mini|hochkant=1.35|Die Inschrift am Deckel des Ahiram-Sarkophags (in Byblos-Schrift, ca. 1000 v. Chr.) gilt als eines der ältesten Zeugnisse der phönizischen Schrift.
Die phönizische Schrift ist eine linksläufige Konsonantenschrift aus 22 Zeichen, die vom 11. bis 2. Jahrhundert v. Chr. im Libanon, in Palästina und in Syrien sowie in Karthago verwendet wurde. Mit ihr wurden nicht nur die phönizische Sprache, sondern lange auch die aramäische, hebräische und andere semitische Sprachen geschrieben. Die althebräische Schrift ist eine Variante der phönizischen Schrift.
Die Schrift wurde spätestens im 11. Jahrhundert v. Chr. von den Phöniziern durch Abstrahierung der protosinaitischen Schrift entwickelt. Das älteste Zeugnis ist eine Inschrift auf dem Sarkophag des Ahiram von Byblos im heutigen Libanon (um 1000 v. Chr.). Allerdings muss die Reihenfolge des Alphabets, die die phönizische mit der althebräischen Schrift gemeinsam hat, älter sein, da sie vom ugaritischen Alphabet bereits vorausgesetzt wird. Aus der phönizischen Schrift entstanden die aramäische Schrift, die griechische Schrift, die samaritanische Schrift, die althispanischen Schriften – und über deren Abkömmlinge auch fast alle heutigen alphabetischen Schriften.
Das phönizische Alphabet als Grundlage späterer Alphabete mini|300px|Das phönizische Alphabet (mittlere Säule) ist die Mutter verschiedener heutiger Alphabete. V. l. n. r.: lateinisch, griechisch, phönizisch, hebräisch, arabisch.Die modernen Äquivalente der phönizischen Buchstaben stehen auf selber Höhe wie die „Originale“ in der mittleren Spalte.Verwandte Buchstaben sind im gleichen Farbton hinterlegt. Pfeile ordnen Buchstaben ihrem jeweiligen Äquivalent zu.
Phönizisch phönizischer Name hebräischeQuadratschrift hebräischer Name Lautwert 15px ʔālep א Aleph ' – [ʔ], stimmloserStimmbandschlussʔālep – Stimmbandschluss wie im Deutschen vor allen anlautenden Vokalen 15px Bēt ב Beth b 15px Gīmel ג Gimel g 15px Dālet ד Daleth d 15px Hē ה He h 15px Wāw ו Waw w – [w] 15px Zajin ז Zajin [z] – stimmhaftes s 15px Ḥēt ח Chet ch – wahrsch. [χ] 15px Ṭet ט Tet t 15px Jōd י Jod j 15px Kap כ Kaph k 15px Lāmed ל Lamed l 15px Mēm מ Mem m 15px Nun נ Nun n 15px Sāmek ס Samech s 15px ʕajin ע Ajin ' – [ʕ], stimmh. Reibelautdes Rachensʕajin – stimmhafter Reibelaut des Rachens ähnlich einer völlig ungerollten Version des Zäpfchen-R, wie deutsch „Haar“ 15px Pē פ Pe p 15px Ṣādē צ Tzade z [ts] 15px Qōp ק Koph q – Verschlusslautam Zäpfchen 15px Rēš ר Resch r 15px Šin ש Schin sch 15px Tāw ת Taw t
Das phönizische Alphabet ist die Grundlage des aramäischen Alphabets (welches seinerseits Grundlage des hebräischen, des arabischen, vermutlich auch der verschiedenen indischen Alphabete ist), sowie des griechischen (und damit des lateinischen und des kyrillischen) Alphabets. Erkennbar ist dies auf den ersten Blick durch die beiden gleichen Anfangsbuchstaben, in manchen Alphabeten sind es auch mehr als zwei gleiche Anfangsbuchstaben:
phönizisches Alphabet: ʼālep, Bēt, Gīmel, Dālet, Hē, … aramäisches Alphabet: Aleph, Beth, Gemal, Daleth, He, … hebräisches Alphabet: Aleph, Beth, Gimel, Daleth, He, … arabisches Alphabet: Alif, Bā', Tā', Thā', Dschīm, … griechisches Alphabet: Alpha, Beta, Gamma, Delta, Epsilon … lateinisches Alphabet: A, B, C (≈ G), D, E … kyrillisches Alphabet: А, Б (≈ B), В (≈ V, W), Г (≈ G), Д, Е …
Das arabische Alphabet (Abdschadiya) der Arabischen Schrift weicht dann aber von der nahezu einheitlichen Reihenfolge ab, da die Buchstaben später nach optischer Ähnlichkeit neu gruppiert wurden. In der älteren Version, dem Abdschad, ist diese Reihenfolge noch erhalten. Auch die indischen Alphabete weichen wegen einer Neugruppierung nach Lautähnlichkeit von der Standardreihenfolge ab.
