mini|hochkant|Wappen des Klosters Fulda

Das Kloster Fulda (auch Reichskloster Fulda, Reichsabtei Fulda oder Kloster des Bonifatius; lateinisch Abbatia Fuldensis) war ein Kloster der Benediktiner.

Es wurde 744 von Sturmi (latinisiert Sturmius) im Auftrag des Missionserzbischofs Winfried Bonifatius in einer Fuldaaue gegründet und war die Keimzelle der späteren Stadt Fulda. Es wurde dem hochheiligen Erlöser (Salvator) geweiht. Bonifatius ernannte Sturmius zum ersten Abt des Klosters.

Die Abtei war mit ihren Besitzungen im Laufe ihrer Geschichte als Hochstift Fulda auch ein geistliches Fürstentum im Heiligen Römischen Reich; die Fuldaer Äbte trugen ab 1220 den Titel eines Fürstabtes. Die exemte Abtei wurde 1752 durch Papst Benedikt XIV. zum Fürstbistum erhoben, bevor sie 1803 mit dem Reichsdeputationshauptschluss aufgelöst wurde.Vgl. Ulrich Hussong: Die Reichsabtei Fulda im frühen und hohen Mittelalter. Mit einem Ausblick auf das späte Mittelalter. In: Walter Heinemeyer, Berthold Jäger (Hrsg.): Fulda in seiner Geschichte. Landschaft Reichsabtei Stadt (s. unten Literatur) S. 89–179; Ulrich Hussong: Die Geschichte des Klosters Fulda von der Gründung bis ins 11. Jahrhundert. In: Wolfgang Hamberger u. a. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Fulda. Von den Anfängen bis zum Ende des Alten Reiches (s. unten Literatur) S. 143–165; Josef Leinweber: Das Hochstift Fulda vor der Reformation (s. unten Literatur); Berthold Jäger: Grundzüge der fuldischen Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte vom Ausgang des Mittelalters bis zur Bistumserhebung 1752. In: Walter Heinemeyer, Berthold Jäger (Hrsg.): Fulda in seiner Geschichte. Landschaft Reichsabtei Stadt (s. unten Literatur) S. 201–225; Uwe Zuber: Krise, Umbruch und Neuordnung. Fulda von 1752 bis 1830. In: Walter Heinemeyer, Berthold Jäger (Hrsg.): Fulda in seiner Geschichte. Landschaft Reichsabtei Stadt (s. unter Literatur) S. 259–299.

