Die Creditanstalt-Bankverein (kurz: CA-BV, CA) war eine österreichische Bank. Das 1855 gegründete Institut fusionierte 2002 mit der Bank Austria. Die Bank wurde in Österreich auch nach der 1934 erfolgten Fusion mit dem Bankverein stets nur als die CA bezeichnet. Die Zentrale der Bank war das heute als Haus am Schottentor bekannte Gebäude.
Geschichte Gründung mini|hochkant|Titelseite der Wiener Zeitung am 7. November 1855 mit der Verlautbarung des Erlasses der Gründung der k. k. Kreditanstalt mini|hochkant|Anteilschein der Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe vom 31. März 1858 mini|hochkant|Hauptgebäude der Creditanstalt Am Hof 6, 1010 Wien (ca. 1900) mini|hochkant|Medaillon mit "C.A.F.H.U.G." (= Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe) am ehemaligen Gebäude der Creditanstalt, Freyung 8/Renngasse 2, 1010 Wien (nun Verfassungsgerichtshof) mini|hochkant|Ehemalige Zentrale der Creditanstalt in der Schottengasse (ab 1934) mini|hochkant|Blick in die Kassenhalle in der Wiener Zentrale am Schottenring (2005)
Der Gründung der Creditanstalt ging die Gründung des Bankhauses S. M. v. Rothschild in Wien durch Salomon Meyer Freiherr von Rothschild im Jahre 1820 voraus. Dessen Bank hatte maßgeblichen Anteil an der Finanzierung von Industrialisierungsprojekten im Kaisertum Österreich. So finanzierte das Kreditinstitut beispielsweise den Ausbau der Nordbahn ab 1830, die Fabrikation von Eisenbahnschienen und den Bau von Kokshochöfen. Neben guten Beziehungen zum damaligen Staatskanzler Clemens Fürst Metternich und seinem Mitarbeiter Friedrich von Gentz hielt die Bank auch den böhmischen und westungarischen Adel als große Kreditnehmer.
Im Jahr 1855 initiierte S. M. v. Rothschild unter Salomons Sohn Anselm die Gründung eines Kreditinstitutes nach dem Vorbild des französischen Crédit Mobilier. Gemeinsam mit Rothschild in diese Gründung involviert waren die böhmischen Aristokraten Johann Adolf Fürst Schwarzenberg, Vincenz Karl Fürst von Auersperg, Max Egon Fürst zu Fürstenberg und Otto Graf Chotek, weiters der Karlsruher Bankier und in Böhmen gut verankerte Industrielle Louis von Haber sowie der Prager Bankier Leopold von Lämel. Politische Unterstützung erhielt dieses Konsortium durch den österreichischen Finanzminister Karl Ludwig von Bruck.
Am 31. Oktober 1855 wurde den Gründern die Errichtung der Gesellschaft bewilligt und die überreichten Statuten per kaiserlichem Dekret genehmigt. Die beim Handelsgericht Wien zu protokollierende Firma mit den zugehörigen Statuten wurde am 7. November 1855 in zwei verschiedenen Schreibweisen publiziert: als k. k. privilegirte Österreichische Creditsanstalt für Handel und Gewerbe im Erlaß des Finanzministeriums vom 6. November 1855 ();Erlaß des Finanzministeriums vom 6. November 1855, wirksam für alle Kronländer, betreffend die Errichtung einer privilegirten Österreichische Creditsanstalt für Handel und Gewerbe. , XL. Stück vom 7. November 1855, S. 615–628. als k. k. privilegirte Oesterreichische Kreditanstalt für Handel und Gewerbe in der Verlautbarung des Finanzministerial-Erlasses im Amtlichen Theil der Wiener Zeitung am 7. November 1855. In der Fußnote *) wurde angeführt:
Dem Publikum wurde ein Viertel des Kapitals der Gesellschaft zur Subskription offeriert.Roman Sandgruber: Rothschild. Glanz und Untergang des Wiener Welthauses. Molden, Wien 2018, S. 129–132.
Als provisorischer Sitz diente vorerst das Gebäude Renngasse 1, auch bekannt als Hotel Zum Römischen Kaiser und schon 1844 von Salomon von Rothschild erworben. 1860 übersiedelte das Institut in das von ihm neu errichtete Bankpalais Am Hof 6 (Architekt: Franz Fröhlich)., abgerufen am 20. April 2026.
Diese Wirtschaftsbank war sehr erfolgreich und wurde zur größten Bank Österreich-Ungarns. Ein zentraler Entscheidungsträger war Anselms Sohn Albert von Rothschild, der etwa 15 Prozent der Anteile hielt und in den Führungsgremien der Bank durch Vertrauenspersonen wie Max von Gomperz und Gustav von Mauthner vertreten war.Roman Sandgruber: Rothschild. Glanz und Untergang des Wiener Welthauses. Molden, Wien 2018, S. 222. Im Jahr 1911 trat Alberts Sohn Louis Nathaniel von Rothschild das Erbe seines erfolgreichen Vaters an. 1914–1921 folgte ein weiterer Neubau an der Adresse Freyung 8/Renngasse 2 (Entwurf: Ernst Gotthilf und Alexander Neumann).
Erste Republik Bis zum Jahr 1931 waren im Verwaltungsrat, dem höchsten Kontrollorgan der Creditanstalt, unverändert die Spitzen der westeuropäischen Finanzwelt ebenso vertreten wie die Repräsentanten der alteingesessenen Finanz- und Industriedynastien des Donauraumes. Dazu zählten insbesondere Otto Petschek, Ferdinand Bloch-Bauer, Otto Ernst Niemeyer, Peter Bark und Henry Strakosch.Fritz Weber: Vor dem großen Krach – Österreichs Banken in der Zwischenkriegszeit am Beispiel der Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe. Böhlau, Wien 2016, S. s471.
Das gesamte Bankenwesen im klein gewordenen Österreich war schon um die Mitte der 1920er Jahre durch Krisen und Streitigkeiten gekennzeichnet. Dabei hatten die unter der Leitung Rudolf Siegharts stehende Allgemeine Bodencreditanstalt und auch die staatliche Österreichische Postsparkasse mehrfach als Retter einspringen müssen. Im Juni 1926 übernahm die Creditanstalt im Tausch gegen Aktienanteile die Wiener Niederlassungen und die österreichischen Konzernunternehmen der Anglo-Austrian Bank.
Schon vor dem Börsenkrach in New York Ende Oktober 1929 wurde die bislang als Retter fungierende Bodencreditanstalt de facto insolvent, als deren zugehöriger Industriekonzern um die Steyr-Werke in Probleme geriet. Die Creditanstalt wurde daraufhin Anfang Oktober 1929 von der Bundesregierung Schober III unter Johann Schober zur Übernahme der Verpflichtungen der Bodencreditanstalt gezwungen.
Die vom Börsenkrach ab 24. Oktober 1929 an der New Yorker Börse ausgelöste Weltwirtschaftskrise versetzte der Bankenbranche einen schweren Schlag. Die Creditanstalt wurde durch die schwerwiegende Krise im Bankensektor mehrfach belastet und selbst zum Sanierungsfall.
Am 8. Mai 1931 musste das ab 1929 unumstritten größte österreichische Kreditinstitut für 1930 einen Verlust von 140 Millionen Schilling ausweisen und erklärte am 11. Mai 1931 seine Zahlungsunfähigkeit. Damit begann eine Bankenkrise, die auf ganz Mitteleuropa und auch auf die Realwirtschaft übergriff.Arnold Suppan: Jugoslawien und Österreich 1918–1938. Bilaterale Außenpolitik im europäischen Umfeld. Verlag für Geschichte u. Politik, Wien 1996, ISBN 3-486-56166-9, S. 1047 f. Da die Creditanstalt den Großteil aller österreichischen Industriebetriebe betreute, war ihre Sanierung für die Regierung unter Bundeskanzler Otto Ender unbedingt notwendig (siehe auch Systemrelevanz).
Für die Rekonstruktion war eine neuerliche Auslandsanleihe notwendig. Zu diesem Zweck wurde das Erste Creditanstalt-Gesetz vom 14. Mai 1931Bundesgesetz vom 14. Mai 1931 über die Rekonstruktion der Oesterreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe und über die Abänderung einiger Bestimmungen der Satzungen der Österreichischen Nationalbank, vom 16. Mai 1931, S. 655 ff. erlassen. Es enthielt eine Garantie für Auslandsgläubiger. Zudem wurden die Schulden aufgeteilt: 100 Millionen Schilling übernahm der Staat und je 30 Millionen das Bankhaus S. M. v. Rothschild als GroßaktionärEduard Heinl: Über ein halbes Jahrhundert, Zeit und Wirtschaft. Braumüller, Wien 1948, S. 244. und die Oesterreichische Nationalbank. Die Sozialdemokraten traten für eine Verstaatlichung der Bank ein, konnten sich aber nicht durchsetzen.
Am 28. Mai 1931 erteilte der Nationalrat mit dem Zweiten Creditanstalt-GesetzBundesgesetz vom 28. Mai 1931 über die Übernahme von Bundeshaftungen für Darlehen an die Oesterreichische Credit-Anstalt, vom 29. Mai 1931, S. 671 ff. der Bundesregierung die Vollmacht zur Übernahme der Haftung für die Schulden der Creditanstalt. Der Abgang von 150 Millionen Schilling im Budget wurde durch Sparmaßnahmen bei Beamtengehältern, durch die Einführung der Besoldungssteuer und durch Erhöhungen der Kaffee- und Tabakzölle aufgebracht. Auch die Sozialdemokraten stimmten dieser Maßnahme zu. Die Rettung der Creditanstalt dürfte bis 1933 fast eine Milliarde Schilling gekostet haben.
1934 wurde die Creditanstalt von der nun autoritär regierenden Bundesregierung unter Engelbert Dollfuß mit dem Wiener Bankverein zur Österreichischen Creditanstalt – Wiener Bankverein fusioniert und übersiedelte in dessen Hauptgebäude am Schottentor. Auch die Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft, d. h. ihre Aktivitäten im Mobilbankwesen,Vgl. Fritz G. Steiner: Die Entwicklung des Mobilbankwesens in Österreich. Von den Anfängen bis zur Krise von 1873. (= Studien zur Sozial-, Wirtschafts- und Verwaltungsgeschichte, Ausgabe 8.) Verlagsbuchhandlung Carl Konegen (E. Stülpnagel), University of Illinois at Urbana-Champaign 1913. wurde in die CA integriert. Damit war die Notverstaatlichung durch ein ansonsten keineswegs staatswirtschaftlich orientiertes Regime abgeschlossen. Ab 1936 hieß der Generaldirektor der Großbank Josef Joham.
Zeit des Nationalsozialismus Nach dem „Anschluss Österreichs“ im März 1938 strebte das Reichswirtschaftsministerium (RWM) die sogenannte „Arisierung“ des dortigen Bankwesens an. Im März 1938 verhandelte Hermann Abs in Begleitung von Walter Pohle über die beabsichtigte Übernahme der damals größten Bank Österreichs. Louis Nathaniel von Rothschild wurde von der SS verhaftet. Zahlreiche jüdische Mitarbeiter wurden binnen kurzer Zeit entlassen.
Nach 14 Monaten in Isolationshaft (Rothschild wurde in den Arisierungsverhandlungen der Reichswerke Hermann Göring um den Verkauf der Witkowitzer Eisenwerke als Geisel benutzt)Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden. Band 1, Fischer, 1982, ISBN 3-596-24417-X, S. 107 ff. wurde er erst am 11. Mai 1939 – nach Preisgabe des gesamten österreichischen Familienbesitzes – freigelassen.Christa Zöchling: Mythos Rothschild: Der märchenhafte Aufstieg eines Ghettojuden. In: profil, 13. Oktober 2018, abgerufen am 20. April 2026. Mit der erzwungenen Auswanderung von Louis Nathaniel von Rothschild endete auch die 118-jährige Verbindung der Bank zum Hause Rothschild. In der Folgezeit wurde die Bank erneut grundlegend umgeformt.
Die Aktienmehrheit an der Bank ging zuerst in eine Holdinggesellschaft des Deutschen Reiches und anschließend an die Deutsche Bank. 1939 wurde die Bank in Creditanstalt-Bankverein umbenannt. Führende Kraft im Vorstand blieb Josef Joham, der unter der wohlwollenden Patronanz von Abs die 1918 verloren gegangene Rolle der CA in den Ländern Südosteuropas wiederherstellen wollte und den Industriekonzern der Bank vor Übernahmegelüsten aus dem „Altreich“ möglichst intakt zu halten versuchte.
Unter der Herrschaft des NS-Regimes unterhielt die Bank Geschäftsbeziehungen zu mindestens 13 Konzentrationslagern (KZ), von denen die Bank regelmäßig Todeslisten – auch vom KZ Auschwitz – erhielt und Wuchergebühren für Geldüberweisungen von Angehörigen an KZ-Häftlinge berechnete.dies geht aus Archiven der Deutsche Bank hervor. Auch bei der „Arisierung“ der Sascha Filmindustrie spielte die Creditanstalt eine tragende Rolle. Sie übernahm das politisch bedrängte Unternehmen zu einem unrealistisch niedrigen Wert von damals 1000 Schilling und übergab die Anteile in der Folge an die Cautio Treuhand, ein von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels gesteuertes Unternehmen.
In hohen und höchsten Positionen der CA-Gruppe gab es einige Widerständler. Der Generaldirektor der Semperitwerke, Franz Josef Messner, arbeitete mit dem US-Geheimdienst OSS zusammen (Frühjahr 1944 verhaftet; am 23. April 1945 ermordet). Josef Joham berichtete spätestens seit September 1943 an den OSS und blieb unentdeckt.
Zweite Republik