Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft mbH (AVG) ist ein Verkehrsunternehmen, das Stadtbahn- und Schienengüterverkehr durchführt (bis 2024 auch Omnibusverkehr) sowie als Eisenbahninfrastrukturunternehmen einen Teil der von ihr befahrenen Eisenbahnstrecken betreibt. Sie gehört zu 94 Prozent der KVVH (einer Holding, die selbst zu 100 Prozent der Stadt Karlsruhe gehört) und zu 6 Prozent direkt der Stadt Karlsruhe und ist insbesondere im Verband Region Karlsruhe aktiv.

Die AVG ist Mitglied im Tarifverband der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland (TBNE).

Unternehmensentwicklung Die AVG wurde 1957 als Betreibergesellschaft für die Albtalbahn, die Bahnstrecke Busenbach–Ittersbach und die Ettlinger Seitenbahn gegründet. Seit 1957 betreibt sie diese drei Eisenbahnstrecken, wobei die Albtalbahn zwischen 1957 und 1966 von Schmalspur auf Normalspur umgebaut und mit dem Karlsruher Straßenbahnnetz verknüpft wurde. Seit 1975 konnte die AVG durch den Neubau von Eisenbahnstrecken, die Nutzung vorhandener Eisenbahnstrecken der Deutschen Bahn sowie die Übernahme bestehender Eisenbahnstrecken ihre Aktivitäten weiter ausdehnen und ein Stadtbahnsystem in der Region Karlsruhe aufbauen. Die AVG erbringt in diesem Zusammenhang auch Straßenbahnleistungen in Karlsruhe und Heilbronn. Durch die kontinuierliche Erweiterung des Streckennetzes und Verdichtung der Fahrpläne stiegen auch die Fahrgastzahlen an: von ca. 6 Millionen Fahrgästen im Jahr 1960 über 8,1 Millionen (1985), 19 Millionen (1990), 32,8 Millionen (1996), 70 Millionen (2009) auf 74,9 Millionen im Jahr 2016. Bis 2024 sanken sie wieder auf 44,4 Millionen Personen.

Von Anfang an bestand eine enge Kooperation mit den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK), die sich in einer gemeinsamen Verwaltung, der Nutzung gemeinsamer Werkstätten und einem gemeinsamen Fahrzeugpool ausdrückt. Seit den 1980er Jahren hat sich folgende Arbeitsteilung zwischen beiden Verkehrsunternehmen herausgebildet: Während die VBK für den Betrieb der innerstädtischen Straßenbahn- und Busverbindungen in Karlsruhe zuständig ist, betreibt die AVG als Eisenbahnunternehmen den regionalen Schienenverkehr. Im Zuge der Ausdehnung des Streckennetzes ergaben sich darüber hinaus Kooperationen mit der Deutschen Bahn sowie den Stadtwerken Heilbronn. Zum 1. Januar 2018 wurde die AVG, bis dahin zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt, in die KVVH integriert, die nun zu 94 Prozent Eigentümerin ist, 6 Prozent verbleiben bei der Stadt.KVVH-Geschäftsbericht 2018, Aufbau der KVVH, Gemeinderat: AVG kommt zum Verbund der KVVH

Um Streckenausbau und Betrieb der Stadtbahnverbindungen möglichst reibungsfrei zu gestalten, versucht die AVG, die von ihr bedienten Strecken zu übernehmen oder langfristig von der Deutschen Bahn zu pachten. So konnte sie 1986 die Betriebsführung auf der Hardtbahn von der Deutschen Bundesbahn übernehmen und die Strecke 2001 erwerben. 1994 erwarb sie die Bahnstrecken Bruchsal–Hilsbach und Ubstadt Ort–Menzingen von der SWEG. Langfristig pachten konnte sie die Kraichgaubahn im Jahr 1996, die Enztalbahn und die Murgtalbahn im Jahr 2000. Ferner übernahm die AVG die drei nicht elektrifizierten Stichstrecken Maulbronn–Maulbronn West (1999), Wintersdorf (Baden)–Rastatt und Hinterweidenthal–Bundenthal-Rumbach (2007). Im Jahr 2024 übernahm sie ferner die Krebsbachtalbahn, um sie zu einer Stadtbahn auszubauen. Insgesamt betreibt die AVG als Eisenbahninfrastrukturunternehmen eigene und gepachtete Strecken mit einer Länge von 286,9 Kilometer. Im Auftrag des Landkreises Calw hat die AVG 2015 vertraglich auch die Betriebsführung der Hermann-Hesse-Bahn Calw–Weil der Stadt übernommen.

