mini|-Skulptur in , einem der Landungsgebiete (1340–1375) der polynesischen Einwanderer
Die Geschichte Neuseelands umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des heutigen Staates Neuseeland von der Besiedlung durch Polynesier wohl im 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Geologisch gesehen gehören die Inseln zu den jüngsten der Erde und kulturgeschichtlich betrachtet ist Neuseeland das Land, das als letztes von Menschen besiedelt und gestaltet wurde. Aus europäischer Sicht liegt Neuseeland am anderen Ende der Welt. So erklärt es sich, dass die im südlichen Pazifik liegenden Inseln, die heute den Staat Neuseeland ausmachen, mit Mitte des 17. Jahrhunderts erst recht spät Aufmerksamkeit bekamen.
Prähistorische Zeit mini|260px|Pazifische und Australische Platte
Vor etwa 130 Mio. Jahren spaltete sich eine Landmasse von dem Superkontinent Gondwana ab und begann 45 Mio. Jahre später, aufgeteilt in die Landblöcke Antarktis, Australien und Neuseeland, auseinanderzudriften. Nach weiteren 15 Mio. Jahren, Neuseelands Landmasse war seinerzeit weitaus größer als die heutige, begann ein langsamer Erosionsprozess, der nach 35 Mio. Jahren 60 % der heutigen Landfläche unter den Meeresspiegel befördert hatte. Neuseeland wäre fast verschwunden, wenn nicht ein Verformungsprozess in Form von Aufwerfungen, der durch das Aufeinandertreffen der Pazifischen Platte auf die Australische verursacht wurde und vor etwa 26 Mio. Jahren begann, Neuseeland neu gebildet hätte, wobei dieser Prozess bei weitem noch nicht abgeschlossen ist. Die meisten Bergformationen hatten sich durch tektonische Verschiebungen bereits vor 5 Mio. Jahren gebildet, andere Berge und Landschaften entstanden durch vulkanische Aktivitäten. Neuseeland ist erheblich geprägt durch diese geologischen Prozesse der Erde und zählt auch heute noch zu den erdbebenreichsten Ländern der Erde.
Durch die Abspaltung und Isolation Neuseelands von anderen Landmassen entwickelten sich die Flora und Fauna des Landes in einer einzigartigen Weise. Über 90 % des Landes war mit Urwald bedeckt. Säugetiere und Schlangen gab es keine, und die wenigen Raubtiere entwickelten sich ausschließlich in der Welt der Vögel. Diese war es dann auch, die flugunfähige Vögel wie den Kiwi, über zwei Meter große Laufvögel wie den und Papageien wie den hervorbrachte, der in den alpinen Berglandschaften der Südinsel beheimatet ist und sich in der kalten Region auch im Winter im Schnee noch wohl fühlt. Das Ökosystem Neuseelands hatte sich über viele Millionen Jahre, trotz zwischenzeitlicher Zerstörungen durch vulkanische Aktivitäten, perfekt eingerichtet und viele endemische Arten an Pflanzen und Tieren hervorgebracht. Deren Bestand schien über Jahrtausende nicht gefährdet zu sein, bis schließlich der Mensch kam.
Entdeckung und Besiedlung Besiedlung durch Polynesier mini|280px|Migrationsentwicklung im pazifischen Raum
Die erste Besiedlung Neuseelands durch den Menschen ging von den polynesischen Inseln aus. Über den genauen Zeitpunkt, wann die Einwanderer erstmals ihren Fuß auf neuseeländischen Boden setzten, gibt es wenig gesicherte Erkenntnisse. Unstrittig ist aber, dass die Eroberung des pazifischen Raums von Asien aus vor sich ging. Wie der Archäologe Professor 2008 beschrieb, kann man davon ausgehen, dass im 4. oder späten 5. Jahrtausend vor Christus erste Besiedlungen von den chinesischen Provinzen Zhejiang und Fujian ausgehend auf Taiwan und seinen südlich liegenden Inseln vorgenommen wurden, gefolgt von den Philippinen um 2000 v. Chr. Um 1500 v. Chr. zogen die frühzeitlichen Eroberer weiter über die Molukken und Osttimor und siedelten zwischen 1500 und 1350 v. Chr. auf den Inseln Melanesiens, die für die Lapita-Kultur bekannt sind, einschließlich des Bismarck-Archipels. Um 1050 v. Chr. wurden dann die Salomonen und zwischen 1000 und 800 v. Chr. der westliche Teil Polynesiens erobert.
