mini|Jean Rogers, John Wayne und Ward Bond im Film Conflict (1936)

Ein Konflikt (von , „zusammentreffen, kämpfen“; PPP: conflictumUrsula Hermann: Knaurs etymologisches Lexikon, Stichwort: Konflikt, 1983, S. 265.) bezeichnet Situationen, bei denen inakzeptable Unterschiede in Einstellungen, Erwartungen, Interessen oder Zielen innerhalb oder zwischen Personen oder Gruppen auftreten.

Allgemeines Konflikte sind eine allgegenwärtige Erscheinung in jeder Art von Gruppen. Konflikte kann es bei allen Wirtschaftssubjekten (Unternehmen, Behörden, Regierungen, zwischen Staaten oder Privatpersonen) geben. Ein Konflikt liegt vor, wenn Interessen, Sachverhalte, Wertvorstellungen oder Ziele von Wirtschaftssubjekten miteinander unvereinbar sind oder unvereinbar erscheinen und diese Konfliktparteien aufeinandertreffen.

Konflikte sind Erkenntnisobjekt der KonfliktforschungInes-Jacqueline Werkner: Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung. Utb, 2020, ISBN 978-3-8252-5443-8. und der Konfliktpsychologie,Gert Sommer: Krieg und Frieden. Handbuch der Konflikt- und Friedenspsychologie. Beltz, 2004, ISBN 3-621-27536-3. während das Konfliktmanagement auf die Bewältigung von Konflikten abzielt. Die Konfliktforschung untersucht die Entstehung und den Verlauf von Konflikten und entwickelt Lösungsstrategien, um das Handeln in Konflikten zu verändern, um erwünschte Entwicklungen zu fördern und unerwünschte zu begrenzen.

Definitionen Je nach Quelle gibt es unterschiedliche Definitionen für Konflikte: Meinungsverschiedenheiten, Unstimmigkeiten und Reibungen, die auftreten, wenn die Handlungen oder Überzeugungen eines oder mehrerer Mitglieder der Gruppe für ein oder mehrere andere Gruppenmitglieder inakzeptabel sind und von ihnen abgelehnt werden. eine Interaktion zwischen Aktoren (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.), wobei wenigstens ein Aktor Unvereinbarkeiten im Denken / Vorstellen / Wahrnehmen und/oder Fühlen und/oder Wollen mit dem anderen Aktor (den anderen Aktoren) in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor (die anderen Aktoren) erfolge.Friedrich Glasl: Konfliktmanagement als Führungskompetenz. In: Perspektiven Sozialwirtschaft und Sozialmanagement. 2019, S. 71–90 . widersprüchliche Interessen, die von unterschiedlichen Menschen oder Menschengruppen vertreten werden und die in der Erreichung ihrer Interessen auf einander angewiesen sind (oder dies zumindest glauben).Gerhard Schwarz: Konfliktmanagement. 9. Auflage. Gabler Verlag eBooks, 2014. doi:10.1007/978-3-8349-4598-3. ISBN 978-3-8349-4597-6, S. 36. Nach Pesendorfer, 2004. interaktive Prozesse, die sich in Unvereinbarkeit, Unstimmigkeit oder Dissonanz innerhalb oder zwischen Sozialen Gebilden manifestieren. ein Spannungszustand, der dadurch entsteht, dass zwischen zwei oder mehreren Parteien unvereinbare Gegensätze in Bezug auf ein bestimmtes Gut vorhanden sind.Frank R. Pfetsch: Konflikt und Konfliktbewältigung. Beispiele für Formen zwischenstaatlicher Auseinandersetzungen. Tempora, 1994, ISBN 3-12-490400-1. Aktivitäten, die stattfinden, wenn bewusste Wesen (Einzelpersonen oder Gruppen) Handlungen vornehmen wollen, die mit ihren Wünschen, Bedürfnissen oder Verpflichtungen nicht übereinstimmen. Situationen, bei denen feindliches Verhalten auftritt.Robert D. Nye: Conflict among Humans. Springer, 1973, ISBN 0-8261-1371-0. Verhalten, das absichtlich die Zielerreichung eines Anderen behindert.Stuart M. Schmidt, Thomas A. Kochan: Conflict: Toward Conceptual Clarity. In: Administrative Science Quarterly. 1972, Band 17, Nummer 3, S. 359 doi:10.2307/2392149. Zustand der objektiven Unvereinbarkeit zwischen Werten oder Zielen.Jessie Bernard: The Conceptualization of Intergroup Relations: With Special Reference to Conflict. In: Social Forces. 1951, Band 29, Nummer 3, S. 243–251 doi:10.2307/2572412.

