Salvator mundi ( für „Erlöser der Welt“ oder „Heiland der Welt“) ist der Titel eines Ölgemäldes, das Christus als Heiland der Welt darstellt. Die Zuschreibung des Bildes als eigenhändiges Werk Leonardo da Vincis ist umstritten. Datiert wird es auf die Zeit um 1500.

Die Provenienz des Gemäldes ist nur lückenhaft belegt. Vereinzelte Erwähnungen, bei denen jedoch unsicher ist, ob sie sich auf das Gemälde beziehen,Kia Vahland: „Salvator Mundi“: Herkunft ungeklärt. Süddeutsche Zeitung, 2. Dezember 2018. finden sich für den Zeitraum von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1763. Erst nach dem Jahr 1900 finden sich sichere Nachweise, wenngleich das Gemälde zu diesem Zeitpunkt einem Schüler aus dem Kreis Leonardos zugeschrieben wurde.

2005 wurde das Werk vom Kunsthändler Robert Simon und weiteren Personen erworben, die Restaurierungen und Untersuchungen veranlassten. Verschiedene Expertisen kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um ein eigenhändiges Werk Leonardo da Vincis handle. Zugleich gab es anderslautende Einschätzungen, die beispielsweise von einer Werkstattarbeit – und damit lediglich einer Miturheberschaft Leonardos – ausgehen. Ungeachtet dessen erzielte das Gemälde bei anschließenden Versteigerungen Rekordsummen. Mit einem am 15. November 2017 bei Christie’s in New York erreichten Verkaufswert von 450,3 Millionen US-Dollar (inklusive Gebühren wie z. B. Aufgeld; netto exakt 400 Millionen US-Dollar) handelt es sich um das derzeit teuerste Gemälde, das jemals versteigert wurde. Obwohl Prinz Badr bin Abdullah Al Saud das Gemälde angeblich für die Kulturbehörde Abu Dhabis ersteigert haben soll, wurde später bekannt, dass er den Salvator stellvertretend für den Kronprinzen und Premierminister Saudi-Arabiens, Mohammed bin Salman, ersteigert hatte. Dieser gilt heute gesichert als Besitzer des Gemäldes und plant die Ausstellung in einem neuen Supermuseum in Riad.

Beschreibung Das 65,6 × 45,4 cm große Gemälde ist mit Ölfarben auf einer Walnussholztafel gemalt. Es zeigt Christus als Heiland der Welt in frontaler Ansicht, der die rechte Hand mit segnender Geste erhoben hat und in seiner Linken eine Kristallkugel hält.

Provenienz Der Zeitpunkt der Entstehung, Auftraggeber oder ursprünglicher Aufstellungsort des Gemäldes sind unbekannt. Es wird jedoch auf die Zeit um 1500 datiert.Robert Simon: Da Vinci discovered, in: PR Newswire, 7. Juli 2011.

1649–1763: Königliche Sammlung Das Gemälde soll einst dem englischen König Karl I. gehört haben, in dessen Sammlung es 1649 verzeichnet sei. Nach der Hinrichtung Karls I. soll das Gemälde verkauft worden sein. Später sei es an die königliche Sammlung restituiert worden und schließlich an den Herzog von Buckingham gegangen, dessen Sohn das Gemälde 1763 versteigern ließ, worauf sich seine Spur verliere.Gina Thomas: Er rettet die Welt mit segnender Hand, in: FAZ, 11. Juli 2011. 2018 ergaben Recherchen für das Buch The Last Leonardo von Ben Lewis, dass sich dieser Eintrag im Verzeichnis der Sammlung Karls I. jedoch wahrscheinlich auf ein Gemälde Giampietrinos bezieht, das heute im Besitz des Moskauer Puschkin-Museum ist.Kia Vahland: "Salvator Mundi": Herkunft ungeklärt, Süddeutsche Zeitung, 2. Dezember 2018

20. Jahrhundert: Privatsammlung als Werk aus dem Umkreis von Giovanni Antonio Boltraffio Nach 1900 ist belegt, dass sich das Gemälde in der Kunstsammlung der englischen Textilhändlerfamilie Cook befand. Das Gemälde wurde damals als ein Werk aus dem Umkreis des Leonardo-Schülers Giovanni Antonio Boltraffio angesehen. 1958 versteigerten Cooks Nachfahren das Gemälde für 45 Pfund. Es war fortan in amerikanischem Privatbesitz und wurde 2005 von einem Konsortium verschiedener Kunsthändler erworben, darunter der New Yorker Robert Simon.