Ableitungen des phönizischen Alphabets liegen direkt oder zumindest als Inspirationsquelle fast allen heute gebrauchten Schriften der Welt zugrunde, mit Ausnahme der ostasiatischen Schriften (chinesische Schrift und Abkömmlinge, Koreanisches Alphabet).
Die einzelnen Buchstaben Die phönizischen Namen der Buchstaben werden häufig durch die fast gleich lautenden hebräischen Namen ersetzt. Die genaue Herkunft der Buchstabenformen ist vielfach ungeklärt oder umstritten sowie teilweise von der Bedeutung späterer hebräischer oder arabischer Wörter mit ähnlicher Lautung beeinflusst.
ʼālep, Aleph links|48px|𐤀 Aleph ist ein semitischer Guttural, ein Glottisverschluss wie in deutsch bearbeiten zwischen e und a, die hier keinen Diphthong bilden; erst im griechischen Alphabet wurde aus dem Zeichen der Vokal a, Alpha. Der Buchstabe leitet sich von der stilisierten Darstellung eines Stierkopfes (alef = Rind) her. Lateinische Entsprechung: A.
Bēt, Beth links|48px|𐤁 Beth ist ein Konsonant. Das Wort selbst bedeutet ursprünglich „Haus“, der Buchstabe stilisiert demgemäß den Grundriss eines Hauses. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Beta. Lateinische Entsprechung: B.
Gīmel, Gimel links|48px|𐤂 Das Gimel ist ein Konsonant, der sich entweder von der stilisierten Darstellung eines Kamelrückens (gamel = Kamel) oder von einer bumerangartigen Wurfwaffe herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Gamma. Lateinische Entsprechungen: C und G.
Dālet, Daleth links|48px|𐤃 Das Daleth ist ein Konsonant, der sich von der Darstellung einer aufgeklappten Zelttür herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Delta. Lateinische Entsprechung: D.
Hē, He links|48px|𐤄 He ist ein semitischer Guttural, aus dem erst im griechischen Alphabet der Vokal Epsilon wurde. Der Buchstabe leitet sich von der stilisierten Darstellung eines mit erhobenen Händen betenden Menschen her, wie noch heute weithin praktiziert. Möglicherweise stellte er aber auch ein Fenster dar. Lateinische Entsprechung: E.
Wāw, Waw links|48px|𐤅 Waw ist ein Konsonant, der sich von der Darstellung eines Hakens oder eines Nagels herleitet. Im Griechischen wurden daraus die Buchstaben Digamma und Ypsilon. Lateinische Entsprechungen: F, U, V, W und Y.
Zayin, Zajin links|48px|𐤆 Zajin ist ein Konsonant, der sich von der stilisierten Darstellung einer Waage oder einer Stichwaffe herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Zeta. Lateinische Entsprechung: Z.
Ḥēt, Chet links|48px|𐤇 Chet ist ein semitischer Guttural. Der Buchstabe leitet sich von der Darstellung einer Mauer oder eines Zaunes bzw. eines eingefriedeten Bereiches wie einem Innenhof her. Manche Quellen nennen auch eine Haarsträhne als möglichen piktographischen Ursprung. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Eta. Lateinische Entsprechung: H.
Ṭet, Tet links|48px|𐤈 Tet ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung einer Garnrolle oder eines Rades herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Theta. Keine lateinische Entsprechung.
Yōd, Jod links|48px|𐤉 Jod ist ein palataler Halbvokal, aus dem erst im griechischen Alphabet der Vokal Iota wurde. Der Buchstabe leitet sich von der Darstellung einer Hand (yod = Hand) samt Arm her. Lateinische Entsprechungen: I und J.
Kap, Kaph links|48px|𐤊 Kaph ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung einer geöffneten Hand herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Kappa. Lateinische Entsprechung: K.
Lāmed, Lamed links|48px|𐤋 Lamed ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung eines Hirtenstabes oder Zepters herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Lambda. Lateinische Entsprechung: L.
Mēm, Mem links|48px|𐤌 Mem ist ein Konsonant, der sich von der Darstellung einer Wasserlinie herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe My. Lateinische Entsprechung: M.
Nun links|48px|𐤍 Nun ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung einer Schlange oder eines aalartigen Fisches herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Ny. Lateinische Entsprechung: N.
Sāmek, Samech links|48px|𐤎 Samech ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung eines Stützpfeilers oder einer (Wirbel-)Säule herleitet. Im Griechischen wurden daraus die Buchstaben Xi und Chi. Lateinische Entsprechung: X.
ʻayin, Ajin links|48px|𐤏 Ajin ist ein semitischer Guttural. Das Wort selbst bedeutet ursprünglich „Auge“, der Buchstabe stilisiert demgemäß die Form eines Auges, woraus im griechischen Alphabet die Vokale Omikron und Omega wurden. Lateinische Entsprechung: O.
