mini|hochkant=1.4|Stolpersteine in Simmelsdorf Die Liste der Stolpersteine in Simmelsdorf enthält die Stolpersteine, die vom Kölner Künstler Gunter Demnig in Simmelsdorf verlegt wurden. Bisher wurden nur im Gemeindeteil Hüttenbach Stolpersteine verlegt. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Sie liegen im Regelfall vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz des Opfers.

Die erste Verlegung fand 2017 statt.

Jüdisches Leben in Hüttenbach Das mittelfränkische Dorf Hüttenbach war bis 1972 eine eigenständige Gemeinde und wurde danach ein Gemeindeteil der Gemeinde Simmelsdorf. Anlässlich der Gemeindezusammenlegung ging das Gemeindearchiv von Hüttenbach verloren, da es von der Gemeinde Simmelsdorf als Müll entsorgt wurde. Daher ist die Quellenlage lückenhaft.

Seit dem 15. Jahrhundert siedelten in Hüttenbach gemeinsam Juden und Christen. Zeitweise hielten sich die entsprechenden Bevölkerungsanteile die Waage. Hüttenbach war vor 1700 die größte jüdische Gemeinde im Kurfürstentum Bayern. Bereits vor 1431 lebten Juden am Ort, 1499 ließen sich offenbar mehrere aus Nürnberg vertriebene Familien in Hüttenbach nieder. Aus dem Jahr 1580 ist ein Schutzbrief für die Juden von Simmelsdorf erhalten. 1615 gab es acht jüdische Familien am Ort, 1732 bereits 42 und 1769 waren es 81. Sie lebten vom Vieh- und Warenhandel. Christian August, Herzog von Pfalz-Sulzbach, gestattete jüdischen Handelsleuten aus Schnaittach, Hüttenbach, Ottensoos, Neuhaus und Forth um 1650 ihre Geschäfte auch auf das Pfalz-Sulzbachische Gebiet zu verlegen. Die Zahl der jüdischen Einwohner in Hüttenbach sank ab den 1830er Jahren kontinuierlich, von 380 auf 134 im Jahr 1880 und danach weiter auf 60 im Jahr 1910, das waren nur mehr 9,4 Prozent der Bevölkerung. Es bestand eine Synagoge, 1619 erstmals erwähnt, und eine jüdische Schule sowie ein rituelles Bad im Keller des Schulhauses. 1988 wurde eine alte Mikwe im Haus Bürgermeister-Roth-Straße 3 wiederentdeckt. Die Toten wurden auf dem jüdischen Friedhof in Schnaittach beigesetzt. Nach Auflösung des Rabbinatsbezirk Schnaittach gehörte die Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Schwabach, ab Juli 1932 zum Rabbinatsbezirk Ansbach.

Bis zum Beginn der NS-Zeit waren die Juden von Hüttenbach völlig im Allgemeinen Leben des Ortes integriert, auch im Vereinsleben. Beispielsweise gehörte das Gemeindemitglied Eduard Isner 25 Jahre, bis 1933, als Beigeordneter dem Gemeinderat von Hüttenbach an. Bereits vor 1933 kam es zu antijüdischen Agitationen seitens des nationalsozialistischen Bürgermeister Franz Rost, diese wurden von der Bevölkerung zuerst ignoriert. Ab 1935 begannen die Ausgrenzungen der Menschen jüdischen Glaubens aus der Dorfgemeinschaft, dies aber vor allem durch Einschüchterungen durch auswärtige SA-Angehörige, die sich vor jüdischen Geschäften mit antisemitischen Parolen stellten und am Ortseingang Transparente aufhängten „Juden und Hunden ist der Zutritt verboten“. Während der Reichspogromnacht drangen SA-Männer in die Synagoge ein und zündeten auf einen Haufen geworfene Thorarollen und Ritualgegenstände an, die Feuerwehr versuchte zu löschen, wurde aber daran gehindert. Eine Woche später wurden die Häuser der Menschen jüdischen Glaubens beschlagnahmt, daraufhin verließen sie Hüttenbach. Am 28. November 1938 verließ der letzte Jude den Ort, am 29. November wurde Hüttenbach als „judenfrei“ gefeiert. Die Schule wurde ein Wohnhaus. 1948 erfolgte die Anklage von 17 Männern, die sich an den Pogromen aktiv beteiligten, einige wurden zu kurzen Haftstrafen verurteilt.Alemannia Judaica: Hüttenbach | Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde, abgerufen am 21. Juni 2020Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum: Hüttenbach (Mittelfranken/Bayern), abgerufen am 21. Juni 2020, abgerufen am 21. Juni 2020

