Die Datei „“ (Plural von , engl. ‚Wirte‘ oder ‚Gastgeber‘ i. S. v. Anbieter, Bereitsteller; i. d. R. kleingeschrieben, es sei denn, das Dateisystem unterstützt dies nicht) ist eine lokale Konfigurationsdatei, um Hostnamen zu IP-Adressen zuzuordnen. Diese Systemdatei wurde ursprünglich an Stelle des Domain Name Systems verwendet. Heute wird sie allgemein lediglich zur festen Zuordnung in lokalen (und virtuellen) Rechnernetzen (LAN) verwendet.

Geschichte Betriebssysteme der späten 1960er und der 1970er Jahre, wie ITS, Multics oder WAITS/TOPS-10/TOPS-20, nutzten . Diese wurden durchwegs binär gespeichert und verarbeitet, allerdings über ein Text-Format, oft HOSTS.TXT, ausgetauscht. Da es unterschiedliche Austauschformate gab, wurde jenes, das am MIT und in Stanford verwendet wurde, 1979 als universelles Format vorgeschlagen und als 1985 per RFC 952 standardisiert. Die genannten Betriebssysteme nutzten dieses Format bis zu ihrem produktiven Betriebsende (um die Jahrtausendwende) weiter.

Das Format der -Datei ist etwas einfacher als die und stammt ursprünglich aus der Berkeley Software Distribution (BSD), mit der Unix-Version 4.2BSD von 1983, das in Verbindung mit dem dort entwickelten Netzwerk-Stack steht. Später wurde es für diverse andere Betriebssysteme übernommen.

Aus jener Zeit stammt auch der Dateiname , was die Abkürzung für „“ ist und bei Windows-Systemen vom LAN-Manager und später auch von der SMB-Software Samba verwendet wurde.

Vor der Einführung des Domain Name Systems (DNS) wurden Rechnernamen im Internet über diese -Dateien aufgelöst. Die Verteilung und Aktualisierung dieser Dateien war allerdings ein logistisches Problem. Deshalb werden -Dateien im Internet sowie in größeren Netzwerken heutzutage selten bis nicht mehr verwendet. Auch Loopback-Adressen benötigen heutzutage keinen Eintrag in der -Datei.

Technische Details Muss ein Hostname in eine IP-Adresse (oder umgekehrt) übersetzt (oder „aufgelöst“) werden, so wird bei Betriebssystemen zuerst versucht, die Namensauflösung lokal anhand der in der Hosts-Datei gespeicherten Zuordnungen durchzuführen, bevor andere Methoden (DNS, WINS usw.) versucht werden. Bei unixartigen Systemen wird die Reihenfolge durch Einträge in der Datei festgelegt.

In den nicht mehr auf DOS-basierenden Windows-Versionen, ab Windows NT, wird die Datei meistens nicht mehr benötigt, da deren Aufgabe bei den heute aktuellen Betriebssystem-Versionen im Normalfall der Windows Internet Naming Service übernimmt.

Pfade unter verschiedenen Betriebssystemen Der Speicherort der -Datei nach Betriebssystemen, chronologisch: Unix bzw. Unix-artig: z. B. *BSD (wie FreeBSD, NetBSD, OpenBSD), GNU/Linux /etc/hosts NeXTSTEP/OPENSTEP/Darwin macOS /etc/hosts bzw. /private/etc/hosts (/etc ist eine Verknüpfung mit /private/etc) iOS /private/etc/hosts Android /etc/hosts bzw. /system/etc/hosts (/etc ist eine Verknüpfung mit /system/etc) AmigaOS AmiTCP:db/hosts DEVS:Internet/hosts (ab Version 4) OS/2 und eComStation "bootdrive":\mptn\etc\hosts Windows Windows 3.x mit TCP/IP von Drittherstellern Trumpet Winsock: <Installationsverzeichnis>\HOSTS Windows 9x: 95/98/Me %WinDir%\hosts NT-Linie bis einschließlich Windows 7 %SystemRoot%\system32\drivers\etc\hosts ist Systemvorgabe; der Pfad ist in der Registrierungsdatenbank gespeichert und kann angepasst werden: \HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Services\Tcpip\Parameters\DataBasePath Mobile pro Host ein Schlüssel in der Registrierungsdatenbank unter \HKEY_LOCAL_MACHINE\Comm\Tcpip\Hosts NT-Linie ab Windows 8 %windir%\system32\drivers\etc\hosts Plan 9 /lib/ndb/hosts AROS ENVARC:AROSTCP/db/hosts MorphOS ENVARC:sys/net/hosts Haiku /boot/common/settings/network/hosts Series 60 1st und 2nd Edition: C:\system\data\hosts 3rd Edition C:\private\10000882\hosts (Zugriff wegen Platform Security nicht ohne weiteres möglich.https://www.nokiaport.de/forum/thread.php?postid=39480)

Dateiformat Die Datei besteht aus einer tabellarischen Auflistung von IP-Adressen und dazugehöriger Hostnamen. Die Spalten werden durch Leerzeichen oder Tabulatorzeichen getrennt. Eine typische Hosts-Datei sieht so aus:

# Kommentare werden durch eine vorangestellte Raute eingeleitet 127.0.0.1 localhost.localdomain localhost ::1 localhost.localdomain localhost fe00::0 ip6-localnet ff00::0 ip6-mcastprefix ff02::1 ip6-allnodes ff02::2 ip6-allrouters ff02::3 ip6-allhosts

Die erste Zeile dient der Zuordnung des Localhost im IPv4, die folgenden Zeilen ordnen IPv6-Adressen zu.