21. Jahrhundert: Die wechselvolle Rezeptions- und Besitzgeschichte des Salvator Mundi Vor seiner Präsentation auf der Leonardo-Ausstellung 2011 in der National Gallery in London, kuratiert von Luke Syson,Leonardo da Vinci, Painter at the Court of Milan. Ausstellung vom 9. November 2011 bis 5. Februar 2012 in der National Gallery, London, abgerufen am 10. November 2018. wurde das Gemälde einer umfassenden konservatorischen Restaurierung unterzogen. Diese erfolgte durch Dianne Dwyer Modestini, Senior Research Fellow am Conservation Center des Institute of Fine Arts der New York University. Modestini, die unmittelbar zuvor eine Madonna mit Kind von Andrea del Sarto restauriert hatte, nahm das Werk 2005 auf Vermittlung des Kunsthistorikers Robert Simon in ihre Obhut. 2014 veröffentlichte sie einen technisch fundierten Bericht über die Restaurierung, in dem sie sich überzeugt zeigte, dass es sich bei dem Gemälde um ein Originalwerk Leonardo da Vincis handelt.Megan Doll: The lost Leonardo. A master’s priceless work is found, in: NYU Alumni Magazine 2011. 2012 wurde Salvator Mundi erstmals öffentlich im Dallas Museum of Art gezeigt.

2013 vermittelte das Auktionshaus Sotheby’s den Verkauf des Werkes an den Kunsthändler Yves Bouvier, der angeblich 80 Millionen US-Dollar bezahlte. Binnen weniger Tage veräußerte Bouvier das Gemälde für 127,5 Millionen US-Dollar an den russischen Oligarchen und Kunstsammler Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew.Keri Geiger: Sotheby’s, a Prized Art Client and His $47.5 Million da Vinci Markup, in: Bloomberg.com, 30. November 2016. Bis zu diesem Zeitpunkt galt Salvator Mundi als das einzige mutmaßliche Gemälde Leonardos in Privatbesitz.

Am 15. November 2017 wurde das Gemälde schließlich vom Auktionshaus Christie’s in New York versteigert.mja: Verschollenes Gemälde bei Christie’s: Da-Vinci-Werk könnte 100 Millionen Dollar einbringen, in: Spiegel online, 11. Oktober 2017. Vorab wurde der Schätzpreis auf rund 100 Millionen Dollar taxiert. Im Rahmen einer globalen Ausstellungstour, mit Stationen in Hongkong, London, San Francisco und New York, wurde das Werk rund 27.000 Besuchern präsentiert. Die Auktion selbst endete nach rund 45 Geboten mit einem Zuschlag bei 400 Millionen US-Dollar. Inklusive Aufgeld belief sich der endgültige Verkaufspreis auf rund 450,3 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 382 Millionen Euro). Nach Angaben des Auktionshauses ist das der bis dato höchste je bei einer Kunstauktion erzielte Betrag.aar/dpa: Da-Vinci-Gemälde für 450.312.500 Dollar versteigert, in: Spiegel online, 16. Oktober 2017.

Im Dezember 2017 wurde berichtet, dass das Gemälde durch zwei Investmentgesellschaften ersteigert wurde, die in Kooperation mit internationalen Museen agieren. Es sollte im Louvre Abu Dhabi dauerhaft ausgestellt werden.Das teuerste Gemälde der Welt hängt künftig in Abu Dhabi, in: sueddeutsche.de, 7. Dezember 2017. Im Juni 2019 wurde berichtet, es befinde sich im Besitz des saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Laut Berichten des Wall Street Journal vom 12. April 2021 wurde das Bild ausgewählten Gästen auf der Luxusyacht Serene des saudischen Prinzen gezeigt. Summer Said, Kelly Crow, Benoit Faucon: Record-Setting Leonardo da Vinci Work Was Displayed on Saudi Leader’s Yacht The Wall Street Journal, 12. April 2021, abgerufen am 14. Mai 2021 Laut einem Bericht der Times vom 19. August 2024, befindet sich das Gemälde inzwischen in einem gesicherten Depot in Genf; es sei vorgesehen, es als Herzstück eines geplanten Museums in Riad zu zeigen. David Sanderson: World’s most expensive painting to form centrepiece of ‘Saudi Louvre’ The Times, 19. August 2024, abgerufen am 25. August 2024

