mini|Lauenburg/Elbe um 1895 mini|Blick von niedersächsischer Seite in Hohnstorf auf die Alt-/Unterstadt sowie den Schlossberg von Lauenburg am Elbufer; der größte Teil des Stadtgebiets („Oberstadt“) befindet sich auf dem dahinterliegenden Geestrücken
Lauenburg/Elbe (plattdeutsch: Loonborg) ist eine Kleinstadt im Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein. Lauenburg/Elbe, die südlichste Stadt Schleswig-Holsteins, liegt etwa 40 km südöstlich von Hamburg an der Elbe im Dreiländereck Schleswig-Holstein – Niedersachsen – Mecklenburg-Vorpommern.
Geographie Lauenburg liegt am nördlichen rechten Ufer der Elbe, die hier die Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen bildet. Im Stadtgebiet zweigt der Elbe-Lübeck-Kanal ab, der der Ausbau der Delvenau ist und über die historische Palmschleuse schiffbar war. Etwa drei Kilometer westlich, im niedersächsischen Artlenburg, schafft der Elbe-Seitenkanal eine Verbindung der Elbe zum Mittellandkanal. Südöstlich von Lauenburg befindet sich das Dreiländereck Schleswig-Holstein – Niedersachsen – Mecklenburg-Vorpommern.
Der nördlich der Elbe verlaufende Wanderweg führt zur ehemaligen Mündung der Möllner Schmelzwasserrinne in das Urstromtal der Elbe. Hier ragt der Rücken der Geest rund 68 m hoch über der Elbniederung auf. Die Elbe hat hier im Laufe der Zeit ein hohes Steilufer herausgebildet.
Die Stadt ist Namensgeberin der naturräumlichen Haupteinheit Lauenburger Geest (Nr. 696) der Gruppe Südholsteinische Geest, in deren Gebiet sie liegt.
Namensgebung Der Name Lauenburg war ursprünglich „Polabenburg“ und bezeichnete die Burg, die Bernhard von Askanien im Lande des slawischen Stammes der Polaben (Bewohner an der Elbe, altslawisch Labe) im Jahre 1181/1182 anlegte und nach der die Stadt und das Land selbst später benannt wurden.Christian Ernst Weiße: Geschichte der Chursächsischen Staaten. Band 2, Leipzig 1803, S. 206 f.
Geschichte mini|hochkant|links|Turm als Überrest des zerstörten Lauenburger Schlosses mini|Lauenburg, Schloss, Rathaus
Gründung Als gesichert gilt, dass Lauenburg bereits 1260 das Stadtrecht besaß. Die Stadt Lauenburg feierte deshalb 1960 auf der Grundlage eines Dokuments aus dem Jahr 1260 den 700. Geburtstag.Eckart Opitz: 800 Jahre Lauenburg? Kritische Anmerkungen zur Stadtrechtsverleihung 1209, in: Lauenburgische Heimat. Zeitschrift des Heimatbund- und Geschichtsvereins Herzogtum Lauenburg. Band 181, Ratzeburg 2009, S. 3–15. Mit der Urkunde vom 16. Februar 1260 schloss Herzog Albrecht I. von Sachsen einen Vertrag mit seinem Nachbarn Graf Gunzelin von Schwerin. Der Graf gewährte allen Bürgern aus den Städten des Herzogtums die besondere Vergünstigung, am Zollhaus zu Boizenburg für alle Waren, die sie zu eigenem Gebrauche erworben hatten, keinen Zoll zu bezahlen. "... Ferner soll von denen aus Lauenburg und Ertheneburg von dem zum eigenen Verbrauch und auf eigene Kosten gekauften Korn kein Ungeld verlangt werden ...".Magistrat der Stadt (Hrsg.): Chronik der Stadt Lauenburg/Elbe. WETA-Druck, Lauenburg 1993. Beitrag Stadt und Schloß von Wilhelm Hadeler, Seite 39.
Ältere Quellen weisen darauf hin, dass Herzog Albrecht I. nach dem Sieg bei Bornhöved (1227) unterhalb der Burg eine Kirche erbauen wollte.S. Hirzel et al.: Forschungen zur deutschen Landeskunde. Deutsche Akademie für Landeskunde, Leipzig etc. 1940. Der erste Pfarrer der Kirche wurde erstmals 1243 erwähnt. In einer Urkunde Herzog Albrechts. I. von 1243 tritt unter Zeugen an erster Stelle "Burchardus plebanus de Lowenborch" auf. Die Existenz eines Pfarrers in Lauenburg und damit einer Pfarrgemeinde beweist nicht zwingend, dass der Ort damals bereits eine Stadt im Rechtssinne gewesen ist.Lauenburgische Heimat Heft 131 vom Dezember 1991, Beitrag von Hans-Georg Kaack: Burg und Stadt Lauenburg, Seite 45
Herzogtum
Die Stadt Lauenburg war bis 1689 die Hauptstadt des gleichnamigen Herzogtums, wobei das Gebiet des alten Herzogtums weitgehend mit dem heutigen Kreis Herzogtum Lauenburg übereinstimmt. Lauenburg war auch Sitz des Amtes Lauenburg. Im Mittelalter war Lauenburg ein wichtiger Handelspunkt am Stecknitzkanal, der hier von der Elbe abzweigte. Die Alte Salzstraße überquerte die Elbe vier Kilometer westlich unterhalb der Ertheneburg bei Schnakenbek.