Von dort aus zogen die Seefahrer um etwa 400 n. Chr. in Richtung Hawaii, etwa zur gleichen Zeit zu den östlicher liegenden Polynesischen Inseln bis hin zur Osterinsel, und nach 1200 n. Chr. erreichte man schließlich das weit südlicher gelegene Neuseeland. Nachweise über Abholzungen und Untersuchungen an gefundenen Knochen der von Einwanderern eingeführten Pazifischen Ratte (polynesischer Name: ) nebst von ihr angeknabberter Samenkörner mit Hilfe der Radiokohlenstoffmethode, setzen die Ankunft der Polynesier in Neuseeland derzeit auf um das Jahr 1280 n. Chr. fest.
mini|links|170px|Junger bei einer -Präsentation Die Nachkommen dieser ersten Einwanderer begründeten die -Kultur, wobei sich die exakte Herkunft ihrer Vorfahren nicht mit Bestimmtheit klären lässt. Geht die Wissenschaft aktuell davon aus, dass die Vorfahren der von den Neuseeland nahe liegenden Gesellschaftsinseln und Cookinseln kamen, begründen die Mythen der teilweise ihre Herkunft von dem mythischen , dem Ort, zu dem auch ihre Seelen nach dem Tode zurückkehren würden. Ihr Urahn soll von dort aus kommend das unbewohnte Land um 925 n. Chr. entdeckt haben, und seine mit ihm reisende Frau, beim Anblick einer großen weißen Wolke, dieses Land genannt haben, (Das Land der langen weissen Wolke). Im 13. Jahrhundert soll dann auf Basis von s Angaben die „große Flotte“ mit sieben Kanus sich auf den Weg nach Neuseeland gemacht haben. Soweit die Sicht der .
Von welchem Zeitpunkt an man von einer -Kultur sprechen kann, ist unklar. Anzunehmen ist aber, dass 500 Jahre ohne weitere kulturelle Einflüsse von außen und dem Anpassungsprozess an die Bedingungen Neuseelands die Einwanderer in besonderer Weise geprägt haben. Das Klima Neuseelands war kälter und rauer als das in ihrer subtropischen Heimat. Die ersten Erfahrungen mit Schnee werden wohl entsprechend beeindruckend gewesen sein. Auch der Boden in der neuen Heimat war nicht so fruchtbar wie der, wo sie her kamen, und u. a. , und angebaut werden konnte. Entsprechend entwickelten sich die anfangs zu Jägern, denn das Fleisch eines bis zu 240 kg schweren , als Beispiel, war ausreichend genug, sich eine Weile davon zu ernähren. Doch die Ausrottung des in nur wenigen Jahrzehnten und die Populationszunahme ihrer Bevölkerung zwang die zur Ernährungsumstellung. Sie begannen neben dem tradierten Fischkonsum auch Ackerbau zu betreiben.
Die organisierten sich in Stämmen () und deren Untergliederungen () und lebten in befestigten Dörfern, genannt. Von Norden ausgehend besiedelten sie die Nordinsel, die Südinsel, und die . Ihr Einfluss auf die Tierwelt Neuseelands durch die Jagd und durch eingeführte Haustiere war dramatisch und führte zum Aussterben zahlreicher Tierarten, wovon der und der Haastadler wohl die bekanntesten sind.
Kriegerische Auseinandersetzungen waren Teil des Lebens unter den , wobei es meistens um Land ging und wofür getötet wurde. Dem unterlegenen Gegner blieb oft nur der Tod, entweder sofort im Kampf oder später in der Gefangenschaft getötet und anschließend verspeist zu werden, denn Kannibalismus war auch ein Teil der -Kultur, dem auch Frauen und Kinder zum Opfer fielen. Kannibalismus war auch reguläre Praxis in Kriegen, in denen Menschenfleisch ein wichtiger Teil der Ernährung der Krieger war. Das Thema Kannibalismus war lange Zeit in Neuseeland ignoriert worden und fehlt in den meisten Geschichtsbüchern des Landes, wie der neuseeländische Historiker im August 2008 bemerkte. Doch Kannibalismus wurde noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts unter den praktiziert.
