Klassentreffen ist eine improvisierte deutsche Filmkomödie von Jan Georg Schütte aus dem Jahr 2019. Das von insgesamt 32 – 24 bemannten und 8 fest eingestellten – Kameras aufgezeichnete 130 Stunden lange Material (6 Stunden Netto-Drehzeit) wurde gesichtet, ausgewertet und auf einen 90-minütigen Fernsehfilm verdichtet, der am 6. März 2019 im Programm der ARD Das Erste erstmals ausgestrahlt wurde. Bei dem Ensemblefilm mit quasi 18 prominenten Hauptdarstellern, die nur ein grob umrissenes Rollenprofil erhalten hatten, das sie mit Leben füllen mussten, war Improvisationstalent gefragt. 3sat.de, 23. November 2019. Abgerufen am 28. Mai 2020.

Miniserie

Die Dreharbeiten gaben so viel Material her, dass daraus eine sechsteilige Serie Klassentreffen – Die Serie zu je 30 Minuten pro Folge produziert wurde, die der Fernsehsender One zwei Tage später ausstrahlte. Bei den einzelnen Episoden steht jeweils eine Figur im Zentrum und es werden Szenen gezeigt, die im Film nicht oder nur angedeutet zu sehen sind. Folge 1: Gesa Folge 2: Ali & Hergen Folge 3: Marion Folge 4: Sandra Folge 5: „Krischi“ Folge 6: Thorsten

Handlung Nach 25 Jahren steht ein von Gesa und Thorsten initiiertes Klassentreffen in der Gaststätte „Treffpunkt Paula“ an, in dessen Saal die Versammelten vor 25 Jahren auch ihr Abitur gefeiert haben. Die mittlerweile über 40-jährigen stehen nun erstmals ihren damaligen Mitschülern wieder gegenüber, mit denen sie damals gemeinsam Pläne für ihre Zukunft entwickelt hatten. Man fällt sich in die Arme und tauscht erst einmal Erinnerungen aus, taxiert die anderen jedoch auch. Es bleibt nicht aus, dass auch Eitelkeiten ausgetauscht werden und es zu Kränkungen kommt. Bei den meisten geht es ums eigene Ego.

Gesa ist seit 17 Jahren mit ihrem damaligen Klassenkameraden Thorsten verheiratet. Nachdem der Wunsch nach einem eigenen Kind nicht klappte, hat das Paar ein kleines Mädchen aus Indonesien adoptiert. Gesa hofft inständig, dass der Abend glatt und harmonisch verläuft. Von Astrid wird sie jedoch später am Abend damit konfrontiert, dass sie einst vor Klassenkameraden einen Striptease hingelegt hatte, bei dem auch das letzte Kleidungsstück fiel. Angenehm ist diese Eröffnung Gesa nicht. Und dann geht da noch das Gerücht um, dass Thorsten seit Jahren nicht nur ein Verhältnis, sondern sogar ein Kind mit Marion hat. In Marion waren seinerzeit die meisten Jungen auf der Schule verliebt. Ihr Verhalten an diesem Abend ist jedoch rätselhaft wie immer, sie scheint nicht nur im Jetzt, sondern auch in einer Parallelwelt zu leben. Thorsten ist Hauptschullehrer, Gesa Oberstudienrätin. Er liebt seine Frau zwar, tut sich aber mit einigen Dingen recht schwer, ohne das Gesa gegenüber einmal deutlich angesprochen zu haben. Katharina, inzwischen Sozialpädagogin, war auch nach der Schulzeit noch mit Gesa und Thorsten befreundet, hat sich aber daran gestoßen, dass beide seinerzeit nahezu verbissen versucht haben, ein Kind zu bekommen.