Pē, Pe links|48px|𐤐 Pe ist ein Konsonant. Das Wort selbst bedeutet ursprünglich „Mund“, der Buchstabe stilisiert demgemäß die Form eines Mundes, vor allem der Lippen. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Pi. Lateinische Entsprechung: P.
Ṣādē, Zade links|48px|𐤑 Zade ist ein Konsonant, der sich von der Darstellung entweder einer Heuschrecke oder einer Pflanze herleitet. Dieser Buchstabe wurde als San vorübergehend in das griechische Alphabet übernommen, aus dem vermutlich das Sampi entstanden ist, das später aber nur noch als Zahlzeichen verwendet wurde. Keine lateinische Entsprechung.
Qōp, Qoph links|48px|𐤒 Qoph ist ein Konsonant, der sich von der stark stilisierten Darstellung eines sitzenden Affen mit herabhängendem Schwanz oder von einer Nähnadel mit Öhr herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Qoppa, der aber nur für seinen Zahlwert 90 beibehalten wurde. Lateinische Entsprechung: Q.
Rēš, Resch links|48px|𐤓 Resch ist ein Konsonant. Das Wort selbst bedeutet ursprünglich „Kopf“, der Buchstabe stilisiert demgemäß einen Menschenkopf im Profil. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Rho. Lateinische Entsprechung: R.
Šin, Schin links|48px|𐤔 Schin ist ein Konsonant. Das Wort selbst bedeutet ursprünglich „Zahn“, der Buchstabe stilisiert demgemäß einen Zahn. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Sigma. Lateinische Entsprechung: S.
Tāw; Taw links|48px|𐤕 Taw ist ein Konsonant, dessen schriftliche Form ein kreuzartiges Markierungszeichen ist. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Tau. Lateinische Entsprechung: T.
Unicode Das phönizische Alphabet ist im weltweiten Zeichencodierungsstandard Unicode im Bereich U+10900 – U+1091F aufgenommen. Ein alternativer Vorschlag, alle nordwestsemitischen Abdschaden als Fontvarianten des Hebräischen Alphabets zu behandeln, wurde abgelehnt.
Falls der verwendete Browser die benötigte Unicode-Version darstellen kann und eine Schriftart mit Glyphen für die phönizische Schrift installiert ist, werden in der folgenden Tabelle die phönizischen Buchstaben dargestellt und können z. B. in die Zwischenablage kopiert werden:
mini|hochkant=1.35|Phönizische Inschrift über eine Landverleihung, Archäologisches Museum von Alanya, Türkei + Unicodeblock Phönizisch Buchstabe Zeichen Unicode-Name Codepoint ʼālep 𐤀 PHOENICIAN LETTER ALF U+10900 Bēt 𐤁 PHOENICIAN LETTER BET U+10901 Gīmel 𐤂 PHOENICIAN LETTER GAML U+10902 Dālet 𐤃 PHOENICIAN LETTER DELT U+10903 Hē 𐤄 PHOENICIAN LETTER HE U+10904 Wāw 𐤅 PHOENICIAN LETTER WAU U+10905 Zayin 𐤆 PHOENICIAN LETTER ZAI U+10906 Ḥēt 𐤇 PHOENICIAN LETTER HET U+10907 Ṭet 𐤈 PHOENICIAN LETTER TET U+10908 Yōd 𐤉 PHOENICIAN LETTER YOD U+10909 Kap 𐤊 PHOENICIAN LETTER KAF U+1090A Lāmed 𐤋 PHOENICIAN LETTER LAMD U+1090B Mēm 𐤌 PHOENICIAN LETTER MEM U+1090C Nun 𐤍 PHOENICIAN LETTER NUN U+1090D Sāmek 𐤎 PHOENICIAN LETTER SEMK U+1090E ʻayin 𐤏 PHOENICIAN LETTER AIN U+1090F Pē 𐤐 PHOENICIAN LETTER PE U+10910 Ṣādē 𐤑 PHOENICIAN LETTER SADE U+10911 Qōp 𐤒 PHOENICIAN LETTER QOF U+10912 Rēš 𐤓 PHOENICIAN LETTER ROSH U+10913 Šin 𐤔 PHOENICIAN LETTER SHIN U+10914 Tāw 𐤕 PHOENICIAN LETTER TAU U+10915 (1) 𐤖 PHOENICIAN NUMBER ONE U+10916 (10) 𐤗 PHOENICIAN NUMBER TEN U+10917 (20) 𐤘 PHOENICIAN NUMBER TWENTY U+10918 (100) 𐤙 PHOENICIAN NUMBER ONE HUNDRED U+10919 (undefinierter Bereich) (Wortseparator) 𐤟 PHOENICIAN WORD SEPARATOR U+1091F
Literatur Paul Schoeder: Die phönizische Sprache. Entwurf einer Grammatik, nebst Sprach- und Schriftproben. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1869. (Reprint: Sändig Reprint 1979, ISBN 3-253-03071-7.) Volltext