Die Parlamentswahl in Norwegen 2021 (norwegisch Bokmål: Stortingsvalget 2021, nynorsk: Stortingsvalet 2021) fand am 13. September 2021 statt. Dabei wurden 169 Abgeordnete aus 19 Wahlkreisen für das norwegische Nationalparlament Storting gewählt. Das gewählte Parlament trat am 1. Oktober 2021 zusammen, die feierliche Eröffnung fand am 11. Oktober 2021 statt. Die Wahlkreise sind wegen der landesweiten Regionalreform anders als bei den vorherigen Wahlen nicht mehr deckungsgleich mit den Provinzen (Fylker).

Nach der Wahl löste die Regierung Støre aus Arbeiderpartiet und Senterpartiet die seit 2013 bestehende Regierung Solberg ab. In dieser Koalition waren zuletzt Høyre, Venstre und die Kristelig Folkeparti vertreten, nachdem die Fremskrittspartiet diese im Januar 2020 verlassen hatte.

Wahlsystem Wahlkreise und Mandatsvergabe

Bei der Wahl wurden die 169 Mitglieder des Stortings für die Legislaturperiode 2021–2025 bestimmt. Die 19 Wahlkreise wurden von den vorherigen Parlamentswahlen übernommen. Erstmals waren die verwendeten Wahlkreise jedoch nicht mehr deckungsgleich mit den Fylkern, also den norwegischen Provinzen. Grund hierfür war die von 2018 bis 2020 durchgeführte Regionalreform, bei der mehrere Fylker fusioniert worden waren. Dass die Wahlkreise beibehalten werden würden, wurde im Juni 2018 vom Storting beschlossen. Lediglich bei einzelnen Kommunen, die im Rahmen der Kommunalreform verändert wurden, kam es zu Veränderungen bei der Kreiszugehörigkeit. In: valg.no. (norwegisch) Dieser Fall traf beispielsweise bei der Kommune Lunner zu, die bis Ende 2019 zu Oppland gehörte, im Gegensatz zu den restlichen Gemeinden Opplands aber nicht in das neue Fylke Innlandet überging, sondern in das ebenfalls neue Fylke Viken. Lunner ging in der Folge zum Wahlkreis Akershus über.

Die Anzahl der Parlamentssitze pro Wahlkreis wurde basierend auf der Fläche und Einwohnerzahl der einzelnen Wahlkreise berechnet. Diese Berechnung wird vom Kommunalministerium alle acht Jahre neu durchgeführt und beruhte für die Wahl 2021 auf den Werten vom 1. Januar 2020. Verglichen zur Wahl 2017 fiel die Mandatsverteilung etwas anders aus, da es vor allem in Akershus und Oslo zu einem größeren Bevölkerungsanstieg gekommen war. In: valg.no. (norwegisch) In jedem Wahlkreis werden alle Sitze bis auf einen anhand des dortigen Wahlergebnisses bestimmt. Der verbleibende Sitz dient als Ausgleichsmandat, wodurch landesweit eine annähernd proportionale Repräsentation gewährleistet werden soll. Ausgleichsmandate werden nur an Parteien verteilt, die landesweit mindestens vier Prozent der Stimmen erhalten. Parteien, die bei den Ausgleichsmandaten nicht berücksichtigt werden, da sie Werte unter der 4-Prozent-Hürde erreichen, können über die in den Wahlkreisen gewonnenen Mandate trotzdem ins Storting einziehen.

Tritt eine Person in mehreren Wahlkreisen gleichzeitig an und wird sie in mehr als einem gewählt, so darf sie sich aussuchen, welchen Wahlkreis sie vertritt. Vor allem kleinere Parteien, darunter auch Parlamentsparteien wie etwa die Kristelig Folkeparti und Venstre, entschieden sich dafür, in unterschiedlichen Wahlkreisen mit den gleichen Listen anzutreten. Vereinzelt kandidierten Personen parteiintern für verschiedene Wahlkreise, obwohl die Partei dort auf unterschiedliche Wahllisten setzte. So trat etwa FrP-Politiker Jon Helgheim in Oslo an, nachdem er zuvor eine Kampfabstimmung in Buskerud verloren hatte. mini|hochkant=1.5|Wahlkreise 2021 mit Zahl der Mandate FylkeWahlkreisEinwohner(1. Januar 2020)Fläche(in km²)MandateVeränderung 2012–2020 2020–202820px Agder Aust-Agder118.2739155 4 4±0 Vest-Agder188.9587278 6 6±020px Innlandet Hedmark197.92027.398 7 7±0 Oppland173.46524.675 7 6–120px Møre og Romsdal Møre og Romsdal265.23814.356 9 8–120px Nordland Nordland241.23538.155 9 9±020px Oslo Oslo693.494454 19 20 +120px Rogaland Rogaland479.8929377 14 14±042px Troms og Finnmark Finnmark75.47248.631 5 5±0 Troms167.83926.198 6 6±020px Trøndelag Nord-Trøndelag134.18821.944 5 5±0 Sør-Trøndelag334.51420.257 10 10±020px Vestfold og Telemark Telemark173.35515.298 6 6±0 Vestfold246.0412168 7 7±020px Vestland Hordaland528.12715.438 16 16±0 Sogn og Fjordane108.40418.433 4 4±020px Viken Akershus675.2405669 17 19 +2 Buskerud266.47814.920 9 8–1 Østfold299.4474004 9 9±0 Norwegen––– 169 169±0

