Munisípiu Vikeke (tetum)Município de Viqueque (port.)140px320px|Reisfelder in Viqueque mit dem Monte Mundo Perdido im Hintergrund Daten HauptstadtViqueque Fläche1.872,68 km²Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016. Einwohnerzahl (2022)80.176Institutu Nasionál Estatístika Timor-Leste: Final Main Report Census 2022, abgerufen am 18. Mai 2023. Zahl der Haushalte (2022)16.563 ISO 3166-2:TL-VI Verwaltungsämter Einwohner (2022) Fläche (km²) Lacluta 6.695 414,16 Ossu 18.787 403,66 Uato-Lari 18.459 287,94 Uatucarbau 7.879 130,69 Viqueque 28.356 636,23 Karten320px|Übersichtskarte Viqueque320px|Verwaltungsgliederung von Viqueque
Viqueque () ist die größte Gemeinde von Osttimor.
Name Der Name leitet sich von der alten Bezeichnung „We Keke“ ab. We bedeutet in Tetum Terik „Wasser“, Keke „Armreif“.Suai Media Space: Koba Lima – Suai Krieger aus Luca sollen einst auf einem Kriegszug an eine Quelle gekommen sein, die von einer alten Frau bewacht wurde. Nachdem sie den Kriegern das geforderte Wasser gegeben hatten, schnitten sie ihr die Arm mit einem Reif ab. Sie brachten sie ihrem König Nai Lu Leki, der den Arm in einen Baum hängte und ihn als „We Keke“ für heilig erklärte.Timor-Leste Portal Municipal: MUNICIPALITIES PROFILE VIQUEQUE, abgerufen am 6. September 2020. Einer anderen Überlieferung nach schenkte eine Königin von Luca dem Reich von Viqueque den Armreif, nachdem das Reich und heute die Gemeinde den Namen erhielt.Susana Barnes, Hans Hägerdal, Lisa Palmer: An East Timorese Domain – Luca from Central and Peripheral Perspectives, S. 331, 2017, DOI: 10.1163/22134379-17302020.
Geographie Übersicht mini|links|Landschaft bei der Stadt Viqueque mini|links|Schlammvulkan von Raitahu
Die Gemeinde Viqueque liegt an der Südküste der Insel Timor, an der Timorsee. Sie grenzt im Norden an die Gemeinde Baucau, im Osten jenseits des Flusses Irebere (Irabere) liegt die Gemeinde Lautém und im Westen jenseits des Dilor (Dilin) die Gemeinde Manatuto. Die Grenzziehung zu Baucau wurde seit der Unabhängigkeit mehrmals verändert.
Viqueque hat eine Fläche von 1872,68 km² und teilt sich in die Verwaltungsämter Lacluta, Ossu, Uato-Lari (Watu-Lari, Uatolári, zur portugiesischen Kolonialzeit Leça), Uatucarbau (Uato Carabau, Watu-Carbau) und Viqueque. Die Gemeindehauptstadt Viqueque liegt im Suco Caraubalo.
Der Norden ist gebirgig, im Süden flacht die Gemeinde ab zu Hügeln und Küstenebenen an den Flüssen. Ossu ist von mehreren Bergen umgeben. Dem Monte Mundo Perdido im Westen, dem Builo im Süden, dem Matebian-Massiv im Osten und dem Fatu Laritame im Norden. Uatucarbau und Uato-Lari bilden eine breite Küstenebene am Südhang des Matebians und mehrerer Berge im Osten, die sich in Hügeln mit fruchtbarem Land nach Süden ausdehnen.Janet Gunter: Communal Conflict in Viqueque and the ‘Charged’ History of '59, 8:1, S. 27–41, 2007, The Asia Pacific Journal of Anthropology, , doi:10.1080/14442210601177977, S. 29. Flüsse, die in der Gemeinde Viqueque in die Timorsee münden sind der Nunuc, der Luca, der Tuco, der Cuha, der Bularan, der Benaro, der Beaco und der Weburak im Verwaltungsamt Viqueque, der Lugassa an der Grenze zu Uato-Lari, der Saqueto, der Bebui, der Borouai und der Oiqui in Uato-Lari und der Molaiuai und der Uaidori in Uatucarbau.
16.100 Hektar um den Monte Mundo Perdido sind als Wildschutzgebiet und Important Bird Area ausgewiesen. Hier finden sich neben vielen endemischen Vogelarten auch zahlreiche, seltene Orchideen.