Stefanie, seit 20 Jahren mit einem deutlich älteren Mann verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hat, reagiert schuldbewusst auf „Krischis“ Vorwurf, sich nie wieder gemeldet zu haben. Krischi war zu Schulzeiten ihr bester Freund und besonderer Kumpel. Obwohl nie mehr zwischen ihnen war, wusste Stefanie schon damals, dass das Kristians größter Wunsch war und wohl noch immer ist. Kristian ist heute ein erfolgreicher Schuhfabrikant, verheiratet und hat vier Kinder. Zu seiner konservativen Lebenseinstellung steht er, ist sogar stolz darauf, alte Werte zu verteidigen. Als er Ali Nasser gegenüber, der zu Schulzeiten sein bester Freund war, äußert, es wäre besser gewesen, wenn dessen Familie damals nicht nach Deutschland gekommen wäre, ist Ali fassungslos und verletzt. Er verdient sein Geld als Tierchirurg, er nimmt kosmetische Eingriffe bei Tieren vor und verdient sich damit eine goldene Nase. Dass er andere Defizite hat, wird im Laufe des Abends klar. Zum Beispiel steckt er dem wenig erfolgreichen Musiker Hergen, der, wie er selbst es beschreibt, mit einem Taxi-Unternehmen zusammenarbeitet, diverse Scheine zu, gesteht ihm aber auch, wie sehr er sich Kinder wünsche und wie einsam er oft sei. Hergen hat sich von seiner Partnerin getrennt, mit der er drei Kinder hat, für die er Unterhalt zahlen muss, sodass ihm selbst kaum etwas bleibt.

Harald ist Immobilienmakler und möchte einfach nur Spaß haben, da kommt ihm seine ehemalige Klassenkameradin Nina gerade recht, die gerade von ihrem Mann verlassen wurde und Anschluss sucht. Sven wurde eigentlich gar nicht zum Klassentreffen eingeladen, taucht aber trotzdem auf, direkt aus den USA, wie er verkündet. Er scheint der beruflich erfolgreichste aus der Truppe zu sein, Studium in Konstanz, Promotion in Bordeaux, eine eigene Kanzlei und inzwischen mit seiner Familie wohnhaft in den USA, in einem sehr großen Haus, wie er betont. Er versucht sich für sein zu Schulzeiten provokatives Verhalten zu entschuldigen, was aber an den meisten abprallt. Astrid war schon zu Schulzeiten nicht gerade prüde, weshalb man ihr den Spitznamen „Titti“ verpasst hat. Mit ihrer Kleidung unterstreicht sie gern ihre Kurven und hat ein besonders gutes Verhältnis zu Gesa.

Sandra wiederum macht einen glücklichen Eindruck. Sie ist schwanger und fühlt sich offensichtlich wohl in ihrer Haut. Sie erzählt, sie habe eine geile Ehe, geilen Sex, einen geilen Mann und geile Kinder. Zudem sei sie Millionärin. An Selbstbewusstsein mangelt es ihr auf gar keinen Fall. Sie ist es auch, die das Thema „Thorsten und Marion“ zur Sprache bringt. Und dann ist da noch Andi, den die meisten komischerweise für tot gehalten haben, warum auch immer. Er leidet bis heute darunter, dass ihm sein Deutschlehrer, Herr Rebentisch, statt zwölf Punkten nur elf gegeben hat, wodurch er seiner Meinung nach durchs Abitur gefallen ist und nicht studieren konnte. Später schaffte er auch die Prüfung zum Krankenpfleger nicht und ist nun Aushilfspfleger. Er lebt von seiner Frau getrennt, mit der er eine Tochter hat. Seit er denken kann, liebt er Marion, nur ihretwegen ist er zu dem Treffen gekommen. Nicole hatte sich eigentlich auf einen geselligen Abend gefreut und kann nun kaum glauben, wie oft die Stimmung umschlägt. Als sie mit Stefanie ins Gespräch kommt, macht diese ihr ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann und will.

Ulli Hamisch ist verheiratet, hat drei Kinder und trägt den Spitznamen „H-Milch“. Er ist Landwirt und weist den Verdacht, homosexuell zu sein, stets empört von sich. Stefan, von Beruf Chemiker, ist ein Außenseiter, wozu auch beiträgt, dass er nicht gerade ein blendendes Aussehen und entsprechendes Charisma vorweisen kann. Auch er war einst in Marion verliebt, hat sogar seine Tochter nach ihr benannt. Der einzige Lehrer beim Klassentreffen ist der Deutschlehrer Rebentisch, inzwischen pensioniert und ab und an Gastdozent an der Volkshochschule. Er beobachtet seine ehemaligen Schüler aufmerksam und kommt zu dem Ergebnis, dass sie sich gar nicht so viel verändert hätten.

