Oberlienz ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Lienz in Tirol, Österreich.

Geographie mini|Blick vom Hochstein auf Oberlienz und Oberdrum Oberlienz liegt am Schwemmkegel des Schleinitzbachs, am Rand des Lienzer Beckens, im Iseltal.

Berge Oberlienz verfügt im Norden über geringe Anteile an der Schobergruppe. Da die Gemeindegrenze aber nur bis auf rund 2200 Meter hinaufreicht, hat Oberlienz im Norden keinen Anteil an nennenswerten Erhebungen. Im Süden von Oberlienz liegen hingegen mehrere Lienzer Hausberge der Villgratner Berge. Dies sind die Hintere- und Vordere Lavantspitze, das Böse Weibele (), das Bloßenegg () und der Hochstein ().

Gewässer Oberlienz wird von der Isel in einen westlichen Teil mit der Ortschaft Glanz und einen östlichen Teil mit den Ortschaften Oberdrum und Oberlienz geteilt. An der Grenze zu Ainet bildet dabei der Krassbach Teile der Gemeindegrenze, während der Mühlbach durch die Ortschaft Glanz verläuft. Südlich der Ortschaft Glanz münden der Rötenbach und der Urschenbach in die Isel, wobei der Urschenbach teilweise vom Blößenbach gespeist wird. Linksseitig der Isel hat Oberlienz an der Grenze zu Ainet im Oberlauf einen kurzen Anteil am Daberbach. Die Ortschaften Oberdrum und Oberlienz selbst werden vom Schleinitzbach durchflossen, der mit dem Morinitzbach einen westlich Zufluss besitzt.

Klima mini|Klimadiagramm der benachbarten Bezirkshauptstadt Lienz Da in Oberlienz keine Messstation existiert, fehlen exakte Aufzeichnungen über das Klima der Gemeinde. Es ist jedoch auf Grund der Nähe der Siedlungen zur Wetterstation in der Bezirkshauptstadt Lienz mit den dort gemessenen Klimadaten vergleichbar. Der kälteste Monat des Jahres ist im Lienzer Becken der Jänner, die höchsten Temperaturen werden in den Sommermonaten Juli und August gemessen. Die höchsten Niederschläge fallen ebenfalls in den Sommermonaten, wobei der Monat Oktober fast ebenso niederschlagsreich ist. Nebel tritt im Lienzer Becken selten auf, jedoch bilden sich im Winter auf Grund von Inversionswetterlagen mächtige Kaltluftseen.Bezirkskunde Osttirol S. 108

Gemeindegliederung Die Gemeinde wird durch die mittlerweile zusammengewachsenen Ortsteile Oberlienz und Oberdrum und die Ortschaft Glanz auf der gegenüberliegenden Talseite gebildet. Bevölkerungsverteilung Fraktion Einwohnerzahl Oberlienz 856 Oberdrum 442 Glanz 140 Oberlienz ist verwaltungstechnisch in die drei Katastralgemeinden Glanz, Oberdrum und Oberlienz unterteilt. Die Katastralgemeinde Glanz umfasst dabei den nordwestlichen Teil der Gemeinde mit der Ortschaft Glanz und reicht vom Krassbach bis zum Rötenbach im Süden. Im Osten reicht die Katastralgemeinde bis knapp an die Isel heran, im Westen bis zu den Lavantspitzen und dem Bösen Weibele. Die Katastralgemeinde Oberlienz umfasst das Gebiet östlich des Rötenbachs und der Katastralgemeinde Glanz bis zur Gemeindegrenze von Lienz und reicht im Norden über die Isel hinaus, wobei sie die Ortschaft Oberlienz mit einschließt. Der nördlich davon gelegene Teil gehört zur Katastralgemeinde Oberdrum.

Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk Lienz.

Nachbargemeinden

Geschichte Namensgeschichte Die Ursprünge der drei Oberlienzer Ortsteile liegen jeweils in anderen Sprachen. Während Oberlienz keltischen Ursprungs ist, hat der Ortsname Oberdrum deutsche und der Ortsname Glanz slawische Wurzeln. Der Name Lienz leitet sich vermutlich vom keltischen Wort lokina ab und kann mit „bogenförmig gekrümmte Gegend“ übersetzt werden. Das keltische Wort wurde im Laufe der Zeit durch die Anwesenheit der Romanen und Slawen sprachlich umgeformt und hat seinen Ursprung im Knick des Pustertals in das Drautal. Oberdrum ist hingegen eine deutsche Wortschöpfung und geht auf das mittelhochdeutsche Wort drum oder trum zurück, das mit „Stück“ oder „Endstück“ übersetzt werden kann. Der Ortsname Glanz leitet sich aus dem Slawischen ab und geht auf das altslawische Wort klan(i)c(i) (neuslawisch klanc) zurück, das einen Hohlweg bezeichnet.Oberlienz in Geschichte und Gegenwart S. 43

