Büsum (plattdeutsch Büsen) ist eine Gemeinde im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Der Hafenort liegt direkt an der Nordsee, ist seit dem 19. Jahrhundert Seebad und nach Übernachtungszahlen nach Sankt Peter-Ording und Westerland der drittgrößte Fremdenverkehrsort an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste.
Ursprünglich eine Insel mit mehreren Dörfern, ist Büsum seit 1585 mit dem Festland verbunden. Vor allem der Fremdenverkehr prägt die Gemeinde, der Ausflugs- und Fischereihafen prägt das Ortsbild; die dort angelandeten Büsumer Krabben sind auch überregional bekannt.
Geografie Lage mini|Deich Der Ort liegt an der Nordsee, an der Meldorfer Bucht, nahe der Eidermündung in der Dithmarscher Marsch, etwa 100 Kilometer nordwestlich von Hamburg. Der Hafen ist über den Meeresstrom Piep, der durch den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer verläuft, mit der offenen See verbunden. Gegen die Sturmflutgefahr ist der Büsumer Hafen durch ein Sperrwerk geschützt, das ab Wasserständen von einem Meter über NHN geschlossen wird.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn im Norden beginnend die Gemeinden Westerdeichstrich und Büsumer Deichhausen (beide im Kreis Dithmarschen).
Sturmfluten und Landgewinnung Seit der ersten Erwähnung 1140 bis zum Bau des Hafenkoogs 1940 veränderte sich das Büsumer Ortsbild stetig. Landgewinnung, Wurt- und Deichbau trugen zur Vergrößerung der Gemeinde in Richtung Norden bei und verbanden die ehemalige Insel mit dem Festland, Sturmfluten sorgten immer wieder für Verwüstungen und Landverluste – der größere Südteil der Insel ist mittlerweile im Meer versunken.
Sturmfluten Vermutlich bestand die Insel Bisvne aus den Orten Middlestorpe, Norddorp (das heutige Büsum), Dickhusen (Büsumer Deichhausen) und Werven. Die Vermutung, dass es auch noch ein Süderdorp gegeben habe, wird zwar schon von Neocorus geteilt, konnte bisher aber nicht archäologisch bestätigt werden. Große Teile der Insel selbst sowie an nahe gelegenen Sanden wurden vermutlich bei diversen Sturmfluten im 14. und 15. Jahrhundert zerstört, die nicht weiter dokumentiert sind. Middlestorp soll 1482 von den Hamburgern zerstört worden sein. Ein Belassungsbuch von 1496 nennt den Ort nicht mehr.
Besonders bis zur Errichtung des Wardams 1585, der Büsum mit dem Festland verband, war die Insel Opfer zahlreicher Sturmfluten, bei denen der gesamte Südteil der Insel verlorenging. Bei der Allerheiligenflut 1532 erreichte das salzige Meerwasser gar die Kirche, vor allem aber hatte die Überschwemmung der Felder schwerwiegende Folgen. Durch die darauffolgende Hungersnot und Krankheiten kam es zu 360 Toten. Die Allerheiligenflut 1570 richtete ebenfalls schwere Schäden an, spätestens zu der Zeit verschwand Middlestorp endgültig im Meer. Pläne zur Wiederansiedlung gab es danach nicht mehr. 1573 nahm der Deich Schäden und die Düneninsel Tötel vor Büsum verschwand zur Gänze in der Nordsee.
Schwere Schäden richtete die Burchardiflut 1634 an, die 32 Wehlen in den Deich riss und 168 Büsumern das Leben kostete. Werven versank bei der Weihnachtsflut 1717 im Meer. Spuren des Ortes wurden erst bei der Erschaffung des Speicherkoogs 1978 wiederentdeckt. Die letzte Sturmflut, die den Deich überspülte, war die Februarflut 1825. Bei der Sturmflut 1962 konnte ein Deichbruch nur knapp verhindert werden.
Landgewinnung mini|Das Wattenmeer vor Büsum bei Niedrigwasser mit Wurt Ursprünglich nur durch Dünen geschützt, begannen die Büsumer im Mittelalter, Wurten zu bauen. Sowohl die eigentlich Dorfwurt (Osterwarft) als auch die Westerwarft stammen beide aus dem 12. Jahrhundert. In ihrer langrechteckigen Form und ihrer Gestaltung ähneln sie den Dorfwurten von Büsumer Deichhausen, Schülp oder Manslagt.
Während die Sturmfluten die Insel im Süden an der Seeseite abtrugen, bemühten sich die Dithmarscher, sie im Norden, dem Land zugewandt, zu vergrößern. Um 1450 folgten zwei halbmondförmige Köge im Norden, auf deren Gebiet heute unter anderem Oesterdeichstrich liegt, 1577 der Grovenkoog Richtung Nordwesten, auf dem sich Westerdeichstrich befindet.