Wie andere Unternehmen dieser Branche kämpft auch die AVG mit der Schwierigkeit, Triebfahrzeugführer zu gewinnen. Der Personalengpass besteht seit 2009 und konnte trotz ständiger Neueinstellungen und Unterstützung durch Zeitarbeiter bis 2018 nicht behoben werden. Seit Juni 2019 besteht laut eigenen Angaben wieder ein ausgeglichener Personalstand beim Fahrpersonal.

Im März 2019 unterzeichnete die AVG federführend eine Vereinbarung mehrerer Verkehrsunternehmen, welche die Neuentwicklung eines TramTrain-Fahrzeuges vorsieht. Das Projekt „VDV TramTrain“ wird von insgesamt fünf Unternehmen unterstützt. Partner sind unter anderem die Saarbahn GmbH und der Verkehrsverbund Mittelsachsen stellvertretend für die Regiobahn Chemnitz. Die ersten neu entwickelten Fahrzeuge sollen ab 2025 im Einsatz sein.

Karlsruher Modell mini|350px|Streckennetz der AVG im Jahr 2024

Die AVG ist vor allem bekannt geworden durch die modellhafte Einführung eines Zweisystem-Stadtbahnverkehrs als bundesweit erstes Unternehmen („Karlsruher Modell“). Die Züge fahren über Eisenbahnstrecken von entfernten Orten nach Karlsruhe (sowie ebenfalls im AVG-Netz in Heilbronn, Wörth und Bad Wildbad), wo sie die Innenstadt auf Straßenbahnstrecken durchqueren, um anschließend wieder das Umland zu bedienen. Dabei erfolgte erstmals der Systemwechsel von einer Eisenbahn zu einer Straßenbahn im gleichen Fahrzeug, das für beide Systeme ausgerüstet werden musste. Die Fahrgäste ersparen sich so das Umsteigen zwischen Zug und Straßenbahn.

1992 wurde die Strecke nach Bretten in das Netz der Stadtbahn integriert. Die Stadtbahnfahrzeuge vom Typ GT8-100C/2S, GT8-100D/2S-M und ET 2010 fahren dabei mit zwei Stromsystemen: im Karlsruher Straßenbahnnetz mit 750 Volt Gleichspannung und nach dem Übergang auf elektrifizierte Eisenbahnstrecken mit 15 kV, 16,7 Hertz Wechselspannung. Neben den unterschiedlichen Stromsystemen sind auch Unterschiede bei der Sicherheitstechnik, Spurkränzen, Funk etc. zu berücksichtigen.

Heute ist das so genannte Karlsruher Modell (auch Tram-Train genannt) wegen des enormen Fahrgastzuwachses Vorbild für viele andere Städte im In- und Ausland, die ein Stadtbahnsystem auf Straßenbahn- und Eisenbahnstrecken planen oder bereits umgesetzt haben (z. B. Chemnitz, Saarbrücken und Kassel).

Bahnbetrieb Infrastruktur Neben mehreren Strecken, die von der Stadtbahn Karlsruhe befahren werden, betreibt die AVG die 15 Kilometer lange pfälzische Wieslauterbahn von Hinterweidenthal Ost nach Bundenthal-Rumbach. Dort führt DB Regio saisonal Personenverkehr durch.