Liste der Stolpersteine Stolperstein Inschrift Standort Name, Leben 120pxHIER WOHNTEHELENEHEILIGENBRUNNJG. 1893DEPORTIERT 1942IZBICAERMORDET Haunachstraße 50 , genannt Lene, wurde am 13. Juni 1893 in Hüttenbach geboren. Sie war zuletzt in Nürnberg wohnhaft. Am 24. März 1942 wurde sie von dort in das Ghetto Izbica deportiert. Sie wurde vom NS-Regime ermordet.Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Heiligenbrunn, Helene, abgerufen am 19. Juni 2020 120pxHIER WOHNTEJULIUSHEILIGENBRUNNJG. 1911EINGEWIESEN 1940ANSTALT D. DIAKONIENEUENDETTELSAU POLSINGEN'VERLEGT' 20.9.1940HARTHEIMERMORDET 20.9.1940AKTION T4 Bürgermeister-Roth-Straße 5 wurde am 12. Juli 1911 in Hüttenbach geboren. Er wurde 1940 in die Diakonie-Anstalt von Neuendettelsau eingewiesen. Am 13. September 1940 wurde er von Polsingen nach Eglfing-Haar bei München überstellt, wo er in einer sogenannten „Heil- und Pflegeanstalt“ untergebracht wurde. Nach einer Woche erfolgte die Überstellung in die Tötungsanstalt Hartheim, wo er am selben Tag ermordet wurde. Julius Heiligenbrunn war ein Opfer der Aktion T4.Onlineprojekt Gefallenendenkmäler: , abgerufen am 19. Juni 2020 120pxHIER WOHNTECLARAHIRSCHMANNVERH. NEUJG. 1874DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 24.4.1943 Fichtenbergstraße 4 , verheiratete Neu, auch Klara, wurde am 7. September 1879 in Hüttenbach geboren. Sie heiratete den Viehhändler Leopold Neu (geboren 1876 in Wilhermsdorf) und hatte mit ihm eine Tochter, Betty (geboren 1904). Die Tochter heiratete Fritz Sämann (geboren 1899 in Sugenheim) und hatte mit ihm einen Sohn, David Werner (geboren 1928). Das Ehepaar Clara und Leopold Neu lebte zuerst in Wilhermsdorf und zog dann nach Fürth. Clara Neu wurde am 10. September 1942 mit dem Transport II/25, Train Da 512 von Nürnberg in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Ihre Nummer auf dem Transport war 619 Clara Neu wurde am 24. April 1943 in Theresienstadt vom NS-Regime ermordet.Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Hirschmann, Klara Clara, abgerufen am 19. Juni 2020