Urgeschichte und Antike Obwohl im Lienzer Becken bereits im Spätneolithikum feste Siedlungen bestanden, deuten lediglich Einzelfunde auf die Anwesenheit von Menschen in vorrömischer Zeit auf dem heutigen Gemeindegebiet von Oberlienz hin. Als ältester Fund gilt ein bronzenes Sichelfragment aus der Urnenfeldkultur (1200–750 v. Chr.), kleinere Keramikfragmente aus der Hallstattzeit wurden unter den Fundamenten der Pfarrkirche entdeckt.Oberlienz in Geschichte und Gegenwart S. 9 f. Während der Latènezeit gelangte das Gebiet Osttirols in den Einfluss der Fritzens-Sanzeno-Kultur, wobei am nahe gelegenen Lienzer Schlossberg Siedlungsreste aus dieser Zeit entdeckt wurden. Für Oberlienz wurden hingegen noch keine Siedlungen aus dieser Zeit nachgewiesen. Im Laufe des 2. Jahrhunderts v. Chr. gliederten die Kelten das Lienzer Becken in ihr Herrschaftsgebiet ein und integrierten Osttirol um 100 v. Chr. in das Königreich Noricum. Um 15 v. Chr. fiel Noricum friedlich an das Römische Reich und die Römer errichteten im Lienzer Becken die Stadt Aguntum. Angeregt von der Stadtgründung entstand auch auf dem Gemeindegebiet von Oberlienz die erste nachweisbare Ansiedlung. Grabungen im Weiler Lesendorf förderten 1901 die Fundamente eines etwa 30 m langen Gebäudes mit einfachen Mosaikböden und ausgedehnten Gewölben einer Hypokaustenanlage zu Tage. Zudem fanden sich Bodenplatten und Marmorstücke sowie Keramik- und Glasscherben. Teile der Funde, die in das Landesmuseum Innsbruck verbracht worden waren, sind jedoch verschollen. Nach Begehungen des Geländes und Einzelfunden bei Begehungen ließ das Institut für Archäologien der Universität Innsbruck 2007 und 2008 eine Georadarmessung durchführen, die die Mauern einer Villa rustica nachwiesen. Die Anlage wurde von einer annähernd rechteckigen Mauer umfasst und beherbergte neben einem langgezogenen rechteckigen Bau mit über 70 m Seitenlänge, dem Herrenhaus, auch zahlreiche Neben- und Wirtschaftsgebäude. Zudem umfasste die Anlage ein Badehaus, das mit halbrunder Apsis und Fußbodenheizung ausgestattet war. Auf Grund der Größe der Anlage produzierte der Komplex vermutlich über den Eigenbedarf hinaus auch für den regionalen Markt.Geophysikalische Prospektion römischer Villenanlagen in Osttirol, abgerufen am 23. August 2013Florian Martin Müller: Archäologische Prospektion zur Besiedlung von Oberlienz in der Römerzeit, Forum Archaeologiae – Zeitschrift für klassische Archäologie. 54/III/2010Römischer Gutshof mit Georadar in Osttirol aufgespürt, ipoint-Online-Informationsportal der Universität Innsbruck, 27. August 2008

