Munisípiu Aileu (tetum)Município de Aileu (port.)150px|zentriert|Emblem der Gemeinde Aileu320px|Bergdorf in der Gemeinde Aileu DatenHauptstadtAileuFläche809,90 km²Gemeinde Aileu: Dashboard, abgerufen am 27. Mai 2026.Einwohnerzahl (2025)61.558Zahl der Haushalte (2022)9.383Institutu Nasionál Estatístika Timor-Leste: Final Main Report Census 2022, abgerufen am 18. Mai 2022.ISO 3166-2:TL-ALVerwaltungsämterEinwohner(2025) FlächeAileu29.305264,12 km²Laulara8.77960,87 km²Lequidoe8.575236,82 km²Remexio14.899248,09 km² Karten 320px|Übersichtskarte der Gemeinde Aileu320px|Administrative Aufteilung
Aileu ist eine Gemeinde von Osttimor. Die administrative Verwaltungseinheit wurde erst in den letzten Jahren der portugiesischen Kolonialzeit geschaffen. Hauptstadt der Gemeinde ist das gleichnamige Aileu im Suco Seloi Malere.
Name Aileu bedeutet in der lokalen Sprache Mambai „gebogener Baum“.Geoffrey Hull: abgerufen am 28. September 2014.
Nach einer Legende wuchs die Wurzel eines Banyan-Feigenbaums ohne Ast oder Blatt. Dieser Baum wuchs zu einer verdrehten Form heran, die wie ein Stuhl aussah, und diese einzigartige Form machte ihn berühmt und gab der Gemeinde schließlich ihren Namen. Heutzutage ist dieser Stuhl aus Holz auch das Symbol der Gemeinde Aileu.Timor-Leste Portal Municipal: , abgerufen am 6. September 2020. Ein kleines Monument mit einem aus Wurzeln geformten „A“, das an die dahinterliegenden Legende erinnern soll, befindet sich im Suco Liurai.
Geographie Lage und Gliederung mini|links|Nahe der Kirche der Stadt Aileu
Aileu liegt im Hochland des Nordwesten von Osttimor und ist eine der beiden Gemeinden ohne Zugang zum Meer. Die Gemeinde hat eine Fläche von 809,90 km². Die bergige Landschaft liegt zwischen 350 und über dem Meeresspiegel.Munisipio Aileu: Planu Estartejiku Desenvolvimentu Munisipal (tetum), abgerufen am 15. Februar 2016. Aileu grenzt im Norden an die Gemeinde Dili, im Osten an Manatuto, im Südosten an Manufahi, im Süden an Ainaro, im Westen an Ermera und im Nordwesten an Liquiçá. Die meisten Flüsse gehören zum System des Nördlichen Laclós, der westlich von Aileu vorbeifließt. Im Nordwesten fließen einige Flüsse nach Westen in den Lóis, während aus Laulara einige temporäre Flüsse nach Norden die Gemeinde Dili durchqueren, darunter der Rio Comoro..
Die Gemeinde teilt sich in die vier Verwaltungsämter Aileu, Laulara, Lequidoe und Remexio, die wiederum in 35 Sucos und 148 Aldeias unterteilt werden.
Klima Traditionell werden in Aileu vier Jahreszeiten unterschieden. Von Mitte Oktober bis April ist Regenzeit, Mai und Juni herrscht die kalte Jahreszeit. Der Juli und der August sind sehr windig und die Trockenzeit findet zwischen Mitte August und Mitte Oktober statt. Die Durchschnittstemperaturen sind aufgrund der Höhe deutlich niedriger und die Luftfeuchtigkeit geringer als an den Küstenregionen Osttimors. Als Höchsttemperatur wird 29 °C erreicht, nachts kann die Temperatur auf bis zu 4 °C sinken.
Entfernungen Entfernungen [km], abgerufen am 12. Februar 2022. Ort Aileu Laulara Lequidoe Remexio Aileu 35 13 30 Laulara 35 40 15 Lequidoe 13 40 25 Remexio 30 15 25
Die Stadt Aileu liegt von der Landeshauptstadt Dili 47 Kilometer entfernt., abgerufen am 11. Februar 2022.
Einwohner mini|links|hochkant|Würdenträger aus der Gemeinde (2022) mini|Entwicklung der Einwohnerzahl in Aileu
Laut Zahlen aus dem Jahr 2025 leben in Aileu 61.558 (Zensus 2022: 54.324; Zensus 2015: 48.837 EinwohnerDirecção-Geral de Estatística: , abgerufen am 23. November 2016.). Von den Einwohnern sind 31.629 Männer und 29.929 Frauen. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt im Verwaltungsamt Aileu, am dichtesten besiedelt ist Laulara mit 144,2 Einwohnern pro Quadratkilometer (2010: 106,2, 2004: 90). Zwischen 2015 und 2022 lag das jährliche Bevölkerungswachstum bei 1,5 %. Der Landesdurchschnitt lag bei 1,8 %. Zwischen 1990 und 2004 wuchs die Zahl der Einwohner Aileus jährlich noch um 3,08 %. 2022 wohnten 2.921 Einwohner Aileus in einer urbanen Umgebung. Sie leben in den Sucos Seloi Malere und Liurai.