Beteiligte und Betroffene Die am Konflikt Beteiligten heißen Konfliktparteien; das können Privatpersonen, Interessengruppen (Arbeitgeberverband, Gewerkschaften), Organisationen, Regierungen (Staaten) oder Unternehmen sein. Die Konfliktparteien tragen Konflikte nicht nur untereinander (Privatpersonen gegeneinander), sondern auch parteiübergreifend aus (Regierungen gegen Organisationen usw.). Teilweise werden Konflikte auch durch Stellvertreter ausgetragen, wie beim Stellvertreterkrieg.Tom Stevenson: Proxy Wars. Das Zeitalter der Stellvertreterkriege. In: Le Monde diplomatique. Deutsche Ausgabe, Januar 2021 (englisch: In the Grey Zone. In: London Review of Books. Band 42, Nr. 20, 22. Oktober 2020). Konflikte sind nicht immer offensichtlich und den Beteiligten bewusst, sondern können auch latent schwelen und nicht direkt zwischen den Konfliktparteien ausgetragen werden, sondern auf andere Personen und Inhalte umgeleitet werden.

Ein Konflikt kann innerhalb einer Person (intrapersonaler Konflikt, beispielsweise Gewissensbisse, Identitätskonflikte) oder zwischen zwei Personen, Gruppen oder Organisationen (interpersonaler Konflikt) entstehen.Harry Dettenborn, Eginhard Walter: Familienrechtspsychologie. Utb, 2016, ISBN 978-3-8252-8676-7, S. 33. Ein Konflikt innerhalb einer Gruppe wird als Intragruppenkonflikt bezeichnet,Carsten K. W. De Dreu, Evert Van de Vliert: Using Conflict in Organizations. SAGE Publications, 1997, ISBN 978-1-4462-6430-0. während ein Konflikt zwischen Gruppen als Intergruppenkonflikt bezeichnet wird.Linda Tropp: The Oxford Handbook of Intergroup Conflict. OUP USA, 2012, ISBN 978-0-19-974767-2. Die Beteiligten eines Konflikts sind nicht immer auch die Betroffenen. Beispielsweise ist in einem Konflikt zwischen zwei Regierungen die Bevölkerung betroffen, oder die Kinder bei einem Konflikt zwischen den Eltern. Daraus folgende unbeabsichtigte Schäden werden als Kollateralschäden bezeichnet. Auch sind die Beteiligten nicht immer die Verursacher. Beispielsweise kämpfen Soldaten unter Befehl ihrer militärischen Vorgesetzten, oder der Vater schimpft mit den Kindern, weil er Stress an seinem Arbeitsplatz hat. Ebenso können über einen längeren Zeitraum gewachsene Konflikte von Vorgängern geerbt werden.

Interessengegensatz Konfliktgegenstand ist meist ein Interessengegensatz.Thorsten Bonacker: Sozialwissenschaftliche Konflikttheorien. Eine Einführung. Verlag für Sozialwissenschaften, 2015, ISBN 978-3-322-95688-0, S. 388. Dahinter stehen oft unterschiedliche Werte, die zu unterschiedlichen Beurteilungen, Gefühlen und Zielen führen, aus denen die Konfliktparteien ihr jeweiliges Verhalten ableiten. Wenn kein solcher Interessengegensatz gefunden werden kann, handelt es sich oft um gar keinen Konflikt, sondern lediglich um Missverständnisse aufgrund fehlender, falscher oder falsch verstandener Information. Zur Lösung eines Konflikts erfolgt ein Ausgleich dieser unterschiedlichen Interessen.

Einteilung von Konflikten Konflikte können nach der Konfliktform, nach dem Kreis der Beteiligten, nach Thema oder nach der geographischen Lage eingeteilt werden. In Konflikten können mehrere Konfliktursachen und -formen gleichzeitig auftreten.

Konflikte nach Form Intrapersonale Konflikte Im Rahmen einer tiefenpsychologischen oder psychoanalytischen Therapie werden verschiedene intrapersonelle Konflikte unterschieden. Zur Klassifikation dieser Konflikte gibt es ein halbstrukturiertes Interview mit dem Namen Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik,Arbeitskreis OPD: Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik OPD-3. Das Manual für Diagnostik und Therapieplanung. Hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-456-84753-5. das eine gesonderte Achse Konflikt enthält. Bezeichnung Bedeutung Kategorie Autor JahrMotivkonfliktEine Person hat mehrere sich widersprechende Annäherungs- und Vermeidungsziele. Davon zu unterscheiden ist der Zielkonflikt, bei dem mehrere Personen unterschiedliche haben. Annäherungs-, Ambivalenz- und Vermeidungskonflikte sind alles Motivkonflikte. Wenn ein ursprüngliches Motiv nicht befriedigt werden kann, kann es zur Motivverschiebung kommen.intrapersonellKurt Lewin1948AnnäherungskonfliktSynonyme: Appetenzkonflikt, Appetenz-Appetenz-KonfliktintrapersonellKurt Lewin1948AmbivalenzkonfliktSynonyme: Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt, Appetenz-Aversions-KonfliktintrapersonellKurt Lewin1948VermeidungskonfliktSynonyme: Aversions-Aversions-KonfliktintrapersonellKurt Lewin1948Identitätskonfliktempfundene Bedrohungen des eigenen Selbstbildes oder dessen, was jemanden als Person ausmachtintrapersonell

