Die Ahorne (Acer) bilden eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Rosskastaniengewächse (Hippocastanoideae) innerhalb der Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). Je nach Autor gibt es 120 bis 200 Ahorn-Arten. Sie sind in gemäßigten und tropischen Gebieten in Eurasien, Nordafrika, Zentral- und Nordamerika weit verbreitet. Beschreibung Erscheinungsbild und Blätter mini|hochkant|links|Illustration des Spitz-Ahorns (Acer platanoides) mini|hochkant|Gestieltes Laubblatt des Spitz-Ahorns mini|hochkant|Spitz-Ahorn-Blätter einer jungen Pflanze im November beim Übergang in die Herbstfärbung

Bis auf zwei Arten sind Ahorn-Arten sommergrüne Bäume oder Sträucher.

Die gegenständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die meist einfache Blattspreite ist meist handförmig gelappt. Manche Arten besitzen unpaarig gefiederte Blattspreiten, mit drei oder fünf Blättchen, zum Beispiel der Eschen-Ahorn (Acer negundo). Es liegt meist eine handförmige Nervatur vor, selten ist Fiedernervatur. Der Blattrand ist ganz oder gesägt bis gezähnt. Es sind keine Nebenblätter vorhanden. Das Laub vieler Arten besitzt eine intensive Herbstfärbung. Bei einigen Arten kommt Marzeszenz bei den Blättern vor.

Blütenstände und Blüten mini|hochkant|Blüte des Spitz-Ahorns

Ahorne sind ein- oder zweihäusig und öfters dichogam.P. C. de Jong: Flowering and sex expression in Acer L.: a biosystematic study. Dissertation, Wageningen 1976, PDF. Die Blüten stehen in schirmrispigen, -traubigen oder doldigen, büscheligen, zymösen, seltener traubigen oder rispigen Blütenständen zusammen.

Die Blüten sind selten zwittrig, sondern meist funktional eingeschlechtig. Die radiärsymmetrischen Blüten sind meist fünfzählig, nur selten vier- oder sechszählig, mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Es sind meist fünf, selten vier oder sechs Kelchblätter vorhanden. Es sind meist fünf, selten vier oder sechs Kronblätter vorhanden, selten fehlen sie. Es sind meist acht, selten vier, fünf, zehn oder zwölf, selten sechs oder sieben freie Staubblätter vorhanden. Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen. Je Fruchtblatt gibt es selten eine, meist zwei Samenanlagen. Der Griffel ist meist zweigabelig und es sind zwei Narben vorhanden. Es ist meist ein Diskus vorhanden.

Die Blütenformel lautet:   .

Früchte und Samen Es werden Spaltfrüchte gebildet, die als zwei geflügelte Nussfrüchte (Samara) abfallen. Ahorne neigen zu Parthenokarpie, es werden also keine Samen gebildet.Andreas Bärtels: Ahorn. Ott, 2018, ISBN 978-3-7225-0173-4, S. 21 f.

Beim ausgereiften Samen ist kein Endosperm vorhanden. Der öl- oder stärkehaltige Embryo besitzt eine verlängerte Radicula und zwei flache oder gefaltete, grüne Keimblätter (Kotyledonen).

Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 13; es liegt meist Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 26 vor.

Ökologie Man unterscheidet zwischen insekten- und windbestäubten Arten. Bei insektenbestäubten (Entomophilie) Arten ist am Grunde der Blüten ein Diskus vorhanden, denn er dient der Anlockung von Insekten.

Die Teilfrucht führt durch ihre spezielle aerodynamische Form (Monopteros) beim Herunterfallen zu Autorotation, dieses bewirkt ein langsameres Absinken der Samen und eine großflächige Verteilung der Diasporen durch den Wind.

Verbreitung und Evolution mini|hochkant=1.5|Verbreitung der Gattung Acer

Die Gattung Acer ist auf der Nordhalbkugel weitverbreitet, vor allem in Eurasien und Nordamerika, hinzu kommen kleinere Gebiete in Nordafrika und Zentralamerika. Ihre Arten gedeihen in gemäßigten, subtropischen und tropischen Gebieten, in den Tropen aber nur im Gebirge. Viele rezente Ahorn-Arten weisen eine holarktische Verbreitung auf. 80 % der etwa 129 bis 156 Arten (Stand 2020) kommen in Asien vor. 99 Arten kommen in der Volksrepublik China vor, 61 davon nur dort. 13 Arten kommen in Nepal und acht Arten in Pakistan vor. Weniger als 20 % der Arten haben ihre Verbreitungsgebiete in Nordamerika.

Seit den Eiszeiten sind in Europa nur noch wenige Ahorn-Arten heimisch. Im deutschen Sprachraum kommen neben Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) und Feld-Ahorn (Acer campestre) auch Französischer Ahorn (Acer monspessulanum), Schneeball-Ahorn (Acer opalus) und Tatarischer Steppen-Ahorn (Acer tataricum) wild vor.

