Nußdorf-Debant ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im österreichischen Bezirk Lienz (Tirol). Das Gemeindegebiet liegt im Gerichtsbezirk Lienz und umfasst mit 53,44 km² große Teile des Debanttals und Teile des Lienzer Beckens, wobei zwei Drittel des Gemeindegebietes als Teil des Nationalparks Hohe Tauern unter Naturschutz stehen.
Das Gemeindegebiet war bereits im Spätneolithikum besiedelt und beherbergte mit dem Breitegg einen der wichtigsten archäologischen Fundplätze des Bezirksgebietes. Im Mittelalter war das Gebiet Teil des slawischen Fürstentums Karantanien und der Grafschaft Görz, 1501 wurde es in die Grafschaft Tirol eingegliedert. Im 19. Jahrhundert entstanden die Gemeinden Obernußdorf und Unternußdorf, die 1939 zur heutigen Gemeinde Nußdorf-Debant vereinigt wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg profitierte Nußdorf-Debant stark von der Nachbarschaft zur Bezirkshauptstadt Lienz. Durch Betriebsansiedlungen und den Zuzug in den Ballungsraum Lienz vervierfachte sich die Gemeindebevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg bis 2008 auf 3.227 Einwohner. Dies ist die dritthöchste Bevölkerungszahl einer Gemeinde in Osttirol. Der Tourismus spielt in der Gemeinde eine wirtschaftlich untergeordnete Rolle, die Landwirtschaft ist vor allem im Ortsteil Debant auf Grund des Siedlungsdrucks rückläufig.
Geographie Lage
BevölkerungsverteilungStatistik Austria Gemeindedaten von Nußdorf-Debant Fraktion Einwohnerzahl Debant 2250 Nußdorf 702 Nußdorfer Berg 114 Debanttal 31
Die Gemeinde Nußdorf-Debant liegt im östlichen Osttirol und ist 53,44 km² groß. Sie umfasst einen Teil des nördlichen Lienzer Beckens sowie den Großteil des Debanttals. 35,3 km² oder 67 % des Gemeindegebietes gehören zum Nationalpark Hohe Tauern. Dies ist der höchste prozentuale Wert aller Tiroler Nationalparkgemeinden. Geschichte des Nationalparks in Tirol. Nußdorf-Debant wird in zwei Katastralgemeinden und in vier Ortsteile unterteilt. Der Großteil des besiedelten Gebietes befindet sich im Süden des Gemeindegebietes, wobei sich zwei Ortszentren gebildet haben. Nußdorf liegt in einer Höhe von am Fuße des Nußdorfer Berges, Debant am Ausgang des Debanttals in einer Höhe von Der höchste Berg des Gemeindegebietes ist der Hochschober mit einer Höhe von
Gemeindegliederung
mini|Die Hauptsiedlungsgebiete von Nußdorf-Debant mini|Blick auf Nußdorf-Debant von Süden
Verwaltungsmäßig ist Nußdorf-Debant in zwei Katastralgemeinden unterteilt. Die südwestlich gelegene Katastralgemeinde Unternußdorf umfasst den Ortsteil Nußdorf und jenen Teil Debants, der westlich der Andrä-Idl-Straße liegt. Zur wesentlich größeren Katastralgemeinde Obernußdorf gehören der übrige Teil Debants, der Nußdorfer Berg und das Debanttal. Die Unterteilung der Katastralgemeinden geht auf die bis 1938 bestehenden Grenzen der Gemeinden Ober- und Unternußdorf zurück.
Der Ortsteil Unternußdorf (auch schlicht Nußdorf genannt) um die Nußdorfer Pfarrkirche ist das ursprüngliche Zentrum der Gemeinde. Er liegt am Fuße des Nußdorfer Berges, einem Ausläufer des Zettersfelds, und wurde 2001 von rund 23 % der Gemeindebevölkerung bewohnt. Zudem zählt zu Nußdorf die westlich des Zentrums gelegene und durch den Wartschenbach zwischen Gaimberg und Nußdorf geteilte Wartschenbachsiedlung. Das Bevölkerungswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte das Zentrum der Gemeinde in den heute wesentlich größeren Ortsteil Debant, der auf der westlichen Seite des flachen Debantbachschuttkegels am Ausgang des Debanttals liegt. Debant, ursprünglich ein kleiner Weiler, wurde 2001 von rund 73 % der Gemeindebevölkerung bewohnt. Neben den beiden großen Ortsteilen besteht im Bereich des Nußdorfer Bergs eine Streusiedlung der ehemaligen Gemeinde Obernußdorf, die sich in Mitterberg und Hochberg gliedert und 2001 lediglich 4 % der Bevölkerung umfasste. Das Debanttal, ein rund 17 Kilometer langes Hochtal, umfasst den größten Anteil des Gemeindegebietes, ist jedoch praktisch unbesiedelt.
