Schiffskiel oder Kiel des Schiffes, im heutigen astronomischen Gebrauch Carina (aus dem Lateinischen), ist ein Sternbild des Südhimmels.
Beschreibung Der Kiel des Schiffs zieht sich unterhalb der Sternbilder Achterdeck des Schiffs und Segel des Schiffs hin. Er enthält den auffallend hellen Stern Canopus. Von Europa aus ist das Sternbild nicht zu sehen.
Geschichte Der Kiel des Schiffs ist Teil des antiken Sternbildes Argo Navis, das zu den 48 von Ptolemäus beschriebenen Sternbildern gehörte.
Da das sehr ausgedehnte Argo Navis dem französischen Astronomen Lacaille für die Astronomie zu unübersichtlich war, teilte er es im Jahre 1763 in die Sternbilder Kiel des Schiffs, Achterdeck des Schiffs (Puppis) und Segel des Schiffs (Vela) auf. Dabei wurden die ursprünglichen Sternbezeichnungen beibehalten, so dass jeder griechische Buchstabe in den drei Sternbildern nur einmal vorkommt. Daher gibt es einen Stern α Carinae (Canopus), jedoch keine Sterne α Puppis oder α Velorum.
Nachdem der britische Astronom Edmond Halley von der Insel St. Helena aus den Südhimmel beobachtet hatte, veröffentlichte er im Jahre 1679 einen Sternkatalog, in dem er die Region um den Stern β Carinae als Robur Carolis, „Karlseiche“ beschrieb. Damit war der Baum gemeint, in dem sich 1651 der englische König Karl II. nach seiner Niederlage gegen Oliver Cromwell versteckt hielt. Halleys Vorschlag konnte sich allerdings nicht durchsetzen.
Mythologie Argo Navis war in der griechischen Mythologie das Schiff Jasons und seiner Gefährten, der Argonauten. Sie suchten das goldene Vlies, ein goldfarbenes Widderfell. Jason, Sohn des Königs Aison von Thessalien, war von seinem Halbbruder Pelias um die Thronfolge gebracht worden. Jason sollte den Thron wieder erhalten, wenn er Pelias das goldene Vlies brachte – eine schier unlösbare Aufgabe, da das sagenhafte Fell in einem heiligen Hain in Kolchis von einem todbringenden Drachen bewacht wurde. Mit Hilfe der Königstochter Medea gelangte Jason jedoch in den Besitz des Fells. Das Schiff Argo und das Vlies wurden in den Himmel versetzt, letzteres als Sternbild Widder.
Für die alten Ägypter war die Konstellation ebenfalls ein Schiff, mit dem ihr Gott Osiris fuhr. In Canopus sahen sie einen Steuermann.
Himmelsobjekte Sterne B G Namen oder andere Bezeichnungen Größe Lj Spektralklasse Canopus, Suhail, Suhel −0,62m 310 F0 Ib Miaplacidus 1,67m 113 A2 IV Avior 1,86m 632 K3 III + B2 V Turais, Tureis, Aspidiske, Scutum 2,21m 700 A9 Ib Theta Carinae 2,76m 455 B0 Vp 2,92m 3,0m 1000 A8 + A8 Omega Carinae 3,29m 250 B8 III 3,30m 300 B3 V 3,39m 600 K4 II 3,43m 600 B2 IV 3,46m 600 B2 IV HD 84810 3,69m 3,78m 70 K0 + B3 3,81m 500 F1 II 3,84m 500 B8 II V382 Carinae 3,93m 6000 G0 Ia-0 3,96m 800 B3 II 3,3 bis 4,2m 3,99m 4,08m 4,31m 4,34m 4,35m 4,41m 4,45m 4,47m 4,50m 4,51m 4,58m 4,59m 4,62m 4,65m 4,66m 2 4,69m 4,72m 4,74m 4,79m 4,81m 2 4,84m 1 4,93m 4,93m 4,97m 1 5,08m 2 5,11m 23 HD 53047 5,14m 5,15m 5,16m 2 5,17m 1 5,27m 5,46m 5,60m Eta Carinae, Foramen, Tseen She 6,21 (−0,8 – +7,9)m O Alpha Carinae ist ein extrem leuchtstarker Stern der Spektralklasse F0 in 310 Lichtjahren Entfernung. Mit einer scheinbaren Helligkeit von −0,62m ist er nach Sirius der zweithellste Stern am Nachthimmel.
Der Name Canopus stammt aus der antiken griechischen Sage um die Eroberung der Stadt Troja. Canopus war der Steuermann des Menelaos.
Beta Carinae gehört der Spektralklasse A2 an und ist rund 113 Lichtjahre entfernt. Sein Eigenname Miaplacidus ist aus dem arabischen und lateinischen zusammengesetzt und bedeutet „Wasserstelle“.
Epsilon Carinae ist 632 Lichtjahre entfernt und gehört der Spektralklasse K3 an.
Der 7.500 Lichtjahre entfernte Stern Eta Carinae ist ein äußerst interessantes Objekt. Mit einer Helligkeit von 6,21m kann er heute mit bloßem Auge nicht mehr wahrgenommen werden. Als Edmond Halley im 17. Jahrhundert seinen Sternkatalog aufstellte, war Eta Carinae mit 4m wesentlich heller, wobei sich die Helligkeit unregelmäßig veränderte. In den Jahren 1833 bis 1843 stieg die Helligkeit dramatisch an und Eta Carinae war mit −1m der zweithellste Stern am Himmel. Zu diesem Zeitpunkt muss der Stern die viermillionenfache Leuchtkraft unserer Sonne besessen haben. In den folgenden Jahren nahm die sichtbare Helligkeit ab. Untersuchungen zeigen jedoch, dass der Stern nach wie vor extrem leuchtstark ist, wobei seine Strahlung allerdings durch ausgestoßene Gas- und Staubwolken absorbiert und als langwellige Infrarotstrahlung abgegeben wird. Eta Carinae hat offensichtlich ein Endstadium erreicht und wird in naher Zukunft als Supernova explodieren. Möglicherweise hat die Explosion bereits stattgefunden, jedoch ist der Lichtblitz aufgrund der immensen Entfernung noch nicht auf der Erde eingetroffen.