Produktion mini|hochkant=1.3|Darsteller und Crewmitglieder bei der Premiere 2019 Produktionsnotizen, Hintergrund Der Film entstand, ohne dass es ein Drehbuch gab, innerhalb von zwei Tagen. Gedreht wurde am 25. und 26. November 2017 in einem leerstehenden Gasthof in Hürth im Regierungsbezirk Köln.Rainer Unruh: Klassentreffen: Dreh ohne Buch TV Spielfilm Die Schauspieler erhielten in Einzelgesprächen nur grobe Rollenprofile, die sie dann selbst mit Leben füllen mussten. Improvisationstalent war gefragt. So kannten sie den Lebensweg der anderen Figuren nur bis zu dem Zeitpunkt, als man nach dem Abitur auseinanderging. Was in der Zwischenzeit passiert war, wussten sie nicht, sodass sie spontan auf Situationen reagieren mussten. Wie bereits bei den preisgekrönten Experimentalfilmen Altersglühen – Speed Dating für Senioren (2014) und Wellness für Paare (2016) hat Regisseur Jan Georg Schütte auch hier einen Cameo-Auftritt, diesmal als Kneipenwirt.

Im Interview erzählte Jan Georg Schütte, dass es ihm Spaß gemacht habe, mit den Schauspielern „zusammenzuhocken und mit ihnen herumzufantasieren“. Da er einige von ihnen schon gekannt habe, hätte er bei ihnen einschätzen können, was ihnen liege und wie sie ihre Rolle anlegen würden. Bei anderen wiederum habe es eine Grundidee gegeben, alles andere habe sich dann im Gespräch entwickelt. Die größte Herausforderung bei diesem Projekt sei die Masse an Material gewesen. Bei diesem Film habe es noch mehr Figuren gegeben als bei seinen anderen beiden Filmen. Beim Schnitt dann entscheiden zu müssen, auf wen das „Hauptaugenmerk“ gelegt werde, sei eine „extreme Herausforderung“ gewesen. Das habe nicht nur damit zu tun gehabt, wer am besten gewesen sei, sondern wohin die Geschichte wolle. Man habe einen riesigen Kontrollraum mit zwanzig Monitoren gehabt, weil in bis zu fünf Räumen gleichzeitig gespielt worden sei. Die Sichtung des auf 130 Stunden angelaufenen Materials habe nahezu ein Vierteljahr gedauert. Einiges, was nicht mehr in den Film gepasst habe, habe man dann für die Serie verwenden können, für die man sechs Figuren ausgewählt habe, darunter den von Marek Harloff gespielten Hergen und den von Kida Khodr Ramadan gespielten Ali. Beide hätten sich sehr klug „eine eigene kleine Geschichte“ zusammengebastelt. Was er dann im Schnittraum zu sehen bekommen habe, sei wiederum „ein großes Fest“ gewesen. Die Herausforderungen technischer Art, wie 32 Kameras zu koordinieren und den Ton von 18 verkabelten Schauspielern in allen Räumen verfügbar zu machen, seien enorm gewesen.

Soundtrack The Power – Snap! Nothing Compares 2 U – Sinéad O’Connor Message in a Bottle – The Police Everybody Hurts – R.E.M. Friday I’m in Love – The Cure Purple Rain – Prince Wonderful Life – Black Küssen verboten – Die Prinzen Dschinghis Khan – Dschinghis Khan Sweat (A La La La La Long) – Inner Circle Love Is a Shield – Camouflage

Aussagen der mitwirkenden Schauspieler Nahezu alle mitwirkenden Schauspieler zeigten sich begeistert, in einem solchen Film mitwirken zu dürfen, und meinten übereinstimmend, sie würden das jederzeit wieder tun.

Annette Frier, die Darstellerin der Gesa, meinte, der Film sei „ein echtes Highlight“ gewesen. Sie sei nach Drehschluss so „geflasht“ gewesen, als hätte sie ihren „Beruf noch mal neu kennengelernt“, und sei sehr „gespannt aufs Ergebnis“. Oliver Wnuk, der Gesas Ehemann Thorsten spielte, war der Ansicht: „Hier sind Superlative durchaus angebracht: die mit Abstand aufregendste und spannendste Dreherfahrung, die ich bisher durchleben durfte. Mit der Königin der Improvisation, der herzlichen, ultraschnellen, wahnsinnig vielseitigen und stets zuhörenden Annette Frier an meiner Seite; mit diesen wunderbaren und so unterschiedlichen Kollegen um einen herum war es wie Geburtstag und Weihnachten zusammen.“ Durch die Freiheiten, die man den Schauspielern gegeben habe, habe jeder das Gefühl, er hätte die Hauptrolle gespielt.Die Darsteller und ihre Rollen daserste.de