Nach der verlorenen Letzten Fehde 1559 kam Büsum an die Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf, die ab 1583 mit dem Bau eines Dammes durch den großen Priel zwischen Insel und Festland, den Wardstrom, beginnen ließen. Begünstigt durch die sich nun ablagernden Sedimente auf beiden Dammseiten, ließ Herzog Johann Adolf 1599 den östlichen und 1609 Wardammkoog eindeichen. 1696 folgte ein weiterer Koog, der Hedwigenkoog. Der Friedrichsgabekoog von 1714 schließlich verband die Halbinsel mit der Wöhrdener Küste. Eindeichungen bei Büsum erfolgten danach nur noch, um den Hafen zu verlegen, zu vergrößern und besser erreichbar zu machen. Der letzte größere Ausbau des Hafens wurde 1952 vorgenommen.
Geschichte mini|Büsum um 1895 mini|Die Karte von 1570 zeigt die ehemalige Insel Büsum Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes findet sich in einer Urkunde des Bremen-Hamburger Bischofs Adalbero von Bremen, in dem er 1140 in einer Aufzählung von Kirchspielen den Ort Bivsne erwähnt. Der damalige Name deutet auf die Binsen hin, die wahrscheinlich im Dünengebiet der Inselmitte wuchsen.Dirk Meier: Ol Büsum liggt in wille Haff …, in VDL 2008, S. 2–9 Formal liegt ein Dativ Plural vor, der Ortsname bedeutet also „bei den Binsen“. Weitere ältere Bezeugungen lauten Biusne, Büsen, Busen und Butzen.
Der jetzige Ort Büsum mit der St.-Clemens-Kirche ist auf einer langrechteckigen Wurt des Mittelalters erbaut. Ursprünglich war Büsum eine Insel, deren Südseite im Laufe der Jahrhunderte durch Sturmfluten (1362, 1436 und 1570) teilweise abgetragen wurde, während sie sich im Norden durch Landzuwachs vergrößerte. Mit dem Bau eines Deiches wurde Büsum mit der Dithmarscher Nordermarsch im 16. Jahrhundert zusammengefügt (Wardamm, Wardammkoog).
Seit dem 19. Jahrhundert ist Büsum eng mit dem Tourismus verbunden und wurde seit dem 20. Jahrhundert maßgeblich durch diesen geprägt. Erster Pionier in dieser Beziehung war Kirchspielvogt Claus Bruer, der – wahrscheinlich inspiriert durch ähnliche Pläne in Tönning – nach 1818 erste Badekarren an den Strand stellte. Vermutlich aufgrund der mangelnden Infrastruktur und der schwierigen Erreichbarkeit des Ortes scheiterte der Plan jedoch. Diese behutsamen Anfänge machte die Februarflut 1825 zunichte, die Büsum besonders schwer traf.
Paul Johann Boysen, von 1828 Kirchspielvogt und von 1838 bis 1852 Landvogt, trieb die Entwicklung weiter voran. Eine erste Gaststätte eröffnete der Gastwirt Heinrichs. 1836 ließ Boysen die sturm- und flutgefährdeten Badekarren durch feste Badehäuschen ersetzen. Bereits seit 1837 bezeichnet sich die Gemeinde als Nordseebad.
Der Aufschwung als Seebad und die beherrschende Stellung, die der Fremdenverkehr auf den Ort ausüben sollte, begann sich Ende des 19. Jahrhunderts zu entwickeln, als die Verkehrsanbindung an das Festland besser wurde. 1872 wurde die Straße nach Heide über Wöhrden mit Klinkern gepflastert und 1883 entstand die Eisenbahnstrecke von Heide. Die Bürger und die Gemeinde reagierten, indem 1889 eine Gemeinschaft von 32 Bürgern die Badeanlagen vom „Hotel Stadt Hamburg“ kauften. 1890 erschien der erste Prospekt für den Ort, 1891 das erste Werbeplakat. Seit 1896 leitete die Gemeinde selbst das Badewesen und begann auch in jenem Jahr eine Kurtaxe zu erheben. Am Ende des 19. Jahrhunderts bewirkten 300 Gäste 8500 Übernachtungen.
Badeten Männer und Frauen bis 1902 noch getrennt, schlug Propst Heesch, angeregt durch positive Erfahrungen auf Helgoland und Sylt, vor, auch in Büsum ein gemischtgeschlechtliches Familienbad einzuführen. Schon 1903 konnte die Gemeinde die ersten acht Umkleidekabinen für Damen am künftigen Familienstrand errichten. „Zur Wahrung von Anstand und Sitte“ erließ sie unter anderem Vorschriften, die das Fotografieren ebenso verboten wie den Besuch des Familienstrandes durch Einzelpersonen. Damen und Herren mussten hochgeschlossene Anzüge aus undurchlässigem Stoff tragen, „der bei Nässe nicht am Körper klebte“.
