mini|Schesaplana. Historisches Luftbild aus Nordwesten von Werner Friedli (1957)

Die Schesaplana (betont auf -pla-) ist mit einer Höhe von (nach Schweizer Messung ) der höchste Berg im Rätikon und gehört noch zu den Ostalpen. Ihr Name setzt sich aus „Saxa“ und „plana“ (Schrofen, der plan, gerade ist) zusammen. Weitere, früher benutzte Bezeichnungen waren „Sergiaplana“ und „Scaessa Planna“. Über ihren Gipfel verläuft die Staatsgrenze zwischen dem österreichischen Bundesland Vorarlberg und dem Schweizer Kanton Graubünden. Am Nordhang befindet sich der Brandner Gletscher, am Ostfuß liegt der Lünersee, mit (bei Vollstau) 1,6 Quadratkilometern Fläche einer der größten Bergseen Vorarlbergs. Mit einer Tiefe von ca. 139 m (bei Vollstau) ist dieser auch der tiefste Bergsee des Bundeslandes.

Geologie Das Schesaplana-Massiv bildet den westlichsten Ausläufer der nördlichen Kalkalpen. Prägend sind dicke Schichten mit dolomitischen Platten- und Massenkalken. Dazwischen findet sich die unruhige Raibl-Formation mit dünnen Schichten aus v. a. Gips, Tonmergeln und Schiefern, die sich auch farblich stark gegeneinander abheben. Im Gipfelbereich findet man schließlich die Kössener Schichten, wiederum mit dunklen Mergeln, einzelnen Kalkbänken und schwarzen bis bräunlichen Tonschiefern, die allesamt leicht und kleinstückig zerfallen.Ch. Wolkersdorfer: Geologische Verhältnisse des Montafons und angrenzender Gebiete. S. 33ff. (PDF; 1,6 MB).O. Schmidegg: Zum tektonischen Gefüge des Rätikon. S. 147 ff. (PDF; 1,5 MB).

Besteigungsgeschichte und touristische Erschließung Von manchen Autoren wird die erste dokumentierte Besteigung der Schesaplana bereits auf 1610 datiert. So berichtet beispielsweise der Alpenvereinsführer von Walther Flaig von einer Besteigung am 24. August 1610. Diese soll durch den Bludenzer Vogteiverwalter David Pappus von Tratzberg mit zwei Führern im Zuge der Grenzbeschau der Herrschaften Bludenz und Sonnenberg stattgefunden haben. Aus geschichtswissenschaftlicher Sicht ist dies auf Grundlage der zeitgenössischen Aufzeichnungen jedoch unhaltbar.Katrin Rigort, Manfred Tschaikner: Das Urbar der Herrschaften Bludenz und Sonnenberg von 1620. Kommentar und Edition (= Quellen zur Geschichte Vorarlbergs. Band 14). Roderer Verlag, Regensburg 2011, S. 40–44.

Im Urbar der Herrschaften Bludenz und Sonnenberg von 1620 beschrieb Hauptmann David von Pappus mehrere seiner dienstlichen Bergfahrten zur Erkundung der Grenzen sowie von Möglichkeiten der Verteidigung bei einem Angriff aus dem heutigen Graubünden. Demnach seien er und seine Begleiter am 24. August 1610 von Vandans durch das Rellstal und über die Salonien-/Zaluandaalpen zum Schweizertor, von wo aus sie einen ersten Blick über die Grenze werfen konnten, aufgestiegen. Der Weiterweg führte über das Verajoch () ins Gebiet zwischen Cavalljoch und Lünersee, wo auch dieses im Grenzverlauf befindliche Joch besichtigt wurde. Danach erkundeten sie zwei Wege von der Totalp ins Prättigau und besichtigten abschließend „den hohen Gletscher in Brann“. Damit war aber nicht der Brandner Gletscher und auch nicht der Schesaplanagipfel gemeint, sondern der Schesaplana-Bergstock insgesamt. Die Gruppe kehrte im Bereich der Totalp um, erreichte weder den Brandner Gletscher noch die Schesaplana. Ein Aufstieg auf diese wäre zur Erledigung von Pappus’ Auftrag auch nicht nötig gewesen. Der Abstieg erfolgte noch am gleichen Tag, unter Mithilfe eines Hirten, der den Erkundern eine Spur vom Lünersee über die Lünerkrinne () zur Alpe Lün, von welcher der Weg ins Rellstal hinunterführt, in den Neuschnee getreten haben soll.Manfred Tschaikner: Das Urbar der Herrschaften Bludenz und Sonnenberg von 1620 – ein Überblick. In: Bludenzer Geschichtsblätter. Band 104, Bludenz 2013, ISBN 978-3-901833-32-8, S. 59–60.

Unter dem Umstand, dass demnach schon in Höhen um oder etwas über 2000 m sommerlicher Neuschnee lag, erscheint eine Schesaplanabesteigung zum Anfang des 17. Jahrhunderts innerhalb eines Tages mit Ausgangspunkt Vandans (648 m), und zudem mit dem Umweg über das Verajoch, kaum möglich.

