Die Geschichte der Gartenkunst beschreibt die Entwicklung der Gartenkunst von der Vorgeschichte und dem Altertum bis in die Neuzeit.

mini|Blick über eine Parkanlage (Killesberg)

Unter Gartenkunst versteht man die künstlerische und landschaftsarchitektonische Gestaltung begrenzter privater oder öffentlicher Freiräume durch Pflanzen, Wege, Anschüttungen, Planierungen, Architekturelemente, Wasserspiele oder Skulpturen, wobei die Art der Gestaltung Ausdruck einer bestimmten Stilrichtung von Ästhetik, Kunst, Kultur und Architektur einer Epoche ist oder künstlerische Kreativität darstellt.

Michel Conan weist darauf hin, dass die Idee des Gartens als Kunstwerk eine westliche Idee ist, die mit der Renaissance und dem Barock entstand. Sie ist zudem vor allem mit den Gärten der herrschenden Klasse verbunden, die der Repräsentation dienten. Islamische Gärten dagegen feierten den Genuss von Gottes Schöpfung. Insofern mache sich die Gartengeschichtsschreibung hier des Orientalismus schuldig.

Über weite Strecken ist die Geschichte der Gartenkunst, quellenbedingt, nur die Geschichte herrschaftlicher Gärten. Gärten zur Nahrungsmittelproduktion waren der Aufmerksamkeit der Gartenhistoriker nicht würdig und galten nicht als Kunstwerk. Der sogenannte Bauerngarten bildet nur scheinbar eine Ausnahme, da er in seiner dokumentierten Form ein Kunstprodukt der Oberschicht darstellt. Für Francis Bacon (1625) war Gott der erste Gärtner, er soll den Garten Eden angelegt haben. Gartenkunst wurde und wird sowohl von Frauen als auch Männern betrieben.

Urgeschichte Es wird angenommen, dass urgeschichtliche Anbauflächen bis zur Einführung des Pfluges sehr klein waren und intensiv mit Hacken o. ä. bearbeitet wurden. Amy Bogaard bezeichnet diese Anbauform daher als Gartenbau.

Gartenkunst im Altertum Die Gartenkunst im Alten Ägypten

mini|Gartenmodell aus dem Grab des Meketre mini|Gartendarstellung aus der Grabkapelle des Nebamun

Aufgrund der umfangreichen archäologischen Ausgrabungen, Grabinschriften und Wandmalereien ist die Entwicklung der Gartenkunst im Alten Ägypten gut dokumentiert. Überliefert ist beispielsweise ein kleines Gartenmodell aus dem Grab des Meketre, einem Kanzler des Pharaos Mentuhotep II. (2061–2010 v. Chr.). Daher wissen wir, dass die Pyramiden, die heute in der Wüste stehen, einst von umfangreichen Gartenanlagen umgeben waren. Der religiöse Kult sah Blumen-, Speise- und Getränkeopfer zu Ehren der Toten und der Götter vor, so dass rund um die Tempel und Gräber Gartenanlagen gebaut wurden. In der Zeit von Ramses III. sind 513 Tempelgärten nachgewiesen. In diesen Gärten, die der Wüste mühselig abgerungen wurden, hatten künstlich angelegte Teiche zentrale Bedeutung. Weinlauben, Alleen, Gemüse- und Blumenbeete umgaben diese in streng symmetrischer Anordnung.

Den Höhepunkt erreichte die altägyptische Gartenkunst während des Neuen Reiches zwischen 1550 und 1080 v. Chr.

Die Gärten der Assyrer und Babylonier

Bereits die Sumerer unterschieden zwischen Nutz- und Ziergarten.

Stephanie Dalley führt ein babylonisches Gedicht über den Streit zwischen der Dattelpalme und der Tamariske als älteste Beschreibung eines mesopotamischen Königsgartens an. Darin wird beschrieben, wie der König zwei Bäume, Tamariske und Dattelpalme, pflanzt. In dem Schatten derselben finden Mahlzeiten und Versammlungen statt, Musik wird gespielt und der König empfängt seine Untertanen. Er isst die Früchte der Dattelpalme, die verbleibenden Früchte erhält der Gärtner und aus dem Holz der Tamariske werden Möbel, Trinkschalen und Gerätschaften wie der Webstuhl gefertigt.Stephanie Dalley: Ancient Mesopotamian Gardens and the Identification of the Hanging Gardens of Babylon Resolved. In: Garden History 21/1, 1993, 1. Im Palast von Mari waren mehrere Gärtner beschäftigt. Keilschriftfunde belegen, dass der König von Mari und sein Gefolge Mahlzeiten im Garten einnahmen, der sich wohl in einem Innenhof befand.Stephanie Dalley, Ancient Mesopotamian Gardens and the Identification of the Hanging Gardens of Babylon Resolved. Garden History 21/1, 1993, 2. In dem Palast von Ugarit aus dem 14. Jahrhundert wurde ein Innenhof mit Wasserbecken ausgegraben, die Erde am Rand des Hofes war locker und wird von dem Ausgräber als Beleg für Pflanzungen von Blumen oder Büschen gedeutet. Inschriften belegen, dass in den Palastgärten Opfer für Reschef dargebracht wurden.Stephanie Dalley, Ancient Mesopotamian Gardens and the Identification of the Hanging Gardens of Babylon Resolved. Garden History 21/1, 1993, 3.

