mini|Das Rothschildsche Neue Palais an der Grünen Burg mit Park, etwa 1864. Oben rechts der vormals Bethmannsche Gutshof Grüne Burg mit Orangerie. Ausschnitt aus dem Malerischen Plan von Frankfurt am Main von Friedrich Wilhelm Delkeskamp

Der Grüneburgpark ist eine 29 Hektar große Parkanlage im Frankfurter Stadtteil Westend. Der Name des Parks ist abgeleitet von dem im 18. Jahrhundert so benannten Gutshof Grüne Burg (später in Schloss Grüneburg umbenannt), sowie von dem im 19. Jahrhundert auf dem gleichen Grundstück errichteten Rothschildschen Neuen Palais an der Grünen Burg. Beide Gebäude sind nicht erhalten geblieben. Der Grüneburgpark ist die größte Parkanlage innerhalb des Frankfurter Alleenrings; außerhalb dieser Ringstraßen wird der Park im Frankfurter Stadtgebiet an flächenmäßiger Ausdehnung lediglich vom Niddapark (168 ha) sowie vom Ostpark (32,16 ha) übertroffen. Wegen seines alten Baumbestandes, der teilweise auf das frühe 19. Jahrhundert zurückgeht, und wegen seiner historischen Bedeutung für die Stadt Frankfurt hat der Grüneburgpark den Status eines Gartendenkmals und ist darüber hinaus als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

Lage Der Grüneburgpark liegt im Nordosten des Stadtteils Westend auf einem von Südwesten nach Nordosten leicht ansteigenden Gelände. In unmittelbarer Nachbarschaft des heutigen Grundstücks des Grüneburgparks befinden sich zwei weitere Grünanlagen: im Südwesten der Palmengarten Frankfurt und im Westen der Botanische Garten, der dort über einen Nebeneingang vom Grüneburgpark aus verfügt. Im Osten grenzt der Campus Westend der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main mit dem I.G. Farben-Gebäude an den Park an, im Norden wird der Park durch die Miquelallee begrenzt. Jenseits der Miquelallee setzt sich der Grünzug in der bereits zu Bockenheim gehörenden Miquelanlage fort. An der südwestlichen Ecke des Parks, an der Siesmayerstraße, liegen der städtische Jugendverkehrsgarten mit der Frankfurter Kinderstraßenbahn, eine Kindertagesstätte sowie eine öffentliche Toilettenanlage für Parkbesucher.

mini|hochkant|Rosskastanie (19. Jhdt.) beim ehemaligen Standort des Rothschild-Palais mini|hochkant|Sommerlinde im Park

Baumbestand und Denkmalschutz Der Grüneburgpark ist sowohl Gartendenkmal als auch Landschaftsschutzgebiet. 2.600 Bäume sind in dem 29 Hektar großen Park kartiert, die teilweise aus der Zeit der Anlage des Parks stammen. Der älteste Baum im Park, eine einzeln stehende, große Sommerlinde (Tilia platyphyllos) im Nordosten des Geländes, wird auf das Jahr 1822 datiert.Informationstafel der Bürgerinitiative Grüneburgpark am südwestlichen Parkeingang; Stand: August 2017. Zu den weiteren im 19. Jahrhundert gepflanzten Baumarten, die im Park jeweils mit mehreren groß gewachsenen Exemplaren vertreten sind, zählen die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) sowie die Stieleiche (Quercus robur).Botanische Kennzeichnung ausgewählter, besonders alter Bäume im Park durch Plaketten an den Baumstämmen.

Nachdem jahrzehntelang keine gartendenkmalpflegerischen Maßnahmen ergriffen wurden, beauftragte das Grünflächenamt ein Landschaftsarchitekturbüro, einen Sanierungsplan zu erstellen. Dieser enthielt die Maßnahmen, Solitärbäume frei zu stellen und die historischen Sichtachsen freizuschneiden. Gegen die damit verbundene Fällung von 165 Bäumen richtete sich eine Bürgerinitiative. Die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Bündnis 90/Die Grünen) stellte sich im Mai 2013 auf die Seite der Bürgerinitiative und erklärte, es würden keine Bäume gefällt.

Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen reagierte mit Unverständnis.Grüneburgpark: Keine Baumfällungen für Pflege der historischen Gestalt Frankfurts – Grünen-Stadträtin Heilig hält Denkmalschutz für nicht mehr zeitgemäß, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Ausgabe vom 24. Mai 2013, S. 45.