Entdeckung durch Europäer mini|280px| attackieren ein der am 19. Dezember 1642 (Darstellung von )
Abel Tasman
Es sollte dem holländischen Seefahrer vorbehalten bleiben, als erster Europäer das mehr als 17.000 Seemeilen vom Heimatland entfernte Neuseeland zu entdecken. Unter dem Sold der Niederländischen Ostindien-Kompanie und dem Auftrag des Gouverneurs von Niederländisch-Indien, , den südlichen Kontinent zu finden, machte sich am 1. August 1642 mit den beiden Schiffen und von dem indonesischen Handelszentrum Batavia aus auf den Weg nach Süden. Gut vier Monate später, am 13. Dezember erreichten sie die Westküste an der Südinsel Neuseelands in Höhe des heutigen . Doch schwere See und widrige Winde erlaubten einen Landgang erstmals am 18. Dezember in der heutigen / . Vermutlich basierend auf einem Missverständnis, endete einen Tag später der erste Kontakt zwischen Europäern und für vier Seefahrer der Flotte tödlich. Der Stamm der hatte ein Beiboot der Expeditionsschiffe angegriffen, worauf Tasman unter Abwehr mit Kanonenfeuer den sofortigen Rückzug anordnete. Nach dieser Erfahrung gab er der Bucht den Namen Mörderbucht und segelte an der Westküste der Nordinsel entlang weiter in Richtung Norden. Er selbst hatte nie neuseeländischen Boden betreten.
Im Glauben, er hätte einen Teil des 1616 von entdeckten Landes östlich von Kap Hoorn gefunden, nannte er das Land (nach den niederländischen Generalstaaten). Als allerdings der Seefahrer 1663 erkannte, dass eine kleine Insel war und nicht in Verbindung mit stand, entschied der holländische Kartograph das von Tasman entdeckte Land zu nennen (lateinisch: ). war nicht vergessen, aber es sollten 127 Jahre vergehen, bis Europäer dem Land wieder Aufmerksamkeit schenkten.
James Cook
mini|links|180px|Erste Karte von Neuseeland, erstellt von James Cook (1769) Im Mai 1768 wurde der britische Seefahrer von der beauftragt, eine Expedition zur Beobachtung der Venuspassage auf Tahiti zu leiten. Des Weiteren sollte er untersuchen, ob sich südlich von Tahiti weiteres Land befindet. Mit Information über die Pazifikreisen seiner Vorgänger , und versorgt, verließ am 26. August 1768 mit der . Nachdem Astronom die Beobachtungen am 3. Juni 1769 erfolgreich ausgeführt hatte, segelte er nach Süden auf der Suche nach weiterem Land.
Es war der Schiffsjunge , der am Nachmittag des 7. Oktober 1769 gegen 14:00 Uhr „Land in Sicht“ meldete. Neuseeland war wiederentdeckt. Die Bucht, in der zwei Tage später an Land ging, bezeichnete er enttäuscht als , denn es gab keine Möglichkeit, Wasser und Proviant aufzunehmen. segelte an der Ostküste der Nordinsel weiter in Richtung Norden, kartografierte das Land und vergab Namen für markante Buchten, Kaps und Berge, die von See aus zu sehen waren. Bei einem Landgang am 15. November 1769 in der auf der Nordinsel, hisste er den formell stellvertretend für den amtierenden britischen König George III. Er wiederholte diese Aneignung von Land im Januar 1770 im auf der Südinsel.
mini|180px|, Porträt von aus dem Jahre 1775, Als am 1. April 1770 Neuseeland in Richtung Australien verließ, hatte er auf seiner knapp 6-monatigen Reise beide Hauptinseln umrundet und so gut dokumentiert, dass die erste Karte von dem Land den realen Gegebenheiten sehr nahekam. machte lediglich zwei grobe Fehler. Zum einen machte er die zu einer Insel, und zum anderen zu einer Halbinsel. Auf zahlreichen Landgängen hatten die wissenschaftlichen Begleiter und , beide Botaniker, die Gelegenheit Pflanzen zu sammeln, zu beschreiben und zu katalogisieren. Die Naturzeichner und Herman Spöring erstellten die Abbildungen dazu. verstand es, mit Hilfe eines begleitenden Tahitianers Verständigung zu den herzustellen, und so mehr über deren Leben und deren Kultur zu erfahren. Auch wenn es vereinzelt zu Konflikten kam, waren doch seine Erfahrungen mit den überwiegend positiv.
Aufzeichnungen machten deutlich, dass er Neuseeland für ein hervorragendes Siedlungsgebiet hielt. Reich an fruchtbarem Land, auf dem europäische Pflanzenkulturen bestens gedeihen würden, zeichnete er ein überaus positives Bild, in dem er auch von den keine Gefahr ausgehen sah. leitete zwei weitere Expeditionen, die ihn u. a. auch wieder nach Neuseeland kommen ließen. Auf der zweiten Reise begleitete ihn mit der .
Jean François Marie de Surville
Großbritannien war nicht das einzige am Pazifik interessierte Land. Spätestens 1766 dokumentierte Frankreich mit der Weltumsegelung sein Interesse an der unerforschten Welt.