mini|Cover der Graphic Novel Watchmen mini|Smiley, Comedians Abzeichen und Symbol für die Reihe Watchmen (der Blutfleck entsteht erst bei der Ermordung des Comedians und ist auf dessen Logo nicht zu sehen) Watchmen ist eine 1986/87 erschienene Graphic Novel von Alan Moore (Text) und Dave Gibbons (Zeichnungen). Sie erschien zuerst bei DC Comics als zwölfteilige Serie. Die deutsche Ausgabe der Serie wurde erstmals 1989 in sechs Bänden vom Carlsen Verlag veröffentlicht, seitdem folgten mehrere Nachdrucke. Eine auf der Comicserie basierende Verfilmung Watchmen – Die Wächter kam 2009 in die Kinos. 2019 startete HBO die Fernsehserie Watchmen von Damon Lindelof.
Die Graphic Novel wurde nicht nur im Comic-Bereich mit mehreren Preisen ausgezeichnet. So zählte das US-amerikanische Magazin Time Watchmen 2010 als einzigen Comic zu den besten 100 englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 veröffentlicht wurden. Zudem wurde die Geschichte 2020 mit der Aufnahme in die Science Fiction and Fantasy Hall of Fame geehrt.Winners by Year: 2020, Science Fiction Award Database, abgerufen am 14. Mai 2021 (englisch).
Szenario Eine alternativ-fiktive Version der USA in den 1980er Jahren. Der Kalte Krieg dauert an, die Sowjets sind noch stets die außenpolitischen Gegner. Superhelden sind seit einem Anti-Superheldengesetz aus den 1970er Jahren, dem Keene-Act, verboten. Die ersten von ihnen waren nach dem Sensationserfolg des ersten Superman-Comics Ende der 1930er Jahre aufgetreten: maskierte Vigilanten ohne große Fähigkeiten, die sich später als die „Minutemen“ zusammentaten (benannt nach der gleichnamigen Miliz des 18. Jahrhunderts). Bis zu den 1950er Jahren traten sie nach und nach freiwillig oder unfreiwillig in den Ruhestand. Anfang der 1960er Jahre entstand eine neue Generation mit neuen technischen Fähigkeiten und zum Teil auch tatsächlichen Superkräften. Sie gerieten in den 1970er Jahren durch ihre Selbstjustiz in die Diskussion und wurden durch den Keene-Act zuletzt vor die Alternative gestellt, ihre Aktivitäten einzustellen oder für die Regierung zu arbeiten. Einige hörten damals auf (Nite Owl II, Silk Spectre II), andere arbeiten seither in der Forschung (Dr. Manhattan) oder für den Geheimdienst (Comedian), einer (Ozymandias) ließ die Maske öffentlich fallen und verdiente damit ein Vermögen, einer (Rorschach) ging in den Untergrund und bekämpft – von der Polizei gesucht und den Medien totgeschwiegen – das Verbrechen weiter.
Handlung mini|Der Krater Galle (auch Happy Face) ist zu sehen, als Dr. Manhattan sein Exil auf dem Mars wählt Der ehemalige Superheld The Comedian wird von einem Unbekannten ermordet. Sein Kollege Rorschach macht sich auf die Suche nach dem Täter und wittert bald eine Verschwörung, als weitere Superhelden bedroht werden: Dr. Manhattan flieht nach einem Skandal auf den Mars, auf Ozymandias wird ein Attentat verübt, der ehemalige Superschurke Moloch (auch Moloch der Magier oder Moloch der Mystiker; richtiger Name: Edgar W. JacobiBefore Watchmen: Crimson Corsair, Panini Comics, Stuttgart 2013.) wird erschossen und Rorschach selbst in eine Falle gelockt. Seine Verhaftung weckt schließlich seinen ehemaligen Partner Nite Owl II aus dem Ruhestand. Er befreit Rorschach zusammen mit Silk Spectre II, und gemeinsam kommen sie der wahren Verschwörung auf die Spur, ohne diese jedoch noch verhindern zu können: Um die Menschheit wieder zusammenzuschweißen und vor einem Atomkrieg zu bewahren, vernichtet Ozymandias große Teile von New York City.
Hauptfiguren Sämtliche Figuren sind – teils auf Basis wenig bekannter Figuren des Verlags Charlton Comics – neu entwickelt. Somit kann man Watchmen ohne Vorkenntnisse anderer Superhelden-Geschichten lesen, obwohl Vorkenntnisse und Vergleiche mit anderen Superhelden-Comics den Reiz erhöhen. Moore nutzt das Fehlen vorgegebener Heldenlebensläufe zudem, um jede Figur mit einer Biografie zu versehen, die in einer realen Welt funktionieren würde und die Elemente dieser realen Welt verarbeitet, in der Berühmtheiten (zu denen Superhelden auch zählen würden) Merchandising betreiben, Alkoholprobleme haben, mit Komplexen kämpfen, ihren Ruhm ausnutzen und vieles mehr.
