mini|Gries-Quirein vom Guntschnaberg Richtung Süden mini|Der alte Weinhof Anreiter in Moritzing mini|Hof Kellermann im Viertel Sand

Gries-Quirein (italienisch Gries-San Quirino, Aussprache zweisilbig als Gri-es /griːəs/) ist eines der fünf Stadtviertel von Bozen, der Landeshauptstadt Südtirols (Italien). Gries-Quirein ist mit 32.105 Einwohnern der bevölkerungsreichste und mit 13,46 km² flächenmäßig zweitgrößte Stadtteil von Bozen.

Das moderne Stadtviertel umfasst wesentliche Teile der alten Landgemeinde bzw. Marktgemeinde Gries (auch Gries bei Bozen), die im November-Dezember 1925 nach Bozen eingemeindet wurde und nach wie vor als Katastralgemeinde existiert.

Geographie Lage Gries-Quirein liegt im Bozner Talkessel im Etschtal und nimmt den Nordwestteil der Gemeinde Bozen ein. Im Osten bildet der Unterlauf der Talfer die Grenze von Gries-Quirein zum Stadtviertel Zentrum-Bozner Boden-Rentsch. Im Südosten buchtet das Gebiet zum Mündungsbereich der Talfer in den Eisack, der hier eine kurze Wegstrecke die Grenze zum Stadtviertel Oberau-Haslach darstellt, etwas aus. Der Grenzverlauf zum Stadtviertel Europa-Neustift folgt vom Eisack beginnend der Romstraße bis zum Hadrianplatz und daran anschließend westwärts der Drususallee. In der weiteren Folge bilden die Drususallee und die Sigmundskroner Straße die Südgrenze zum Stadtviertel Don Bosco. An der Etsch erreicht Gries-Quirein die westliche Grenze zur Überetscher Gemeinde Eppan, die nur im Bereich von Burg Sigmundskron kleinflächig auch auf das rechte Flussufer ausgreift. Im Nordwesten quert die Grenze zur Gemeinde Terlan die flachen landwirtschaftlichen Gründe vor Siebeneich und erreicht das Massiv des Tschögglbergs. Über die Hänge des Guntschnabergs zieht sich nun, nur unterbrochen vom Einschnitt des Fagenbachs, die Nordgrenze zur Gemeinde Jenesien mit der Erhebung des Alten hin, welche sich weiter bis Rafenstein in den Eingangsbereich des Sarntals erstreckt. Dort erreicht Gries-Quirein wieder die Talfer, die flussabwärts größtenteils (mit der Ausnahme von Ried) bis zum Erreichen des eigentlichen Stadtgebiets bei St. Anton die Grenze zur Gemeinde Ritten bildet.

Katastralgemeinde und Stadtviertel Die Katastralgemeinde Gries entspricht dem Gebiet der historischen Gemeinde Gries und ist somit größer als das heutige Stadtviertel Gries-Quirein. Die Katastralgemeinde umfasst alle Gebiete westlich der Talfer und nördlich des Eisack und deckt damit auch die später gebildeten Viertel Don Bosco-Neugries und Europa-Neustift ab.

Gliederung des Stadtviertels Zu Gries-Quirein gehören die Ortsteile Gries, Fagen, Moritzing, Guntschnaberg, St. Georgen, Sand, Quirein sowie Teile der Kaiserau/Sigmundskron. Heute in Vergessenheit geraten sind die alten Ortsteilnamen Hof (das Gebiet um den Grieser Platz mit der ehemaligen Kapelle St. Jakob am Hof), Severs (heutiges Fagen) und Russan bzw. Haimgarten (beide heutiges Moritzing).Zu den historischen Ortsrieden vgl. Hannes Obermair, Volker Stamm: Zur Ökonomie einer ländlichen Pfarrgemeinde im Spätmittelalter, op. cit., S. 17.

Alte Grieser Höfe – gelegen teilweise im Talboden, teilweise in Streulage am Guntschnaberg, im Sand und auf St. Georgen – sind Altmessner (am Grieser Platz), Anich, Anreiter, Baumann, Bühler, Fingeller in Sand, Föhrner, Fuchs in Tschams (Fuchs im Loch), Georgenhof, Hütter (Unter- und Oberhütter), Kellermann, Köfele, Kofler auf Zeslar (Ansitz Rundenstein), Kreuzbichl, Kristplon, Kugler, Mantsch, Mauracher, Migele, Möckl, Moosbauer, Nusser, Paschg, Perl, Polein, Posch, Ramer, Rametitsch (Rottensteiner), Riegler am Ort (Welscher Winkel), Sand (Eibischgries), Schallbauer, Schliefer, Schmid-Oberrautner, Sichtmann, Steger, Steinwender, Taber, Taschler, Thurner, Winterle und Zeiler.Vgl. ausführlich Josef Tarneller: Die Burg-, Hof- und Flurnamen in der Marktgemeinde Gries bei Bozen, op. cit.