Ihr Ehemann war nicht mit ihr deportiert worden, er beging im März 1943 in Fürth Selbstmord.Chronik Fürth 1933 – 1945, abgerufen am 19. Juni 2020 Ihre Tochter Betty wurde mit ihrem Ehemann und dem gemeinsamen Sohn im März 1942 ins Ghetto Izbica deportiert worden, alle drei wurden dort ermordet.Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Sämann, Betty Betti, abgerufen am 19. Juni 2020Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Sämann, Fritz, abgerufen am 19. Juni 2020Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Sämann, David Werner, abgerufen am 19. Juni 2020Juden in Erlangen, abgerufen am 19. Juni 2020 120pxHIER WOHNTEMATHILDEHIRSCHMANNVERH. WOLLENREICHJG. 1874DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 21.8.1943 Fichtenbergstraße 4 , verheiratete Wollenreich, wurde am 31. Oktober 1874 in Hüttenbach geboren. Sie lebte eine Zeit lang auch in Bad Windsheim. Alemannia Judaica: Bad Windsheim (Kreis Neustadt an der Aisch - Bad Windsheim) Jüdische Geschichte / Synagoge, abgerufen am 19. Juni 2020 Zuletzt wohnte sie in Nürnberg. Sie wurde am 10. September 1942 von Nürnberg in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort wurde Mathilde Hirschmann am 21. August 1943 vom NS-Regime ermordet.Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945: Wollenreich, Mathilde, abgerufen am 19. Juni 2020 120pxHIER WOHNTEBENNO ISNERJG. 1869DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 7.2.1943 Haunachstraße 49 , genannt Benno, wurde am 17. Mai 1869 in Hüttenbach geboren. Seine Eltern waren Joseph Isner (1823–1875) und Emma, geborene Aischberg (1833–1885). Er hatte sieben Geschwister: Eduard (1860–1942), Klara, später verheiratete Selig (1861–1942), Clothilde (1864-?), Sali Bella (1867–1902), Julius (1871–1926), Ludwig (1873–1920), Louise (1875–1944). Im Jahr 1896 heiratete er Salli Estireicher (1874–1953), die aus New York stammte. Das Paar hatte einen Sohn, Joseph (geboren am 11. Juli 1897 in Amberg), der am 17. Juni 1926 Irma, geborene Merkbücher heiratete. Aus dieser Ehe stammen zwei Töchter: Helga (geboren 1928) und Eleanor (geboren 1930) in Nürnberg. Die Familie war zuerst in Amberg wohnhaft, später in Regensburg. Benedikt Isner wurde am 24. September 1942 von Nürnberg mit dem Transport II/26 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Seine Transportnummer war 618. Er wurde am 7. Februar 1943 in Theresienstadt vom NS-Regime ermordet.holocaust.cz: BENNO ISNER, abgerufen am 19. Februar 2020

Klara Selig, seine Schwester, wurde ebenfalls in Theresienstadt ermordet. Seine Schwester Louise emigrierte nach Israel und starb dort 1944. Seine Frau und sein Sohn überlebten ebenfalls, sie gingen 1938 nach New York. Salli Isner starb dort am 7. Februar 1953, Joseph Isner im Juli 1976 in Cali, Kolumbien.Wolfgang Appell: Juden in Erlangen, Band II (I - L), Band II (I - L) Militärdienst – Erster Weltkrieg, Verzeichnis der jüdischen Soldaten in Einheiten der Königl. Bayer. Armee mit Standort Erlangen 1914-1919, letztes Update 2019 (mit Fotografien der Eltern und des Elternhauses von Justin Isner, außerdem ein Foto J. Isners mit beiden Töchtern in den Bergen) 120pxHIER WOHNTEJUSTIN ISNERJG. 1889FLUCHT FRANKREICHINTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1942ERMORDET INAUSCHWITZHaunachstraße 49 wurde am 2. November 1889 in Hüttenbach geboren. Seine Eltern waren Eduard Isner (1860-1942) und Bella, geborene Rosenfelder (1864-1924). Er hatte sechs Geschwister: Joseph Isner (1888-1949), Eugen (1891-1965), Emma (1893-1987), Julius (1895-1978), Clotilda (1897-1973) und Siegfried (später Shlomo, 1899-1995). Benno Isner war sein Onkel. Er zog nach Nürnberg. 1926 heiratete er in Nürnberg Babette Friederike Lutz, geboren am 5. November 1895 in Nürnberg. Das Paar hatte zwei Töchter: Bella (geboren am 30. April 1928) und Ruth Erika (geboren am 26. Oktober 1929). Justin Isner konnte sich nicht vorstellen, dass das Land, für das er im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte, ihn einmal enteignen würde. Als er im Mai 1939 plötzlich verhaftet wurde, musste er feststellen, dass die NS-Drohungen wohl auch in die Tat umgesetzt würden. Am Tag seiner Entlassung ging er in eine Schiffsagentur und kaufte dort vier Tickets nach Havanna, Kuba. Zwei Wochen später, am 13. Mai 1939, mit nur zwei Koffern, schiffte sich die Familie in Hamburg ein, auf der St. Louis, die ihr Ziel zwar erreichte, aber nicht anlegen durfte. Die St. Louis musste nach Europa zurückkehren und legte am 17. Juni 1939 in Antwerpen an. Die nächsten Jahren verbrachten die Isners in ständiger Angst und Armut in Frankreich. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen gelang es ihnen nicht mehr, den vom NS-Regime besetzten Teil Frankreichs zu verlassen. Schließlich wurde die Familie verhaftet und im Sammellager Drancy bei Paris interniert. Am 6. November 1942 wurde Justin Isner von Drancy aus in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet.