (). Hier wird das Bild des Aufnahmeobjektivs durch einen entweder wegklappbaren oder (seltener) teildurchlässigen Spiegel in den Sucher reflektiert. Mithilfe einer SLR kann das Motiv verhältnismäßig präzise anfokussiert und scharf eingestellt werden, da der Fotograf direkt durch das Objektiv blicken kann statt durch einen behelfsmäßigen Sucher. Ein Parallaxenfehler tritt nicht auf. Darüber hinaus können so auch leicht Wechselobjektive mit unterschiedlichen Brennweiten realisiert werden, da anders als bei einer konventionellen Sucherkamera im Sucher immer das Bild des Aufnahmeobjektivs zu sehen ist und eine Anpassung des Suchers an die Brennweite nicht notwendig ist.

Daneben gibt es auch die zweiäugige ( , TLR) Spiegelreflexkamera. Sie hat einen eigenen Sucher-Strahlengang durch ein über dem Hauptobjektiv angebrachtes zweites Objektiv („zweites Auge“), dem ein feststehender Spiegel, die Mattscheibe und in der Regel ein Lichtschacht folgen. Vergleichbar sind beide Kameras nur durch das auf einer horizontal liegenden Mattscheibe befindliche Sucherbild.

Spiegelreflexkameras mit digitalem Aufnahme-Sensor werden meist kurz als DSLR ( für ) oder DSR (digitale Spiegelreflex) bezeichnet. Manchmal wird dieser Begriff fälschlicherweise für alle digitalen Systemkameras gebraucht, obwohl es auch spiegellose Modelle gibt.

Geschichte und Entwicklung mini|Kine Exakta 1 von 1936, die erste serienmäßig hergestellte Kleinbild-Spiegelreflex

Die erste Spiegelreflexkamera wurde 1861 von Thomas Sutton konstruiert. 1893 wurde ein Wechselmagazin für die Spiegelreflexkamera patentiert. Die erste in Deutschland hergestellte Spiegelreflexkamera war die Zeus-Spiegel-Kamera und stammte aus dem Werk von Richard Hüttig in Dresden.

Eine der ersten Spiegelreflexkameras mit Klapp-Mechanismus produzierte der Berliner Fritz Kricheldorff (* 1865; † 1933) National Library of Australia. (siehe Julius Kricheldorff): Um 1895 entwickelte er die erste Spiegel-Reflex-Klappcamera.Spiegel-Reflex-Klappcamera um 1895 Für seine Spiegel-Reflex-Klapp-Camera Modell 1910 meldete er ein Patent an.Inserat von Fritz Kricheldorff

Die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera der Welt war die Kine Exakta der Firma Ihagee in Dresden, vorgestellt auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1936. Ihr Konstrukteur war Karl Nüchterlein (1904–1945). Diese Kameras haben, wie alle Spiegelreflexkameras mit Lichtschachtsucher, den Nachteil, dass das Sucherbild seitenverkehrt (Achsenspiegelung) ist. Kurt Staudinger kompensierte dies, im August 1931, durch die Erfindung des seitenumkehrenden Dachkantpentaprismas. Dieses wurde aber erst 1949Carl Zeiss Kamera-Register (Serienfertigung) in die Contax S (Zeiss Ikon) und Rectaflex (Italien) eingebaut.

Der erste Spiegelreflex-Sucher für den Einblick in Augenhöhe mit seitenrichtigem, aufrechtem Bild wurde in Ungarn am 23. August 1943 für Jenő Dulovits patentiert – er entwarf mit der Duflex In: Photopedia. Abgerufen am 18. Januar 2017 (englisch). auch die erste 35-mm-Spiegelreflex-Kamera für diesen heute üblichen Suchereinblick – allerdings nutzte er kein Dachkantprisma, sondern einzelne Spiegel. Diese Kamera hatte auch den ersten Rückschwingspiegel, mit dessen Hilfe das Sucherbild unmittelbar nach der Aufnahme wieder sichtbar wird.