Die initiale Radiation innerhalb der Gattung Acer erfolgte am Ende der Kreidezeit vor etwa 65 Millionen Jahren. Fossilfunde von Laubblättern und Früchten erlauben die Entwicklung der Gattung Acer durch die darauffolgenden geologischen Epochen gut nachzuverfolgen. Die ältesten Fundorte sind nicht deckungsgleich mit dem Zentrum der Artenvielfalt der rezenten Arten. Der älteste Fossilfund stammt aus Alaska des Tertiärs. Die rezenten Arten, die in Nordamerika, in Europa und im Mittelmeerraum vorkommen, stammen aus Wanderbewegungen aus Asien seit dem Miozän. Das Zentrum der Artenvielfalt und die Areale der ursprünglichsten Arten zeigen dennoch, dass der Ursprung der Gattung Acer in Asien liegt.

Systematik Taxonomie Die Gattung Acer wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 1054 und 1754 in Genera Plantarum, 5. Auflage, S. 474 aufgestellt. Als Lectotypus wurde 1913 Acer pseudoplatanus durch N. L. Britton in A. Brown: Ill. Fl. N.U.S. 2. Auflage, 2, S. 494 festgelegt. Synonyme für Acer sind: Argentacer , Negundo , Saccharodendron , Rulac , Rufacer .

Äußere Systematik Molekularbiologische Untersuchungen ergaben, dass die Gattung Acer zur Unterfamilie Hippocastanoideae innerhalb der Familie der Sapindaceae gehört. Sie wurde früher in die selbstständige Familie der Rosskastaniengewächse (Hippocastanoiceae) gestellt.

Innere Systematik Die Gattung Ahorn (Acer) umfasst 110 bis 200 Arten. Die Gliederung der Gattung Ahorn (Acer) wird kontrovers diskutiert. Die Gattung Acer wurde nach morphologischen Merkmalen durch Pax 1885, Pax 1886, Pojárkova 1933, Momotani 1962, Ogata 1967, de Jong 1976, Delendick 1981, Delendick 1982, Mai 1984, de Jong 1994 in Untergattungen, Sektionen und Serien gegliedert. Die Anzahl und der Umfang der Sektionen verändert sich je nach Stand der Wissenschaft. Molekulargenetische Daten machen neue Gliederungen erforderlich. Li et al. 2006 erstellten eine Gliederung, die nachfolgend nach den jeweiligen Erkenntnissen verändert wurde. Beispielsweise wird in folgende Sektionen (sect.) gegliedert, die teilweise nochmals feiner in Serien (ser.) unterteilt werden:

mini|hochkant|Sektion Acer: Blütenstand des Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) mini|hochkant|Sektion Acer: Herbstlaub von Acer opalus subsp. obtusatum