Entfernungen Entfernungen [km]Viqueque em Numeros 2017, abgerufen am 11. Februar 2022. Ort Lacluta Ossu Uato-Lari Uatucarbau Viqueque Lacluta 40 57 96 23 Ossu 40 61 90 17 Uato-Lari 57 61 44 44 Uatucarbau 96 90 44 73 Viqueque 23 17 44 73
Die Stadt Viqueque liegt von der Landeshauptstadt Dili 199 Kilometer entfernt.
mini|hochkant=1.1|Klimadiagramm von Viqueque Klima Die Trockenzeit dauert von Juli bis Oktober, die Regenzeit von November bis Juni. Die Durchschnittstemperaturen liegen zwischen 29 °C (November) und 25 °C (Juli/August). Die durchschnittlichen Höchsttemperaturen schwanken zwischen 31 °C (Oktober bis Dezember) und 27 °C (Juli), die durchschnittlichen Tiefsttemperaturen zwischen 27 °C (Dezember) und 23 °C (Juli/August).Weather Spark: Klima und durchschnittliches Wetter das ganze Jahr über in Viqueque
Einwohner mini|Moradores aus Uani Uma (2022) mini|links|hochkant=1.2|Entwicklung der Einwohnerzahl in Viqueque mini|Dorf nahe dem Monte Mundo Perdido
In Viqueque leben 80.176 Menschen (2022, 2011: 73.581 EinwohnerDirecção Nacional de Estatística: , abgerufen am 5. Mai 2013), davon sind 40.363 Männer und 39.813 Frauen. Auf 101 Männern kommen 100 Frauen Der Altersdurchschnitt liegt bei 18,5 Jahren. Durch die starke Abwanderungsbewegung in die Landeshauptstadt Dili hat Viqueque mit 0,8 % das niedrigste jährliche Bevölkerungswachstum aller Gemeinden Osttimors. Zwischen 1990 und 2004 wuchs die Zahl der Einwohner jährlich noch um 0,95 %. Hatte 2004 in Lacluta jede Frau durchschnittlich 5,92 Kinder, stieg die Anzahl in Viqueque auf 6,20, in Uato-Lari auf 6,54 und 7,20 Kinder in Ossu, bis auf 7,26 Kinder pro Frau in Uatucarbau an (Landesdurchschnitt 6,99). Die Kindersterblichkeit lag 2002 in Uatucarbau bei 85 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten (1996:144), in Viqueque bei 108 (138), in Uato-Lari bei 110 (139), in Ossu bei 131 (137) und in Lacluta bei 143 (122). Uatucarbau kann somit auf einen der stärksten Rückgänge der Kindersterblichkeit in den letzten Jahren verweisen. Es ist aber das einzige Verwaltungsamt Viqueques, der damit unter dem Landesdurchschnitt von 98 liegt. Ossu und Lacluta gehören zu den acht Verwaltungsämtern Osttimors mit der höchsten Kindersterblichkeit. In Lacluta stieg sie entgegen dem Landestrend zwischen 1996 und 2002 sogar um 17 % an. (PDF; 14 MB)
Viqueque ist ein Kernland der Ethnie der Tetum, die Gemeinde ist eine Kernregion ihrer austronesischen Sprache. Im Osten Viqueques leben Makasae. 42,3 % sprechen die Papuasprache Makasae (größte Volksgruppe in den Verwaltungsämtern Ossu und Uato-Lari) als Muttersprache; 29,0 % sprechen Tetum, (25,4 % Tetum Terik in den Verwaltungsämtern Lacluta und Viqueque, 3,6 % Tetum Prasa). 18,3 % der Einwohner sprechen Naueti um die Orte Uato-Lari und Uatucarbau, 3,7 % Kairui und 6,0 % Midiki, deren Sprecher nahe Ossu sie Osomoko nennen. Auch in Lacluta wird Midiki gesprochen. Naueti, Kairui und Midiki gehören zu den Kawaimina-Sprachen. Berücksichtigt man auch die Zweitsprachen, so sprachen 2015 85,2 % Tetum, 40,5 % Bahasa Indonesia, 28,6 % Portugiesisch und 12,3 % Englisch. Die sprachliche Zerstückelung der Gemeinde hat dazu geführt, dass sich die Bewohner mehr mit ihren jeweiligen Heimatdörfern identifizieren, als mit der Ethnie, zu der sie gehören.Damien Kingsbury:
2004 waren 94,6 % der Einwohner Katholiken, 4,0 % Protestanten, 1,0 % Anhänger der traditionellen, animistischen Religion Timors und 0,3 % Muslime.District Pritory Tables: (PDF; 13 MB) Bei der Volkszählung 2015 registrierte man 97,08 % Katholiken, 2,51 % Protestanten, 0,28 % Muslime, nur noch 52 Animisten und 43 andere.
Von den Einwohnern, die drei Jahre oder älter sind, besuchten 2015 38,8 % eine Schule. 26,3 % hatten die Schule verlassen. Nie eine Schule besucht haben 33,6 %, was 4,7 % über dem Landesdurchschnitt entspricht. 5,2 % der Einwohner Viqueques haben nur die Vorschule besucht, knapp ein Drittel nur die Grundschule. Weiterführende Schulen haben knapp ein Viertel der Einwohner abgeschlossen. Ein Diplom oder abgeschlossenes Studium können 3,7 % vorweisen, was der Hälfte des Landesdurchschnitts entspricht. Die Analphabetenrate betrug 2015 16,9 % (Frauen: 16,5 %; Männer: 17,3 %). 2004 lag sie noch bei 61,0 %.
