mini|hochkant|Hans Martin Ruwoldts „Panther“ in Planten un Blomen mini|hochkant|„Bauarbeiter“ am Besenbinderhof mini|hochkant|Hans Martin Ruwoldt "Torso" Schloss Gottorf mini|hochkant|„Sich Erhebende“ vorm Bezirksamt Nord mini|hochkant|„Windsbraut“an der Binnenalster

Hans Martin Ruwoldt, eigentlich Hans Martin Meier (* 15. Februar 1891 in Hamburg;Generalregister Geburten 1886 - 1900 / 332-5 Nr. 45017 / St.Amt 22 #341 / 1891, Staatsarchiv Hamburg. Auf dieser Urkunde ist auch die spätere Namensänderung vermerkt. † 16. Oktober 1969 ebenda) war ein deutscher Tierbildhauer und Porträtist.Personendaten lt. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 503.

Werdegang Der Künstler war Sohn eines Gelegenheitsarbeiters und wurde von seiner kinderlosen Schwester, einer verheirateten Ruwoldt, aufgezogen. 1906–1909 absolvierte er eine Bildhauerlehre in Rostock, 1909–1911 war er als Geselle tätig. 1911 bis 1914 studierte er an der Kunstgewerbeschule Hamburg in der Bildhauerklasse von Richard Luksch. 1913 begegnete er Moissey Kogan. Er nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und geriet in französische Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr 1922 richtete er sich in Hamburg ein Atelier ein. Fritz Schumacher förderte ihn; durch ihn erhielt Ruwoldt zahlreiche Aufträge für Bauten und Anlagen. 1923 heiratete er Anne-Marie Leisewitz. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor, Dagmar Ruwoldt (1926–2008).

1926 schloss sich Ruwoldt der Hamburgischen Sezession, der Hamburgischen Künstlerschaft und dem Altonaer Künstlerverein an. Er war zudem Mitglied im Hamburger Künstlerverein von 1832. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war er bis 1936 Vorsitzender des Bereichs Bildhauerei der Reichskammer der bildenden Künste Landesleitung Norddeutschland. An der letzten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes 1936 in Hamburg, die nach zehn Tagen durch den damaligen Vizepräsidenten der Reichskammer Adolf Ziegler persönlich beendet wurde, beteiligte er sich erstmals als DKB-Gastkünstler mit dem Zementguß Stehende (1932, H 68,8 cm, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg).Abb. auf S. 81 im Ausstellungskatalog Deutscher Künstlerbund - 34. Jahresausstellung Bonn. 1936 verbotene Bilder, Berlin 1986

1937 wurden in der Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ aus der Hamburger Kunsthalle ein Frauentorso Ruwoldts (Gips, 101 cm hoch; heute wieder in der Kunsthalle) und das Aquarell „Liegender Akt“ beschlagnahmt. Das Aquarell wurde vernichtet.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin

Im Auftrag der Hamburger Nationalsozialisten fertigte er 1938 für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges das Relief „eines adlerartigen aus der Asche aufsteigenden Phönix“Garbe/Michelsen: Gedenkstätten in Hamburg S. 49 an, das anstelle von Ernst Barlachs Relief am Hamburger Ehrenmal, das eine trauernde Mutter mit Kind darstellte, angebracht wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ruwoldts Relief zerstört und Barlachs Relief rekonstruiert.

Auf der ersten Ausstellung des DKB 1951 in der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin war Ruwoldt – diesmal als ordentliches Mitglied (abgerufen am 31. Dezember 2015) – mit den Bronzeplastiken Liegender Panther (1951, 50 cm lang) und Gepard (1950, 75 cm hoch) erneut vertreten.siehe Ausstellungskatalog Deutscher Künstlerbund 1950. Erste Ausstellung 1. Aug.–1. Okt. 1951. Berlin 1951. (ohne Seitenangaben) 1955 wurde Ruwoldt als Nachfolger Edwin Scharffs an die Hochschule für bildende Künste Hamburg berufen und lehrte dort neben Karl Kluth als Leiter der Bildhauerklasse.

Einen Monat nach seinem Tod am 16. Oktober 1969 wurde in der Nacht vom 17. auf den 18. November sein Wohnhaus samt Atelier in der Baron-Voght-Straße in Hamburg-Nienstedten durch Brandstiftung zerstört.Hans Martin Ruwoldt: (1891-1969); Skulpturen, Reliefs, Zeichnungen; zum Gedenken an den 100. Geburtstag des Künstlers. Ausstellungskatalog BAT, Seite 44. ISBN 3-927469-10-6Hamburger Abendblatt vom 20. November 1969: Millionenschaden durch Brandstiftung

Hans Martin Ruwoldt wurde auf dem Waldfriedhof Aumühle beigesetzt.

Der Ruwoldtweg in Hamburg-Steilshoop wurde nach ihm benannt.Ruwoldtweg Hamburger Abendblatt vom 9. Oktober 2012

Werke Hamburg mini|hochkant|Schreitende (1956) bei den Grindelhochhäusern

Auszug der in Hamburg öffentlich aufgestellten Werke – Tiere und Figuren: 1927: Panther, Stadtpark, Ostzugang Alte Wöhr 1930: Panthergruppe auf Säule, Innenhof der Walddörferschule in Hamburg-Volksdorf bei Treffpunkt Volksdorf 1934: Verhoffende Rehe, Grabstätte Jäger, Friedhof Ohlsdorf, Planquadrat AB 15 (Nähe Nordteich)Details bei Barbara Leisner, Heiko K. L. Schulze, Ellen Thormann: Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. 2 Bände und eine Übersichtskarte 1:4000. Hans Christians, Hamburg 1990, ISBN 3-7672-1060-6, Details Seite 157, Kat. Nr. 1088 1935: Eisbär, Hamburger Stadtpark, Südzugang Wiesenstieg (der zweite Eisbär im Park Nähe Modellbootteich stammt von Ludwig Kunstmann) 1935: Stürzender Stier, Rinderschlachthalle, Hamburg-St. PauliHans Martin Ruwoldt: Stürzender Stier auf KUNST@SH, Kunstwerke im öffentlichen Raum in Schleswig-Holstein und Hamburg 1936: Angreifender Tiger, ehemals Hanseaten-Kaserne in Hamburg-Fuhlsbüttel, ab 1974 in der Graf-Goltz-Kaserne in Hamburg-Rahlstedt, 1992 in der Röttiger-Kaserne in Hamburg-Fischbek. Seit 2004 auf dem Gelände der Helmut-Schmidt-Universität. 1950er: Pinguine, Eilbektal 72-74 (Innenhof), Hamburg-EilbekBronzeskulptur Pinguine: Rezension und Standortbeschreibung in Thomas Wittkuhn: SkulpTouren, Verlag Thomas Zang Hamburg 2011, ISBN 978-3-9814508-0-4, S. 13 1951: Möwengruppe auf Säule, Schlankreye 53 (Siedlung Klinker), Hamburg-Harvestehude 1952: Kraniche, Hufnerstraße 105 (Gartenanlage), Hamburg-Barmbek-SüdBronzeskulptur Kraniche: Rezension und Standortbeschreibung in Thomas Wittkuhn: SkulpTouren, Verlag Thomas Zang Hamburg 2011, ISBN 978-3-9814508-0-4, S. 21 1952: Bärengruppe, Koldingstraße, Hamburg-Altona-Nord 1953: Flamingos, Alter Botanischer Garten, HamburgUte Liesenfeld: Spaziergänge zur Kunst in Hamburg. Belser, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-7630-2879-5, S. 78. 1954: Kraniche, Wohnanlage Hufnerstraße, Barmbek-Nord 1956: Schreitende, Grindelhochhäuser, Harvestehude 1965: Panther, Campusgelände der Universität Hamburg 1965: Sich leckender Gepard, Harburger Stadtpark 1965: Sich leckender Gepard, Kandinskyallee / Große Holl 2, Neubausiedlung Mümmelmannsberg, Billstedt 1968: Windsbraut, an der Binnenalster

Davon ohne Datierung: Gepard in den Wallanlagen (jetzt Teil von Planten un Blomen) Gepard an der Schule Steinhauerdamm Sich Erhebende vor dem Bezirksamt von Hamburg-Nord Panther in Planten un Blomen (siehe Foto rechts oben) Vogel - Grabstein für den Gründer der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg Johannes Böse († 1955) auf dem Ohlsdorfer Friedhof (S 11 - 127 - nahe Kapelle 1)

Schleswig-Holstein Auszug der in Schleswig-Holstein öffentlich aufgestellten Werke: 1932: Stehende mit erhobenen Armen, Skulpturenpark Nortorf 1932: Torso, Schloss Gottorf 1949: Sich leckender Gepard, Skulpturenpark Nortorf

Nordrhein-Westfalen 1961: Der Elch, Bürgerpark Bielefeld

Literatur Maike Bruhns (Hrsg.): Hans Martin Ruwoldt (1891–1969). Skulpturen – Reliefs – Zeichnungen Verlag: Hamburg. Edition Stadtbaukunst. 1991. Hans Martin Ruwoldt: Bildwerke, Zeichnungen. Die Radierungen und Lithographien. Katalog des Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg 1969. Katalog zur Ausstellung der BAT-Cigarettenfabriken in Zusammenarbeit mit dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zum Gedenken an den 100. Geburtstag des Künstlers, 1991.

Weblinks

ruwoldt.info, Webseite mit Werkabbildungen und Biografie (von Manfred Sihle-Wissel, Schüler von Ruwoldt) Skulpturen im Hamburger Stadtpark, Bildarchiv Hamburg Hans Martin Ruwoldt in der Online-Ausstellung Becket in Hamburg 1936 der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene

Einzelnachweise

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