Flächennutzung
Durch die Zugehörigkeit des Debanttals zum Gemeindegebiet nehmen Almen mit 47,1 % den größten Anteil der Gemeindefläche ein. 33,4 % entfallen auf Ödland, Bauflächen und Verkehrsflächen, 13,2 % nehmen Wälder ein. Auf landwirtschaftlich genutzte Flächen entfallen 5,8 %, auf Gewässer 0,5 % der Gemeindefläche. Im Bezirksvergleich umfasst Nußdorf-Debant einen wesentlich höheren Anteil an Almflächen (Osttirol: 37,6 %), weniger Wald (Osttirol: 29,1 %) und mehr Ödland (Osttirol: 24,3 %).Bezirkskunde Osttirol S. 132, 299.
Nachbargemeinden
mini|Nußdorf-Debant mit seinen Nachbargemeinden mini|Der Hochschober, höchster Gipfel des Gemeindegebiets
Nußdorf-Debant grenzt durch das langgezogene Debanttal an zahlreiche Gemeinden Osttirols und Kärntens. Im Nordwesten grenzt die Gemeinde entlang der Dreitausender Hochschober und Glödis an Kals am Großglockner. Auch die südwestliche Grenze verläuft entlang eines Bergkamms der Schobergruppe und trennt hier Nußdorf-Debant von Ainet und Thurn. Zu allen drei Gemeinden besteht durch die Hochgebirgsgrenze keine direkte Verkehrsverbindung. Im Süden reicht das Gemeindegebiet in das Lienzer Becken hinein und grenzt hier entlang des Wartschenbachs an Gaimberg und Lienz, wobei Lienz als Bezirkshauptstadt und wirtschaftliches, soziales sowie medizinisches Zentrum des Bezirkes für Nußdorf-Debant von besonderer Bedeutung ist. Im Süden reicht das Gemeindegebiet bis an die Drau, die Nußdorf-Debant von Tristach trennt. Die östliche Gemeindegrenze verläuft über weite Strecken entlang des Debantbaches, der die Grenze zu Dölsach bildet. Von der Rohracheralm zweigt die Grenze zum Geißkofel ab und verläuft in der Folge nach Norden, wo die Gemeindegrenze gleichzeitig die Landesgrenze zu Kärnten bildet. Zu den Kärntner Gemeinden Heiligenblut am Großglockner, Großkirchheim und Winklern besteht keine direkte Verkehrsanbindung.
Geologie
Das Gemeindegebiet von Nußdorf-Debant liegt zur Gänze im Bereich der Schobergruppe, die aus ostalpinem Altkristallin besteht und einen Teil des mittelostalpinen altkristallinen Südrahmens des Tauernfensters bildet. Das Altkristallin der Schobergruppe ist auf Gesteinsschichten der Matreier Zone beziehungsweise des Tauernfensters aufgeschoben. Das Hintere Debanttal ist in zwei tektonische Einheiten untergliedert. Südlich der Linie Kleiner Barren – Mirnitzbach – Weißwandspitzen besteht die Decke des flach nach Süden einfallenden Hangendkomplexes aus eklogitamphibolitführenden Paragneisen. Während des Karbons wurden diese Gneise auf einen Liegendkomplex aufgeschoben, der Vorkommen von Glimmerschiefer, Graphitschiefer und Hornblendegarbenschiefer aufweist. Die Kammregion der Schobergruppe zwischen Hochschober, Glödis und Weißenwandspitze besteht aus grobblockig verwitternden Biotit-Plagioklas-Glimmerschiefern.
Morphologie und Glaziologie
Das Trogtal des Debantbaches wurde maßgeblich von Gletschern geformt, die den Talschluss 1.000 Meter tief einsenkten und zu einer trogförmigen Wanne aushobelten. Die Trogschultern liegen in der Regel über 2.200 Metern, die Trogwände fallen steil ab. Von Gletschern wurde auch das Moränengebiet um die Lienzer Hütte und die Hofalm geprägt. Hier finden sich zahlreiche von Gletschern abgeschliffene Felsbuckel (Rundhöcker) und Gletscherschrammen. Heute haben sich im Debanttal nur noch unbedeutende, unbewegte Gletscherreste erhalten. Die größere Eisfläche, das Viehkofelkees, befindet sich unterhalb des Ralfkopfes. Ein weiterer Gletscherrest existiert östlich des Hochschobers. Neben den Eisflächen bestehen im Debanttal kleine aktive, inaktive und fossile Blockgletscher. Die größten aktiven Blockgletscher auf dem Gemeindegebiet liegen im Bereich des Gössnitz-, Weißen- und Perschitzkars.
