Die Matchroom.live Championship League 2020 war ein Snooker-Einladungsturnier im Rahmen der Main-Tour-Saison 2019/20, das als reines Rundenturnier in 3 Phasen vom 1. bis 11. Juni 2020 ausgetragen wurde. Aufgrund der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 fand das Turnier unter besonderen Umständen statt. Es war erst nachträglich in die Saison eingeführt worden und wurde mit zahlreichen Schutzmaßnahmen versehen. Dadurch änderten sich Ablauf und Modus des Turniers gegenüber den seit 2008 ausgetragenen Championship-League-Turnieren grundlegend. Unter anderem wurde das Turnier statt an verteilten Terminen an einem Stück ausgetragen, es gab mehr Teilnehmer und einschließlich Finale nur Gruppenspiele statt Gruppenphase und Ausscheidungsphase. Eine für die Anforderungen geeignete Spielstätte wurde mit der Marshall Arena in Milton Keynes gefunden. Die nordwestlich von London gelegene Großstadt war erstmals Austragungsort eines Snookerprofiturniers.
Die letzte reguläre Ausgabe der Championship League endete im März 2020 mit einem Sieg des Schotten Scott Donaldson, der allerdings dieses Mal nicht antrat.
Sieger wurde der Belgier Luca Brecel, der sich in der Finalgruppe ungeschlagen gegen Ben Woollaston, Stuart Bingham und Ryan Day durchsetzte. Es war nach dem Gewinn der China Championship 2017 sein zweiter Titel auf der Main Tour.
Vorgeschichte Nachdem sich ab Anfang 2020 die COVID-19-Pandemie von Asien über Europa weltweit ausbreitete, mussten in der Endphase der Snooker-Saison 2019/20 einige Turniere abgesagt bzw. verschoben werden. Nach den Gibraltar Open, die Mitte März bereits ohne Publikum ausgetragen worden waren, wurde der Spielbetrieb auf unbestimmte Zeit eingestellt. Nachdem die schwerste Phase der Pandemie in Europa überstanden war und zwischenzeitliche Schutzmaßnahmen wieder gelockert worden waren, wurde auch über die Fortsetzung des Profisports nachgedacht. Vorreiter war unter anderem die deutsche Fußball-Bundesliga, die Mitte Mai wieder mit Spielen ohne Publikum begann.
Um die Snooker-Saison wieder aufzunehmen, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon mit der Weltmeisterschaft beendet gewesen wäre, wurde ein neues Turnier eingeführt. Es sollte möglichst vielen Spielern die Teilnahme ermöglichen und gleichzeitig den Anforderungen an den Seuchenschutz Rechnung tragen können. Man entschied sich, an das Gruppenformat der Championship League anzuknüpfen. Obwohl aus Abstandsgründen nur an zwei Tischen gleichzeitig gespielt werden konnte, blieb das Teilnehmerfeld von 64 Spielern damit kompakt und jeder Spieler konnte in mindestens drei Partien wieder Spielpraxis sammeln.
Corona-Maßnahmen Wie bei anderen Sportveranstaltungen und schon beim letzten regulären Snookerturnier wurden Zuschauer ausgeschlossen. Die Sportler begaben sich vor und während des Turniers in eine Quarantäne und wurden täglich auf Viren getestet. Ohne negatives Testergebnis wurde keine Zugangsberechtigung zur Spielstätte erteilt. Das Turnier blieb ohne positive Tests. Weil die Spieler in Milton Keynes alle in unmittelbarer Nähe der Marshall Arena untergebracht werden konnten, wurde dieser Austragungsort dem letzten Austragungsort der Championship League in Leicester vorgezogen. Während der Partien wurde das Abstandsgebot zwischen den Spielern und zum Schiedsrichter eingehalten, auf das obligatorische Händeschütteln wurde verzichtet. Außerdem wurden die Hilfsqueues nicht gemeinsam genutzt und nicht von den Schiedsrichtern berührt, stattdessen hatte jeder Spieler einen eigenen Satz Hilfsqueues und Verlängerungen abseits des Tisches.
Turniermodus Das Format wies nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit der ursprünglichen Championship-Liga auf. Statt weniger ausgewählter Spieler, die mehrfach die Chance zur Endrundenqualifikation erhielten, standen 64 Spieler – die Hälfte aller Profis – gemeinsam in der Auftaktrunde. Da bei Turnierbeginn noch internationale Reisebeschränkungen in Kraft waren, konnten viele Profis nicht anreisen. Die Spieler wurden in Vierergruppen aufgeteilt, täglich spielten je zwei Gruppen getrennt an zwei Tischen alle sechs Gruppenspiele („jeder gegen jeden“) nacheinander aus. Der Modus Best of 4 wurde zwar beibehalten, allerdings wurden maximal 4 Frames ausgespielt, weshalb eine Partie 3:0, 3:1 oder 2:2-unentschieden enden konnte. Über die Platzierungen entschied in dieser Reihenfolge die Punktzahl die Framedifferenz der direkte Vergleich zweier Spieler das höhere Break während der Gruppenrunde
Nur die 16 Gruppensieger kamen ohne weitere Ausscheidungsspiele in die Zwischenrunde. Dort wurden nach demselben Modus in vier Gruppen die vier Spieler für das Finale ermittelt. Der Turniersieger ging dann aus den sechs Spielen der Finalgruppe hervor.
