mini|Haupteingang der Festhalle von Viersen

Viersen (Vierscher Platt Viersche) ist eine Große kreisangehörige Stadt am linken Niederrhein im Westen des Landes Nordrhein-Westfalen. Viersen ist Sitz des Kreises Viersen im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Geographie Lage Der Stadtkern von Viersen liegt etwa 28 Kilometer westnordwestlich von Düsseldorf, bei 51°16' nördlicher Breite und 6°24' östlicher Länge auf einer Höhe von etwa 40 Metern über NN.

Ausdehnung des Stadtgebiets Viersen erstreckt sich auf einer Fläche von mehr als 91 km², darunter etwa 16 km² bebaute Flächen, etwa 45 km² landwirtschaftlich genutzte Flächen und etwa 20 km² Garten, Wald-, Grün- und Wasserflächen.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet Viersen ist in folgende vier Stadtbezirke gegliedert:Hauptsatzung der Stadt Viersen vom 14. Dezember 1994, abgerufen am 2. 2015 (Einwohner am 31. März 2022Stadt Viersen: Zahlen und Fakten, Internetauftritt der Stadt Viersen) Alt-Viersen (39.096) mit den Ortsteilen Beberich, Bockert, Bötzlöh, Donk, Düpp, Hamm, Heimer, Helenabrunn, Hoser, Hülsdonk, Ompert, Rahser, Rintgen, Robend, Noppdorf, Ummer Dülken (20.566) mit den Ortsteilen Bergerstraße, Bistard, Schirick, Landwehr, Loosen, Busch, Hausen, Mackenstein, Nette, Ransberg, Nord, Waldnielerstraße Süchteln (16.074) mit den Ortsteilen Clörath, Dornbusch, Hagen, Hagenbroich, Sittard, Vorst Boisheim (2.102) mit den Ortsteilen Lind, Pütterhöfe, Klinkhammer, Bonesend, Mauswinkel

Geschichte mini|Turm der Pfarrkirche von Süchteln mini|Altes Rathaus – Portal Der Stadtname leitet sich von dem alten Namen des Fließgewässers Viers ab, dem heutigen Dorfer Bach in der Nähe der Kaisermühle.

Viersen besteht aus den drei ehemals selbständigen Städten Viersen, Dülken und Süchteln. Diese schlossen sich bei der kommunalen Neuordnung 1970 zur heutigen Stadt Viersen zusammen. Bereits 1968 hatte sich der kleinste heutige Stadtteil, die Gemeinde Boisheim, der Stadt Dülken angeschlossen. Bis dahin verlief die Entwicklung der einzelnen Orte recht unterschiedlich. Dülken, Süchteln und Boisheim gehörten zum Amt Brüggen im Herzogtum Jülich. Viersen lag als Exklave des geldrischen Amtes Krickenbeck zwischen dem Herzogtum Jülich und dem auf der anderen Niersseite angrenzenden Kurfürstentum Köln. Die Franzosen beendeten diese Situation im Oktober 17942. Oktober: Schlacht bei Aldenhoven; 3. Oktober: Die Zitadelle von Jülich wird kampflos an die Franzosen übergeben; 4. Oktober: Die Franzosen marschieren in Mönchengladbach ein; besetzen am 6. Oktober Köln und erobern am 23. Oktober Koblenz: sie besetzten das linke Rheinufer; die Franzosenzeit begann. Die Annexion wurde im Frieden von Campo Formio (1797) vorbereitet und im Frieden von Lunéville (1801) völkerrechtlich anerkannt. 1798 wurde die Verwaltung des Gebiets nach französischem Vorbild reorganisiert; es wurden vier Départements gebildet. Viersen bildete nun eine Mairie und einen Kanton im Arrondissement Krefeld des Rur-Departements (Département de la Roer), dessen Hauptort (chef-lieu) Aachen war.GenWiki: Kanton und Mairie Viersen Ab 1815 (Wiener Kongress) gehörte der Niederrhein zum Königreich Preußen; 1822 bildete Preußen die Rheinprovinz. Viersen wurde eine preußische Bürgermeisterei im neuen Kreis Gladbach.

Die frühere Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Territorien hatte Einfluss auf die Entwicklung der drei Gemeinden. Dülken und Süchteln wurden vom Jülicher Landesherrn gefördert und ausgebaut, weil er sie als Grenzstädte gegenüber Geldern bzw. Kurköln stärken wollte. In Viersen behielt das Kölner Stift St. Gereon als Grundherr lange Zeit bedeutenden Einfluss, das kein Interesse am Ausbau Viersens zu einer Stadt hatte.