Schulbildung Schulabschluss in der Schule Schule beendet nie in einer Schule Vorschule Grundschule Prä-Sekundär Sekundär Diplom / Fach-hochschule Universität Kein Abschluss Frauen 36,7 % 24,7 % 37,4 % 5,0 % 27,9 % 13,3 % 10,5 % 0,4 % 2,2 % 1,2 % Männer 40,9 % 28,0 % 29,9 % 5,5 % 32,5 % 12,6 % 11,8 % 1,0 % 3,8 % 0,9 % Gesamt 38,8 % 26,3 % 33,6 % 5,2 % 30,2 % 12,9 % 11,1 % 0,7 % 3,0 % 1,1 %
Geschichte
Früh- und Kolonialzeit mini|Gouverneur José Celestino da Silva (1894–1908) zu Besuch im Reich von Viqueque. Neben ihn der Herrscher Brigadeiro D. Mateus da Costa Rangel Sarmento Pinto.
Viqueque, Lacluta, Bibiluto und Luca waren traditionelle Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Sie erscheinen auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte. Auch Ossu und Ossorua waren solche Reiche. Der Einfluss Lucas reichte zeitweise bis in die heutige Gemeinde von Baucau. Während der Rebellion von Cová 1868 unterstützten Viqueque und Luca die portugiesischen Kolonialherren mit eigenen Truppen und im April 1896 unterzeichnete der Liurai von Luca einen Vertrag über seinen Vasallenstatus.Geoffrey C. Gunn: Technische Universität Lissabon (PDF-Datei; 805 kB)
Mit Schaffung der Militärkommandanturen 1860 wurden die Reiche von Bibiluto, Viqueque, Luca, Lacluta, Dilor, Bibico und Barique in der Militärkommandantur Viqueque zusammengefasst. Im Januar 1934 führte man mit den Circunscrições () ein ziviles Verwaltungssystem für die Kolonie ein. Viqueque wurde zu Baucau geschlagen, so dass der neue Verwaltungsbezirk von der Straße von Wetar im Norden bis zur Timorsee im Süden reichte. 1936 wurde der Verwaltungsbezirk in São Domingos umbenannt.Boletim Oficial. 37. Jahrgang, Nr. 21, Govêrno Colonial, Diploma Legislativo N°85, 27. Mai 1936.
Als die Japaner 1943 die Region besetzten war vor allem im Osten Viqueques die koloniale Administration noch jung und die Christianisierung noch nicht weit fortgeschritten. Uato-Lari litt stark unter den Folgen der Kämpfe zwischen japanischer Armee und australischen Guerilla-Einheiten im Berg- und Hügelland. Die Japaner forderten Unterstützung durch die einheimischen Führer ein und zwangen ganze Dörfer zum Beispiel zum Straßenbau. Andere Dörfer unterstützten die alliierten Soldaten, so dass Animositäten zwischen den Clans entstanden, die noch Jahrzehnte später zu spüren sind. Nach Ende des Krieges bestraften die Portugiesen „Kollaboration“ mit den Japanern hart, was unter einigen lokalen Adligen zu Groll gegen die Kolonialverwaltung führte.
Mit der Wiederherstellung der kolonialen Verwaltungsstrukturen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Baucau und Viqueque wieder voneinander getrennt.Diário do Governo, I(159). Quinta-feira, 18 de julho de 1946 In: Lúcio Sousa: A etnografia em concurso administrativo : a “monografia etnográfica” em Timor Português em 1948, abgerufen am 16. September 2024. Uatucarbau und Lacluta wurden Viqueque zugeschlagen.Boletim Oficial de Timor 1959, m0383 ff., abgerufen am 17. September 2024.
mini|Mädchen aus Viqueque (1967)
Von Uato-Lari aus dehnte sich 1959 eine der letzten großen Rebellionen gegen die portugiesische Kolonialherrschaft auf die benachbarten Gebiete aus. Während der Viqueque-Rebellion kamen etwa 1000 Timoresen ums Leben. Die Anführer des Aufstands wurden nach Afrika in die Verbannung geschickt. Geschürt war die Rebellion durch Indonesier worden, die in Portugiesisch-Timor Asyl gefunden hatten und dann in Uato-Lari angesiedelt worden waren. Ob es sich bei ihnen um indonesische Separatisten oder Agenten handelte, ist nicht gesichert geklärt.Australian Department of Defence, Patricia Dexter: (PDF; 1,1 MB)
In dieser Zeit war Viqueque über den Landweg noch schlecht zu erreichen. Die Straße von Baucau aus war ständig durch Erdrutsche und starke Regenfälle in Mitleidenschaft gezogen, so dass noch in den 1960er Jahren oft das Pferd dem Auto als Transportmittel vorgezogen wurde.
Indonesische Besetzung und osttimoresische Unabhängigkeit mini|Verlauf der indonesischen Invasion (1975–1979)