Interpersonale Konflikte Bezeichnung Bedeutung Kategorie Autor JahrRollenkonflikt– Akzeptanzkonflikt– Legitimationskonflikt– Interessenkonfliktwidersprüchlich empfundene Rollen, z. B. Gewerkschaft und Arbeitgeberverband. Man unterscheidet Intra- und Interrollenkonflikte.intrapersonell interpersonellVerteilungskonflikt– Mittelkonflikt– Ressourcenkonflikt– Machtkonflikt– Statuskonfliktempfundene Gegensätze in Bezug auf die Nutzung/Realisierung von RessourcenZielkonflikt– Ziel-Mittel-Konflikt– Strategiekonflikt– Bedürfniskonflikt– Wertekonfliktempfundene Gegensätze in Bezug auf Absichten bzw. Interessen.Peter Köck, Hanns Ott: Wörterbuch für Erziehung und Unterricht. Auer Verlag, Donauwörth 1976, S. 380. Man unterscheidet auch Bewertungskonflikt (Zielkonflikt) und Beurteilungskonflikt (Wegkonflikt)interpersonellBeziehungskonfliktempfundene Gegensätze in Bezug auf Verhaltensdispositionen. Unabhängig davon gibt es in der psychodynamischen Theorie noch den Begriff zentrales Beziehungskonflikt-Thema (ZKBT).Informationskonflikt– Wahrnehmungskonflikt– Bewertungskonfliktunterschiedliche Information, z. B. falsch, ungenügend, falsch verstanden

Beispielsweise kann ein Informationskonflikt durch Nachliefern benötigter, aber bisher fehlender Information aufgelöst werden. Ein Identitätskonflikt erfordert hingegen eine erfahrbare und glaubwürdige Versicherung der eigenen Existenzberechtigung. Beides kann miteinander zusammenhängen.

Konflikte nach Beteiligten mini|Streitende Schulkinder

Bereiche, in denen häufig Konflikte auftreten sind beispielsweise in der Familie, zwischen Eltern, zwischen Geschwistern oder zwischen Eltern und Kindern, unter Freunden und Bekannten, in Gruppen, in der Schule, in der Natur, in der Wirtschaft zwischen Unternehmen, Arbeitgebern oder -nehmern,A. R. Overton, A. C. Lowry: Conflict management: difficult conversations with difficult people. In: Clinics in Colon and Rectal Surgery. Band 26, Nummer 4, Dezember 2013, S. 259–264, doi:10.1055/s-0033-1356728. PMID 24436688, . in der Wissenschaft,Herbert Pietschmann: Vom Umgang mit wissenschaftlichen Konflikten. Bewegung an der Wasserfront. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 24, 2005, S. 425–433. zwischen Generationen (Generationenkonflikt), zwischen ethnischen Gruppen (ethnischer Konflikt) oder innerhalb oder zwischen Staaten (siehe Friedens- und Konfliktforschung).

Konflikte nach Thema Politischer Konflikt In der Politikwissenschaft ist Konflikt definiert etwa als „Interessengegensatz (Positionsdifferenz) um nationale Werte von einiger Dauer und Reichweite zwischen mindestens zwei Parteien (organisierten Gruppen, Staaten, Staatengruppen, Staatenorganisationen), die entschlossen sind, diesen zu ihren Gunsten zu entscheiden.“.Konfliktbarometer 2003 des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung (hiik.de). Sie sind Forschungsgegenstand der Friedens- und Konfliktforschung.

Sozialer Konflikt Der soziale Konflikt ist ein bedeutendes Arbeitsfeld der Soziologie, insbesondere der Konfliktsoziologie. Darunter fallen auch kulturelle Konflikte.K. MacDonald: Evolution, Psychology, and a Conflict Theory of Culture. In: Evolutionary Psychology. (2009), Band 7, Heft 2. doi:10.1177/147470490900700206. (freier Volltextzugriff)

Psychischer Konflikt