Deshalb entwickelte sich die Siedlungsstruktur Viersens (weit gestreute, einzelne Honnschaften) auch anders als die der Nachbarorte Dülken und Süchteln (Stadtkern, Stadtbefestigung). Die seit dem Mittelalter vorhandene Siedlungsstruktur der Gemeinde wurde erst im 19. Jahrhundert verändert. Die Industrialisierung und wachsende Bevölkerungszahlen drückten der Landschaft ihren Stempel auf. Mit dem Straßenbau und der Eisenbahn1866 Bahnstrecke Viersen-Kaldenkirchen-Venlo, 1878 Bahnstrecke Neuss–Viersen, 1886 Übergabegleis der Bahnstrecke Viersen–Niep wurden wichtige Verkehrsverbindungen geschaffen, die den wirtschaftlichen Aufstieg begünstigten. Die Textilindustrie war die stärkste treibende Kraft. Bedeutende Unternehmen entstanden, die in zahlreiche Länder exportierten.

Am 1. August 1929 wurde Viersen ein eigener Stadtkreis.

Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 wählten 31 Prozent der Abstimmenden die NSDAP. Oberbürgermeister Peter Gilles (Zentrumspartei) wurde von der NSDAP als Gegner eingestuft, am 8. Mai 1933 beurlaubt und später in den Ruhestand versetzt. NSDAP-Mitglied Heinz Gebauer war bis 1936 Oberbürgermeister und dann bis 1945 Werner Koch.virtuelle-gedenkstaette-viersen.de Beim Luftangriff am 9. Februar warfen 97 US-Bomber 780 Bomben über dem Stadtzentrum ab. Am 24. Februar griffen 210 US-Bomber an. Insgesamt starben rund 260 Menschen. Die Remigiuskirche wurde stark beschädigt.Rheinische Post, 19. September 2012: Bombenhagel über Viersenrp-online 31. Januar 2020 Am 1. März 1945 schließlich nahmen Soldaten der 84. US-Infanteriedivision von Mönchengladbach-Rasseln aus kommend Viersen und Süchteln ein.Klaus Marcus: Die letzten Tage Viersen Dülken, Süchteln. Bericht über die Einnahme von Viersen, Dülken, Süchteln und Boisheim durch die 9. US-Armee am 1. März 1945. 1984, 2. Auflage

Nach dem Zweiten Weltkrieg brach die Textilentwicklung ab.Franziska Hein (rp-online.de vom 7. Oktober 2014): Wie das Textil aus Viersen verschwand Es entstand eine neue, stärker diversifizierte Gewerbestruktur, die z. T. an Strukturen der Vorkriegszeit anknüpfte, z. B. in der Eisen- und Metallverarbeitung und in der Lebensmittelbranche.

Das geistige Leben der drei Städte wurde im Wesentlichen bis in die 1950er Jahre durch den Katholizismus geprägt. Die Reformation fasste nur zaghaft Fuß. Gleichwohl kommt einigen Protestanten ein bedeutender Anteil an der Entwicklung Viersens zu. In Viersen waren z. B. fast alle führenden Industriellenfamilien protestantisch, z. B. Friedrich von Diergardt. Viele der von 1945 bis 1950 nach Viersen kommenden Heimatvertriebenen waren evangelisch.

Eingemeindungen

mini|Remigiusplatz in Alt-Viersen

Mit Wirkung vom 1. Januar 1970 wurde die bis dahin kreisfreie Stadt Viersen („Alt-Viersen“) mit den zum damaligen Kreis Kempen-Krefeld gehörenden Städten Dülken und Süchteln sowie der ebenfalls kreisangehörigen Gemeinde Boisheim zur neuen Stadt Viersen vereint. Der Widerstand gegen die Eingemeindung war vor allem in Dülken groß. Auf den Namen Viersen konnte man sich nicht einigen. Die Vertreter der Gebietskörperschaften wollten den Namen Dreistadt, der Gesetzgeber blieb bei Viersen.Rudolf H. Müller (Oberkreisdirektor des Landkreises Kempen-Krefeld): Der Bericht 1968, erschienen im , Kempen (Ndrh) 1968 Trotz der durch diese Eingemeindungen bewirkten Vergrößerung des Stadtgebiets, bei der sich die Einwohnerzahl seinerzeit nahezu verdoppelte, verlor das alte Viersen seine Kreisfreiheit. Es wurde aber zum 1. Januar 1975 als nunmehr mit Abstand größte Kommune des Kreisgebiets zur Kreisstadt aufgewertet, während das kleinere Kempen diesen Status verlor. Aus dem Kreis Kempen-Krefeld wurde so der Kreis Viersen. Der neue Kreis bekam die Gemeinde Niederkrüchten vom alten Kreis Erkelenz und verlor den Kempener Stadtteil Hüls an die kreisfreie Stadt Krefeld.