Nach der Rekordauktion ist Salvator Mundi nie wieder öffentlich ausgestellt worden. Eine für September 2018 angekündigte Präsentation im Louvre Abu Dhabi wurde ohne Angabe von Gründen kurzfristig abgesagt.Saeed Kamali Dehgha: Louvre Abu Dhabi postpones display of Leonardo’s Salvator Mundi, in: The Guardian, 3. September 2018, abgerufen am 10. November 2018. Auch zur großen Leonardo-Retrospektive im Pariser Louvre im Oktober 2019 wurde das Gemälde nicht gezeigt.Torsten Landsberg: Louvre muss auf Bilder von Leonardo da Vinci verzichten Deutsche Welle, 24. Oktober 2019, abgerufen am 29. Oktober 2019Rose-Maria Gropp: Leonardo in Paris: Er ist nicht da faz.net, 28. Oktober 2019, abgerufen am 31. Oktober 2019 Stattdessen präsentierte das Museum lediglich die sogenannte „Version Ganay“, benannt nach einem früheren Eigentümer, die als Werkstattarbeit (Atelier Léonard de Vinci) klassifiziert wird.Rose Maria Gropp: Leonardo in Paris. Er ist nicht da, Frankfurter Allgemeine, 28. Oktober 2019, abgerufen am 9. November 2020

Obgleich umfangreiche Untersuchungen des Pariser Louvre zum Werk durchgeführt und auch in Druckform aufbereitet wurden, unterblieb deren offizielle Veröffentlichung. Als Begründung wurde angegeben, dass der Louvre keine Stellungnahme zu Kunstwerken abgibt, die sich in Privatbesitz befinden und nicht im Museum ausgestellt wurden. A. R. Kelleher: Saudi Crown Prince MBS Pressed The Louvre To Lie About His Fake Leonardo Da Vinci, Per New Documentary, Forbes, 9. April 2021, abgerufen am 14. Mai 2021 Dennoch sind vereinzelt Exemplare der Untersuchung im Umlauf.Alison Cole: Disarming new findings on Leonardo’s Salvator Mundi, in: The Art Newspaper, 26. Januar 2021, abgerufen am 27. Januar 2021.

Die komplexe Geschichte des Gemäldes und dessen Vermarktung wurde 2021 in zwei dokumentarischen Filmproduktionen aufgearbeitet. Der französische Regisseur Antoine Vitkine veröffentlichte am 13. April 2021 auf France 5 die Dokumentation The Savior for Sale: The Story of Salvator Mundi, Elsa Keslassy: ‘Savior For Sale: The Story of Salvator Mundi’ Sells Widely For MK2 Films Variety, 22. April 2021, abgerufen am 14. Mai 2021 die unter anderem die Versteigerung bei Christie’s und die diplomatischen Spannungen zwischen dem Louvre, der französischen Regierung und dem Leihgeber thematisiert.Philippe Vacquier: “The Savior for Sale: The Story of The Salvator Mundi” mixes genres and questions authenticity Interview mit Olivier Barbier und Antoine Vitkine, TV France, 28. April 2021, abgerufen am 14. Mai 2021

Im selben Jahr realisierte der dänische Regisseur Andreas Koefoed den Film The Lost Leonardo, der sich mit der Wiederentdeckung des Gemäldes durch Robert Simon und Alexander Parish, der Rolle der Restauratorin Modestini, den wirtschaftlichen Hintergründen der Transaktionen sowie dem mutmaßlichen Verbleib des Werks befasst. Die Premiere erfolgte am 13. Juni 2021 im Rahmen des Tribeca Film Festivals in New York.The Lost Leonardo: World Premiere at the 2021 Tribeca Festival, Denmark in New York, 12. Juni 2021, abgerufen am 22. Dezember 2021 Neben renommierten Leonardo-Experten wie Martin Kemp und Frank Zöllner kommen auch der ehemalige CIA-Mann Doug Patteson, David Kirkpatrick von der New York Times und die Investigativjournalistin Alexandra Bregman zu Wort.Maximiliano Durón: ‘The Lost Leonardo’ Documentary Thrillingly Takes on the Salvator Mundi Saga artnews, 13. Juni 2021, abgerufen am 22. Dezember 2021

Restaurierung und Begutachtung Mehr als zwanzig Kopien und ein 1650 entstandener Stich des böhmischen Graphikers Wenzel Hollar legten den Schluss nahe, dass Leonardo da Vinci auch das Motiv eines Salvator mundi gemalt oder vorbereitet hatte. Auch zwei Skizzen zum Faltenwurf des Gewands, die sich in der Royal Library in Windsor befinden und Leonardo da Vinci zugeordnet werden können, belegten diese Annahme. Schon in den 1980er Jahren versuchte daher die Kunsthistorikerin Joanne Snow-Smith, die Authentizität eines angeblich von Leonardo stammenden Salvator mundi zu belegen, der sich damals im Besitz des Marquis de Ganay befand, konnte jedoch ihre Fachkollegen nicht überzeugen. Heute wird der Salvator mundi aus der Sammlung Ganay als Kopie angesehen.