Mittelalter Nachdem germanische Stämme ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. Aguntum immer wieder verwüstet hatten, kam es 610 bei Aguntum zu einer entscheidenden Schlacht zwischen den von Norden vordringenden Baiern und den von Osten vorstoßenden Slawen. Die siegreichen Slawen besiedelten in der Folge das Lienzer Becken und die Iselregion und gliederten das Gebiet in das Fürstentum Karantanien ein. Im 8. Jahrhundert geriet Karantanien unter die Kontrolle des Herzogtums Bayern und das Lienzer Becken sowie die Iselregion wurden nach und nach von bairischen Kolonisten besiedelt. Herzog Tassilo III. leitete 769 durch die Gründung des Klosters Innichen zudem die Christianisierung der Region ein. Dadurch wurden die Sprache und die Kultur der Slawen allmählich von den Kolonisten verdrängt. Das Gebiet von Oberlienz unterstellte Kaiser Karl der Große 811 mit dem Gebiet links der Drau kirchlich dem Erzbistum Salzburg. Da die Baiern bis zur Mitte des 10. Jahrhunderts ihren Machtbereich sukzessive ausdehnen konnten, trennte Kaiser Otto II. das Herzogtum Kärnten von Bayern ab, das im Westen bis in die Tauernregion reichte und das Lienzer Becken umfasste. Der Westen Kärntens gehörte im Hochmittelalter zur Grafschaft Lurngau und wurde ab dem 12. Jahrhundert bis zum Beginn der Neuzeit von den Grafen von Görz regiert, die ihre Grafschaft ausgehend von ihrem Machtzentrum Lienz bis an die Adriaküste ausdehnten. In der Folge ließen die Görzer Grafen 1299 ihre Besitzungen in Kärnten und dem Pustertal in einem Urbar festhalten, wodurch erstmals genauere Daten zur Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur festgehalten wurden. Das Gebiet der heutigen Gemeinde Oberlienz umfasste 1299 neun Gutshöfe, die im Besitz der Görzer Grafen standen. Drei der herrschaftlichen Güter lagen dabei in Glanz, zwei Höfe in Oberdrum, ein Hof in Lesendorf und drei Höfe in Oberlienz, wobei sich der Name Oberlienz für die Siedlung um die Kirche Mariä Himmelfahrt erst später einbürgerte. Um 1300 wurde das heutige Oberlienz hingegen als Mitteldorf bezeichnet. Im Görzer Urbar wurden neben den Gutshöfen und deren Inhabern auch die Zinsleistungen festgehalten, wobei die Höfe vor allem Käse und Getreide (Roggen, Weizen und Hafer) zinsten. Darüber hinaus mussten die Güter aber auch Tiere (Schaf, Ziegen und Schweine), Mohn, Bohnen, Schmalz und Geld abliefern. Zudem unterlag der Großteil der Bauern dem ungünstigen Freistiftrecht, wodurch die Untertanen der Görzer wesentlich höheren abgaben, während in Tirol um 1500 bereits fast ausschließlich das Erbbaurecht zur Anwendung kam.

Frühe Neuzeit Nach dem Tod Graf Leonhards von Görz fielen die Görzer Besitzungen im Jahre 1500 an Maximilian I., der diese im Februar 1501 an die Grafschaft Tirol angliederte. Maximilian behielt nur die Landeshoheit und verkaufte 1501 die Grafschaft Görz an Michael von Wolkenstein-Rodenegg weiter. Durch den Verkauf der Herrschaft scheiterte jedoch auch die geplante Umwandlung des Freistiftrechts in Erblehen. Unter der Ägide der Wolkensteiner wurde mit dem Grundsteuerkataster des Landesgerichts Lienz 1575 erstmals eine vollständige Aufzeichnung aller Höfe und Grundherrschaften angelegt, wobei für das heutige Gemeindegebiet von Oberlienz insgesamt 71 Höfe registriert wurden. 27 Höfe lagen dabei in Oberlienz, 28 in Oberdrum und 16 in Glanz. Wichtigster Grundherr in den drei Rotten war die Herrschaft Lienz, wobei es sich dabei um den ehemals grundherrlichen Besitz der Görzer handelte, der 1501 an die Grafen von Wolkenstein gefallen war. Sie besaßen 1575 die Grundherrschaft an je sechs Höfen in Oberlienz und Glanz sowie an zehn Höfen in Oberdrum. Des Weiteren fanden sich unter den Grundherren zahlreiche kirchliche Institutionen wie das Pfarrwidum St. Andrä in Patriasdorf (8 Höfe), das Dominikanerkloster Lienz (6 Höfe) und das Domkapitel Brixen (3 Höfe). Während die landesfürstliche Herrschaft Lienz und die kirchlichen Institutionen zu den beständigen Grundherren gehörten, wechselten die Besitzverhältnisse der weltlichen und privaten Grundherrschaften oftmals und wiesen über die Jahrhunderte keine Kontinuität auf. Nach dem Konkurs der Grafen Wolkensteiner erwarb 1653 das Haller Damenstift das Landgericht Lienz mit den Rotten Oberlienz, Oberdrum und Glanz.

Bevölkerungsentwicklung BevölkerungsentwicklungStatistik Austria

2025 lebten in der Gemeinde Oberlienz 1.485 Menschen.

Nach der Volkszählung 2001 waren 98,3 % der Bevölkerung österreichische Staatsbürger (Tirol: 90,6 %), bis zum Jahresanfang 2008 sank der Wert nur unbedeutend auf 97,8 %. Zur römisch-katholischen Kirche bekannten sich 2001 97,4 % der Einwohner (Tirol: 83,4 %), 0,7 % waren evangelisch, nur 1,1 % hatten kein religiöses Bekenntnis.