Zu beachten ist, dass jede Unterdomain mit aufgeführt werden muss, denn sollte der Eintrag nicht vorhanden sein, wird dieser wieder aufgelöst.

Verwendungsmöglichkeiten Hosts-Dateien ermöglichen es, einen DNS-Eintrag fest einer IP-Adresse zuzuordnen, was zum Beispiel die eindeutige Zuordnung und Verwendung in einem Netzwerk mit mehrfach vergebenen gleichen Namen ermöglicht. Ebenso kann Rechnern, die über andere, möglicherweise ungünstige oder fehlende Namen verfügen, ein einfacher und genau identifizierbarer Name gegeben werden. Die Verwendung der Hosts-Datei kann also einen zeitweiligen Ausfall des DNS-Servers kompensieren. Ebenso besteht die Möglichkeit, mithilfe einer Umleitung auf das Loopback-Interface (Hostname localhost, IP-Adresse 127.0.0.1) Adressen zu sperren. Dabei wird die Anfrage nach einem bestimmten Domainnamen, z. B. example.com, so beantwortet, dass sie auf die Adresse des eigenen PCs verweist. Da dort die gesuchte Seite nicht vorhanden ist, erhält man einen Seitenladefehler.

Webentwickler tragen außerdem häufig Domains ein, für die sie Inhalte entwerfen. Somit können die Inhalte des lokalen Webservers getestet werden, als ob sie sich auf einem Webserver mit selbiger Domain im Internet befänden. Die Domain ist jedoch nur lokal erreichbar. Eine Verarbeitung von Skripten und Aufgaben ist so mit den späteren Namen sofort möglich.

Verwendung als Filter Manchmal wird die Hosts-Datei dazu verwendet, bekannte Werbeserver zu blockieren, indem sie als Alias für 127.0.0.1 (besser 0.0.0.0) eingetragen werden. Die Besonderheit dieser Methode gegenüber den zu installierenden Werbefiltern ist, dass diese Sperrung systemweit Gültigkeit hat, also nicht nur auf einen Browser beschränkt ist. Darüber hinaus kann man solche Filter auch gegen manche Schadprogramme einsetzen, wenn diese Anweisungen von bereits bekannten Servern abzurufen versuchen.Webseiten sperren. In: schnatterente.net vom 29. Juni 2012. Abgerufen am 10. September 2021Akemi Iwaya: What is the Difference Between 127.0.0.1 and 0.0.0.0?. In: howtogeek.com vom 16. August 2015. Abgerufen am 10. September 2021.

Die exzessive Verwendung dieser Datei kann jedoch den gesamten Prozess der Namensauflösung verlangsamen, da diese Datei nicht für große Datenmengen optimiert ist. Vorgefertigte Dateien für die Verwendung als Werbefilter oder DNS-Ersatz sind im Internet erhältlich.

Missbrauch Besonders Windows-Betriebssysteme sind häufig das Ziel von Viren, die die Hosts-Datei so modifizieren, dass Benutzer auf gefälschte Onlinedienste geleitet werden. Mit diesem Trick kann etwa ein Benutzer auf eine gefälschte Onlinebanking-Seite umgeleitet werden (siehe Pharming und Phishing). Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, auf verschlüsselte Verbindungen zu achten sowie das Zertifikat des Verbindungsschlüssels zu überprüfen.

Dies wird meist durch Einträge begleitet, die eine Aktualisierung der Antivirenprogramme unterbinden. Die Server des Herstellers erreichen sie durch dessen Internetadressen, auf diesen Servern werden die aktualisierten Virensignaturen bereitgestellt. Sind Aktualisierungsserver aufgrund ungültiger oder falsch eingetragener IP-Adressen in der Hosts-Datei nicht zu erreichen, verhindern diese Einträge somit die automatische oder manuelle Aktualisierung der Software. Durch aktuell gehaltene und richtig konfigurierte Sicherheitssoftware (Benutzerkonto, aktiver Hintergrundwächter, aktive Firewall) sollten sich solche Manipulationen jedoch vorher verhindern lassen.

Eine weitere (hier bewusst erwünschte) Methode der Manipulation wurde speziell von Erstellern von Software-Schwarzkopien entwickelt. Da viele Arten von Software online aktiviert werden müssen, wird in der Hostsdatei ein Eintrag mit dem Namen des Servers des legalen Softwareanbieters angelegt, mit dem zur Aktivierung Kontakt aufgenommen wird. Dieser wird nun lediglich mit der IP-Adresse eines Servers versehen, den die Anbieter der Schwarzkopien unterhalten. Auf diesem liegen dann die illegal beschafften Aktivierungsschlüssel. Die Manipulation der Datei geschieht mit einem mitgelieferten Programm.

Siehe auch Iptables

Weblinks Blocking Unwanted Parasites with a Hosts File (englisch) – Informationen zur hosts-Datei sowie eine stets aktualisierte hosts-Datei zum Herunterladen Using a Hosts File To Make The Internet Not Suck (englisch) – weitere Informationen und beispielhafte hosts-Dateien, die z. B. Werbung blockieren

Einzelnachweise

Kategorie:Konfigurationsdatei Kategorie:Rechnernetze