Insgesamt betreibt die AVG folgende Eisenbahn- und Straßenbahninfrastruktur: +BezeichnungStrecken-nummerStreckenverlaufLängeEröffnungAVG seitElektrifizierungBetriebBesonderheitAlbtalbahn9420Karlsruhe Albtalbahnhof – Ettlingen – Busenbach – Bad Herrenalb25,619 km1897, 18981957750 V =Stadtbahnlinien S1, S11, S12, einzelne Fahrten FEX Albtäler/Kraichgau, GüterverkehrBusenbach–Ittersbach9421Busenbach – Reichenbach – Langensteinbach – Ittersbach14,147 km18991957750 V =Stadtbahnlinien S11, S12Ettlinger Seitenbahn9422Ettlingen West (exklusive) – Ettlingen Stadt1,384 km1885, 18871957750 V =Güterverkehr, einzelne Fahrten Stadtbahnlinien S31/32Hardtbahn4025Karlsruhe-Mühlburg (exklusive) – Neureut Welschneureuter Straße4,709 km19132001neinGüterverkehr9429Karlsruhe Haus Bethlehem (exklusive) – Neureut – Leopoldshafen – Linkenheim Friedrichstraße10,993 km1870, 1913, 1986, 19891987750 V =Stadtbahnlinien S1, S11, GüterverkehrLeopoldshafen–KIT Campus Nord2,056 km19891989750 V =einzelne Fahrten Stadtbahnlinien S1, S11Stadtbahn Linkenheim-Hochstetten–Linkenheim Friedrichstraße – Hochstetten Bahnhof1,9 km19891989750 V =Stadtbahnlinien S1, S11BOStrab-StreckeNagoldtalbahn4850Pforzheim Hbf (exklusive) – Brötzingen Mitte2,049 km18682000 (gepachtet)15 kV/16,7 Hz ~Stadtbahnlinie S6, Regionalbahn MEX17a, RB74Enztalbahn4851Brötzingen Mitte (exklusive) – Neuenbürg – Bad Wildbad Bahnhof21,654 km18682000 (gepachtet)15 kV/16,7 Hz ~Stadtbahnlinie S6, einzelne Fahrten Regionalbahn MEX17aStadtbahn Bad Wildbad–Bad Wildbad Bahnhof (exklusive) – Bad Wildbad Kurpark0,7 km20032003750 V =Stadtbahnlinie S6BOStrab-StreckeKraichgaubahn4201, 4950Karlsruhe-Grötzingen – Bretten – Eppingen – Heilbronn Hbf (exklusive)63,872 km1878–18901996 (gepachtet)15 kV/16,7 Hz ~Stadtbahnlinien S4, S5, S51, Regional-Express RE45Kraichtalbahn9412Bruchsal Bahnhof (exklusive) – Ubstadt Ort – Odenheim15,2 km1896199415 kV/16,7 Hz ~Stadtbahnlinien S31, S329413Ubstadt Ort – Menzingen14,699 km1896199415 kV/16,7 Hz ~Stadtbahnlinie S32Krebsbachtalbahn9410Neckarbischofsheim Nord – Obergimpern – Hüffenhardt16,9 km19022024neinAusflugsverkehr, geplant: StadtbahnverkehrMurgtalbahn4240Rastatt (exklusive) – Forbach – Freudenstadt Hbf (exklusive)57,075 km1869–19282000 (gepachtet)15 kV/16,7 Hz ~Stadtbahnlinien S8, S81, Regional-Express RE40, Regionalbahn RB41Pfinztalbahn9496Karlsruhe-Grötzingen Oberausstraße – Berghausen – Söllingen Bf5,021 km1997199715 kV/16,7 Hz ~Stadtbahnlinien S5, S51Eingleisig parallel zur DB-Strecke 4200Stadtbahnanschluss Neckarsulm4914Heilbronn Kaufland (exklusive) – Neckarsulm AVG2,288 km2013201315 kV/16,7 Hz ~, 750 V =Stadtbahnlinien S41, S42, Güterverkehrteilweise BOStrab-StreckeMaulbronn West–Maulbronn4841Maulbronn West – Maulbronn Stadt2,792 km19141998neinAusflugsverkehr Regionalbahnlinie RB72Wieslauterbahn3312Hinterweidenthal Ost (exklusive) – Bundenthal-Rumbach15,048 km19112007 (gepachtet)neinAusflugsverkehr Regionalbahnlinie RB56Rastatt–Rœschwoog (F)4242Rastatt (exklusive) – Wintersdorf5,290 km1895?neinzwischen Wintersdorf und Staatsgrenze DB-InfrastrukturStadtbahnstrecke Wörth (Rhein)–Wörth (Rhein) – Wörth Badepark2,7 km1997, 20031997750 V =Stadtbahnlinie S5überwiegend BOStrab-StreckeStadtbahn Rheinstetten–Karlsruhe Dornröschenweg (exklusive) – Forchheim – Mörsch Bach West6,4 km1989, 1991, 19991989750 V =Stadtbahnlinie S2 (VBK)BOStrab-StreckeStadtbahn Stutensee–Karlsruhe Reitschulschlag (exklusive) – Blankenloch – Spöck10,7 km1997, 20051997750 V =Stadtbahnlinie S2 (VBK)BOStrab-Strecke, zwischen Blankenloch Nord und Friedrichstal parallel zur DB-Strecke Bahnstrecke Mannheim–RastattHermann-Hesse-Bahn4810Weil der Stadt – Calw18,3 km2026–neinRegionalbahnlinie RB76Eisenbahninfrastrukturunternehmen ist der Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn, die AVG ist mit der Durchführung des Infrastrukturbetriebs beauftragt.

Personenverkehr

Die AVG betreibt mit der Stadtbahn Karlsruhe folgende Linien nach dem Karlsruher Modell: