Lohm ist ein bewohnter Gemeindeteil der Gemeinde Zernitz-Lohm im südlichen Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg. Der Ort wird vom Amt Neustadt (Dosse) verwaltet und war bis zum 31. Dezember 1997 eine eigenständige Gemeinde.
Lage mini|links|Blick aus südwestlicher Richtung nach Lohm Lohm liegt im Süden der Dosseniederung, etwa acht Kilometer westlich von Neustadt (Dosse) und zehn Kilometer südlich von Kyritz. Umliegende Ortschaften sind Schönermark und Bahnhof Zernitz im Norden, Kahlschlag im Nordosten, Neuendorf im Osten, Koppenbrück im Südosten, Neuhof, Roddahn und Helenenhof im Süden, Voigtsbrügge im Südwesten, Sophiendorf im Westen und Stüdenitz im Nordwesten.
Lohm liegt an der Landesstraße 14 zwischen Kyritz und Großderschau. Zu Lohm gehört der nördlich des Dorfes gelegene Wohnplatz Krüllenkempe.
Geschichte Erstmals urkundlich erwähnt wurde Lohm im Jahr 1336 als Luome, sieben Jahre später erfolgte die Nennung als Lome. Der Ortsname leitet sich von einem Wort aus einer slawischen Sprache ab und beschreibt eine Siedlung, auf deren Gebiet es Windbruch gegeben hat. Lohm ist ein historisch gewachsenes Sackgassendorf und Angerdorf. Im Jahr nach der Ersterwähnung, am 6. Juli 1337, belehnte der brandenburgische Markgraf Ludwig I. die Brüder Heinrich und Jordan von Kröcher mit den Dörfern Lohm und Dreetz. Zeitweise bestanden sogar vier Rittergüter in Lohm.
Die Adelsfamilie Kröcher hatte bis ins 20. Jahrhundert die Grundherrschaft über das Dorf inne. Verwaltungstechnisch gehörte Lohm ab dem 16. Jahrhundert zum Kyritzischen Kreis. Im Jahr 1737 errichtete Georg Volrath von Kröcher das Herrenhaus Lohm I.Geschichte. In: schloss-lohm.de, abgerufen am 21. März 2020. Caspar Joachim von Kröcher, dessen Laufbahn als späterer Domherr des Hohen Stifts zu Havelberg auf der Ritterakademie in Brandenburg begann, erbaute drei Jahre später auf seinem Gutsanteil ein weiteres Herrenhaus. Beide Gebäude sind bis heute erhalten. Der Sohn des Bauherrn, Hans Ernst Wilhelm von Kröcher, wurde ebenso Domherr.
Ab 1815 lag Lohm im Kreis Ostprignitz in der preußischen Provinz Brandenburg, der durch eine Verwaltungsreform entstanden war. Im Jahr 1924 verkaufte Hans von Kröcher den noch im Vorjahr 1000 ha Gutsanteil Lohm II, er wanderte nach Argentinien aus, an die Deutsche Kultur- und Siedlungsgesellschaft. Von dort gelangte es in den Besitz des Potsdamer Polizeipräsidenten Wilhelm Graf von Wedel. Nach dessen Tod im Jahr 1941 kaufte der Bauunternehmer Friedrich Kotzbau das Gut.Geschichte von Lohm. Gemeinde Zernitz-Lohm; abgerufen am 21. März 2020. 1928 wurden die Gutsbezirke Lohm I, II, III und IV mit der Gemeinde Lohm vereinigt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der darauf folgenden Bodenreform wurde Ella von Kröcher als letzte Vertreterin der Familie, die noch 335 ha Gutsanteile an Lohm I besaß, und Kotzbau enteignet und das Land an Neubauern verteilt.
Im Herrenhaus Lohm I waren nach der Enteignung Mietwohnungen und ein Kindergarten untergebracht; 2016 wurde es an ein Architektenehepaar verkauft.Lohm Herrenhaus soll behutsam saniert werden. In: Kleeblattregion, Zernitz-Lohm, 2. September 2017, Hrsg. Stadt Kyritz, Stand 2023. Das Herrenhaus Lohm II war bis 2002 eine Grundschule und wird heute als Pension genutzt.
Zu DDR-Zeiten gehörte Lohm ab 1952 zum Kreis Kyritz im Bezirk Potsdam. Nach der Wiedervereinigung lag der Ort weitere drei Jahre im Landkreis Kyritz und kam danach in den neuen Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Am 31. Dezember 1997 fusionierte Lohm mit Zernitz zu der neuen Gemeinde Zernitz-Lohm.
Fachwerkkirche Lohm
Bereits 1541 war Lohm eine Pfarrkirche der Superintendentur Kyritz. Die heutige Fachwerkkirche in Lohm wurde im Jahr 1828 gebaut und steht auf dem Fundament des Vorgängerbaus. 1902 wurde die Kirche erstmals saniert, eine weitere Restaurierung erfolgte im Jahr 1980. Die Pfarrstelle Lohm wurde 1977 aufgelöst und dem Pfarrsprengel Zernitz angeschlossen. Seit 2003 gibt es in der Dorfkirche von Lohm eine Orgel.Dorfkirche Lohm. Kirchenkreis Prignitz, abgerufen am 21. März 2020.
Der Pfarrsprengel Zernitz gehört zum Kirchenkreis Prignitz und ist Teil der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 272 1890 248 1910 205 Jahr Einwohner 1925 345 1933 343 1939 304 Jahr Einwohner 1946 565 1950 579 1964 429 Jahr Einwohner 1971 390 1981 309 1989 294 Jahr Einwohner 1992 273 1996 257 Gebietsstand des jeweiligen Jahres
Persönlichkeiten Wilhelm von Kröcher (1782–1861), Gutsbesitzer, wurde in Lohm geboren Hans Paalzow (1862–1945), Rechtswissenschaftler und Bibliothekar, wurde in Lohm geboren Bernhard Rose (1865–1927), Schauspieler und Theaterdirektor, wurde in Lohm geboren
Literatur Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herkunft – Bedeutung, be.bra Wissenschaftsverlag, Berlin 2005, ISBN 3-937233-17-2, S. 107. Oliver Hermann, Edzard Rust: Lohm. In: Peter Michael Hahn, Hellmut Lorenz: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. Gesamt 2 Bände: Einführung und Katalog. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883). Band 2. Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann, Berlin 2000, ISBN 3-87584-024-0, S. 360–363. 856 S., 275 farbige, 825 SW-Abb.
Weblinks
Lohm. Seite der Gemeinde Zernitz-Lohm. Lohm. In: ORB-Sendung Der Landschleicher, 25. August 2002 (rbb).
Einzelnachweise
Kategorie:Zernitz-Lohm Kategorie:Ort im Landkreis Ostprignitz-Ruppin Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Ersterwähnung 1336 Kategorie:Gemeindeauflösung 1997