Helden der ersten Generation („Minutemen“) Captain Metropolis Sein richtiger Name lautet Nelson Gardner. Bevor er sich zum Superhelden Captain Metropolis machte, war er bei der US Navy. Er versucht die Superhelden Comedian, Rorschach, Ozymandias, die zweite Silk Spectre, den zweiten Nite Owl und Dr. Manhattan dazu zu bewegen, nach dem Vorbild der alten Heldenvereinigung Minutemen mit den Crimebusters eine neue Heldenunion zu gründen. Doch der Comedian erkennt Gardners wahres Motiv: Gardner versucht, über seine zunehmende Bedeutungslosigkeit hinwegzukommen, indem er mittels Gründung eines Vereins an die Prominenz und das strahlendere Image erfolgreicherer Superhelden andockt. Später stirbt Nelson Gardner bei einem Autounfall.
Comedian mini|Waffen von Comedian (aus der Verfilmung von 2009) Edward Blake, wie der „Comedian“ mit richtigem Namen heißt, gehörte schon mit 16 zur ersten Generation der Superhelden. Dem Verbot der Vigilanten in den 1970er Jahren entgeht er, da er – wie auch Dr. Manhattan – ohnehin für die Regierung arbeitet. Er kämpft als Vorzeigesöldner mit unvorstellbarer Brutalität im Vietnamkrieg, den die USA in dieser Geschichte gewinnen, befreit – gleichfalls anders als in der Realität – die Geiseln in der Teheraner Botschaft, schlägt mit erkennbarer Freude Aufstände nieder. Blake ist zynisch und jähzornig. Sein Regierungsauftrag ist für ihn keine Herzenssache, sondern ein Freibrief für zügellose Gewalt in einer Welt, in der es für ihn ohnehin kein Gut und Böse gibt – und von deren Untergang er sowieso überzeugt ist. Er ist es daher auch, der die Bemühungen um eine Union der zweiten Generation der Superhelden sprengt, als Ozymandias, der „klügste Mensch der Welt“, die Führung an sich reißen will: „In ein paar Jahren fliegen die Atomraketen hier durch die Gegend wie Maikäfer. Und unser Ozymandias hier ist dann der klügste Mensch auf dem Aschehaufen. Macht’s gut, ihr Witzfiguren.“
Bei alledem ist der Comedian kein tumber Haudrauf, sondern beweist immer aufs Neue einen entlarvenden Scharfblick. Er durchschaut schnell Hooded Justices sexuelle Motive zur Verbrecherjagd, er spricht offen aus, dass Captain Metropolis mit dem Versuch einer zweiten Helden-Union nur über sein Alter, seinen Bedeutungsverlust und seinen Bauchansatz hinwegkommen möchte. Und als er in Gegenwart von Dr. Manhattan in Vietnam in einem Wutanfall seine schwangere Geliebte erschießt, nachdem sie ihn mit einer Flasche verletzt hat, rechtfertigt er sich kalt, aber zutreffend: „Ja, ich habe sie erschossen. Und du hast zugesehen. Du hättest die Waffe in Dampf verwandeln können oder die Kugel in Quecksilber oder die Flasche in Schneeflocken! Du hättest uns locker nach Scheiß-Australien teleportieren können … und hast keinen Finger gerührt! Du scherst dich keinen Deut mehr um menschliches Leben. Ich seh es dir an.“
Seine Ermordung löst die Ereignisse in der Reihe Watchmen aus.
Dollar Bill William „Bill“ Benjamin Brady (* 4. Juli 1917 in Nebraska) ist eine tragische Nebenfigur, deren Schicksal in Hollis Masons Memoiren enthüllt wird. Auf dem Höhepunkt der ersten Superhelden-Welle in den 1940ern engagiert eine Bank einen eigenen Helden als Werbegag und Schutzmaßnahme – Dollar Bill. Der trainierte Athlet wird bei einem Überfall von einem Räuber erschossen, wehr- und hilflos, nachdem sich sein Umhang in der Drehtür der Bank verhedderte. Rückschauend mutmaßt Mason, Bill könne wohl noch leben, wenn sein Kostüm nicht von Marketingstrategen entworfen worden wäre, sondern von Bill selbst. Er, Mason, habe sich aus ähnlichen Erwägungen stets gegen die effektvollen, aber gefährlichen Umhänge entschieden.