Funktionsweise mini|Funktionsschema einer Spiegelreflexkamera mini|links|Bewegungsablauf eines Schwingspiegels (2) in Zeitlupe. In der Realität geschieht die Bewegung so schnell, dass das menschliche Auge sie nicht erfassen kann. Auf dem Spiegel erkennt man, anfangs genau mittig, die Reflexion des Schnittbildentfernungsmessers bzw. des Mikroprismenrings, die in der oberhalb gelegenen, hier nicht sichtbaren Einstellscheibe (5) eingearbeitet sind. Das die Linsen des Objektivs (1) passierende Licht wird in einer einäugigen Spiegelreflexkamera vom schräg stehenden Schwingspiegel (2) nach oben reflektiert und gelangt auf die Einstellscheibe (5) des Suchersystems. Mit einer Sammellinse (Feldlinse) (6) und durch die Reflexion innerhalb des Dachkantpentaprismas (7) wird das Bild schließlich im Sucher (8) sichtbar. So erscheint im Sucher exakt dasselbe Bild, das beim Druck auf den Auslöser aufgenommen wird.

Manche Spiegelreflexkameras verwenden anstelle eines Prismensuchers mit Dachkantpentaprisma (7) einen Lichtschachtsucher oder einen Porro-Spiegelsucher. Das Prinzip bleibt jedoch gleich. Ein Dioptrienausgleich im Suchereinblick ermöglicht die Anpassung an Fehlsichtigkeiten des Benutzers.

Außer auf die Einstellscheibe, die dem Fotografen das aufzunehmende Bild zeigt, liefert das Spiegelsystem das Bild auch an die Sensoren für die Belichtungsmessung und das Autofokussystem. Diese können im Sucher integriert sein oder, über einen zusätzlichen Hilfsspiegel versorgt, im Kameraboden sitzen (z. B. bei der Nikon F3).

Beim Druck auf den Auslöser muss zunächst das Spiegelsystem aus dem Lichtweg geschwenkt werden (im Bild durch einen Pfeil gekennzeichnet). Anschließend öffnet sich der Verschluss (3); das Bild gelangt nun direkt auf die Filmebene (4) beziehungsweise den Film oder Bildsensor. Daher ist während der Belichtung im Sucher kein Bild zu sehen.

Das erforderliche Hochschwenken des Spiegels hat eine kleine zeitliche Verzögerung der Aufnahme zur Folge. Um dies zu eliminieren, wird bei einigen Sonderkonstruktionen (zum Beispiel Canon Pellix) anstelle des Schwingspiegels ein fest montierter, teildurchlässiger Spiegel oder ein Prisma verwendet. Das ermöglicht insbesondere bei motorgetriebenen Kameras erheblich schnellere Aufnahmefolgen, liefert allerdings auch ein weniger helles Sucherbild und lässt weniger Licht zum Sensor oder zum Film durch, da der Spiegel das Licht sowohl im Sucherbetrieb als auch bei der Belichtung aufteilt. Meist wird etwa ein Drittel des Lichts in den Sucher gespiegelt und zwei Drittel zum Sensor oder Film durchgelassen.

Autofokussystem mini|hochkant=1.1|Prinzipieller Strahlengang einer Spiegelreflexkamera mit Autofokusmessung. Das Motiv in der Gegen­standsebene G wird über die Hauptebene H und einen klappbaren Spiegel S auf eine Einstellscheibe E und über einen weiteren kleinen und senkrecht zum Hauptspiegel gestellten Hilfsspiegel auf einen Autofokussensor AF abgebildet. Zur Bildaufnahme in der Bildebene B wird der Spiegel S zusammen mit dem Hilfsspiegel weggeklappt. Die optischen Weglängen zur Film/Sensorebene, zur Mattscheibe und zum Auto­fokussensor dürfen sich nicht unterscheiden. Aus technischen Gründen befindet sich der Hilfsspiegel in der Regel vollständig hinter dem Hauptspiegel.

Seit Anfang der 1980er Jahre wurden zunehmend Autofokussysteme in die Spiegelreflexkameras eingebaut. Das erste in Serie gebaute Kameragehäuse war das Modell Pentax ME F. Der Hauptspiegel wird dafür halbdurchlässig gemacht und ein zweiter mit dem Hauptspiegel gekoppelter Hilfsspiegel leitet das durch den Hauptspiegel durchgelassene Licht auf einen oder mehrere separate Autofokussensoren im Boden der Kamera. Das aus den Sensoren gewonnene Fehlersignal wird mechanisch oder elektrisch vom Kameragehäuse an das Objektiv übertragen, das die für die Fokussierung zuständigen Linsen verschiebt.