Preisgeld Das Preisgeld richtete sich ausschließlich nach der erreichten Platzierung, Zusatzprämien für gewonnene Frames wie bisher in der Championship League gab es nicht. Jedem Teilnehmer waren 1.000 £ als Mindestprämie sicher, der Turniersieger bekam nach drei Runden 30.000 £ ausgezahlt. Insgesamt wurden bei dem Turnier 218.000 £ ausgeschüttet.
Auftaktrunde Preisgeld Gruppensieger 4.000 £ Platz 2 2.000 £ Platz 3 1.500 £ Platz 4 1.000 £
Zwischenrunde Preisgeld Gruppensieger 6.000 £ Platz 2 2.500 £ Platz 3 2.000 £ Platz 4 1.500 £
Finalgruppe Preisgeld Turniersieger 20.000 £ Platz 2 8.000 £ Platz 3 4.000 £ Platz 4 2.000 £
Turnier Auftaktrunde In jeder der 16 Gruppen traten vier Spieler im Modus Jeder gegen jeden an. Die 16 Gruppensieger kamen weiter in die Zwischenrunde. Jeden Tag wurden zwei Gruppen ausgespielt, so dass die Auftaktrunde 8 Tage vom 1. bis 8. Juni andauerte.
Gruppe 1
Die Spiele der ersten Gruppe fanden am 6. Juni statt. Sieger wurde der Favorit Stuart Bingham, Nummer 13 der Weltrangliste. Er war punkt- und framegleich mit Ricky Walden, hatte aber ein höheres Break erzielt als sein englischer Landsmann.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 Stuart Bingham 1 2 0 7 4 +3 94 5 2 Ricky Walden 1 2 0 7 4 +3 89 5 3 Jamie Clarke 1 0 2 3 6 −3 105 3 4 Jordan Brown 0 2 1 4 7 −3 74 2
Einzelergebnisse
Gruppe 2
Die Spiele der zweiten Gruppe fanden am 1. Juni statt. Sieger wurde mit 3 Siegen der Weltranglistenerste Judd Trump.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 Judd Trump 3 0 0 9 2 +7 63 9 2 Elliot Slessor 2 0 1 7 5 +2 106 6 3 Daniel Wells 0 1 2 4 8 −4 85 1 4 David Grace 0 1 2 3 8 −5 39 1
Einzelergebnisse
Gruppe 3
Die Spiele der dritten Gruppe fanden am 2. Juni statt. Außenseiter Mark Joyce, Nummer 68 der Weltrangliste, setzte sich mit 3 Siegen durch.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 Mark Joyce 3 0 0 9 3 +6 101 9 2 Mark Davis 1 1 1 6 6 0 66 4 3 Michael Holt 1 0 2 5 7 −2 65 3 4 Louis Heathcote 0 1 2 4 8 −4 121 1
Einzelergebnisse
Gruppe 4
Die Spiele der vierten Gruppe fanden am 3. Juni statt. Mit Harvey Chandler, Nummer 84 der Weltrangliste, kam der Spieler mit der niedrigsten Platzierung in die Zwischenrunde. Nur Gruppenfavorit Joe Perry konnte ihm einen Punkt abnehmen.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 Harvey Chandler 2 1 0 8 4 +4 101 7 2 Sam Baird 1 1 1 6 6 0 96 4 3 Joe Perry 0 3 0 6 6 0 74 3 4 Mark King 0 1 2 4 8 −4 85 1
Einzelergebnisse
Gruppe 5
Die Spiele der fünften Gruppe fanden am 4. Juni statt. Liang Wenbo, Nummer 34 der Weltrangliste, erreichte als einziger von nur zwei angetretenen Chinesen die nächste Runde. Gegen den favorisierten Mark Selby gewann er ebenso souverän, wie gegen seine anderen beiden Gruppengegner.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 Liang Wenbo 3 0 0 9 1 +8 117 9 2 Joe O’Connor 1 1 1 6 6 0 143 4 3 Mark Selby 1 1 1 5 6 −1 89 4 4 Lee Walker 0 0 3 2 9 −7 66 0
Einzelergebnisse
Gruppe 6
Die Spiele der sechsten Gruppe fanden am 8. Juni statt. Außenseiter Sam Craigie, Nummer 62 der Weltrangliste, konnte dem Favoriten Ali Carter ein Unentschieden abringen und sicherte sich mit zwei Zu-Null-Siegen gegen die anderen Spieler den Gruppensieg.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 Sam Craigie 2 1 0 8 2 +6 131 7 2 Ali Carter 1 1 1 6 6 0 114 4 3 Dominic Dale 1 1 1 5 6 −1 67 4 4 Matthew Selt 0 1 2 3 8 −5 137 1
Einzelergebnisse
Gruppe 7
