mini|Frans Luycx, Friedrich Wilhelm, um 1650, Kunsthistorisches Museum Wien.rahmenlos|klasse=skin-invert-image
Friedrich Wilhelm (* in Cölln; † in Potsdam) aus dem Haus Hohenzollern war seit 1640 Kurfürst von Brandenburg und Herzog in Preußen.
Außenpolitisch legte er im Westfälischen Frieden 1648 den Grundstein für den Aufstieg Brandenburgs zur europäischen Großmacht und sicherte im Frieden von Oliva 1660 die Souveränität über Preußen. Sein Sieg über die Schweden in der Schlacht bei Fehrbellin am brachte ihm den Beinamen Großer Kurfürst ein. Innenpolitisch setzte Friedrich Wilhelm umfassende Reformen durch und schuf ein stehendes Heer. Als Fehlschlag erwies sich der Versuch, eine kurbrandenburgische Marine aufzubauen, um am Transatlantikhandel teilzunehmen. Friedrich Wilhelm bekannte sich zum calvinistischen Glauben und betrieb eine tolerante Religionspolitik. Seine Aufnahme von etwa 20.000 verfolgten Hugenotten im Edikt von Potsdam 1685 fand europaweite Beachtung und sorgte für einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung Brandenburg-Preußens.
Leben Kindheit (1620–1634) mini|hochkant|Friedrich Wilhelm als Kind, 1626
In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges als Sohn des Kurfürsten Georg Wilhelm und der pfälzischen Prinzessin Elisabeth Charlotte geboren, musste Friedrich Wilhelm von Brandenburg sein Leben vom Frühjahr 1627 bis zum Sommer 1634 hinter den Mauern der sicheren Festung Küstrin mit seinem Erzieher Johann Friedrich von Kalkum genannt LeuchtmarCalcum, Johann Friedrich von. Indexeintrag: Deutsche Biographie, abgerufen am 4. April 2019. verbringen.Werner Schmidt: Friedrich I. – Kurfürst von Brandenburg, König in Preußen. Diederichs, München 1996, ISBN 3-424-01319-6, S. 11. Davor war er einige Zeit auf dem neu erbauten Jagdschloss seines Vaters in Letzlingen untergebracht.Wernicke (1857), 166. Während dieser ganzen Zeit blieb er die meiste Zeit von seinen Eltern getrennt, nur 1631 wurde er seinem Onkel Gustav II. Adolf in Berlin vorgestellt, der ihn von Anfang an lieb gewann. Im Juni 1633 reiste er nach Wolgast, um seinem im November des Vorjahres in der Schlacht bei Lützen gefallenen Onkel Gustav Adolf die letzte Ehre zu erweisen. Der König wurde im Schloss Wolgast aufgebahrt, ehe er nach Schweden überführt wurde.Emil Rosenow: Eduard Vehses Illustrierte Geschichte des preußischen Hofes, des Adels und der Diplomatie vom großen Kurfürsten bis zum Tode Kaiser Wilhelms I. Fortgesetzt von Vehse redivivus, Anaconda, Köln 2011 (Neuauflage der Ausgabe von 1901), S. 12
Er wurde vor allem in Sprachen und der evangelisch-reformierten Religion unterrichtet. Auch seine körperliche Schulung wurde gefördert, wozu nicht zuletzt seine häufige Teilnahme an Jagden beitrug.
Lehrjahre in Holland (1634–1638) mini|hochkant|Porträt des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Adriaen Hanneman 1647
Während die Mark selbst von kaiserlichen und schwedischen Truppen verwüstet wurde, wurde der 14-jährige Kurprinz im Juli 1634 in die sicheren Niederlande gesandt, die damals ihr Goldenes Zeitalter erfuhren. Dort sollte er seine Ausbildung vervollkommnen, die Landessprache erlernen und den Bedrohungen des immer grausamer geführten Krieges entkommen.
Friedrich Wilhelm kam an den Hof des Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien, des Onkels seiner Mutter. In Arnheim wurde eine kleine Hofhaltung für ihn eingerichtet. In Leiden besuchte er Lehrveranstaltungen an der dortigen Universität und erhielt Privatunterricht.Barbara Beuys: Der große Kurfürst. Der Mann, der Preußen schuf. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1979, S. 54. Die während dieses insgesamt vier Jahre währenden Aufenthaltes gewonnenen Erfahrungen übten einen sehr großen Einfluss auf den jungen Prinzen und auf die Handlungen des späteren Kurfürsten von Brandenburg aus, da er in den Niederlanden ein hochentwickeltes Staatswesen und eine Handelsmacht vorfand, was für das verarmte Brandenburg in vielem als Vorbild dienen sollte. In Amsterdam lernte er auch das Schiffsbauhandwerk kennen. Im Sommer 1638 wurde er auf Geheiß seines Vaters gegen seinen Willen in das vergleichsweise provinzielle Berlin zurückberufen. Dort fand er eine zerstörte Provinz vor, in der de facto die Schweden die Herrschaft ausübten.