Termin Am 6. März 2020 wurde bekannt gegeben, dass die Wahl auf Montag, den 13. September 2021 angesetzt werde. Die einzelnen Kommunalparlamente selbst durften entscheiden, ob zusätzlich auch am 12. September 2021, also am Sonntag, gewählt werden durfte. 159 der 356 norwegischen Kommunen entschieden sich dafür, zwei Wahltage zu haben. In: valg.no. (norwegisch) Vom 10. August bis zum 10. September 2021 war zudem in allen Kommunen eine vorzeitige Stimmabgabe möglich. Die Wahlen in Norwegen finden montags statt, gesetzlich vorgeschrieben ist zudem der September als Wahlmonat. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern sind in Norwegen keine vorgezogenen Wahlen im Grundgesetz vorgesehen. Weder die Regierung noch das Parlament kann solche anordnen.

Parallel zur Stortingswahl fand auch die Sametingswahl statt. Dabei durften die im Sametingets valgmanntall registrierten norwegischen Samen die 39 Abgeordneten für das Sameting wählen.

Wahllokale und Auszählung Für die vorzeitige Stimmabgabe bis zum 10. September 2021 wurden 843 Wahllokale eingerichtet. Im Ausland war bis zum 3. September 2021 die vorzeitige Wahl an 266 Orten in 123 verschiedenen Ländern möglich. 621 Wahllokale in 159 Kommunen waren am 12. September 2021 geöffnet. Am für alle Kommunen geltenden Wahltag, dem 13. September 2021, waren 1975 Wahllokale vorgesehen. Die Öffnungszeiten waren ortsabhängig, am 13. September 2021 mussten die Lokale jedoch bis spätestens 21 Uhr schließen.

Es war den Kommunen vorgeschrieben, die abgegebenen Stimmzettel doppelt auszuzählen. Die erste Auszählung musste per Hand geschehen, die zweite konnte auch maschinell erfolgen. 189 der 356 Kommunen gaben an, eine maschinelle zweite Auszählung durchzuführen.

Ausgangslage Parlament

Bei der Parlamentswahl 2017 ging die sozialdemokratische Arbeiderpartiet (Ap) als die größte Fraktion hervor. Ins Parlament zogen Mitglieder der Arbeiderpartiet, der konservativen Høyre (H), der rechten Fremskrittspartiet (FrP), der Senterpartiet (Sp), der sozialistischen Sosialistisk Venstreparti (SV), der liberalen Venstre (V), der christdemokratischen Kristelig Folkeparti (KrF), der grünen Miljøpartiet De Grønne (MDG) sowie der Partei Rødt (R) ein. Die Parteien MDG und Rødt erhielten jeweils nur ein Mandat. Parlamentspräsident wurde Høyre-Politiker Olemic Thommessen, der im März 2018 zurücktrat und von seiner Parteikollegin Tone Wilhelmsen Trøen ersetzt wurde.

Einige Storting-Mitglieder der Legislaturperiode 2017–2021 kandidierten nicht erneut für einen Sitz im Parlament. Zu den bekannteren davon gehören der Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen, die ehemalige Venstre-Vorsitzende und Ministerin Trine Skei Grande, der Verkehrsminister und ehemalige KrF-Vorsitzende Knut Arild Hareide, Gesundheitsminister Bent Høie, der ehemalige Minister Trond Giske sowie die ehemalige Finanzministerin und FrP-Vorsitzende Siv Jensen.

Regierung Solberg

Aus der Parlamentswahl am 9. September 2013 ging am 13. Oktober 2013 die bürgerliche Regierung Solberg hervor. Es handelte sich dabei zunächst um eine Minderheitsregierung der konservativen Høyre und der rechten Fremskrittspartiet (FrP). Die Regierung war somit meist auf die Stimmen der christdemokratischen Kristelig Folkeparti (KrF) oder der sozialliberalen Venstre angewiesen. Die Venstre-Partei begann im Anschluss an die Wahl im September 2017 Koalitionsverhandlungen mit der Regierung Solberg und im Januar 2018 wurde die neue Minderheitsregierung mit Beteiligung von Venstre-Politikern vorgestellt.

Diese neue Minderheitsregierung wurde im Storting von der KrF gestützt, da im Gegensatz zur Zeit von der Wahl 2017 nicht mehr die Unterstützung von der Partei Venstre alleine ausreichte. Im November 2018 führte die KrF eine Abstimmung über die zukünftige Ausrichtung der Partei durch. Der damalige KrF-Vorsitzende Knut Arild Hareide sprach sich für eine linke Regierung unter Arbeiderpartiet-Politiker Jonas Gahr Støre aus. Hareide verlor die Abstimmung, sein Parteikollege Kjell Ingolf Ropstad nahm die Verhandlungen mit der Regierung auf und wurde später neuer KrF-Vorsitzender. Im Januar 2019 wurde schließlich das neue Regierungsteam vorgestellt, wobei die Regierung nun erstmals eine Mehrheit im Parlament hatte.

Bei den landesweiten Kommunal- und Fylkestingswahlen im September 2019 gehörte die Senterpartiet zu den Wahlgewinnern. Die Regierungsparteien sowie die Arbeiderpartiet mussten hingegen einen Stimmenverlust hinnehmen. Im Januar 2020 kündigte schließlich die FrP ihren Austritt aus der Regierung Solberg an, nachdem es zum Streit über die Rückholung einer mutmaßlichen IS-Anhängerin gekommen war. Am 24. Januar wurde das neue Kabinett vorgestellt und somit erneut eine Minderheitsregierung mit Beteiligung von Høyre, Venstre und KrF gebildet.

Parteien und Kandidaten Teilnehmende Parteien Die Wahllisten mussten bis zum 31. März 2021 von den Parteien eingereicht werden, bis zum 1. Juni 2021 musste von staatlicher Seite entschieden werden, ob die Einreichungen den Wahlgesetzen entsprechen. In: valg.no. (norwegisch) Insgesamt wurden 361 Listen von 25 Parteien in den 19 Kreisen zugelassen. Auf den Listen waren 5174 Kandidierende gelistet, aufgrund von Mehrfachaufstellung standen dahinter jedoch nur 4152 Personen. Hinter den 5174 Listenplätze wurden 2052 Frauen und 3117 Männer geführt. Angeführt wurden die Listen in 241 Fällen von Männern, in 120 Fällen von Frauen. Als Durchschnittsalter wurde bei den Männern ein Alter von 50 und bei den Frauen ein Alter von 46 Jahren berechnet. Folgende Parteien traten in allen Wahlkreisen an, manche davon stellten in mehreren Wahlkreisen die gleiche Liste: Alliansen Arbeiderpartiet (nynorsk: Arbeidarpartiet; 2017: 49 Sitze) Demokratene Fremskrittspartiet (nynorsk: Framstegspartiet; 2017: 27 Sitze) Helsepartiet Høyre (nynorsk: Høgre; 2017: 45 Sitze) Industri- og Næringspartiet Kristelig Folkeparti (nynorsk: Kristeleg Folkeparti; 2017: 8 Sitze) Liberalistene Miljøpartiet De Grønne (nynorsk: Miljøpartiet Dei Grøne; 2017: 1 Sitz) Partiet De Kristne Partiet Sentrum Rødt (nynorsk: Raudt; 2017: 1 Sitz) Senterpartiet (2017: 19 Sitze) Sosialistisk Venstreparti (2017: 11 Sitze) Venstre (2017: 8 Sitze)

Folgende Parteien treten in einzelnen Wahlkreisen an: Feministisk Initiativ (Oslo) Folkeaksjonen nei til mer bompenger (Akershus, Buskerud, Hedmark, Hordaland, Møre og Romsdal, Nord-Trøndelag, Oppland, Oslo, Østfold, Rogaland, Telemark, Troms, Vest-Agder, Vestfold) Generasjonspartiet (Akershus, Hordaland) Kystpartiet (Hordaland, Oslo) Norges Kommunistiske Parti (Hordaland, Nordland, Oslo, Sør-Trøndelag) Pasientfokus (Finnmark) Pensjonistpartiet (Akershus, Aust-Agder, Buskerud, Hedmark, Hordaland, Møre og Romsdal, Nordland, Nord-Trøndelag, Oppland, Oslo, Østfold, Rogaland, Sogn og Fjordane, Sør-Trøndelag, Telemark, Vest-Agder, Vestfold) Piratpartiet (Akershus, Aust-Agder, Buskerud, Hordaland, Nordland, Nord-Trøndelag, Oppland, Oslo, Østfold, Rogaland, Sør-Trøndelag, Telemark, Troms, Vest-Agder, Vestfold) Redd Naturen (Hedmark)

Parteivorsitzende der Parlamentsparteien

Wahllisten der Parlamentsparteien Arbeiderpartiet Die Arbeiderpartiet trat in allen Wahlkreisen mit unterschiedlichen Parteilisten an. Der Parteivorsitzende Jonas Gahr Støre wurde auf dem ersten Platz der Arbeiderpartiet-Liste in Oslo aufgestellt.