Berge
Die höchsten Gipfel der Schobergruppe in Nußdorf-Debant liegen an der Gemeindegrenze zu Kals am Großglockner und der Landesgrenze zu Kärnten. Der nördlichste Punkt des Gemeindegebietes an der Grenze zu Kals am Großglockner und Kärnten wird von der Südlichen Talleitenspitze () gebildet. Nach Westen verläuft die Gemeindegrenze zu Kals über mehrere wichtige Gipfel der Schobergruppe, den Glödis (), den Ralfkopf (), den Debantgrat () und den Hochschober (). Auch an der Grenze zu Kärnten liegen mehrere Dreitausender der Schobergruppe. Es sind dies von Norden nach Süden der Gössnitzkopf (), der Keeskopf () und der Hohe Perschitzkopf (). Im Bereich des Zettersfelds liegt zudem der vielbesuchte Gipfel der Schleinitz ().
Gewässer
mini|Der Debantbach im Ortsteil Debant
Bestimmender Bach des Gemeindegebiets ist der Debantbach, der als einer der wenigen Fließgewässer des Nationalparks Hohe Tauern nicht durch einen Gletscher, sondern ausschließlich aus Quellen gespeist wird. Im Oberlauf ist der Bach noch größtenteils unverbaut und kann ungehindert mäandrieren. An der Seichenalm bildet der Bach einen kleinen Weiher, der teilweise verlandet ist und Moorcharakter aufweist. Im Bereich des Debanttals bestehen weitere Niedermoore und Zwischenmoore. Im Unterlauf wird der Debantbach durch drei Kraftwerksstufen energiewirtschaftlich genutzt. Rechtsseitig liegen alle Zuflüsse des Debantbachs auf dem Gemeindegebiet von Nußdorf-Debant. Es sind dies Mirnitzbach, Schulterbach, Trelebitschbach, Nußdorfer Bach sowie weitere kleinere Bachläufe. Linksseitig gehören Gössnitzbach und Perschnitzbach zum Gemeindegebiet, die übrigen linksseitigen Zuflüsse gehören zu Dölsach. Außerhalb des Debanttals durchfließt der Wartschenbach das östliche Gemeindegebiet. Er entspringt am Zettersfeld und fließt nach Südosten dem Mündungsbereich von Debantbach und Drau in der Gemeinde Dölsach zu. Die Drau selbst bildet im Süden von Nußdorf-Debant auf einer Länge von rund einem Kilometer die Grenze zu Tristach. Nußdorf-Debant verfügt über einige kleinere Bergseen, die im Oberlauf kleinerer Bäche liegen. Der größte der Bergseen ist der Trelebitschsee.
Klima
mini|Klimadiagramm der benachbarten Bezirkshauptstadt Lienz
Da in Nußdorf-Debant keine Messstation existiert, fehlen exakte Aufzeichnungen über das Klima der Gemeinde. Es ist jedoch auf Grund der Nähe der Siedlungen zur Wetterstation in der Bezirkshauptstadt Lienz mit den dort gemessenen Klimadaten vergleichbar. Der kälteste Monat des Jahres ist im Lienzer Becken der Jänner, die höchsten Temperaturen werden in den Sommermonaten Juli und August gemessen. Die höchsten Niederschläge fallen ebenfalls in den Sommermonaten, wobei der Monat Oktober fast ebenso niederschlagsreich ist. Nebel tritt im Lienzer Becken selten auf, jedoch bilden sich im Winter auf Grund von Inversionswetterlagen mächtige Kaltluftseen.Bezirkskunde Osttirol, S. 108.
Geschichte Namensgeschichte
mini|Nußdorfer Pfarrkirche
Nußdorf wurde erstmals im zwischen 1065 und 1072 entstandenen Traditionsbuch des Hochstiftes Brixen genannt. Der Edle Scrot, vermutlich ein Abkömmling aus dem Hochadel, schenkte durch einen Vertrag seinen gesamten Besitz in Nußdorf („in loco Nuzdorf“) dem Hochstift Brixen. Auch ein gewisser Pancratius, der in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Hochstift Brixen stand, schenkte dem Domkapitel Brixen zusammen mit seinem Sohn eine Hube in Nußdorf. Debant schien in den erhaltenen Urkunden erstmals 1274 auf, als Heinrich Suewus der Kirche zu Nußdorf einen Acker in „dewin“ (Debant) schenkte. Die erste belegte Nennung von Debant ist zugleich die erste urkundliche Erwähnung der Nußdorfer Kirche, die zur Pfarre Dölsach gehörte.