Geschichte mini|hochkant|Lageplan des Anwesens von 1887

18. Jahrhundert: Schloss Grüneburg Das Affensteiner Feld genannte Gelände nördlich des Gailswegs, der vom Eschenheimer Tor nach Ginnheim führte, lag etwa 1½ Kilometer nordwestlich der Stadtmauer, aber noch innerhalb der Frankfurter Landwehr, die das Territorium der Reichsstadt umzog. Hier befand sich vermutlich seit dem 14. Jahrhundert ein Gutshof. 1789 erwarb der Bankier Peter Heinrich von Bethmann-Metzler das Grundstück von dem Juwelenhändler Matthias Riese.Sonja Thelen: Grünes Frankfurt, S. 54. Nach Erweiterungen des Geländes und der Hofgebäude bekam der vormalige Gutshof den Namen Schloss Grüneburg.Blecken: Historische Parks in Frankfurt am Main in: Stadt-Parks, S. 99. In den folgenden Jahren trafen sich hier einige prominente Dichter der Zeit, darunter Johann Wolfgang von Goethe, Bettina von Arnim, Clemens Brentano und Karoline von Günderrode. Goethe beschrieb das Gelände und dessen Aussicht nach einem dortigen Besuch im Jahr 1797 bei Joachim Bethmann-Metzler mit den Worten:

„Es liegt sehr angenehm, eine starke halbe Stunde vor der Stadt, vor dem Eschenheimer Tor, auf einer sanften Anhöhe, von der man vorwärts die Stadt und den ganzen Grund, worin sie liegt, und hinterwärts den Niddagrund bis an das Gebirge übersieht.“Johann Wolfgang von Goethe, zitiert nach Frank Blecken: Historische Parks in Frankfurt am Main in: Stadt-Parks, S. 99.

19. Jahrhundert: Neues Palais an der Grünen Burg mini|links|Erinnerungstafel an das Neue Palais an der Grünen Burg im Park mit Zeichnung der Südfassade des Gebäudes

Im Jahr 1837 kaufte der Bankier Amschel Mayer von Rothschild das Grundstück und das Schloss Grüneburg, um es seinem Neffen Anselm Salomon und dessen Ehefrau zur Verfügung zu stellen. Das Ehepaar ließ von 1844 bis 1845 unmittelbar westlich davon ein schlossähnliches Landhaus erbauen – das Neue Palais an der Grünen Burg.Vogt: Siesmayers Gärten, S. 74. Die Angaben über den Architekten des Palais sind widersprüchlich – sowohl Jakob von Essen als auch der französische Architekt Honoré Belanger werden in der neueren Literatur als Urheber der Entwürfe für das Haus angeführt.Klaus Merten, Christoph Mohr: Das Frankfurter Westend, S. 14. Eine Dokumentation des Kuratoriums Kulturelles Frankfurt mit dem Schwerpunkt Architektur und zahlreichen historischen Abbildungen (Karten und Fotos). Prestel Verlag, München 1974, ISBN 3-7913-0036-9. Auch dessen für Frankfurt als ungewöhnlich geltender Architekturstil wird unterschiedlich bewertet: Eine Dokumentation aus dem Jahr 1974 stuft die Stilrichtung als „Style Louis XII mit neobarocken Stilelementen“ ein, eine Arbeit aus dem Jahr 2009 bezeichnet den Stil als „französische Neo-Renaissance“.

Zeitgleich mit der Errichtung des Palais legte der Frankfurter Gartenarchitekt Friedrich Grüneberg davor einen parkähnlichen Garten mit Pavillons, Weiher und Voliere an. 1850 folgte der Bau der Orangerie auf dem Gelände des zum Wirtschaftsgebäude umfunktionierten Gutshofs Grüne Burg. Im Jahr 1877 ging das Palais in den Besitz von Wilhelm Carl von Rothschild und seiner Frau Hannah Mathilde über. Die Parkanlage wurde vergrößert und vom Landschaftsarchitekten Heinrich Siesmayer, unterstützt vom Rothschildschen Hausgärtner Johannes Veit, als Landschaftspark im Stil eines Englischen Gartens vollendet. Die Gebäude des vormals Bethmannschen Hauses Schloss Grüneburg – das Anwesen befand sich mittlerweile ebenfalls im Besitz von Wilhelm Carl von Rothschild – wurden zu Beginn der 1880er Jahre abgerissen; von 1883 bis 1885 wurde an der Nord- und an der Ostseite des Parks jeweils ein Pförtnerhaus errichtet. Ende der 1880er Jahre wurde der Park nochmals um das nördlich davon gelegene Gelände bis zur Miquelallee erweitert und vom Sohn Heinrich Siesmayers, Philipp Siesmayer, gestaltet.Vogt: Siesmayers Gärten, S. 75–77. An der vom Palais nach Norden gehenden Allee ließ Rothschild einen etwa 20 Meter hohen Wasser- und Aussichtsturm mit viereckigem Grundriss errichten.

