mini|Zoroastrischer Feuertempel in Yazd, vor 2006 Zarathustra (, ), auch Zoroaster (), genannt auch Zarathustra Spitama, Lebenszeit unbekannt (zwischen 2. Jahrtausend und 6. Jahrhundert v. Chr.), war ein persischer Priester (Zaotar) und Philosoph. Er lehrte in einer nordostiranischen Sprache, die später nach dem Avesta als Avestisch bekannt wurde, und verhalf dem nach ihm benannten Zoroastrismus zum späteren Durchbruch als persisch-medische beziehungsweise iranische Religion,Heinz Gaube: Zoroastrismus – Die Religion des Zarathustra. In: Emma Brunner-Traut (Hrsg.): Die großen Religionen des Alten Orients und der Antike. Kohlhammer, Stuttgart 1992, ISBN 3-17-011976-1, S. 102–108. weshalb er beispielsweise auch „Gründer des Zoroastrismus“, „Religionsstifter“Josef Wiesehöfer: Das antike Persien. Albatros, Düsseldorf 2005, ISBN 3-491-96151-3. oder „Reformator“Norbert Oettinger, In: Dietz-Otto Edzard u. a.: Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie. Band 8. De Gruyter, Berlin 1997, ISBN 3-11-014809-9, S. 185. genannt wird. Die heutigen Anhänger des Zoroastrismus werden Zoroastrier oder Zarathustrier genannt. Die Anhängerschaft in Indien und Pakistan umfasst insbesondere die ethnisch-religiösen Gruppen der Parsen und zum Teil der Irani.Irani, Dinshah Jijibhoy. Artikel über einen prominenten Angehörigen der religiösen Gemeinschaft der Irani in Bombay. In: Encyclopædia Iranica, abgerufen am 11. Dezember 2017.
Die Griechen der Antike sahen in ihm einen „bei den Arianoi“ (Diodor, I, 94, 2, über Zathraustēs) angesiedeltenGherardo Gnoli: Iran: Vorgeschichte und Entwicklung einer Idee. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 16–21, hier: S. 17. Weisen; in den Augen der französischen Philosophen, unter anderem Voltaires, war er Vermittler in religiösen Glaubensfragen. Ähnlich vielfältig sind die Aussagen in der Orientalistik, die eine endgültige Klärung über das Wirken Zarathustras bisher nicht möglich machen. Es bleibt unklar, in welchem sozialen und geografischen Umfeld er wirkte, wessen Ideen er aufnahm oder auf welchen Grundlagen er seine Lehre aufbaute. Er gilt manchen als Begründer der ersten, auf dem Glauben an Ahura Mazda als einzigen Schöpfergott und WeltordnerAntonio Panaino: Religionen im antiken Iran. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 25–29. beruhenden Religion.
Die bisher von den Historikern vorgenommenen zeitlichen Einordnungen beruhen auf diversen Quellen, aus deren Interpretation teilweise Theorien und Thesen über das Wirken Zarathustras entwickelt wurden, die die wenigen archäologischen Hinweise ignorieren. So wurde beispielsweise erstmals bei Ammianus Marcellinus eine Verbindung vom Vater von Dareios I., Hystaspes, zu den Achämeniden hergestellt, die heute als überholt gilt.
Begriff und Quellen Der Name bedeutet vermutlich „Besitzer wertvoller Kamele“ (die Deutung des Vordergliedes zarat- als „alt, kostbar, goldfarben“ ist umstritten, das Hinterglied dieser Zusammensetzung wird allgemein mit avestisch -uštra- „Kamel“ identifiziert). Weitere Namensformen sind beispielsweise: mittelpersisch ,D.N. MacKenzie: A Concise Pahlavi Dictionary. Routledge Curzon, London / New York 2005, ISBN 0-19-713559-5. , auch , paschtunisch Zardaxt, kurdisch , / .
Im Avesta, der „heiligen Schrift“ der Religion Zarathustras, wird die Figur Zarathustra erstmals erwähnt. In den Gathas wird er 15 Mal aufgeführt und in den jüngeren Texten ausführlich in seinen Funktionen beschrieben. Die Textpassagen sind überall verstreut; eine systematische Präsentation der Figur fehlt. Als historische Person ist Zarathustra im Avesta nicht fassbar, da biographische Angaben fehlen.Michael Stausberg: Die Religion Zarathushtras. Geschichte, Gegenwart, Rituale. Band 1, Stuttgart 2002, S. 24, 31–40.
Die ältesten Texte, die eine Biographie von Zarathustra enthalten, werden in das 9. Jahrhundert n. Chr. datiert. Sie sind in mittelpersischer Sprache verfasst und stammen aus dem 5. und 7. Buch des Denkard und der Anthologie des Zadspram. Das Alter der in diesen Texten gesammelten Quellen lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Im 8. Buch des Denkard gibt es Hinweise auf ältere Ansätze von Lebensdaten, die aber nicht überliefert werden.Michael Stausberg: Die Religion Zarathushtras. Geschichte, Gegenwart, Rituale. Band 1, Stuttgart 2002, S. 41–42.
Die erste durchkomponierte biographische Erzählung liegt in neupersischer Sprache vor. Der poetische Text Zaratošt-nāme („Das Zarathustra-Buch“) stammt von einem Kai Ka’us, über den keine biographischen und zeitlichen Angaben vorliegen. Es ist möglich, dass das Buch bereits im 10. oder 11. Jahrhundert n. Chr. entstanden ist oder auch erst im 13. Jahrhundert n. Chr. Die Abschrift durch Zartosht Behram Pazdu ist die heute überlieferte Form des Texts.Michael Stausberg: Die Religion Zarathushtras. Geschichte, Gegenwart, Rituale. Band 1, Stuttgart 2002, S. 42.
Herkunft Die moderne Forschung konnte bisher Zarathustras Herkunft nicht klären. Forschungsgeschichtlich ist in den letzten Jahrzehnten „eine Tendenz zur Genese immer neuer Hypothesen und Spekulationen zu beobachten“, ohne dass sich ein Konsens abzeichnet. Eine gewisse Einigkeit herrscht darin, dass die Ursprünge der Religion Zarathustras vermutlich nicht auf dem iranischen Plateau und schon gar nicht innerhalb der Landesgrenzen des heutigen Irans zu suchen sind.Michael Stausberg: Die Religion Zarathushtras. Geschichte, Gegenwart, Rituale. Band 1, Stuttgart 2002, S. 31.
Bereits in der Antike wurde von mehreren Ländern oder Regionen der Anspruch erhoben, die Heimat von Zarathustra zu sein. Solche Traditionen waren zum Teil langlebig. Die geographischen Angaben späterer Quellen sind größtenteils patriotisch-ideologisch gefärbt. Damit verbunden ist auch die Diskussion über die Heimat und die Ausbreitung der indoiranischen Sprachgemeinschaft, im Besonderen der Arier.Michael Stausberg: Die Religion Zarathushtras. Geschichte, Gegenwart, Rituale. Band 1, Stuttgart 2002, S. 28. In der älteren Forschung wurden vor allem drei Regionen als Heimat des Zarathustra betrachtet: Sistan, Choresmien und Baktrien.Michael Stausberg: Die Religion Zarathushtras. Geschichte, Gegenwart, Rituale. Band 1, Stuttgart 2002, S. 29. Eine einflussreiche These wurde von Mary Boyce aufgestellt, die die Heimat des Zarathustra in der Andronowo-Kultur ortet. Aber diese Theorie konnte sich ebenso wenig durchsetzen wie auch der Vorschlag von Manfred Hutter, das Heimatland Zarathustras an der Grenze der nordostiranischen Länder zu lokalisieren.Michael Stausberg: Die Religion Zarathushtras. Geschichte, Gegenwart, Rituale. Band 1, Stuttgart 2002, S. 30.
Lebenszeit miniatur|Zarathustra, Geburt bis Erleuchtung Neben unterschiedlichen wissenschaftlichen Methoden und ArgumentenVgl. auch Antonio Panaino: Religionen im antiken Iran. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 23 f. spielen ideologische Motive eine starke Rolle in der Auseinandersetzung um die Datierung und die Lokalisierung Zarathustras, weil diese von zentraler Bedeutung für die Geschichtsschreibung der Religion wie auch für das Verständnis der iranischen, zentralasiatischen und altorientalischen Religionsgeschichte sind. Zur Datierung der Lebenszeit Zarathustras gibt es zwei Hauptansätze in der Forschung: eine Spätdatierung und eine Frühdatierung.Michael Stausberg: Die Religion Zarathushtras. Geschichte, Gegenwart, Rituale. Band 1, Stuttgart 2002, S. 26. Zarathustrier feiern seinen Geburtstag am 26. März.
Spätdatierung Die Spätdatierung kann sich auf eine längere literarische Tradition berufen. Zarathustra lebte dementsprechend um 600 v. Chr. Diese Bestimmung basiert auf der Überlieferung des islamischen Gelehrten Biruni, der nach sassanidischer Tradition den Zeitpunkt der Berufung Zarathustras auf 258 Jahre vor Alexander den Großen legte. In der Forschung haben sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Spätdatierung Walter Bruno Henning und Walther Hinz angeschlossen. Walther Hinz gibt ein präzises Datum für die Geburt (22. März 622 v. Chr.) und seinen Todestag (1. Mai 553 v. Chr.) an. Mit der Spätdatierung wäre Zarathustra ein Zeitgenosse von Kyros II. als auch einiger israelitischer Propheten wie zum Beispiel Deutero-Jesaja. Die Spätdatierung wird in der jüngeren Forschung nur noch gelegentlich vertreten. Die Mehrzahl der Forscher tendiert zur Frühdatierung.Michael Stausberg: Die Religion Zarathustras. Geschichte, Gegenwart, Rituale. Band 1, Stuttgart 2002, S. 26–27. Pythagoras (um 570–510 v. Chr.) soll in Babylon von Zoroaster unterrichtet worden sein. Platon schreibt im Dialog Alkibiades I die Urheberschaft der Wissenschaft der Magier einem gewissen „Zoroaster von Ahura Mazdâ“ zu.
Frühdatierung Der Grundkonsens gegen eine Spätdatierung hat in der Forschung einen weiten Spielraum für genauere Datierungen zugelassen. Im Allgemeinen wird die Lebenszeit von Zarathustra um die Wende des 2. zum 1. Jahrtausend v. Chr. angenommen.Michael Stausberg: Die Religion Zarathushtras. Geschichte, Gegenwart, Rituale. Band 1, Stuttgart 2002, S. 27. Zarathustra soll vor seinem „Berufungserlebnis“ schon als Priester bzw. MagierVgl. dazu und zur Datierung an den Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. Antonio Panaino: Religionen im antiken Iran. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 23. tätig gewesen sein. Aus diesen Gründen bestimmte Richard Frye das Wirken Zarathustras für die Zeit um 1800 v. Chr. Zarathustra habe um 1800 v. Chr. gelebt, genauer: er sei 1768 v. Chr. geboren worden. Diese Ansicht vertreten insbesondere iranische Wissenschaftler und Mary Boyce. Im Kontext der Besiedlung Persiens sei Zarathustras Auftreten bereits mit der ersten Einwanderungswelle anzusetzen.
Die Lehren Zarathustras Grundzüge Im Mittelpunkt der Lehre steht das Ringen des Guten gegen das Böse. Bis zum Tag des Gerichts haben die Menschen die freie Wahl, sich für den rechten Weg zu entscheiden. Der rechte Weg ist der Weg der Wahrhaftigkeit. Die Lehre Zarathustras hat drei wichtige Grundsätze:
Gutes Denken () Gutes Sprechen () Gutes Tun ()
Ahura Mazda, der weise Herr, erschuf die Welt auf dem Fundament der Wahrhaftigkeit. Der gute Geist (Spenta Mainyu) und der böse Geist (Angra Mainyu) sind Zwillinge, durch deren Zusammenwirken die Welt besteht. Damit das Gute über das Böse siegt, muss der Mensch sich entscheiden, denn der Mensch ist das einzige Lebewesen, welches die Möglichkeit bekommen hat, zu führen und zu ändern. Der Mensch kann vergeben oder hassen, der Mensch ist ein Mensch, weil er sich nicht von seinen Instinkten leiten lässt. Jedem ist es überlassen, sich für das Gute zu entscheiden und so den Kampf Ahura Mazdas gegen das Böse zu unterstützen. Wichtig ist hierbei, dass der Zarathustrismus bzw. Ahura Mazda den Menschen zu nichts zwingt. Der Mensch wird als vernünftiges Wesen frei geboren und kann allein durch freie Entscheidung und persönliche Einsicht zu Gott gelangen.