2017 waren 26.942 Einwohner 19 Jahre oder jünger. Der Altersdurchschnitt lag bei 19,0 Jahren. 2010 waren es noch 17,7 Jahre. Noch 2004 bekamen die Frauen in Aileu durchschnittlich in Osttimor die meisten Kinder und Aileu hatte eine der höchsten Fruchtbarkeitsraten der Welt. Das Verwaltungsamt Remexio hielt mit 9,92 Kindern pro Frau landesweit die Spitze, Laulara lag auf Platz zwei mit 9,90 Kindern. Im Verwaltungsamt Aileu waren es noch 9,25 und in Liquidoe „nur“ 7,88 Kinder pro Frau.
mini|Am Sportplatz der Stadt Aileu
68,8 % (2015) der Bevölkerung in der Gemeinde spricht als Muttersprache die Nationalsprache Mambai. In Acumau und Talitu gibt es eine Minderheit von Lolein-Sprechern (1,1 % der Bevölkerung in der Gemeinde). Der Rest spricht hauptsächlich Tetum, vor allem den Dialekt Tetum Prasa (29,0 %). Im Nordosten, an der Grenze zu Manatuto wurde früher traditionell auch Galoli gesprochen. Bei der Volkszählung von 2015 gaben aber nur noch elf Bewohner der Gemeinde an, Galoli als Muttersprache zu haben. Berücksichtigt man auch die Zweitsprachen, so sprachen 2015 95,0 % Tetum, 29,3 % Bahasa Indonesia, 34,4 % Portugiesisch und 15,1 % Englisch.
2022 waren 91,9 % der Einwohner Katholiken, was deutlich unter dem Landesdurchschnitt liegt. Darüber liegen die Anteile von Protestanten mit 7,9 %. Die traditionelle, animistische Religion Timors hat noch immer einen starken Einfluss. In einigen Dörfern, wie Hohulo und Erhetu, gibt es noch praktizierende, spirituelle Zentren.
Von den Einwohnern, die drei Jahre oder älter sind, besuchten 2015 43,4 % eine Schule. 30,9 % hatten die Schule verlassen. Nie eine Schule besucht haben 24,5 %. Der Anteil Letzterer liegt in Aileu unter dem Landesdurchschnitt. Es gibt auch mehr Schüler. 4,7 % der Einwohner haben allerdings nur die Vorschule besucht, ein Drittel die Grundschule. Weiterführende Schulen haben knapp ein weiteres Drittel der Einwohner abgeschlossen. Ein Diplom oder abgeschlossenes Studium können nur 4,4 % vorweisen; im Landesdurchschnitt sind es 7,0 %. Die Analphabetenrate betrug 2015 14,7 % (Frauen: 14,3 %; Männer: 15,1 %). 2004 lag sie noch bei 60,9 %. 2017 gab es in Aileu 608 Lehrer an 93 öffentlichen und 13 privaten Schulen für 15.869 Schüler.
Schulbildung Schulabschluss in der Schule Schule beendet nie in einer Schule Vorschule Grundschule Prä-Sekundär Sekundär Diplom/Fach-hochschule Universität Kein AbschlussFrauen 43,1 % 28,1 % 27,6 % 4,6 % 31,8 % 14,1 % 14,2 % 0,5 % 3,2 % 0,8 %Männer 43,7 % 33,5 % 21,6 % 4,7 % 37,3 % 13,4 % 14,1 % 0,6 % 4,3 % 0,7 %gesamt 43,4 % 30,9 % 24,5 % 4,7 % 34,6 % 13,7 % 14,1 % 0,6 % 3,8 % 0,7 %
Geschichte
mini|links|Ruine der Chinesischen Schule (2016) mini|Blick auf das damalige Vila General Carmona (vor 1940), heute Aileu
Südöstlich vom Ort Aileu lag das Reich von Dailor, eines der vielen traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint, ebenso wie Caimau und Failacôr, auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte. Im Januar 1894 schloss Dailor mit Portugal einen schriftlichen Vertrag über seinen Vasallenstatus gegenüber der Kolonialmacht.
Failacôr wurde unter Gouverneur José Celestino da Silva (1894–1908) von den Portugiesen aufgelöst. Sein Territorium wurde auf Caimau, Laclo und Turiscai verteilt. Die Region Carahil sollte zum Reich Motael zugeschlagen werden, doch die Bevölkerung verweigerte dies. So wurde aus Carahil ein eigenständiges Gebiet, das von einem Militärkommandant verwaltet wurde. Da sich die staatliche Plantage Granja Remexio in Carahil befand, erhielt das Gebiet den Namen Remexio.Boletim Oficial de Timor; Samstag, 11. August 1900, Nr. 32, Nr. 80.Boletim Oficial de Timor, 1901, Samstag, 2. Februar, Nr. 5, Nr. 16.Katharine Davidson: The Portuguese colonisation of Timor: the final stage, 1850-1912, S. 98 & 205, Sydney 1994.