Einwohnerstatistik Im Mittelalter und am Beginn der Neuzeit hatte Viersen nur wenige hundert Einwohner. Seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchs seine Bevölkerung schnell. Lebten 1818 erst 3.500 Menschen in dem Ort, so waren es 1900 bereits 25.000. Durch die Eingemeindung der Städte Dülken (22.555 Einwohner 1969) und Süchteln (18.606 Einwohner 1969) stieg die Einwohnerzahl der Stadt von 44.010 im Jahre 1969 auf 85.171 am 1. Januar 1970.

Im Jahr 1972 erreichte die Bevölkerungszahl mit 87.013 ihren historischen Höchststand. Am 31. Dezember 2006 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Viersen nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 75.975 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern). Das war seit 1972 ein Rückgang um 12,7 % (11.038 Personen).

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bei 1818 handelt es sich um eine Schätzung, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die „ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

In der Liste der Groß- und Mittelstädte in Deutschland nimmt Viersen Rang 108 ein (Stand der Daten von 2017).

mini|400px|Einwohnerentwicklung von Viersen von 1818 bis 2017

Jahr Einwohner 1818 3.500 1840¹ 4.543 1855¹ 7.379 1861¹ 14.100 1864¹ 15.100 1867¹ 16.700 1871¹ 18.474 1875¹ 19.700 1880¹ 21.100 1885¹ 22.228 1890¹ 22.198 1895¹ 22.795 1900¹ 24.761 1905¹ 27.577 1910¹ 30.172 Jahr Einwohner 1916¹ 26.973 1917¹ 26.802 1919¹ 29.799 1925¹ 32.037 1933¹ 33.597 1939¹ 34.062 1945 32.086 1946¹ 32.963 1950¹ 36.974 1956¹ 39.711 1961¹ 41.890 1965 43.605 1970¹ 85.326 1975 84.220 1980 81.114 Jahr Einwohner 1985 78.489 1987¹ 76.445 1990 77.453 1995 77.338 2000 77.130 2005 76.330 2006 75.975 2011 74.974 2014 75.058 2015 75.931 2017 76.586 2018 76.905 2019 77.102 2020 77.254 2022 78.208 ¹ Volkszählungsergebnisse

Konfessionsstatistik Früher war eine Mehrheit der Einwohner katholisch. Nach 1945 sank der Katholiken-Anteil durch Zuzüge (zum Beispiel durch den Zuzug zahlreicher Heimatvertriebener in den Nachkriegsjahren und durch den Zuzug von Gastarbeitern ab 1960) und derzeit durch Kirchenaustritte. Gemäß dem Zensus 2022 waren (Stand Mai 2022) 46,5 % der Einwohner katholisch, 15,1 % evangelisch und 38,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15. Mai 2022, Religion), abgerufen am 19. Juli 2024

Laut Statistik des Bistums Aachen sank der Anteil der katholische Kirchenmitglieder an der Bevölkerung mit 6,3 Prozentpunkte zwischen Jahresende 2021 und Jahresende 2025.Viersen – Überblick Kirchliche Statistik 2025, abgerufen am 17. Mai 2026

Politik Stadtrat Die Sitzverteilung im Stadtrat nach der Kommunalwahl vom 13. September 2020: Liste: CDU SPD Grüne Linke FDP AfD Gesamt Sitze: 22 13 11 3 3 2 54 Sitze Kurz vor Konstitution des neuen Stadtrates im November 2020 trat eine gewählte CDU-Ratsfrau aus der Partei aus und wechselte zur Partei die Grünen, wodurch sich auch die Fraktionsgröße entsprechend zugunsten der Grünen korrigierte.

Im März 2021 hat sich die Fraktion der Grünen aufgrund innerparteilicher Differenzen aufgespalten, so dass der Viersener Stadtrat nun zwei Fraktionen der Grünen mit sechs bzw. fünf Mitgliedern hat (Bündnis 90/Die Grünen und Grüne im Rat der Stadt Viersen).

Bürgermeister Seit dem 1. November 2025 ist Christoph Hopp (CDU) Bürgermeister der Stadt Viersen.

Ehemalige Oberbürgermeister 1913–1919: Peter Stern 1929–1934: Peter Gilles, Zentrum (1919–1929 als Bürgermeister) 1934–1936: Heinz Gebauer, NSDAP 1936–1945: Werner Koch 1945: Carl Schaub (von 1945 bis 1958 Oberstadtdirektor von Viersen)Arie Nabrings: Seite 4 Fußnote 7 (PDF; 10 MB) 1946–1966: Hermann Hülser,Marcus Evers: Die Viersener Bürgermeister von 1800 bis 1969. In: Heimatbuch des Kreises Viersen. Viersen 2008 und 2009 CDU 1966–1970: Franz Josef Zevels, promovierter Arzt, nach 1970 RatsherrWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1383.

Wappen

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