Sektion Acer : Sie enthält etwa drei Serien auf der Nordhalbkugel: Serie Acer: Sie enthält etwa sechs Arten: Acer caesium Bei manchen Autoren gibt es zwei Unterarten, bei anderen gelten diese als Synonym: Acer caesium subsp. caesium (Syn.: Acer luteolum , Acer molle nom. illeg.): Sie gedeiht im Hindukusch sowie im Himalaya und ist vom nördlichen Indien, Pakistan und Nepal bis China verbreitet. Acer caesium subsp. giraldii (Syn.: Acer giraldii ) Sie kommt nur im zentralen China vor. Griechischer Ahorn (Acer heldreichii ): Die zwei Unterarten sind in der südwestlichen, südlichen, zentralen und zentral-östlichen Balkanhalbinsel verbreitet. Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus ): Er ist von Südwest- über Mittel- bis Nord-, Ost- sowie Südosteuropa und im Kaukasusraum verbreitet. Er ist in vielen Gebieten der Welt ein Neophyt. Acer sosnowskyi : Sie kommt nur in Georgien sowie Abchasien vor. Kaukasus-Ahorn (Acer trautvetteri , Syn.: Acer heldreichii subsp. trautvetteri ): Er ist im Kaukasusraum und in der Türkei verbreitet. Samt-Ahorn (Acer velutinum ): Er kommt in Georgien, Aserbaidschan und Nachitschewan vor. Er wird als Zierpflanze verwendet. Acer yangbiense : Sie wurde 2003 erstbeschrieben. Diese seltene, stark gefährdete Art gedeiht in Mischwäldern in Tälern in Höhenlagen von etwa 2400 Metern nur in Yangbi im westlichen Yunnan. Serie Monspessulana : Sie enthält etwa acht Arten: Granada-Ahorn (Acer granatense , Syn.: Acer opalus subsp. granatense , Acer opalus subsp. hispanicum , Acer hispanicum ): Von den zwei Unterarten kommt nur in Marokko und die andere auf Mallorca sowie im südlichen Spanien vor. Balkan-Ahorn (Acer hyrcanum ): Es gibt viele Unterarten: Acer hyrcanum subsp. hyrcanum: Sie ist von der Balkanhalbinsel bis Westasien, im Kaukasusraum und zum Libanon sowie nördlichen Iran verbreitet. Acer hyrcanum subsp. intermedium : Sie kommt vom ehemaligen Jugoslawien über Albanien sowie Bulgarien bis Griechenland vor. Acer hyrcanum subsp. keckianum : Sie kommt vom westlichen asiatischen Teil der Türkei bis Syrien und zum Libanon vor. Acer hyrcanum subsp. reginae-amaliae : Sie kommt im zentralen Griechenland und im westlichen asiatischen Teil der Türkei vor. Acer hyrcanum subsp. sphaerocarpum : Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei vor. Acer hyrcanum subsp. stevenii : Dieser Endemit kommt nur in Utchan Gorge auf der Krim vor. Acer hyrcanum subsp. tauricolum : Sie kommt vom asiatischen Teil der Türkei bis Syrien und zum Libanon vor. Acer iranicum : Sie wurde 2020 aus dem nördlichen Iran erstbeschrieben. Acer mazandaranicum : Sie wurde 2008 aus dem Iran erstbeschrieben. Französischer Ahorn, Burgen-Ahorn (Acer monspessulanum ): Die vielen Unterarten sind im Mittelmeerraum verbreitet: Acer monspessulanum subsp. assyriacum : Sie kommt vom nördlichen Irak bis nördlichen Iran vor. Acer monspessulanum subsp. cinerascens : Sie kommt von der südöstlichen Türkei über Transkaukasien und dem Irak bis zum westlichen Iran vor. Acer monspessulanum subsp. ibericum : Sie kommt von der östlichen Türkei über den Kaukasusraum bis zum nördlichen Iran vor. Acer monspessulanum subsp. microphyllum : Sie kommt von der südlichen Türkei bis Syrien und Libanon vor. Acer monspessulanum subsp. monspessulanum: Sie ist von Mittel- (auch in Deutschland) und Südeuropa bis Nordafrika und in der Türkei verbreitet. Acer monspessulanum subsp. oksalianum : Sie kommt von der südöstlichen Türkei bis nordwestlichen Iran vor. Acer monspessulanum subsp. persicum : Sie kommt nur im zentralen Iran vor. Acer monspessulanum subsp. turcomanicum : Sie kommt nur vom nordöstlichen Iran bis zum südlichen Turkmenistan vor. Syrischer Ahorn (Acer obtusifolium): eine von zwei immergrünen Ahorn-Arten. Sie kommt im Taurus-Gebirge der Türkei, in Syrien, im Libanon, in Israel und vielleicht auf Zypern vor. Schneeball-Ahorn (Acer opalus ): Es gibt zwei Unterarten: Acer opalus subsp. obtusatum (Syn.: Acer obtusatum , Acer opalus var. obtusatum ): Sie kommt im nördlichen Algerien, Albanien, früheren Jugoslawien, Griechenland, Italien (inklusive Sizilien) und Korsika vor. Acer opalus subsp. opalus: Sie kommt in Deutschland (nur kleines Gebiet), der Schweiz (nur kleines Gebiet), Italien, Frankreich (inklusive Korsika) und Spanien vor. Kreta-Ahorn (Acer sempervirens , Syn.: Acer orientale auct.): Er ist eine der beiden halbimmergrünen Acer-Arten und hauptsächlich in Griechenland im Bereich der Ägäis verbreitet, einzelne Vorkommen gibt es in der Türkei. Acer undulatum : Sie kommt in der Türkei vor. Serie Saccharodendron : Sie enthält etwa acht Arten, die von Kanada über die USA und Mexiko bis Guatemala vorkommen: Acer binzayedii : Sie wurde 2017 aus Mexiko erstbeschrieben. Acer floridanum : Sie kommt in den südlichen-zentralen bis südöstlichen USA vor. Acer grandidentatum : Die etwa zwei Unterarten sind von den zentralen USA bis Mexiko verbreitet. Acer leucoderme : Sie kommt in den südöstlichen USA vor. Schwarz-Ahorn (Acer nigrum ): Sie ist im östlichen Nordamerika verbreitet. Zucker-Ahorn (Acer saccharum ): Er ist von Kanada über die USA bis Mexiko und Guatemala weitverbreitet. Er wird als Zierpflanze verwendet. Je nach Autoren gibt es mehrere Unterarten: Acer saccharum subsp. ozarkense Sie kommt von Mexiko bis Guatemala vor.