Im Jahr 1635 wurde die Schifferbrüderschaft gegründet, ursprünglich ein Zusammenschluss von Schiffern und Schiffsbediensteten, die in der Stadt Lauenburg ansässig waren. Sie existiert bis heute und feiert jedes Jahr im Januar das Fest der Schipperhöge mit einem Umzug durch die Stadt.
Am 10. Juni 1666 wurde die heute noch existierende Lauenburger Schützengilde gegründet.
Französische Zeit Nach der Konvention von Artlenburg wurde das Herzogtum Lauenburg durch französische Truppen besetzt und von 1810 bis 1813 ins französische Kaiserreich eingegliedert und dem Département des Bouches de l’Elbe zugeschlagen. Im Gefecht bei Lauenburg am westlichen Ortsrand von Lauenburg kämpften vom 17. bis 19. August 1813 Truppen der Koalition gegen die aus Hamburg anrückenden napoleonischen Einheiten unter Marschall Davout.William Boehard, Carsten M. Walczok: Gefecht von Lauenburg 1813. Faltblatt von 2010.Friedrich von Brasch: Der Feldzug des Marschalls Davout gegen Mecklenburg im August 1813. Neuausgabe. Hrsg. von Tobias Büchen. Heseberg Verlag Florian Heydorn. Pinneberg. 2020. ISBN 979 8641189833. S. 22 ff.
Preußische Zeit 1865, nach dem Deutsch-Dänischen Krieg, kam mit dem Vertrag von Gastein Schleswig zu Preußen, Holstein zu Österreich, Lauenburg wiederum zu Preußen.
Am 18. Februar 1872 wurden die drei Vorstadtgemeinden Unterberg, Hohlenweg und OberbrückeJohannes Schmarje: Die Provinz Schleswig-Holstein (= Landeskunde Preußens. Heft 5). Wilhelm Spemann, Berlin/Stuttgart 1904, S. 63. mit der Stadt Lauenburg vereinigt.
Nationalsozialistische Zeit Von 1934 bis 1940 war Kurt Petersen, Jurist und NSDAP-Mitglied, Bürgermeister von Lauenburg. 1934 entstand auch in Lauenburg ein ziviler Luftschutz. Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Stadt dann aber weitgehend von Zerstörungen verschont. Zwar flogen alliierte Flugzeuge häufig über Lauenburg auf dem Weg nach Hamburg, doch Bomben warfen sie dabei keine ab. 1941 soll es lediglich einen Angriff auf das örtliche Elektrizitätswerk gegeben haben. (PDF) S. 5, vom April 2012; abgerufen am 29. Mai 2018.
Deutschland verlor 1945 den Zweiten Weltkrieg und es wurde schrittweise besetzt. In den letzten Kriegstagen rückten die alliierten Truppen immer weiter nach Norden vor. Die Wehrmacht zog sich über die Elbe nach Norden zurück. Im Kreis Herzogtum Lauenburg begannen im April die Vorbereitungen auf die zu erwartenden Kämpfe. Stellungen, Schützenlöcher, Schützengräben und mit Minen ausgestattete Panzersperren wurden eingerichtet. Auch einige Brücken wurden für Sprengungen vorbereitet.Lübecker Nachrichten: Letzte Kämpfe im Frühjahr 1945. 14. April 2015; abgerufen am 30. Mai 2018. Deutsche Pioniere sprengten am 19. April die Lauenburger Elbbrücke. Zu diesem Zeitpunkt standen schon britische Streitkräfte auf der Lauenburg gegenüberliegenden Elbseite bei Hohnstorf und Sassendorf. Die britischen Truppen überquerten die Elbe in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 bei Artlenburg und Schnakenbek. Noch am folgenden Vormittag wurde Lauenburg eingenommen. Danach rückten sie nach Westen gegen die Dynamitfabrik Krümmel und Geesthacht vor, wo Kampfgas gelagert wurde. Nach Norden erreichten sie Lübeck am 2. Mai 1945.1945: Wie Lübeck dem Endkampf entging. In: Lübecker Nachrichten, 8. Mai 2010, S. 3. Am selben Tag flüchtete die geschäftsführende Reichsregierung aus dem Raum Eutin-Plön vor den herannahenden britischen Truppen weiter in den Sonderbereich Mürwik. Nur zwei Tage später erfolgte die Teilkapitulation der Wehrmacht für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande. Der Ehrenfriedhof am Glüsinger Weg mit 404 Grabstellen erinnert heute an die Opfer der letzten Kriegstage.Dorfzeitung Kröppelshagen-Fahrendorf. Kriegsende vor 70 Jahren. S. 10, Frühjahr 2015; abgerufen am 30. Mai 2018.