Zur Anlage zählt ein sehr gut erhaltener Eiskeller auf dem Grundstück des nördlichen der beiden Pförtnerhäuser, der 2010 geöffnet und untersucht wurde.Eiskeller im Grüneburgpark FFM 197. In: Archäologie in Frankfurt 2009–2011.

20. Jahrhundert: Rothschild-Enteignung und Grüneburgpark mini|links|In dem von der Stadtverwaltung in den 1930er Jahren erpressten Neuen Palais an der Grünen Burg wurde bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges ein Café betrieben.

In den 1920er Jahren wurde das Palais Grüneburg von einem Enkel Wilhelm Carls, Albert von Goldschmidt-Rothschild, und dessen Familie bezogen. Ebenfalls zu dieser Zeit hatte die Stadt Frankfurt mit Versuchen begonnen, Privatparks in städtisches Eigentum zu bringen und in Volksparks umzuwandeln. In den 1930er Jahren zwang die nationalsozialistische Frankfurter Stadtverwaltung Goldschmidt-Rothschild zur Zustimmung zu einem Umlegungsvertrag, nach dessen Regelung er im Tausch andere Baugrundstücke hätte erhalten sollen. Aufgrund weitergehender Repressalien durch die Stadtverwaltung konnte er deren Besitz jedoch nicht antreten.Vogt: Siesmayers Gärten, S. 78. Im Jahr 1935 musste Freiherr Albert von Goldschmidt-Rothschild den Wohnsitz seiner sechsköpfigen Familie „der Stadtgemeinde übereignen“, wie einem Brief der Stadtverwaltung an Oberbürgermeister Friedrich Krebs aus dem Jahr 1935 zu entnehmen ist. Die Familie Goldschmidt-Rothschild emigrierte 1938 in die Schweiz; Albert von Goldschmidt-Rothschild beging 1941 Suizid, weil ihm die Ausweisung aus der Schweiz drohte.

Der Grüneburgpark wurde, nach nahezu 100 Jahren im Privatbesitz der Rothschilds, 1936 in einen eintrittsgeldpflichtigen öffentlichen Park umgewandelt. Unter der Leitung des Frankfurter Gartenbaudirektors Max Bromme wurde der Park um eine große Wiese erweitert; der Baumbestand wurde ausgedünnt. Im vormals rothschildschen Palais Grüneburg eröffnete ein Café.

Das Palais wurde im Zweiten Weltkrieg durch einen schweren Luftangriffe 1944 schwer beschädigt.

Nach dem Ende des Krieges gehörte der Park zur militärischen Sperrzone der US-Streitkräfte, deren damaliges Hauptquartier in Europa, das I.G. Farben-Gebäude, sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Park befindet. Als die Sperrzone in den 1950er Jahren aufgehoben worden war und der Park wiederhergestellt und wiedereröffnet wurde, wurden im Zuge dieser Maßnahmen die unbeschädigt gebliebene Orangerie und die Ruine des Palais Grüneburg abgerissen.Vogt: Siesmayers Gärten, S. 79. Der Park wurde zudem auf 29 Hektar erweitert.

Heute wird der Grüneburgpark von Frankfurter Bürgern als Erholungsort und für verschiedene Freizeitaktivitäten genutzt. Seit ihrer Rückkehr nach Frankfurt vor etwa 50 Jahren gilt Nadine von Mauthner (1927–2011), jüngste Tochter von Albert von Goldschmidt-Rothschild, als letzte im Grüneburgpark geborene Frankfurterin.

Heutige Gebäude im Park mini|hochkant|links|Der ehemalige Standort vom Palais Grüneburg mit Gedenkstele (Bildmitte). Ansicht von Süden; im Hintergrund der Europaturm mini|hochkant|Der ehemalige Schönhof-Pavillon von 1820, heute Park-Café mini|hochkant|Die Georgioskirche im Park, am Standort der ehemaligen Orangerie