1903 brach in Aileu eine Revolte gegen die Portugiesen aus, die aber schnell niedergeschlagen wurde. 1912 diente Aileu als portugiesische Basis während der Rebellion von Manufahi.
Zwischen 1942 und 1945 besetzten die Japaner Portugiesisch-Timor. Am 20. August 1942 wurde der Ort Aileu von 300 Colunas Negras, timoresischen Verbündeten der japanischen Invasoren, besetzt. Am 31. August töteten sie fünf portugiesische Soldaten und vier weitere Portugiesen, Beamte und Missionare. Japan schob diesen, wie auch andere Vorfälle, auf „eine Gruppe Westtimoresen“, die sich im Osten ansiedeln wollten und von Portugiesen misshandelt worden wären.Kisho Tsuchiya: Indigenization of the Pacific War in Timor Island: A Multi-language Study of its Contexts and Impact, S. 13, Journal War & Society, Vol. 38, No. 1, Februar 2018. An das Massaker erinnert noch heute eine Gedenkstätte in der Hauptstraße. Dieses Denkmal blieb während der indonesischen Besatzungszeit unangetastet.
Von 1934 bis 1945 gehörte Aileu zum Verwaltungsbezirk Suro. 1946 wurde es dem Kreis (conselho) Dili zugeordnet. Erst am 1. Juli 1973 wurde der Kreis Aileu mit Aileu, Remexio, Lequidoe und Laulara gegründet.Government of Timor-Leste: Administrative Division (englisch)Ministério da Administração Estatal, República Democrática de Timor-Leste: MINISTRU ADMINISTRASAUN ESTATAL FO PARABÉNS BA POVU AILEU HODI KOMEMORA LORON KRIASAUN KONSELLU AILEU, 2. Juli 2022, abgerufen am 12. Juli 2022.
mini|Verlauf der indonesischen Invasion (1975–1979)
Aileu war 1975 eines der Zentren der Unabhängigkeitspartei FRETILIN. Hier versammelten sich die FRETILIN-Führer nach dem Putschversuch der UDT am 11. August, um zum Gegenschlag auszuholen. Nach der indonesischen Invasion, wenige Monate später, flohen viele Bewohner der Stadt Aileu, die am 31. Dezember von den Indonesier besetzt wurde, in die Berge. Die Ortschaften der Region blieben mehrere Jahre unbewohnt. Zunächst waren nur die Umgebung der Stadt Aileus und die Überlandstraßen nach Dili, Gleno/Ermera und Maubisse besetzt. In Remexio entstand eine base de apoio in der die geflohene Zivilbevölkerung von der Widerstandsbewegung FALINTIL angesiedelt wurde. Ab September 1977 drang die indonesische Armee in den Westen Aileus vor und besetzte ihn vollständig bis Februar 1978. Zwischen Mai und Juni 1978 fiel auch der Osten Aileus unter indonesischer Kontrolle. Die Basis in Remexio wurde zerstört, die Menschen auseinandergetrieben oder gefangen genommen. aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch) Während der Besatzungszeit wurden Einwohner der Region um Maubisse in den damaligen Distrikt Aileu umgesiedelt. Es kam daher zu Spannungen zwischen Alteingesessenen und Neusiedlern. Die Situation war zudem explosiv, da die Bewohner Maubisse und Aileu bereits zuvor traditionell verfeindet waren.
Nach dem Referendum von 1999, bei dem sich die Bevölkerung für die Unabhängigkeit von Indonesien aussprach, kam es landesweit zu Gewaltausbrüchen durch pro-indonesischen Milizen. In Aileu waren die Zerstörungen besonders schlimm in den damaligen Subdistrikten Liquidoe und Laulara. Auch die Hauptstadt Aileu wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nur wenige Gebäude blieben unzerstört. Wasser- und Stromversorgung war im gesamten Distrikt Aileu zerstört und etwa 5000 Menschen waren nach Westtimor geflohen. Schließlich wurde die internationale Eingreiftruppe INTERFET entsandt und Osttimor unter UN-Verwaltung gestellt. Kämpfer der osttimoresischen Widerstandsbewegung FALINTIL wurden in der Stadt Aileu bis Februar 2001 kaserniert. Danach begannen 600 der Kämpfer mit einer Ausbildung zu Soldaten der neuen Verteidigungskräfte Osttimors (F-FDTL).
Zwisc bis hen 2006 und 2008 war Aileu eine der Regionen, wo Rebellenführer Alfredo Alves Reinado sich mit seinen Männern verbarg, bis er bei einem Attentat auf die Staatsführung am 11. Februar 2008 getötet wurde. Die Rebellenbewegung löste sich daraufhin auf.