Die erste dokumentierte Besteigung der Schesaplana vollführte der Prättigauer Pfarrer Nicolin Sererhard mit zwei Begleitern in den 1730er-Jahren. Er schilderte seine „Schaschaplana-Bergreis“ in seinem Landeskundewerk Einfalte Delineation aller Gemeinden gemeiner dreyen Bünden 1742 ausführlich. Die drei überschritten die Schesaplana dabei von Seewis im Prättigau nach Brand. Der Aufstieg führte über das Schafloch und den Brandner Gletscher, der Abstieg über die Totalp und den Lünersee.Wilhelm Strauss: Die Verwall-Gruppe. In: Eduard Richter (Hrsg.): Die Erschließung der Ostalpen. 1. Band, Berlin 1893, S. 30 ff. Der weitere Abstieg führte über die Lünerseealpe und das Cavelljoch.Helmut Tiefenthaler: Frühe alpine Naturforschungen im Grenzraum Rätikon – Silvretta. In: Bludenzer Geschichtsblätter. 111, 2015, Herausgeber: Geschichtsverein Region Bludenz, Bludenz 2015, ISBN 978-3-901833-37-3.

Die nächste überlieferte Besteigung war 1790 die des Bludenzer Barons Franz Ludwig von Sternbach und des Brandner Jägers Josef Sugg, welche als erste Besteigung von Brand aus gilt.Wolfgang Irtenkauf: Scesaplana. Faszinierende Bergwelt des Rätikon zwischen Vorarlberg, Liechtenstein und Graubünden. Sigmaringen 1985, S. 60.

1793 erstiegen der Bündner Politiker Jakob Ulrich Sprecher von Bernegg, der Dichter Johann Gaudenz von Salis-Seewis, die Pfarrherren Luzius Pol von Fläsch und Jakob Valentin von Jenins, sowie zwei weitere Personen die Schesaplana auf einer ähnlichen Route wie Sererhard.

Luzius Pol von Fläsch bestieg die Schesaplana 1809 nochmals allein.Florian Hitz: Wie der Rätikon vom Prättigau her entdeckt wurde. In: Mensch und Berg & Berg im Montafon. Eine faszinierende Welt zwischen Lust und Last. Sonderband zur Montafoner Schriftenreihe 8 (Hrsg. Heimatschutzverein Montafon, Schruns 2009), S. 32–33.

Ein weiterer Besteigungsbericht von Carl Ulysses von Salis-Marschlins ist auf 1811 datiert.

In den 1850er-Jahren gab es dann schon eine Art Klassenfahrt, als Jesuitenpatres der 1856 gegründeten Feldkircher Schule Stella Matutina mit etlichen ihrer Schüler auf den Gipfel, wo sie aber der völligen Erschöpfung nahe gewesen sein sollen, stiegen.Festschrift 75 Jahre Stella Matutina, Band 3, Hrsg. Stella Matutina, Feldkirch 1931, S. 45.

Anfang 1885 gelang die erste Winterbesteigung ohne Ski durch den Schwaben Theodor von Wundt mit einem Begleiter aus Brand.Theodor von Wundt: Die erste winterliche Bergfahrt in Vorarlberg. In: Feierabend. Wochenbeilage zum „Vorarlberger Tageblatt“ 1931, 5. Folge, S. 54–55.

Am Neujahrstag 1900 gelangten Victor Sohm, Josef Ostler und Hermann Hartmann per Ski auf die Schesaplana. Diese war eine der ersten Skitouren auf einen Hochgipfel der Ostalpen.W. Flaig: Das Rätikongebirge. In: Jahrbuch des DAV 1959. S. 50–51.

Das einst von Walsern besiedelte Brandner Tal war über Jahrhunderte ziemlich entlegen. Die wenigen im Schesaplanagebiet tätigen Bergsteiger waren auf (damals) primitive Hirtenhütten, bspw. die Lünersee-, Schattenlagant- oder Oberzalimalpe angewiesen, oder übernachteten vor Eröffnung der Lünerseehütte beim bergsteigerfreundlichen Brandner Pfarrer Georg Tiefenthaler in seinem Dienstgebäude.

Die Piz-Buin-Erstbesteigung durch Johann Jakob Weilenmann und Gefährten 1865 machte das Bergsteigen in Vorarlberg populär. So erfolgten dann z. B. durch Initiative von G. Tiefenthaler noch in den 1860er-Jahren Arbeiten zur Erleichterung der Begehbarkeit des gefürchteten und früher meist gemiedenen „Bösen Tritt“, der die – nun auch von der Seilbahn überquerte – Felsstufe zwischen dem obersten Brandner Tal und dem Lünersee überwindet.