Doppelsterne System Größen Abstand υ 3,1m/6,0m 127" u 3,8m/6,3m 157" I (ZZ Car) 4,0m/6,2m 233" b1 4,9m/6,7m 40,3" Das Sternbild enthält mehrere Doppelsternsysteme, die bereits mit einem kleineren Teleskop in Einzelsterne aufgelöst werden können.
υ Carinae besteht aus zwei Sternen der Spektralklassen A8. Das System ist etwa 1.000 Lichtjahre entfernt.
u Carinae ist 70 Lichtjahre entfernt und besteht aus einem roten Stern der Spektralklasse K0 und einem weiß leuchtenden Begleiter der Klasse B3.
I Carinae, auch als ZZ Carinae bezeichnet, ist ein Doppelsternsystem in 1.500 Lichtjahren Entfernung, das aus zwei extrem hellen Sternen der Spektralklassen F2 und A2 besteht. I Car ist außerdem ein veränderlicher Stern.
b1 Carinae ist 1000 Lichtjahre entfernt und besteht aus zwei weißlich leuchtenden Komponenten der Spektralklassen B3 und B9.
Veränderliche Sterne Objekt Größe Periode Typ η −0,8m bis 7,9m 85,1 Tage / 5,54 Jahre LBV R 3,9m bis 10,3m 308,7 Tage Mirastern l (ZZ Car) 3,3m bis 4,2m 35,53 Tage Cepheid R Carinae ist ein veränderlicher Stern vom Mira-Typ, dessen Helligkeit sich über einen Zeitraum von 308,7 Tagen stark ändert. Im Maximum ist der Stern 3,9m hell und kann ohne weiteres mit bloßem Auge gesehen werden. Im Minimum sinkt die Helligkeit auf nur 10,3m ab, und zur Beobachtung benötigt man ein Teleskop.
I oder ZZ Carinae ist ein Veränderlicher vom Cepheidentyp, dessen Sternhülle in einem regelmäßigen Abstand von 35,53 Tagen pulsiert. Die Helligkeit variiert dabei zwischen 3,3m und 4,2m.
Messier- und NGC-Objekte Messier (M) NGC sonstige Größe Typ Name 2516 3,8m Offener Sternhaufen 2808 6,9m Kugelsternhaufen 3114 4,2m Offener Sternhaufen 3293 4,7m Offener Sternhaufen 3372 3m Emissionsnebel Eta-Carinae-Nebel 3532 3m Offener Sternhaufen 3603 9,1m Offener Sternhaufen IC 2602 1,6m Offener Sternhaufen Südliche Plejaden Durch einen Teil des Sternbildes zieht sich das Band der Milchstraße. Hier befinden sich einige offene Sternhaufen und neblige Objekte. Da der französische Astronom Charles Messier das Sternbild von seinem Beobachtungsort aus nicht sehen konnte, sind im Sternbild keine „Messierobjekte“ verzeichnet.
NGC 2516 ist ein offener Sternhaufen in 2.000 Lichtjahren Entfernung, der bereits mit bloßem Auge gut zu erkennen ist. In einem Prismenfernglas wird eine Vielzahl von Sternen sichtbar.
NGC 2808 ist ein Kugelsternhaufen in 30.000 Lichtjahren Entfernung, der im Fernglas als nebliges Fleckchen erscheint. Um ihn in Einzelsterne aufzulösen, benötigt man ein Teleskop.
Der offene Sternhaufen NGC 3114 ist 2.500 Lichtjahren entfernt. Er ist ein schönes Objekt für das Fernglas oder Teleskop.
NGC 3293 ist ein offener Sternhaufen in 5.000 Lichtjahren Entfernung, der im Fernglas als nebliges Objekt erscheint. Um ihn aufzulösen, benötigt man ein Teleskop.
Der offene Sternhaufen IC 2602 wird auch „Südliche Plejaden“ genannt. Der 800 Lichtjahre entfernte Sternhaufen ist den Plejaden ähnlich, wenn auch etwas lichtschwächer.
NGC 3372 ist der Emissionsnebel um den Stern Eta Carinae. Der Nebel ist bereits mit bloßem Auge zu erkennen und zeigt im Fernglas oder im Teleskop bei schwacher Vergrößerung interessante Strukturen.
NGC 3603 ist ein offener Sternhaufen, rund 20.000 Lichtjahre entfernt. Er weist die größte bekannte Häufung von Riesensternen, sogenannte Wolf-Rayet-Sterne, in unserer Milchstraße auf.
mini|Detail des EtaCarinae-Nebels. Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops
Weitere Objekte Im Jahr 1898 wurde von der Astronomin Williamina Paton Stevens Fleming der planetarische Nebel IC 2448 entdeckt.
Siehe auch Liste der Sternbilder
Literatur Philip M. Bagnall: The Star Atlas Companion : What You Need to Know About the Constellations. Springer, New York 2012, ISBN 978-1-4614-0829-1, S. 117–126. Ian Ridpath: Star Tales. Lutterworth, 1988, ISBN 0-7188-2695-7, (online).
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Anerkanntes Sternbild