Die assyrischen Königsgärten waren Landschaftsgärten, die bewaldete Hügel mit Wasserläufen nachahmten. Sie werden in den Inschriften mit dem Amanus verglichen.A. Leo Oppenheim, On Royal Gardens in Mesopotamia. Journal of Near Eastern Studies 24/4 (Erich F. Schmidt Memorial Issue) 1965, 332. . Accessed: 02/11/2013 11:46 Auf Inschriften haben assyrische Herrscher Hinweise auf ihre Gärten hinterlassen. So rühmt sich Tukulti-apil-ešarra I. (1115–1077 v. Chr.) üppiger Gärten. Er legte einen Wildpark an, in dem er exotische Tiere hielt, die er als Tribut erhalten hatte, darunter ein Krokodil, einen weiblichen Affen und einen Yak. Verschiedene Arten von Rehen, Gazellen und Steinböcke hatte er im Gebirge gejagt und in diesen Garten gebracht, „wie eine Schafherde“. In seinen Obstgärten baute er Bäume aus den neueroberten Landesteilen an, die seinen Vorvätern unbekannt gewesen waren. Er erwähnt Zeder, Buchsbaum und Kanisch-Eiche. Er bereicherte auch die Obstgärten von Assyrien um neue Arten.Stephanie Dalley, Ancient Mesopotamian Gardens and the Identification of the Hanging Gardens of Babylon Resolved. Garden History 21/1, 1993, 3-4. In Nimrud fand sich eine Stele, die den königlichen Garten des Aššur-nâṣir-apli II. (883–859 v. Chr.) beschreibt. Um ihn anzulegen, ließ er einen Kanal graben, der Wasser vom kleinen Zab heranführte. Er bewässerte Wiesenflächen am Tigris. Aššur-nâṣir-apli ließ Obstgärten anlegen, in denen alle Fruchtbäume der Umgebung wuchsen. Außerdem ließ er Pflanzen aussetzen, die er auf seinen Feldzügen gefunden hatte: verschiedene Arten von Fichten, Zypressen und Wacholder, Mandeln, Datteln, Ebenholz, Rosenholz, Ölbäume, Eichen, Tamarisken, Walnuss, Terebinthen, Eschen, Granatäpfel, Birnen, Quitten, Feigen und Wein. Das Wasser des Kanals „Der Überfluß“ strömte von oben in die Gärten. Der König lobt die Wohlgerüche des Gartens und beschreibt, dass er hier „Früchte sammelt wie ein Eichhörnchen“Stephanie Dalley, Ancient Mesopotamian Gardens and the Identification of the Hanging Gardens of Babylon Resolved. Garden History 21/1, 1993, 4. , ein Bild, das sich schwer mit der sonst sehr gravitätischen Darstellung des Königs vereinbaren lässt. Ein Relief des Aššur-bāni-apliBM 124939 zeigt den Garten des Sîn-aḫḫe-eriba. Er liegt auf einem Berg und ist von Kanälen durchzogen und von vielerlei Bäumen bewachsen. Auf dem Gipfel des Berges befindet sich ein Pavillon (bîtanA. Leo Oppenheim, On Royal Gardens in Mesopotamia. Journal of Near Eastern Studies 24/4 (Erich F. Schmidt Memorial Issue) 1965, 328-333. . Accessed: 02/11/2013 11:46) oder PalastStephanie Dalley, Nineveh, Babylon and the Hanging Gardens: Cuneiform and Classical Sources reconciled. Iraq 56, 1994, fig. 1. . Der Palastgarten Sargons enthielt einen TeichPauline Albenda, Grapevines in Ashurbanipal’s Garden. Bulletin of the American Schools of Oriental Research 215, 1974, 6. . Accessed: 02/11/2013 11:47. Eine Keilschrifttafel im Britischen Museum, London, zählt die Pflanzen im Garten des babylonischen Königs Marduk-Apla-Iddina II. (721–710 v. Chr.) aufdagegen behauptet Dalley, dass es keine Beschreibungen babylonischer Gärten gebe, Stephanie Dalley, Nineveh, Babylon and the Hanging Gardens: Cuneiform and Classical Sources reconciled. Iraq 56, 1994, 51. . Ein im Britischen Museum befindliches Relief des letzten bedeutenden Königs des Assyrisches Reiches, Aššur-bāni-apli (668–627 v. Chr.) aus dem Nordpalast in Niniveh, vermittelt einen Eindruck eines assyrischen Lustgartens: an den Bäumen hängen die Köpfe erschlagener Feinde. Ferner sind Musikanten mit Saiteninstrumenten und ruhende Löwen abgebildet. Folgende Pflanzen wurden identifiziert: Dattelpalmen, Koniferen, Weinreben, eine sonnenaugenähnliche Pflanzeum ein Sonnenauge, wie Albenda meint, kann es sich kaum handeln, da dies eine Neuweltpflanze ist, Lilien und eine MandragoraPauline Albenda, Grapevines in Ashurbanipal's Garden. Bulletin of the American Schools of Oriental Research 215, 1974, 5. . Accessed: 02/11/2013 11:47. Auf anderen Reliefs aus demselben Palast (Raum S) sind eine Dienerin dargestellt, die Lilien pflückt, und eine Dienerin, die Lilien in einem Rohrkorb transportiert.Pauline Albenda, Grapevines in Ashurbanipal’s Garden. Bulletin of the American Schools of Oriental Research 215, 1974, 5. . Accessed: 02/11/2013 11:47