Gries Das „eigentliche“ Gries ist die Gegend um den weitläufigen Grieser Platz, das frühere Viertel Hof und den historischen Mittelpunkt der alten Landgemeinde.

Quirein Der Stadtteil Quirein erstreckt sich von der Talferbrücke flussabwärts am rechten Ufer der Talfer und trägt seinen Namen von der mittelalterlichen Quirinuskapelle, die innerhalb der ehemaligen Besitzungen von Kloster Tegernsee errichtet worden war. Er umfasst somit den südöstlichen Teil des Stadtviertels Gries-Quirein bis zur Einmündung der Talfer in den Eisack.

Moritzing Moritzing im Westen des heutigen Stadtviertels ist ein ländlich geprägtes Gebiet mit landwirtschaftlichen Betrieben, die überwiegend Weinbau betreiben. Der Name leitet sich von der romanischen Kirche St. Mauritius ab, die in der Gotik und im Barock stark umgebaut wurde, von der aber noch die freskierte romanische Apsis erhalten ist. Als mächtiger alter Weinhof sticht der unmittelbar neben der Kirche gelegene Anreiterhof aus dem 16. Jahrhundert hervor, der Besitz der Kurie Bozen-Brixen ist.

In Moritzing befinden sich das Regionalkrankenhaus Bozen, das Universitäre Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe Claudiana und die Einsatzzentrale des Landesrettungsdienstes Weißes Kreuz.

1981 stieß man bei Bauarbeiten in Moritzing auf einen wichtigen archäologischen Fund. Dabei handelt es sich um ein Gräberfeld aus der jüngeren Eisenzeit.Vgl. Hubert Steiner: Das jüngereisenzeitliche Gräberfeld von Moritzing, op. cit., S. 155ff. Die Grabungen wurden 1994 fortgesetzt; insgesamt konnten 32 Brandgräber in Urnen geborgen werden, die sich der Fritzens-Sanzeno-Kultur zuordnen lassen. Die teilweise sehr reichhaltigen Gräber gaben wichtige Aufschlüsse zu den Gebrauchsgegenständen und der Tracht der damaligen Bevölkerung. Die Funde datieren in das 5. bis frühe 3. Jahrhundert vor Christus.

Geschichte mini|Grieser Weingärten vor der Stiftskirche Muri-Gries (Perl-Hof) mini|Plan des Kurorts Gries mit Gebäude­namen (Collage von zwei Plänen aus Höffingers Fremdenführer von 1887) mini|hochkant|Frontispiz von Carl Höffingers touristischer Ortsmonographie von 1887

Gries ist wie Bozen eine Altsiedellandschaft, worauf zahlreiche ur- und frühgeschichtliche Fundstellen hinweisen. In der Schwefelwasserquelle von Moritzing wurden im späten 19. Jahrhundert etwa 3000 Fingerringe aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. gefunden.Franz von Wieser: Die Bronze-Gefäße von Moritzing. In: Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg III/35, 1891, S. 305–329. Eine erste Verdichtung erfolgte in römischer Zeit. Dies wurde durch Ausgrabungen im Areal des Grieserhofs bestätigt, wo 2016 bei Umbauten die qualitätvollen Reste einer Villa rustica aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. zu Tage traten. Ein erneuter Aufschwung stellte sich erst wieder ab der Karolingerzeit ein. Im Hochmittelalter waren vor allem die Grafen von Bozen – die Arnoldiner – treibende Kräfte: Sie errichteten gegen Ende des 11. Jahrhunderts im Zentrum des einstigen Cheller (Keller = Weinkeller der bischöflichen Kirche Freising, 1165 erstmals genannt), dem heutigen Gries, einen befestigten Stützpunkt, der ein Gegenpol zu der im späten 12. Jahrhundert von den Bischöfen von Trient begründeten Marktsiedlung Bozen werden sollte. Rund um die von dem später ausgestorbenen Adelsgeschlecht erbaute Burg entwickelte sich eine kleine Siedlung. Der Name Gries tauchte erstmals um 1185/86 (Griaz, Grize)Belege bei Franz Huter (Bearb.): Tiroler Urkundenbuch. Abt. I: Die Urkunden zur Geschichte des deutschen Etschlandes und des Vintschgaus. Band 1. Innsbruck: Wagner 1937, Nr. 427 und 429. auf und verdrängte erst im 15. Jahrhundert endgültig den alten Namen Keller. Der mittelhochdeutsche Name bezieht sich auf ein Kiesgeschiebe bzw. eine Großflur mit grobem Sand, wie sie die Uferstrecken der Talfer säumen. Mittelhochdeutsches Handwörterbuch von Matthias Lexer, Bd. 1, Sp. 1082 (online).