Gründung Das Kloster geht zurück auf die Gründung durch Bonifatius in einer Fuldaaue im Jahr 744: Im Sommer 742 beauftragte er Sturmius, nach einem Platz für ein neues Kloster zu suchen. Dieser zog von seiner Einsiedelei in Hersfeld die Fulda aufwärts und fand den Platz, der ihm von Bonifatius vorgegeben war. Bonifatius hatte wahrscheinlich von diesem Ort an einer Furt gehört, wo es vermutlich einen verfallenen Herrenhof aus merowingischen Zeiten gab. In der Vita Sturmi des Abts Eigil wird die Gegend Eichloha genannt; gegebenenfalls handelt es sich hier um eine Zentmark oder Hundertschaft in den Altgauen Grabfeldgau oder Buchonia. 743 schenkte der Hausmeier Karlmann dem Bonifatius einen geschlossenen Grundbesitz von vier Meilen um das Kloster: die Karlmann-Schenkung. Sturmius und seine sieben Begleiter aus Hersfeld begannen mit dem Bau des Klosters am 12. März 744; von da an wird der Ort Fulda genannt. Bonifatius machte Sturmius zum ersten Abt des Klosters, In der älteren Forschung wurde noch die Meinung vertreten, Bonifatius selbst sei der erste Abt des Klosters Fulda gewesen, wofür sich jedoch keine einschlägigen Quellen als Beleg anführen lassen. In ihrer Dissertation und einem Aufsatz hat Bärbel Witten: Die Vita der Heiligen Lioba. Eine angelsächsische Äbtissin im Karolingerreich. In: Studien zur Kirchengeschichte Band 13. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2012, , ISBN 978-3-8300-6526-5 und Bärbel Witten: Lioba – die Gründungsheilige des Klosters Fulda. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 69, 2017, S. 9–40 wahrscheinlich zu machen versucht, dass Bonifatius das zu seiner Grablege bestimmte Kloster nach angelsächsischem Vorbild als Doppelkloster unter weiblicher Leitung gegründet und seine Nichte, Lioba von Tauberbischofsheim, als erste Äbtissin eingesetzt habe, wohingegen Sturmi nur der ihr untergeordnete Leiter der Männerabteilung gewesen sei. Vgl. dazu kritisch Gereon Becht-Jördens: Manipulation der Erinnerung durch systematische Vernichtung und Fälschung von Quellen aus Misogynie? Zu der rezenten These eines ursprünglich nach angelsächsischem Muster unter weiblicher Leitung stehenden Doppelklosters Fulda. In: Jessica Ammer, Claudine Moulin, Hans-Joachim Solms (Hrsg.): Informationsmodifikation und -verlust. Wege der Erforschung (=Zeitschrift für Deutsche Philologie, Sonderheft zu Band 143 ), S. 135–149. dessen Rechtsstatus in der Forschung umstritten ist, und legte die Regel des heiligen Benedikt von Nursia für das monastische Leben fest: In der Einöde sollte ein asketisches, weltabgewandtes Leben verwirklicht werden.Zur Gründungsphase und der Entwicklung bis zum Tod des Gründerabtes vgl. Pius Engelbert: Die Vita Sturmi des Eigil von Fulda. Literarkritisch-historische Untersuchung und Edition. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 29). Elwert, Marburg 1968, S. 69–127; Ulrich Hussong: Die Reichsabtei Fulda im frühen und hohen Mittelalter. Mit einem Ausblick auf das späte Mittelalter. In: Walter Heinemeyer, Berthold Jäger (Hrsg.): Fulda in seiner Geschichte. Landschaft Reichsabtei Stadt (s. unten Literatur) S. 89–179, hier S. 89–93; Ulrich Hussong: Die Geschichte des Klosters Fulda von der Gründung bis ins 11. Jahrhundert. In: Wolfgang Hamberger u. a. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Fulda. Von den Anfängen bis zum Ende des Alten Reiches (s. unten Literatur) S. 143–165, hier S. 143–145; Karl Schmid: Die Frage nach den Anfängen der Mönchsgemeinschaft in Fulda. In: Karl Schmid (Hrsg.): Die Klostergemeinschaft von Fulda im früheren Mittelalter (s. unten Literatur) S. 108–135; Gereon Becht-Jördens: Neue Hinweise zum Rechtsstatus des Klosters Fulda aus der Vita Aegil des Brun Candidus (s. unten Literatur); Gereon Becht-jördens: Die Ermordung des Erzbischofs Bonifatius durch die Friesen. Suche und Ausgestaltung eines Martyriums aus kirchenpolitischer Notwendigkeit? In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 57, 2005, S. 95–132, hier S. 98–104; S. 106–108; 117–121; 129–132 (weitere Literatur Anm. 38, S. 106) Die Strenge ging in manchen Teilbereichen über die Forderungen der Benediktsregel hinaus.Vgl. Josef Semmler: Instituta Sancti Bonifatii. Fulda im Widerstreit der Observanzen. In: Gangolf Schrimpf (Hrsg.): Fulda in der Welt der Karolinger und Ottonen (s. unten Literatur) S. 79–103, hier S. 93–96. Sturmius wurde eigens nach Montecassino gesandt, um dort vermeintlich urbenediktinisches Leben kennenzulernen.

Im Jahr 751 reiste Lullus (Lul) im Auftrag von Bonifatius nach Rom, um bei Papst Zacharias einige Angelegenheiten zu klären. Darunter war auch die Bitte, das Kloster direkt dem Heiligen Stuhl zu unterstellen. Am 4. November 751 verfügte Zacharias daraufhin, dass in dem Kloster kein kirchlicher Amtsträger einschließlich des zuständigen Diözesanbischofs eigenmächtig die Weihe- oder Jurisdiktionsgewalt ausüben oder in die Eigentumsverhältnisse eingreifen dürfe. Ob es sich hier bereits um eine Exemtion im späteren Rechtssinne handelte und das Kloster durch dieses sogenannte „Zachariasprivileg“ ab diesem Zeitpunkt vollständig und ausschließlich der Gerichtsbarkeit des Heiligen Stuhls unterstand, ist umstritten. Wahrscheinlich war die Einbindung des Klosters und seiner Besitztümer in die jeweiligen Bistümer weiterhin gegeben, mit der Einschränkung, dass der zuständige Diözesanbischof nicht auf eigene Initiative tätig werden konnte, sondern zuvor der Einladung (invitatio) durch Abt und Konvent bedurfte. Das Zachariasprivileg war aber die Grundlage zur späteren Entwicklung hin zum exemten Status des Fuldaer Hauptklosters und seiner Tochterklöster und schließlich zur Erhebung zum Bistum. Zeitweise strittig und auch in der Forschung seit dem 18. Jahrhundert intensiv diskutiert war in diesem Zusammenhang die Frage der Diözesanzugehörigkeit des im Grenzbereich zwischen Mainz und Würzburg gelegenen Hauptklosters, die sich zuletzt zugunsten von Mainz geklärt zu haben scheint.Vgl. Winfried Romberg (Hrsg.), Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Würzburg, Bd. 8 Die Würzburger Bischöfe von 1684–1746 (Germania sacra 3, 8), de Gruyter, Berlin 2014; Lotte Kéry, Klosterexemtion in der Einöde. Bonifatius und das Privileg des Papstes Zacharias für Fulda (751), in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 60, 2008, S. 75–110, hier S. 99; Gereon Becht-Jördens, Die Ermordung (s. unten Literatur), Anm. 21 f., S. 101 f.; ders., Neue Hinweise zum Rechtsstatus (s. unten Literatur), S. 15–26. Anders Hussong, Die Geschichte des Klosters Fulda von der Gründung bis ins 11. Jahrhundert, in: Wolfgang Hamberger u. a. (Hrsg.), Geschichte der Stadt Fulda (s. unten Literatur), Anm. 14, S. 144 mit weiterer Lit. Seit dem späteren Mittelalter lag es, jedoch als exemte Exklave, im Kleinarchidiakonat Fulda der Diözese Würzburg, das die Pfarreien Fulda, Kämmerzell und Florenberg umfasste.Vgl. Josef Leinweber, Das Hochstift Fulda (s. unten Literatur), S. 46–48; Karte 3. mini|Fuldaer Sakramentar (Bamberg, Staatsbibliothek, Msc. Lit. 1), 11. Jahrhundert, fol. 126v: Darstellung von Szenen aus dem Leben des Bonifatius – Taufe eines Heiden (oben) und Märtyrertod (unten)