Lauenburg in Schleswig-Holstein 1951 wurde die neue Elbbrücke fertiggestellt. Am 12. März 1953 schoss eine sowjetische MiG-15 an der Elbe bei Lauenburg in Grenznähe zur DDR ein britisches Militärflugzeug ab.
Seit 1995 gehört Lauenburg zur Metropolregion Hamburg. Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.
Konfessionsstatistik Zum 1. Januar 2018 waren 37,2 % Einwohner evangelisch und 5,6 % römisch-katholisch. 57,2 % gehörten anderen Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften an oder waren konfessionslos.Lauenburg Strukturdaten Konfessionen Abgerufen am 6. August 2019. Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken. Zum 1. März 2022 waren 32,2 % der Einwohner evangelisch, 5,4 % katholisch und 62,3 % gehörten anderen Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften an oder waren konfessionslos.Lauenburg Strukturdaten Konfessionszugehörigkeit Stand 1. März 2022
Politik
Stadtvertretung Die Stadtvertretung ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Lauenburg/Elbe. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre. Die letzte Kommunalwahl fand am 14. Mai 2023 statt. Diese führte bei einer Wahlbeteiligung von 34,9 % zu nebenstehender Zusammensetzung der Stadtvertretung.
Bürgermeister
1945–1957: Richard Reuter (SPD) 1957–1962: Max Schmidtborn 1962–1968: Hermann Franck 1968–1980: Dieter Wollenberg (CDU) 1980–1992: Hauke Matthießen (CDU) 1992–1996: Manfred Sauer (SPD) 1996–2002: Heinz-Werner Albrecht (SPD) 2002–2011: Harald Heuer (CDU) 2011–2023: Andreas Thiede (CDU) seit 2023: Thorben Brackmann (CDU)
Wappen Blasonierung: „In Silber eine rote Burg mit goldenem Tor in der Mauer und zwei spitz bedachten Zinnentürmen; zwischen ihnen schwebend ein gespaltener Schild: vorn in Silber ein halber roter Adler am Spalt, hinten neunmal geteilt von Schwarz und Gold, überdeckt mit schrägem, gebogenem grünen Rautenkranz.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]
Alternativ dazu heißt es in der Hauptsatzung der Stadt: „Das Wappen der Stadt Lauenburg/Elbe zeigt in Silber über einer roten Zinnenmauer mit geschlossenem goldenen Tor zwei rote Zinnentürme mit spitzem, blauen Dach, zwischen denen ein gespaltener Schild schwebt, der rechts in Silber einen halben, goldenbewehrten, roten Adler am Spalt zeigt und der links zehnmal von schwarz und gold geteilt ist, überdeckt von einem schrägrechten, grünen Rautenkranz.“§ 1 Absatz 1 der Hauptsatzung der Stadt Lauenburg/Elbe vom 14. Juni 2018
Verwaltungsgemeinschaft Lauenburg/Elbe führt im Rahmen einer Verwaltungsgemeinschaft die Verwaltungsgeschäfte des Amts Lütau.
Städtepartnerschaften Boizenburg/Elbe (Deutschland) Lębork (Polen) Dudelange (Luxemburg) Manom (Frankreich) (Quelle unter)
Patenschaften Am 5. Mai 1960 übernahm die Stadt Lauenburg die Patenschaft für den Tender Elbe der Bundesmarine. Mit Indienststellung des neuen Tenders Elbe im Jahr 1992 wurde diese Tradition fortgeführt.Patenschiff Tender Elbe. Website der Stadt Lauenburg (Elbe), abgerufen am 18. Juli 2011.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Winterlicher Blick auf Lauenburg mit der Maria-Magdalenen-Kirche
Altstadt
mini|Aussichtsterrasse beim Schloss mit Blick auf die Elbe mini|Die Elbbrücke, dahinter Lauenburg
Die Stadt besitzt eine sehenswerte Altstadt. In der Nähe am Beginn des alten Stecknitz-Kanals befindet sich die Palmschleuse, die älteste erhaltene Kesselschleuse Deutschlands. Sehenswert ist auch die Maria-Magdalenen-Kirche, die etwa 1220 gegründet wurde und ein bedeutsames Baudenkmal aus dem 13. Jahrhundert darstellt. Auf dem Schlossberg finden sich die Überreste des Lauenburger Schlosses.