Die Spiele der siebten Gruppe fanden am 7. Juni statt. Mit Barry Hawkins, Nummer 15 der Weltrangliste, setzte sich der Favorit durch. Nur gegen Anthony McGill, dem einzigen Schotten im Turnier, gab er Punkte und Frames ab.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 Barry Hawkins 2 1 0 8 2 +6 96 7 2 Anthony McGill 1 2 0 7 5 +2 107 5 3 Hammad Miah 1 0 2 4 6 −2 75 3 4 Craig Steadman 0 1 2 2 8 −6 53 1
Einzelergebnisse
Gruppe 8
Die Spiele der achten Gruppe fanden am 6. Juni statt. Nachdem er die ersten beiden Partien klar gewonnen hatte, konnte sich Ben Woollaston, Nummer 38 der Weltrangliste, durch ein Unentschieden gegen den leicht favorisierten Jimmy Robertson im abschließenden Gruppenspiel den Sieg sichern.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 Ben Woollaston 2 1 0 8 2 +6 71 7 2 Jimmy Robertson 1 2 0 7 4 +3 81 5 3 Liam Highfield 1 1 1 5 5 0 95 4 4 Thor Chuan Leong 0 0 3 0 9 −9 65 0
Einzelergebnisse
Gruppe 9
Die Spiele der neunten Gruppe fanden am 2. Juni statt. Im abschließenden Gruppenspiel spielten die punktgleichen Luca Brecel und Jack Lisowski um die Entscheidung. Der favorisierte Weltranglisten-12. Lisowski verpasste aber den Sieg und der Belgier Brecel, Nummer 37 der Weltrangliste, kam weiter, weil er zuvor ein höheres Break erzielt hatte als der Engländer.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 Luca Brecel 1 2 0 7 4 +3 138 5 2 Jack Lisowski 1 2 0 7 4 +3 104 5 3 Oliver Lines 1 0 2 3 6 −3 136 3 4 Robbie Williams 0 0 3 0 9 −9 84 0
Einzelergebnisse
Gruppe 10
Die Spiele der zehnten Gruppe fanden am 5. Juni statt. Der Weltranglistensechste Ronnie O’Sullivan setzte sich souverän ohne Punkt- und Frameverlust durch.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 Ronnie O’Sullivan 3 0 0 9 0 +9 116 9 2 Chris Wakelin 1 1 1 5 5 0 119 4 3 Kishan Hirani 1 1 1 5 6 −1 35 4 4 Michael Georgiou 0 0 3 1 9 −8 39 0
Einzelergebnisse
Gruppe 11
Die Spiele der elften Gruppe fanden am 8. Juni statt. Nachdem Mark Allen und Martin O’Donnell jeweils ihre ersten beiden Spiele gewonnen hatten, fiel die Entscheidung in der letzten Partie. O’Donnell, die Nummer 33 der Weltrangliste, rettete sich zum 2:2 und holte aufgrund der besseren Framebilanz den Gruppensieg gegen den Weltranglistenfünften Allen.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 Martin O’Donnell 2 1 0 8 3 +5 62 7 2 Mark Allen 2 1 0 8 4 +4 85 7 3 Michael White 1 0 2 4 6 −2 60 3 4 Nigel Bond 0 0 3 2 9 −7 61 0
Einzelergebnisse
Gruppe 12
Die Spiele der zwölften Gruppe fanden am 3. Juni statt. Dem Waliser Ryan Day, Nummer 36 der Weltrangliste, gelang das Weiterkommen durch einen Sieg im abschließenden Entscheidungsspiel gegen den favorisierten Engländer Kyren Wilson.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 Ryan Day 2 1 0 8 3 +5 91 7 2 Kyren Wilson 1 1 1 6 5 +1 111 4 3 Alfie Burden 1 0 2 3 6 −3 88 3 4 Chen Feilong 0 2 1 4 7 −3 102 2
Einzelergebnisse
Gruppe 13
Die Spiele der 13. Gruppe fanden am 1. Juni statt. Dem Weltranglistenelften David Gilbert gelang ein Favoritensieg und nur im letztlich unbedeutenden Spiel gegen Jak Jones gab er Frames und Punkte ab.
Pos. Spieler Partien Frames HöchstesBreak Punkte G U V G V ± 1 David Gilbert 2 1 0 8 2 +6 100 7 2 Jackson Page 1 1 1 5 5 0 45 4 3 Stuart Carrington 1 1 1 5 6 −1 69 4 4 Jak Jones 0 1 2 3 8 −5 83 1
Einzelergebnisse
Gruppe 14
Die Spiele der 14. Gruppe fanden am 4. Juni statt. Der Engländer Gary Wilson, Nummer 19 der Weltrangliste, kam souverän weiter und gab dabei nur einen Frame ab.