1904 ließ die Gemeinde einen Sandstrand aufschütten, der den bisherigen Wiesenstrand ergänzte. Sowohl Familien- wie Sandstrand waren erfolgreich; denn bereits im Jahr 1911 kamen 6000 Gäste, die in Folge 2083 Gästebetten belegten. Nach dem Ersten Weltkrieg ergänzte die Gemeinde das Angebot mit Ausflugsfahrten zur Insel Helgoland.
Am 1. April 1934 wurde die Kirchspielslandgemeinde Büsum aufgelöst. Alle ihre Dorfschaften, Dorfgemeinden und Bauerschaften wurden zu selbstständigen Gemeinden/Landgemeinden, so auch ihr Hauptort Büsum.
Eine Gruppe von SA- und SS-Männern unter der Führung von Karl Herwig besetzte mit geladenen Karabinern am 13. März 1933 das Rathaus in Büsum und enthob den deutschnationalen Büsumer Bürgermeister Otto Johannsen seines Amtes. Noch am 7. März 1933 hatte Johannsen die Herausgabe der schwarz-rot-goldenen Fahne an SA-Männer verweigert. Als kommissarischer Amtsvorsteher fungierte ab 15. März 1933 das NSDAP-Mitglied Emil Meier.Martin Gietzelt: Geschichte Dithmarschens, Seite 332
Nach 1933 schickte auch die NS-Organisation Kraft durch Freude Urlauber nach Büsum, so dass 1937 beispielsweise 5649 Kur- und 6391 Kraft-durch-Freude-Gäste in Büsum verweilten. 1950 betrug die Zahl der Kurgäste 3857, die für 33 991 Übernachtungen sorgten. Schon bis 1953 war die Zahl auf 7097 Kurgäste gestiegen. Zum Ende des 20. Jahrhunderts sorgten jährlich etwa 160 000 Gäste für 1,6 Millionen Übernachtungen.Karl-Heinrich Buhse: Die Entwicklung in Dithmarschen seit 1950. In: Martin Gietzelt: Geschichte Dithmarschens. S. 411–414, Boyens & Co., Heide 2000, ISBN 3-8042-0859-2.
Nachdem Dithmarschen schon vor 1933 eine Hochburg der Nationalsozialisten gewesen war und die NSDAP bei den Reichstagswahlen 1932 60 % der Stimmen erhalten hatte, kamen Büsum (und das benachbarte Wesselburen) 1965 in den Fokus der bundesweiten Öffentlichkeit. Beide Orte weigerten sich längere Zeit, eine nach dem Dithmarscher NS-Kulturpolitiker Adolf Bartels benannte Straße umzubenennen. Am Büsumer Nordsee-Gymnasium wurden darüber hinaus drei Lehrer suspendiert. Diese hatten unter anderem behauptet, dass „die Amerikaner die Gasöfen in den Konzentrationslagern erst nach Kriegsschluss montiert hätten, um den Deutschen die Judenvernichtung in die Schuhe schieben zu können“. Sie hatten Schüler zu einem „Auschwitz-Spiel“ aufgefordert und auch verboten, sich positiv über Israel oder Anne Frank zu äußern.
Dem Tourismus schadeten diese Vorgänge offensichtlich nicht. Büsum war lange Zeit der einzige Nordsee-Urlaubsort südlich von Sankt Peter-Ording in Schleswig-Holstein. Die Dominanz des Ortes schränkten erst Campingwagen ein, die auch im näheren Umland aufgestellt wurden und auf eine weniger anspruchsvolle Infrastruktur angewiesen waren. Auch städtebaulich schlug sich der Tourismus nieder. So prägen heutzutage Ferienwohnungen das Ortsbild, und die Hafenanlagen veränderten durch Großbauten wie Kurmittelhaus, Haus des Kurgasts und Schwimmbad ihr Gesicht wesentlich. Deutlich sichtbar im weiten flachen Umland ist ein 1972 gebautes einzelnes Hochhaus.
Politik mini|Das Büsumer Rathaus von 1915
Gemeindevertretung
Bei der Kommunalwahl am 14. Mai 2023 wurden insgesamt 20 Sitze vergeben. Von diesen erhielt die CDU neun Sitze, die SPD 5 Sitze, die Freie Wählergemeinschaft Büsum vier Sitze und die Grünen zwei Sitze.
Bürgermeister Hauptamtlicher Bürgermeister von Büsum ist Oliver Kumbartzky (FDP). Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 mit 59,8 Prozent der Stimmen gewählt. Seine Gegenkandidatin Elke Mordhorst erhielt 40,2 Prozent der Stimmen. Kumbartzky trat am 1. Februar 2025 offiziell die Nachfolge von Hans-Jürgen Lütje (FWB) an.Neuer Büsumer Bürgermeister vereidigt abgerufen am 4. März 2025
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