Die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie vom Rheintal nach Bludenz 1872 (Höhenlage des Bahnhofs Bludenz 558 m) sowie des Arlberg-Eisenbahntunnels (1884) erleichterten die Anreise zum Brandner Tal erheblich. Zuvor war beispielsweise Weilenmann 1852 an einem Tag 60 km von St. Gallen nach Brand gelaufen, am folgenden Tag auf die Schesaplana gestiegen und am dritten Tag wieder zu Fuß nach St. Gallen zurückgekehrt.Johann Jakob Weilenmann: Aus der Firmenwelt / Gesammelte Schriften. Hrsg. Walther Flaig, München 1923, S. 249.

Das Verkehrswesen innerhalb des Brandner Tales blieb relativ rückständig. Erst 1930 konnte eine Straße, die auch die Eröffnung einer Omnibuslinie nach Brand () erlaubte, eingeweiht werden.

Indes eröffnete ein privater Betreiber, mit Unterstützung des Oesterreichische Alpenverein (OeAV), im Juni 1871 auf der in den Lünersee hineinragenden Halbinsel die nach Plänen des Vorarlberger Industriellen und Bergsteigers schottischer Abstammung, John Sholto Douglass, gebaute Lünerseehütte. Nach Douglass’ Tod benannte man sie ab 1874 nach ihm. Eine Lawine zerstörte das Gebäude schon im Winter 1876/77. Der Wiederaufbau 1877 überforderte den Betreiber finanziell, so dass der Alpenverein das Haus übernahm, es beim Wiederaufbau der Gefährdung durch Lawinen anpasste und dabei auch vergrößerte. Die Douglasshütte erfuhr aufgrund des zunehmenden Besucherandrangs gegen Ende des 19. Jahrhunderts weitere Um- und Anbauten.

Schon 1886 praktizierte man einen ausgesprochen „harten Tourismus“, als man, um Platz für die zahlreichen Besucher auf dem Schesaplanagipfel zu schaffen, diesen mit Sprengstoff „bearbeitete“.zitiert aus Jahresbericht der Sektion Vorarlberg von 1886 auf Informationstafel 125 Jahre Gipfelkreuz am Panüeler in der Oberzalimhütte, Juli 2018.

1889 gab es in Brand bereits zehn Bergführer.

Die Nenzinger Gebrüder Küng erbauten 1890 den nach dem damaligen Vorsitzenden der Alpenvereinssektion Konstanz benannten Straußsteig. Wilhelm Strauß regte den Bau dieses Steiges an und unterstützte ihn durch eine großzügige Spende.

Die Alpenvereinssektion Bludenz richtete 1897 die Schattenlaganthütte () im oberen Brandner Tal ein, der SAC eröffnete 1898 das Schesaplanahaus ().

Bereits 1900 bemerkte der Bregenzer Augenarzt und Alpinist Karl Blodig (1856–1953) zur Erschließung der Schesaplana: „… so angenehm und so ungefährlich wird sich wohl in den Alpen kein zweiter Gipfel von gleicher Höhe ersteigen lassen.“

Weiterhin legte eine Tiroler Firma 1903/04 zur Vorbereitung des Baus der „Straßburger Hütte“ den nach einem ehemaligen Straßburger Sektionsvorsitzenden Adolf Leiber benannten Leibersteig an. Dabei kam auch Sprengstoff zum Einsatz. Am 14. August 1905 weihte die Sektion Straßburg die am Nordrand des Brandner Gletschers auf Höhe gelegene Hütte ein. Da der Aufstieg dorthin von Brand durch das Zalimtal und über den Leibersteig 5½ bis 6 Stunden dauert, entschloss man sich spontan, die auf halbem Wege in Höhe gelegene Oberzalimhütte (auch Georg-Orth-Hütte genannt), welche am gleichen Tag in Betrieb genommen wurde, zu erbauen. Infolge des 1. Weltkrieges wurde die Sektion Straßburg 1919 aufgelöst. Die Sektion Mannheim erwarb 1920 die Straßburger Hütte und Oberzalimhütte, benannte erstere in Mannheimer Hütte um, und betreibt beide Häuser bis heute (2017).

1930, im Jahr der Eröffnung der neuen Straße nach Brand, erfolgte eine abermalige Erweiterung der Douglasshütte.

Am 14. und 15. August 1932 sollen laut einer Zeitungsmeldung insgesamt 1000 Menschen auf der Schesaplana gewesen sein.Guntram Jussel: Berge und Menschen / Ein alpines Lesebuch. Bludenz 1995, S. 151.

Die Elektrizitätsgesellschaft „Vorarlberger Illwerke AG“ errichtete nach dem Zweiten Weltkrieg eine Staumauer an der Nordseite des Lünersees, um das Fassungsvermögen des einst größten natürlichen Hochgebirgssees der Ostalpen erheblich zu steigern. Dazu baute sie eine Werksseilbahn vom Talschluss () des Brandner Tals zum Seebord, dem Felsriegel, der den Lünersee nach Norden begrenzt. Da beim ersten Vollstau 1959 eine Flutung der Douglasshütte zu erwarten war, riss man diese zuvor ab und errichtete in lawinensicherer Lage direkt an der Bergstation () ein größeres Ersatzgebäude, die jetzige Douglasshütte. Derzeit werden dort 144 Übernachtungsplätze geboten (Stand 2016).