Entwicklung als Reichskloster Nach seiner Ermordung am 5. Juni 754 in Dokkum wurde Bonifatius nach Mainz überführt. Schon zu diesem Zeitpunkt zeichneten sich erste Spannungen zwischen dem Bistum Mainz und dem Kloster Fulda ab. So versuchten die Mainzer Geistlichen, Bonifatius in Mainz beisetzen zu lassen. Um dies zu verhindern, reiste Sturmius mit einigen Mönchen nach Mainz. Er wies auf den Wunsch von Bonifatius hin, seine Grablege in seinem Eigenkloster zu finden. Dem konnte sich selbst das mächtige Bistum nicht verschließen, so dass der Leichnam weiter nach Fulda überführt wurde, wo er vor dem Kreuzaltar der Salvatorbasilika begraben wurde.

Als der Märtyrertod von Bonifatius im Frankenreich bekannt wurde, entwickelte sich das Kloster Fulda schnell zu einem stark frequentierten Wallfahrtsort. Dies machte sich Sturmius zunutze. Er pflegte den Kult um den Märtyrer und sein Grab in Fulda, was dem Kloster bedeutende Landschenkungen einbrachte. Die Bedeutung des neuen Märtyrers für das Kloster wird unter anderem an dem schnellen Wechsel des Klosterpatronates ersichtlich. Wurde das Kloster im Jahre 751 noch als „monasterium sancti Salvatoris“ erwähnt, erscheint schon vor 761 der Name „monasterium sancti Bonifatii“.

Da Bonifatius nach dem Scheitern seines Planes zur Einrichtung einer Metropolitanverfassung den Rang eines Erzbischofs nur persönlich eingenommen hatte, sein Bistum Mainz aber nicht zur Metropole eines Erzbistums erhoben worden war und sein Nachfolger Lul zunächst lediglich zum Bischof von Mainz geweiht worden war – erst 780/2 erfolgte die Erhebung zum Erzbischof eines Mainzer Erzbistums – begann Lul ab 754 seinen Bischofssprengel zu erweitern. Er gliederte die Bistümer Erfurt und Büraburg in sein Bistum ein, scheiterte aber mit dem Versuch, das vom Papst privilegierte Kloster Fulda unter seine Oberhoheit zu bringen. Lul behinderte dabei vor allem das Zachariasprivileg, an dessen Zustandekommen er nur drei Jahre zuvor maßgeblich mitgewirkt hatte. Lul gelang es aber, mit einigen Mönchen des Fuldaer Konventes, Abt Sturmius bei König Pippin in Misskredit zu bringen. Dieser verbannte Sturmius 763 in die Abtei Jumièges, und die päpstliche Exemtion für das Kloster wurde eingezogen. Lul setzte seinen Gefolgsmann Markus als Abt ein. Beide trafen aber auf erheblichen Widerstand im Konvent des Klosters, so dass Lullus schließlich die freie Abtwahl zuließ. Gewählt wurde der Sturmius-Anhänger Prezzold, der das Kloster verwaltete, bis Sturmius 765, von Pippin wieder als Abt anerkannt, nach Fulda zurückkehrte. Das Kloster erhielt das Zachariasprivileg zurück und wurde gleichzeitig unter königlichen Schutz gestellt; somit wurde dem Streit um den unsicheren Rechtsstatus des Klosters ein Ende gemacht, indem es nunmehr den rechtlich eindeutigen Status eines Reichsklosters erhielt. Lul reagierte darauf, indem er nach bonifatianischem Vorbild sein eigenes Kloster, die Abtei Hersfeld, gründete.