Regierungsübernahme bis zum Ausbruch des Zweiten Nordischen Krieges (1640–1656) mini|hochkant|Kurfürst Friedrich Wilhelm mit seiner ersten Ehefrau Luise Henriette von Nassau-OranienGemälde von Gerrit van Honthorst (1647) Nach dem Tod seines Vaters, des Kurfürsten Georg Wilhelm, am 1. Dezember 1640 trat Friedrich Wilhelm inmitten katastrophaler politischer Verhältnisse die Nachfolge in seinem weit verstreuten Herrschaftsgebiet an. Der Dreißigjährige Krieg hatte das Land schwer verwüstet; ganze Landstriche waren entvölkert. Brandenburg, Kleve und Mark waren weitgehend von fremden Truppen besetzt, die Schweden in Brandenburg, die Niederländer in Kleve und die Kaiserlichen in der Grafschaft Mark Das Herzogtum Preußen galt als unsicherer Besitz, da es ein Fahnenlehen der polnischen Krone war und es der polnische König Wladislaus IV., der sich in einem ererbten Konflikt mit Schweden befand, gegenüber Friedrich Wilhelm bei dessen Regierungsantritt zu erneuern haben würde. Die Regierung des Kernlandes befand sich in der Hand eines Intimfeinds, des Reichsgrafen Adam von Schwarzenberg. Zudem waren die Finanzen des Staates zerrüttet, sodass auch die Söldner aufbegehrten.
Von Kleve aus führte der junge Kurfürst zunächst seine Regierung und pflegte die Beziehungen in die Niederlande, in denen er zuvor gelebt und studiert hatte. Friedrich Wilhelm berief den Baumeister Johann Gregor Memhardt (1607–1678), der schon seinem Vater gedient hatte, zum kurfürstlichen Ingenieur. Als ersten Auftrag erhielt er die Verbesserung der Befestigungen der Schwanenburg. Die Besitzungen des jungen Kurfürsten mussten geschützt werden.
Zunächst galt es, den Einfluss des katholischen Grafen Adam von Schwarzenberg (1583–1641) zu brechen, der als Geheimer Rat faktisch die Regierungsgeschäfte des Kurfürstentums Brandenburg geleitet hatte. Dabei stützte er sich auf die Regierungserfahrung des unter seinem Vater wegen seinen Kontakten zum schwedischen König in Ungnade gefallenen reformierten Geheimen Rats Samuel von Winterfeld, der im dänischen Exil lebte. Unmittelbar nach seinem Regierungsantritt entließ der Kurfürst den Grafen. Im Jahr darauf befahl er seine Verhaftung. Schwarzenberg verstarb allerdings bereits vier Tage nach seiner Einlieferung in die Festung Spandau am 14. März 1641. Um Handlungsfreiheit in der Mark Brandenburg zu gewinnen, schloss Friedrich Wilhelm am 14. Juli 1641 mit den Schweden einen Waffenstillstand.Werner Schmidt: Friedrich I. – Kurfürst von Brandenburg, König in Preußen. Diederichs, München 1996, S. 16. Die Mark blieb aber dennoch durch schwedische Truppen besetzt. Am 7. Oktober 1641 wurde der Kurfürst vom polnischen König mit dem Herzogtum Preußen belehnt. Am 1. November hielt er feierlichen Einzug in seiner östlichen Residenzstadt Königsberg.Barbara Beuys: Der große Kurfürst. Der Mann, der Preußen schuf. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1979, S. 84.