Hooded Justice Der erste der „realen“ Superhelden in Watchmen. Sein Name bleibt bis zum Schluss ungenannt, es wird jedoch bekannt, dass er mit der ersten Silk Spectre eine Scheinaffäre hatte, offensichtlich um seine Homosexualität zu verbergen. Er verschwindet, kurz nachdem er sich in der McCarthy-Ära geweigert hatte, seine Identität preiszugeben. Hollis Mason (der erste Nite Owl) schreibt in seinen Memoiren „Unter der Maske“, dass hinter Hooded Justice möglicherweise ein Zirkusartist namens Rolf Müller gesteckt habe, da beide dieselbe Größe und Statur hatten und Rolf Müller etwa zur gleichen Zeit wie Hooded Justice verschwand.
Mothman Nebenfigur, sein richtiger Name lautet Byron Lewis. Sein Superheldenkostüm war ein Mottenkostüm, das ihm ermöglichte, in der Luft zu gleiten. Karriereende nach Alkoholismus. Er befindet sich in der Psychiatrie.
Nite Owl Hollis J. Mason (* 1916; † 31. Oktober 1985) war vor und während seines Lebens als maskierter Abenteurer Polizist, legte sich seine Identität als Held aus verschiedenen Motiven zu. Zum einen war es aus Nostalgie für die Pulp-Romane, was durch das Erscheinen der ersten Superhelden-Comics gefördert wurde. Zum anderen hatte er durch die strengen Moralvorstellungen seines Großvaters, bei dem er mit seiner Familie in seiner Kindheit gewohnt hatte, das Gefühl, er müsse etwas Wichtiges und Richtiges tun.
Diese Motive enthüllt Mason (dessen Ansichten man über das zwischen die einzelnen Kapitel des Comics eingefügte Manuskript seiner Memoiren erfährt) genauso wie die Gründe seines Rücktritts. Zum einen, schreibt er, hätten mehr und mehr die maskierten Schurken gefehlt – und damit die Daseinsberechtigung, gleich in doppelter Hinsicht. Denn ohne Superschurken brauche man nicht nur den Helden nicht mehr, der Held käme sich auch dämlich vor, wenn er der einzige sei, der in einem seltsamen Kostüm herumrenne. Der Hauptgrund für seinen Rückzug sei jedoch das Auftreten von Dr. Manhattan gewesen, dem ersten echten Superhelden im Jahr 1960. Mason trennt hier sehr sorgfältig: Er und seine Kollegen der ersten Generation sind für ihn nur „Costumed Heroes“ (Kostümierte Helden) oder „Masked Adventurers“ (Maskierte Abenteurer), Manhattan ist der erste „Superhero“ (Superheld). Und seine, Masons, Bemühungen seien ihm zunehmend unzulänglich erschienen in einer Welt, in der jemand wie Manhattan praktisch alles bewirken kann, während das Einzige, was er, Mason, anzubieten hatte, „ein guter linker Haken“ gewesen sei.
Nach seiner aktiven Zeit eröffnet er eine Autowerkstatt, schreibt seine bereits erwähnten Memoiren (Titel: Under the Hood, dt. Unter der Maske) und trifft sich regelmäßig mit seinem Nachfolger, dem er, nachdem er dessen Talent gesehen hatte, bereitwillig seinen Namen überlassen hatte. Hollis Mason wird am 31. Oktober 1985 in seiner Wohnung von Mitgliedern der Gang Knot Tops nach einem Kampf erschlagen, weil sie ihn irrtümlich für den Nite Owl gehalten haben, der Rorschach bei seiner Flucht aus dem Gefängnis geholfen hat.
Silhouette Ursula Zandt wurde 1939 zur Heldin und trat auch sogleich den „Minutemen“ bei. Später wurde sie auf Empfehlung von Silk Spectres Manager aufgrund ihrer Homosexualität aus der Gruppe ausgeschlossen, um schlechte Publicity zu vermeiden, nachdem dieser Umstand an die Öffentlichkeit gelangt war. Sie und ihre Liebhaberin wurden sechs Wochen später ermordet.
Silk Spectre Sally Juspeczyk ist der richtige Name von Silk Spectre, der ersten Superheldin. Ihren Nachnamen gibt sie mit „Jupiter“ an, um ihre polnische Herkunft zu verschleiern. Wie auch die anderen Abenteurer der ersten Generation verfügt Juspeczyk über keine besonderen Fähigkeiten, sieht jedoch überdurchschnittlich verführerisch aus. Der Comedian versucht, sie zu vergewaltigen.
Juspeczyk heiratet später ihren Agenten Laurence Schexnayder, der ihr eine Filmkarriere vermitteln will – was allerdings scheitert. Aus der Zeit dieser Ehe stammt Tochter Laurel, die Sally zwar zur zweiten Silk Spectre ausbildet, dabei jedoch Kontakte zwischen Laurel und dem Comedian argwöhnisch unterbindet, da dieser ihr biologischer Vater ist.