Seit dem Frühmittelalter und bis in die Frühe Neuzeit besaßen zahlreiche bayerische Klöster und Stifte als Grundherrschaften Weingüter in Gries-Quirein; unter ihnen ragen das Hochstift Freising und das Kloster Schäftlarn hervor, die hier seit dem 12. Jahrhundert über ausgedehnte Besitzungen und entsprechende Einkünfte verfügten.Andreas Otto Weber: Studien zum Weinbau der altbayerischen Klöster im Mittelalter. Altbayern – österreichischer Donauraum – Südtirol. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 978-3-515-07290-8, S. 307ff.

Als der neue Landesherr Meinhard II. „sein“ Gries gegen das bischöfliche Bozen mit Privilegien ausstattete, gewann Gries gegenüber Bozen an Bedeutung – im meinhardinischen Gesamturbar von 1288 ist das Amt Gries (»daz ist der gelt ze Gries«) mit 78 Einzelposten ausführlich aufgeführt.Oswald Zingerle (Bearb): Meinhards II. Urbare der Grafschaft Tirol (= Fontes rerum Austriacarum. 2. Abt., Band 45/1). Wien: Tempsky 1890, S. 116–119 (Abschnitt XIX). Dieser Dualismus Gries-Bozen, bestimmt durch Konkurrenz, aber auch durch gegenseitige ökonomische Integration, blieb über mehrere Jahrhunderte bestehen.Hannes Obermair, Volker Stamm: Zur Ökonomie einer ländlichen Pfarrgemeinde im Spätmittelalter, op. cit., S. 14ff. Ein eigenes Marktrecht (St.-Andreas-Markt) begründete eine starke wirtschaftliche Stellung. Entscheidende Aufwertung erfuhr Gries auch, als der Habsburger Friedrich IV. im frühen 15. Jahrhundert das von der bayerischen Gräfin Mathilde von Valley, Gattin Arnolds III. von Morit-Greifenstein, in den 1160er Jahren gegründete Augustinerchorherrenstift Maria in der Au (am Eisack bei Bozen) in die ehemalige Burg Gries verlegte.

Relativ früh tritt eine eigenständig handelnde Grieser Dorfgemeinschaft in Erscheinung. Schon 1165 agiert sie als ländliche Gemeinde Keller(-Gries; conmunitas de Cella) in Zehntstreitigkeiten und 1190 gleichberechtigt mit der Bozener Gemeinschaft (comunitas plebium de Bauçano et de Kellare) in Angelegenheiten des Flurzwanges, der Allmendenutzung und des Wald- und Weidebesitzes. Als räumliche Grenze der beiden Agglomerationen fungierte die Talfer.

Für die Zeit um 1450/1500 wird eine Einwohnerzahl von ca. 350–400 Personen angenommen – sie „verteilten sich auf knapp 100 steuerpflichtige Hofstellen“.So Hannes Obermair, Volker Stamm: Zur Ökonomie einer ländlichen Pfarrgemeinde im Spätmittelalter, op. cit., S. 15. Seit dem späten 15. Jahrhundert wurde die Integration von Gries und Bozen durch die habsburgischen Landesfürsten mit der Schaffung des Landgerichts Gries-Bozen aktiv gefördert. In der von Herzog Sigmund von Österreich-Tirol erlassenen Landgerichtsordnung von Gries-Bozen von 1487 werden als historische Grieser Viertel alle margreid enhalb der Talfer alz zu Gries, am Hoff, am Haingartten, zu Sefers, im Sand, zu sand Jórgen, auff Contschná ausdrücklich genannt und der Grieser Platz (der platz ze Gries vor dem kloster) als Aufgebotsort bestimmt. Die Saltnerordnung von Gries und Bozen aus dem Jahr 1551 nennt als enthalb der Talfer, also im Grieser Gebiet gelegene Hütbezirke eines Weinberghüters die hueten zum hohen Alber, auf dem Graul, zu Threw, Steger torggl, auf dem Rennweg, Pern torggl, am Fagen.Josef Psenner: Eine alte Saltner-Ordnung. In: Der Schlern 2, 1921, S. 361–364, hier S. 363–364 (Digitalisat).

19. und 20. Jahrhundert mini|links|hochkant|Gästeliste des Kurorts Gries von 1908/09 Die Gemeinde Gries entstand 1849, gleichzeitig mit den Gemeinden Leifers und Zwölfmalgreien, infolge der Aufteilung des alten Magistratsbezirks Bozen.Bruno Mahlknecht: Der Magistratsbezirk Bozen zerfällt in vier selbstständige Gemeinden. In: ders.: Bozen durch die Jahrhunderte. Band 3. Bozen: Athesia 2006, ISBN 88-6011-027-0, S. 148.