Enchenreuth ist ein Gemeindeteil der Stadt Helmbrechts im Landkreis Hof (Oberfranken, Bayern). Der Ort liegt in der Gemarkung Enchenreuth.
Geografie Der ehemalige Markt liegt auf einem Höhenrücken des Frankenwaldes. Die Staatsstraße 2195 führt nach Heinersreuth (2,2 km westlich) bzw. nach Gösmes (1,6 km südöstlich). Die Staatsstraße 2158 führt nach Eppenreuth (4,2 km südwestlich) bzw. nach Lehsten (2 km östlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Oberbrumberg (1,2 km nördlich).
Geschichte Der Ortsname bedeutet ‚Zur Rodung des Enicho‘. Enchenreuth gehörte ursprünglich zum bambergischen Amt Radeck. Nach dessen Verfall wurde 1350 das Amt Enchenreuth gebildet. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort verwüstet und von der Pest heimgesucht.O. Knopf: Thüringer Schiefergebirge, Frankenwald, Obermainisches Bruchschollenland, Sp. 109.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Enchenreuth aus 81 Anwesen. Das Hochgericht sowie die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte nach wie vor das Amt Enchenreuth aus. Grundherren waren die Gemeinde (Brauhaus, 13 Wohn- und Tropfhäuser), die Pfarrei (Pfarrhaus, Pfarrgut) und das bambergische Kastenamt Stadtsteinach (Amtshaus, Jägerhaus, 1 Hof, 26 Halbhöfe, 2 Dreiachtelhöfe, 2 Viertelhöfe, 35 Wohn- und Tropfhäuser).
Als das Hochstift Bamberg infolge des Reichsdeputationshauptschlusses 1802/03 säkularisiert und unter Bruch der Reichsverfassung vom Kurfürstentum Pfalz-Baiern annektiert wurde, wurde Enchenreuth ein Bestandteil der bei der „napoleonischen Flurbereinigung“ gewaltsam in Besitz genommenen neubayerischen Gebiete.G. Diepolder: Bayerischer Geschichtsatlas, S. 35 und 106f.
Mit dem Gemeindeedikt wurde 1808 der Steuerdistrikt Enchenreuth gebildet. Zu diesem gehörten Bischofsmühle, Buckenreuth, Oberbrumberg und Unterbrumberg. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Enchenreuth, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Stadtsteinach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Stadtsteinach (1919 in Finanzamt Stadtsteinach umbenannt). Am 6. August 1818 wurde die Gemeinde Köstenberg mit Köstenhof eingegliedert. Am 31. August 1860 wurde erneut die Gemeinde Köstenberg gebildet, zunächst ohne Köstenhof, das vor 1869 an Köstenberg abgegeben wurde. Ab 1862 gehörte Enchenreuth zum Bezirksamt Stadtsteinach (1939 in Landkreis Stadtsteinach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Stadtsteinach (1879 in Amtsgericht Stadtsteinach umgewandelt). Das Gemeindegebiet hatte 1964 eine Fläche von 6,395 km². Mit der Auflösung des Landkreises Stadtsteinach am 30. Juni 1972 gelangte die Gemeinde zunächst an den Landkreis Kulmbach. Am 1. Januar 1977 wurde die Gemeinde im Zuge der Gebietsreform in Bayern in die Gemeinde Helmbrechts eingegliedert und kam so zum Landkreis Hof.
Baudenkmäler mini|hochkant=0.8| In Enchenreuth gibt es vier Baudenkmäler: Am Pfarrgrund 13: Pfarrhaus und Scheune Kapellenstraße: Kapelle Kirchplatz 2: Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere Untere Straße 15: Gasthaus „Zum grünen Baum“
ehemalige Baudenkmäler Haus Nr. 53: Ehemaliges Vogteigebäude. Der bestehende anspruchslose Bau im Wesentlichen nach dem Brand im Jahr 1881 neu errichtet. Zweigeschossiges, verputzt massives Walmdachhaus über hakenförmigem Grundriss. Das Erdgeschossmauerwerk der südöstlichen Langseite wohl noch 17./18. Jahrhundert, im Übrigen lediglich älteres Grundmauerwerk.K.-L. Lippert: Landkreis Stadtsteinach, S. 19f. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Ursprüngliche Hausnummerierung. Ganghoferstraße 3: tonnengewölbter Keller
Einwohnerentwicklung Gemeinde Enchenreuth Jahr 1819 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 626 1018 1049 1014 900 926 940 938 937 953 1001 984 988 1003 944 890 880 919 864 1049 1039 1044 882 858HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 105 108 111 113 122 138 165 Quelle Für die Gemeinde Enchenreuth zuzüglich der Einwohnerzahlen von Brumberg (S. 13) und Buckenreuth (S. 14).
Ort Enchenreuth Jahr 1818 1819 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 500 730 757 807 853 765 941 804 800 601Häuser 81 89 92 103 138 145 198Quelle
Religion Enchenreuth ist Sitz der katholischen Pfarrei St. Jakobus der Ältere. Die protestantische Minderheit ist nach Heilige Dreifaltigkeit (Presseck) gepfarrt.
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ortsteil von Helmbrechts Kategorie:Ort im Landkreis Hof Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Hof) Kategorie:Gemeindegründung 1808 Kategorie:Gemeindeauflösung 1976 Kategorie:Ehemaliger Markt in Bayern