Zur Aufnahme müssen die Spiegel weggeklappt werden, so dass in den letzten Sekundenbruchteilen vor der Aufnahme über die Autofokussensoren keine weitere Autofokusmessung erfolgen kann. Bei neueren digitalen Spiegelreflexkameras wird zunehmend eine weitere Autofokusmessung über den Bildsensor durchgeführt, damit zum Beispiel während der Verwendung des Live-Views oder während einer Videoaufnahme die Schärfe gemessen werden kann.

Verschlussmechanismen

Schärfenebenen-Verschlüsse Fast alle zeitgenössischen Spiegelreflexkameras verwenden einen Schlitzverschluss, der sich vor der Filmebene befindet und verhindert, dass das Licht den Film erreicht, selbst wenn das Objektiv entfernt wird, es sei denn, der Verschluss wird während der Belichtung tatsächlich ausgelöst. Es gibt verschiedene Konstruktionen für Schlitzverschlüsse. Frühe, ab den 1930er Jahren entworfene Schlitzverschlüsse bestanden in der Regel aus zwei Vorhängen, die horizontal über das Filmtor liefen: ein sich öffnender Verschlussvorhang, gefolgt von einem sich schließenden Verschlussvorhang. Bei schnellen Verschlusszeiten bildete der Schlitzverschluss einen „Schlitz“, wobei der zweite Verschlussvorhang dicht an den ersten, sich öffnenden Verschlussvorhang anschloss, um eine schmale, vertikale Öffnung zu erzeugen, wobei sich der Verschlussschlitz horizontal bewegte. Der Schlitz wurde mit zunehmender Verschlusszeit immer schmaler. Daher werden nicht alle Teile des Films zur exakt gleichen Zeit belichtet. Ursprünglich wurden diese Verschlüsse aus einem Stoffmaterial hergestellt (das in späteren Jahren oft gummiert wurde), aber einige Hersteller verwendeten stattdessen andere Materialien. Nippon Kōgaku (heute Nikon Corporation) zum Beispiel verwendete Verschlüsse aus Titanfolie für mehrere ihrer Flaggschiff-Spiegelreflexkameras, darunter die Nikon F, F2 und F3.

Andere Schlitzverschlusskonstruktionen, wie z. B. der Copal Square, wurden vertikal verfahren – der kürzere Verfahrweg von 24 Millimetern (im Gegensatz zu 36 mm horizontal) bedeutete, dass die minimalen Belichtungs- und Blitzsynchronisationszeiten reduziert werden konnten. Diese Verschlüsse sind in der Regel aus Metall gefertigt und verwenden das gleiche Bewegungsschlitzprinzip wie horizontal verfahrbare Verschlüsse. Sie unterscheiden sich jedoch dadurch, dass sie in der Regel aus mehreren Lamellen und nicht wie bei horizontalen Ausführungen aus einem einzigen Vorhang bestehen, da ober- und unterhalb des Rahmens selten genug Platz für einen einteiligen Verschluss vorhanden ist. Vertikale Fensterläden wurden in den 1980er Jahren sehr verbreitet, obwohl Konica, Mamiya und Copal in den 1950er und 1960er Jahren Pionierarbeit leisteten und diese fast ausschließlich für neue Kameras verwendet werden. Nikon verwendete von Copal hergestellte, vertikal ebene Verschlüsse in ihrer Nikomat/Nikkormat-Reihe, die X-Synchronisationsgeschwindigkeiten von bis  s ermöglichten, während die einzige Wahl für Schlitzverschlüsse zu dieser Zeit  s war. Später leistete Nikon erneut Pionierarbeit bei der Verwendung von Titan für Vertikalverschlüsse, wobei ein spezielles Wabenmuster auf den Lamellen verwendet wurde, um deren Gewicht zu reduzieren und Weltrekordgeschwindigkeiten zu erreichen: 1982 von  s als Zweiter für nicht-synchronisierte Aufnahmen und  s mit x-sync. Heutzutage werden die meisten dieser Verschlüsse aus billigerem Aluminium hergestellt (obwohl in einigen High-End-Kameras dafür Verbundmaterialien mit Aramid- oder Kohlenstofffasern verwendet werden).

Drehbarer Schlitzverschluss