Die Hängenden Gärten von Babylon, die in der Antike als eines der sieben Weltwunder galten, sind nur aus griechischen Überlieferungen bekannt. Sie konnten bis heute nicht lokalisiert werden. Kai Brodersen vermutet daher, dass sie nur in der Fantasie existierten, Dalley, dass die Palastgärten von Niniveh beschrieben sind.Stephanie Dalley 2013, The mystery of the Hanging Garden of Babylon: an elusive world wonder traced. Oxford, Oxford University Press, ISBN 978-0-19-966226-5.

Aus Phrygien ist im 8. Jh. v. Chr. ein Rosengarten nachgewiesen.

Persische Königsgärten Wir kennen altpersische Gärten nur durch griechische Historiker und archäologische Ausgrabungen. Das Buch Ester erwähnt einen Palastgarten, vielleicht mit PavillonA. Leo Oppenheim, On Royal Gardens in Mesopotamia. Journal of Near Eastern Studies 24/4 (Erich F. Schmidt Memorial Issue) 1965, 328. . Accessed: 02/11/2013 11:46.

In dem Dialog De senectuteCicero, De senectute 59 lässt Cicero Cato den Älteren die von XenophonXenophon, Oikonomikós, IV.20 ff. überlieferte eine Anekdote über den Besuch des spartanischen Generals Lysander in den Gärten des Kyros († 401) berichten. Er lobt die regelmäßig angelegten Baumpflanzungen und die duftenden Blüten. Dem jüngeren Kyros werden zwei solcher Gartenanlagen zugeschrieben, schattige Alleen und Haine von Platanen, Zypressen und Palmen, zwischen denen die breitblätterige Aloe, Rosengebüsch und zahlreiche Obstbäume, zahlreiche Blumen, zierliche Kioske, schattige Ruhesitze, Springbrunnen, Vogelhäuser und Aussichtstürme verteilt waren (vgl. Paradeisos).

Über das Aussehen sassanidischer Gärten informieren arabische Texte (Beschreibung des Teppichs Bahār-e Kisra), archäologische Ausgrabungen und bildliche Darstellungen.s. z. B. Arthur Upham Pope 1933, A Sasanian Garden Palace. Art Bulletin 15/1, 75-85

Gartenkunst im Alten Griechenland Vielleicht existierten Gärten bereits in minoischer Zeit, wie Siegelbilder und Fresken nahelegen.Maria C. Shaw: The Aegean Garden. 1993, American Journal of Archaeology 97,4 661–685 Aus Homers Odyssee ist ein zusammenhängender, regelmäßig eingeteilter Obst- (und wohl auch Gemüse-) Garten bekannt. Homers Odyssee beschreibt nie das Essen von Obst und doch machen für den Dichter Birnen, Granatäpfel, Äpfel, Feigen, Oliven und natürlich Weintrauben einen wohlgeplanten Obstgarten aus, ein Garten, der über lange Zeit im Jahr Früchte hervorbringen würde:

Außer dem Hof ist ein großer Garten nahe der Hoftür An vier Morgen, auf allen Seiten vom Zaun umzogen. Große Bäume stehen darin in üppigem Wachstum, Apfelbäume mit glänzenden Früchten, Granaten und Birnen Und auch süße Feigen und frische, grüne Oliven.

Denen verdirbt nie Frucht, noch fehlt sie winters wie sommers Während des ganzen Jahres, sondern der stetige Westhauch Treibt die einen hervor und lässt die anderen reifen. Birne auf Birne reift da heran und Apfel auf Apfel, aber auch Traube auf Traube und ebenso Feige auf Feige.

Homer, Odyssee 7,112