1643 kehrte Friedrich Wilhelm aus Königsberg nach Berlin zurück.Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang, 1600–1947. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-05392-3, S. 66. Im selben Jahr wurde er unter dem Namen Der Untadeliche in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen.Gustav Quedefeld: Über Sigmund von Birken. Freienwalde an der Oder 1878, S. 5. Nachdem eine erhoffte Liaison mit dem schwedischen Königshaus durch eine Heirat mit Christine von Schweden nicht zustande gekommen war,Renate du Vinage: Ein vortreffliches Frauenzimmer – Das Schicksal der Eleonore d’Olbreuse. Otto Meissners Verlag, Berlin 2000, S. 20. heiratete Friedrich Wilhelm am 7. Dezember 1646 in Den Haag die älteste Tochter des Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien, Luise Henriette von Oranien, mit der er sechs Kinder bekam. Neben der üppigen Mitgift der Braut von 120.000 Reichstalern in bar und Schmuck im Werte von 60.000 Reichstalern folgten der neuen Kurfürstin holländische Künstler, Handwerker, Baumeister, Landwirte und Kaufleute, die moderne Techniken und Produktionsmethoden in das vom Dreißigjährigen Krieg ausgelaugte Land brachten. Bald machte das Wort von der „Verholländerung“ der Mark Brandenburg die Runde. Vor allem in Berlin und Potsdam etablierte sich eine „holländische Kolonie“, die unter anderen mit der Erweiterung und Neugestaltung der Festungsanlagen, dem Ausbau des Stadtschlosses sowie der Anlage von Straßen und Kanälen beschäftigt war.
Im Zuge der westfälischen Friedensverhandlungen zu Münster und Osnabrück ab 1645 musste Friedrich Wilhelm auf den Anspruch auf Vorpommern zugunsten Schwedens verzichten. Der Kaiser hatte sich bereits mit den europäischen Großmächten darauf geeinigt, dass nur Hinterpommern dem Kurfürsten verbleiben sollte, während Vorpommern, Rügen und Stettin sowie weitere Gebietsteile östlich der Oder dem schwedischen Hoheitsgebiet zugeschlagen wurden. In einer Einigung mit Schweden am 7. Januar 1647 erhielt er als Ausgleich für Vorpommern die Stifte Halberstadt und Minden sowie die Anwartschaft auf das Erzstift Magdeburg zugesprochen. Dennoch dokumentierte der Friedensschluss von 1648, dass der Kurfürst von Brandenburg, verglichen mit den europäischen Potentaten in Wien, Paris, London oder Stockholm, ein Herrscher minderen Ranges war, der aus eigener Kraft seine politischen Ziele nicht durchzusetzen vermochte.
Johann Moritz von Nassau-Siegen, von 1636 bis 1644 Gouverneur der brasilianischen Besitzungen der niederländischen Westindien-Kompanie, wurde 1649 Statthalter der westdeutschen Besitzungen des Großen Kurfürsten in Kleve. Zur Finanzierung des Aufbaus eines stehenden Heeres als Fundament für eine eigenständige Außenpolitik erreichte der Kurfürst nach langen Verhandlungen während der Landtage (Ständeversammlungen) 1653 die Zusage der Stände, 530.000 Taler Steuern innerhalb der nächsten fünf Jahre aufzubringen. Vom Landadel mussten 41 % der Steuern, von den Städten 59 % der Summe aufgebracht werden. Im Gegenzug bestätigte der Kurfürst den Ständen Privilegien, die vor allem zu Lasten der Bauern gingen. Unerträgliche Frondienste, eine Verschärfung der Leibeigenschaft und das Ausplündern und anschließende Aufkaufen von Bauernhöfen waren die Folge.
Der Kurfürst im Zweiten Nordischen Krieg (1655–1660) mini|hochkant|Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, mit Szepter, Harnisch, Kurhut und -mantel Gemälde von Govaert Flinck, um 1652
1655 brach der Zweite Nordische Krieg aus. Die Schweden unter König Karl X. Gustav fielen vom schwedischen Livland und Vorpommern in Polen ein. Das Herzogtum Preußen geriet dadurch in große Gefahr, sodass Friedrich Wilhelm 18.000 MannWerner Schmidt: Friedrich I. – Kurfürst von Brandenburg, König in Preußen. Diederichs, S. 18. zusammenzog und in das Herzogtum führte, in das bereits die Schweden eingedrungen waren. Nachdem der polnische König Johann II. Kasimir bereits Ende September 1655 geflohen war, unterwarfen sich auch diejenigen, die zunächst gezögert hatten, den neuen Herren.Gotthold Rhode: Geschichte Polens. Ein Überblick. 3., verbesserte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, ISBN 3-534-00763-8, S. 277. Militärisch unterlegen, vermochte Friedrich Wilhelm die beiden Preußen, Königlich Preußen und das Herzogtum Preußen, nicht neutral zu halten, sondern wurde von den Schweden gezwungen, durch den Vertrag von Königsberg vom 16. Januar 1656 ein Lehnsträger des schwedischen Königs für das Herzogtum Preußen und für das Ermland zu werden.Gotthold Rhode: Geschichte Polens. Ein Überblick. 3., verbesserte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1980, S. 277–278.